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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dinkelgêrste bis Distelkopf (Bd. 1, Sp. 1502 bis 1504)
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Artikelverweis Die Dinkelgêrste, plur. car. eine Art Gerste, welche vierzeilig und nackt ist, und auch Himmelskorn, Davidskorn, ingleichen Ägyptisches Korn genannt wird.
 
Artikelverweis Der
Dinstag, richtiger Dinstag, des -es, plur. die -e, der dritte Tag in der Woche. Auf den Dienstag will ich zu dir kommen. Ich sahe ihn Dinstags früh.
   Anm. Im Nieders. heißt dieser Tag Dingsdag, im Holländ. Dijnsdagh, Dyensdagh, Dyssendagh, im Dänischen Tijsdag, im Schwed, Tisdag, im Angels. Tuesdaeg, Tiwesdaeg, im Engl. Tuesday, im Isländ. Tyrsdaeg. Über den Ursprung dieser Benennung hat man allerley, zum Theil sehr verschiedene Muthmaßungen gehabt. Einige haben sie durch Dingstag erkläret, weil die Alten an diesem Tage Ding oder Gericht zu halten pflegten; andere haben sie dagegen von Dienst ableiten wollen, weil die Dienste, d. i. die Zinsen und Gülten, an diesem Tage bezahlet werden müssen. Allein daß beyde Berrichtungen vorzüglich diesem Tage eigen gewesen, ist noch unerwiesen. Da alle übrige Wochentage nach dem Beyspiele der Latein. Benennungen von den Planeten entlehnet sind, der Dinstag aber im Lateinischen von dem Mars benannt worden, so ist sehr wahrscheinlich, daß auch der Deutsche Nahme eben dieselbe Bedeutung habe. Über dieß hat Ihre sehr deutlich gewiesen, daß der Mars bey den alten Angelsachsen Tuu und Tug, im Genit. Tuues geheißen habe. Eigentlich sollte dieser Tag im Deutschen Distag oder Duestag heißen; allein man hat noch andere Beyspiele, da das n vor dem s bloß von der nieselnden Mundart eingeschaltet worden. Was diese Ableitung bestätiget, ist, daß der Nahme Dinstag ehedem nur dem nördlichen Deutschlande eigen war. Im Oberdeutschen hieß dieser Tag Erichtag, Ertag, und in einigen Gegenden führet er diesen Nahmen noch. Erich ist aber auch nichts anders als der Oberdeutsche Nahme des Kriegesgottes Mars. In Oberschwaben wird dieser Tag auch der Astermontag genannt. Die Schreibart Dienstag gründet sich bloß auf die unrichtige Ableitung von dem Worte Dienst. Die Aussprache erfordert deutlich genug ein kurzes, und kein langes i.
 
Artikelverweis Die
Dinte, S. Adelung Tinte.

[Bd. 1, Sp. 1503]



 
Artikelverweis Der
Diptam, des -s, plur. car. ein Nahme, der verschiedenen Pflanzen beygeleget wird. 1) Der eigentliche oder so genannte weiße Diptam gehöret zu den Pflanzen mit zehen Staubfäden und einem Staubwege; Dictamnus, L. woraus auch der Deutsche Nahme entstanden ist. Er wächset in Deutschland, Frankreich und Italien wild, und wird noch jetzt für eines der wirksamsten Gegengifte gehalten. S. auch Aschwurz. 2) Der falsche oder unechte Diptam, ist eine Art des Andorns, und wächst auf der Insel Kreta; Marrubium Pseudo-Dictamnus, L. 3) Der Kretische Diptam hingegen, Origanum Dictamnus, L. ist eigentlich eine Art des Dostens, wächset auf der Insel Kreta auf dem Berge Ida, und ist gleichfalls als ein gutes Gegengift bekannt.
 
Artikelverweis 
Dir, der Dat. Sing. des persönlichen Fürwortes der zweyten Person; S. Adelung Du.
 
Artikelverweis Die
Dirne, plur. die -n. 1) Eine junge unverheirathete Person des andern Geschlechtes. In dieser Bedeutung war dieses Wort ehedem in edlem Verstande üblich, indem nicht nur die Nonnen, sondern auch die Jungfrau Maria damit beleget wurden. Heut zu Tage ist es in derselben im Hochdeutschen beynahe veraltet, und man nennet in Niedersachsen nur noch die ledigen Weibespersonen gemeiner Leute Dirnen.
   Wie manche frische Dirne
   Schminkt sich aus jenem Bach,
   Haged.
   Denn oft die Natur auf eine der blühenden Dirnen
   Ihre glücklichsten Reitze verschüttet,
   Zachar. 2) Eine Magd, welche Bedeutung gleichfalls nur noch im Niedersächsischen angetroffen wird.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort in beyden Bedeutungen Deren. Thiarna, Thierna, ist schon bey dem Ottfried und Willeram eine Jungfrau, und Thiarnaduam bey dem erstern die Jungfrauschaft. Eben derselbe gebraucht Thiarna auch für eine Kindbetterinn. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Diuren so viel als ein Mädchen, und Älfrik braucht Dyrna für eine Hure. Wachter glaubt, daß dieses Wort aus Thienerne, eine Dienerinn, zusammen gezogen sey. Allein die Bedeutung einer Magd ist neuer, wenigstens kommt sie bey den ältern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern bey weitem nicht so häufig vor. Das Schwed. Taerna, und Isländ. Therna bedeuten gleichfalls eine Magd, und in der erstern Sprache ist Thyr ein Knecht.
 
Artikelverweis Der
Discánt, des -es, plur. inus. aus dem mittlern Latein. Discantus, die höchste Stimme in der Musik; die Oberstimme, nach dem Ital. Soprano. Daher die Diecant-Stimme, plur. die -n, diejenige Stimme, welche den Discant singet; die Discant-Flöte, plur. die -n, eine Flöte, welche eine Quarte oder Quinte niedriger gehet als das Flageolet, und eine Quinte höher als die Alt- und Basset-Flöte. Der Discantíst, des -en, plur. die -en, der den Discant singet.
 
Artikelverweis Der
Dissidếnt, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. dissidere, eine allgemeine Benennung, mit welcher in Pohlen die von der herrschenden Kirche abweichenden Lutheraner, Reformirten und Griechen beleget werden.
 
Artikelverweis Die
Distel, plur. die -n. 1) Überhaupt ein jeder stacheliger Blumenkopf einer Pflanze, und die Pflanze selbst, welche solche trägt. Da es mehrere Arten solcher Gewächse gibt, so sind auch viele mit Distel zusammen gesetzte Benennungen entstanden, dergleichen Gewächse von andern zu unterscheiden. Daher die Bergdistel, Brachdistel, Gänsedistel, Gartendistel, Haferdistel u. s. f. 2) In engerer Bedeutung, eine Pflanze, deren eyförmiger Kelch aus stacheligen Schuppen bestehet, welche wie Dachziegel über einander liegen; Carduus, L. Die Speerdistel, Carduus lan. ceolatus, die krause Distel, Carduus crispus, die Sumpfdistel,

[Bd. 1, Sp. 1504]


Carduus palustris, die knollige Distel, Carduus tuberosus, die Sterndistel, Carduus stellatus, die Mariendistel oder Frauendistel, Carduus Mariae, und andere mehr, sind Unterarten derselben.
   Anm. Tatian nennet ein solches Gewächs schon Thistilo. Im Nieders. Holländ. und Angels. lautet dieser Nahme gleichfalls Distel, im Dän. und Norweg. Tidsel, im Schwed. Tistel, im Isländ. Thistil, im Engl. Thistle. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Benennung von dem Angels. thydan, stechen, abstammet. S. Adelung Deichsel. Die Hochdeutsche Mundart spricht das i in diesem Worte gern kurz aus, dagegen die gemeinen Mundarten es gemeiniglich dehnen, als wenn es Diestel geschrieben wäre.
 
Artikelverweis Der
Distelfink, des -en, plur. die -en, eine vorzüglich im Oberdeutschen übliche Benennung des Stieglitzes, weil er sich von dem Samen einiger Distelarten nähret, daher er von andern auch der Distelvogel genannt wird, S. Adelung Stieglitz. Der Lat. Nahme Carduelis, der Franz. Chardonneret, der Ital. Cardeilo, der Griech. Acanthis, der Holländ. Distelvincke, sind von eben diesem Umstande hergenommen.
 
Artikelverweis Der
Distelkopf, des -es, plur. die -köpfe, die Blume, nebst dem runden Samenbehältnisse einer Distel, welche auch nur schlechtweg die Distel genannt werden.

 

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