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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dingstêlle bis Dirne (Bd. 1, Sp. 1502 bis 1503)
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Artikelverweis * Die Dingstêlle, plur. die -n, S. das vorige.
 
Artikelverweis *
Dingstellig, adj. et adv. an einigen Orten, wie dingpflichtig.
 
Artikelverweis * Der
Dingstuhl, des -es, plur. die -stühle, S. Adelung Dingstatt.
 
Artikelverweis * Der
Díngvōgt, des -es, plur. die -vögte, in dem Hollsteinischen, der Richter in dem Dinge und Rechte.
 
Artikelverweis Der
Dinkel, des -s, plur. car. eine Getreideart, welche nach dem Linné eine Art des Weitzens ist, vierblüthige abgestumpfte Kelche und Blüthen hat; Triticum spelta, L. Dinkel ist der Oberdeutsche Nahme dieses Gewächses, im Nieders. wird es Spelt, ingleichen Quälkorn genannt. Nach andern sind Dinkel und Spelt oder Spelz noch verschieden, indem der Dinkel nur Ein Korn in Einem Balge (S. Adelung Einkorn,) der Spelt deren aber zwey haben soll. Wenn die Körner aus den Hülfen sind, heißen sie im Oberdeutschen κατ' εξοχν Kern; so lange sie aber noch in den Hülsen stecken, werden sie daselbst Vessen, Vesen, Fasen genannt, welchen Nahmen auch wohl das ganze Gewächs führet. Amelkorn ist ein anderer Oberdeutscher Nahme, der vermuthlich daher rühret, weil das Amelmehl ehedem aus dessen Körnern verfertiget wurde; S. dieses Wort, ingleichen Spelz. Der Nahme Dinkel soll aus dem Griech. δικοκκος verderbt seyn, weil es gleichsam gespalten ist, so daß auf jeder Seite der Ähre zwey Körner neben einander stehen. S. Einkorn.
 
Artikelverweis Die
Dinkelgêrste, plur. car. eine Art Gerste, welche vierzeilig und nackt ist, und auch Himmelskorn, Davidskorn, ingleichen Ägyptisches Korn genannt wird.
 
Artikelverweis Der
Dinstag, richtiger Dinstag, des -es, plur. die -e, der dritte Tag in der Woche. Auf den Dienstag will ich zu dir kommen. Ich sahe ihn Dinstags früh.
   Anm. Im Nieders. heißt dieser Tag Dingsdag, im Holländ. Dijnsdagh, Dyensdagh, Dyssendagh, im Dänischen Tijsdag, im Schwed, Tisdag, im Angels. Tuesdaeg, Tiwesdaeg, im Engl. Tuesday, im Isländ. Tyrsdaeg. Über den Ursprung dieser Benennung hat man allerley, zum Theil sehr verschiedene Muthmaßungen gehabt. Einige haben sie durch Dingstag erkläret, weil die Alten an diesem Tage Ding oder Gericht zu halten pflegten; andere haben sie dagegen von Dienst ableiten wollen, weil die Dienste, d. i. die Zinsen und Gülten, an diesem Tage bezahlet werden müssen. Allein daß beyde Berrichtungen vorzüglich diesem Tage eigen gewesen, ist noch unerwiesen. Da alle übrige Wochentage nach dem Beyspiele der Latein. Benennungen von den Planeten entlehnet sind, der Dinstag aber im Lateinischen von dem Mars benannt worden, so ist sehr wahrscheinlich, daß auch der Deutsche Nahme eben dieselbe Bedeutung habe. Über dieß hat Ihre sehr deutlich gewiesen, daß der Mars bey den alten Angelsachsen Tuu und Tug, im Genit. Tuues geheißen habe. Eigentlich sollte dieser Tag im Deutschen Distag oder Duestag heißen; allein man hat noch andere Beyspiele, da das n vor dem s bloß von der nieselnden Mundart eingeschaltet worden. Was diese Ableitung bestätiget, ist, daß der Nahme Dinstag ehedem nur dem nördlichen Deutschlande eigen war. Im Oberdeutschen hieß dieser Tag Erichtag, Ertag, und in einigen Gegenden führet er diesen Nahmen noch. Erich ist aber auch nichts anders als der Oberdeutsche Nahme des Kriegesgottes Mars. In Oberschwaben wird dieser Tag auch der Astermontag genannt. Die Schreibart Dienstag gründet sich bloß auf die unrichtige Ableitung von dem Worte Dienst. Die Aussprache erfordert deutlich genug ein kurzes, und kein langes i.
 
Artikelverweis Die
Dinte, S. Adelung Tinte.

[Bd. 1, Sp. 1503]



 
Artikelverweis Der
Diptam, des -s, plur. car. ein Nahme, der verschiedenen Pflanzen beygeleget wird. 1) Der eigentliche oder so genannte weiße Diptam gehöret zu den Pflanzen mit zehen Staubfäden und einem Staubwege; Dictamnus, L. woraus auch der Deutsche Nahme entstanden ist. Er wächset in Deutschland, Frankreich und Italien wild, und wird noch jetzt für eines der wirksamsten Gegengifte gehalten. S. auch Aschwurz. 2) Der falsche oder unechte Diptam, ist eine Art des Andorns, und wächst auf der Insel Kreta; Marrubium Pseudo-Dictamnus, L. 3) Der Kretische Diptam hingegen, Origanum Dictamnus, L. ist eigentlich eine Art des Dostens, wächset auf der Insel Kreta auf dem Berge Ida, und ist gleichfalls als ein gutes Gegengift bekannt.
 
Artikelverweis 
Dir, der Dat. Sing. des persönlichen Fürwortes der zweyten Person; S. Adelung Du.
 
Artikelverweis Die
Dirne, plur. die -n. 1) Eine junge unverheirathete Person des andern Geschlechtes. In dieser Bedeutung war dieses Wort ehedem in edlem Verstande üblich, indem nicht nur die Nonnen, sondern auch die Jungfrau Maria damit beleget wurden. Heut zu Tage ist es in derselben im Hochdeutschen beynahe veraltet, und man nennet in Niedersachsen nur noch die ledigen Weibespersonen gemeiner Leute Dirnen.
   Wie manche frische Dirne
   Schminkt sich aus jenem Bach,
   Haged.
   Denn oft die Natur auf eine der blühenden Dirnen
   Ihre glücklichsten Reitze verschüttet,
   Zachar. 2) Eine Magd, welche Bedeutung gleichfalls nur noch im Niedersächsischen angetroffen wird.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort in beyden Bedeutungen Deren. Thiarna, Thierna, ist schon bey dem Ottfried und Willeram eine Jungfrau, und Thiarnaduam bey dem erstern die Jungfrauschaft. Eben derselbe gebraucht Thiarna auch für eine Kindbetterinn. Bey den Schwäbischen Dichtern ist Diuren so viel als ein Mädchen, und Älfrik braucht Dyrna für eine Hure. Wachter glaubt, daß dieses Wort aus Thienerne, eine Dienerinn, zusammen gezogen sey. Allein die Bedeutung einer Magd ist neuer, wenigstens kommt sie bey den ältern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern bey weitem nicht so häufig vor. Das Schwed. Taerna, und Isländ. Therna bedeuten gleichfalls eine Magd, und in der erstern Sprache ist Thyr ein Knecht.

 

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