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Dingbank bis Dingkauf (Bd. 1, Sp. 1500 bis 1501)
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Artikelverweis * Die Dingbank, plur. die -bänke, an einigen Orten noch die Gerichtsbank, die Gerichtsstätte.
 
Artikelverweis Der
Dingebrief, des -es, plur. die -e, unter den Handwerkern einiger Gegenden, ein schriftlicher Vertrag, besonders wenn darin eine Arbeit, oder eine Lieferung bedungen wird. S. das folgende.
 
Artikelverweis 
Dingen, verb. irreg. act. Imperf. ich dung, Mittelwort gedungen; welches ehedem in eben so vielfachen Bedeutungen üblich war, als 1 Ding. Es bedeutete, 1. * Reden, sprechen. Vnz er thingota mit in, so lange er mit ihnen redete, Ottfried. Besonders von verschiedenen Verrichtungen, welche durch Worte geschehen. 1) Zu sich berufen, vorfordern, in welchem Verstande es in den ältern und mittlern Zeiten häufig ist. 2) Geloben, eine gleichfalls veraltete Bedeutung. 3) Appelliren. Hier er nicht an den Chaiser gedingt, Pewger bey dem Pez im Glossar. Diese Bedeutung soll noch in Baiern üblich seyn. 4) Unterhandeln, in welchem Verstande dieses Wort noch im gemeinen Leben, von der Unterhandlung über den Preis einer Sache gebraucht wird. Er dinget sehr genau. Im Oberdeutschen feilschen, märkeln, im Nieders. filen, im Hochdeutschen auch handeln. S. Adelung Bedingen. 2. Einen Vertrag machen, S. die Zusammensetzungen Aufdingen, Ausdingen, Bedingen, Eindingen, Verdingen; von welcher Bedeutung, die ehedem einen sehr weiten Umfang hatte, dieses Wort nur noch von derjenigen Art des Vertrages gebraucht wird, wo man einen andern durch einen verheißenen Lohn zu etwas beweget, miethen. Arbeiter dingen. Einen Fuhrmann dingen. Ein gedungener Mörder. Ein gedungener Lobredner, der um einen Lohn lobet. Eine gedungene Feder. Sich auf ein Schiff dingen.
   Ja dinget nur die halbe Welt zusammen,
   Und raset wider Einen Mann,
   Raml. 3. * Prozessiren, eine Sache vor Gericht führen, ingleichen richten,

[Bd. 1, Sp. 1501]


urtheilen, von welchen längst veralteten Bedeutungen in Schilters Glossario Beyspiele vorkommen. S. 1 Ding.
   Anm. Bey den ältern und neuern Oberdeutschen gehet dieses Verbum regulär, ich dingte, gedingt; welche Conjugation noch sehr oft in der Deutschen Bibel vorkommt. Z. B. 2 Mos. 22, 15. 5 Mos. 23, 4. Richt. 18, 4. Matth. 20, 7, u. s. f. Eben diese reguläre Conjugation hatte es, wenn es hoffen bedeutete. Vnsere forderen dington an dih, unde du lostost si, Notker. S. Adelung Bedingen.
 
Artikelverweis * Der
Dingepfennig, des -es, plur. die -e, S. Adelung Angabe.
 
Artikelverweis *
Dingflüchtig, adj. et adv. in den Rechten zuweilen noch, den Gerichten entflohen. Er ist dingflüchtig geworden, ist den Gerichten entflohen. Ein Dingflüchtiger. Das Hauptwort die Dingflucht war ehedem gleichfalls üblich. S. 1 Ding.
 
Artikelverweis * Der
Dingfrieden, des -s, plur. car. in einigen, besonders Niedersächsischen Gegenden, zuweilen noch die Unverletzlichkeit der Gerichtsstellen. Den Dingfrieden brechen. S. 1 Ding.
 
Artikelverweis * Das
Dinggericht, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, ein Dorf- oder Bauerngericht, worin besonders die Rügen angebracht werden. S. Adelung Feldgericht. Gericht scheinet in dieser Zusammensetzung bloß eine Erklärung des unbekannt gewordenen Wortes Ding zu seyn.
 
Artikelverweis * Der
Dinggräf, des -en, plur. die -en, in den obigen Gegenden, der Vorsteher, oder Richter in einem Dinggerichte, der an andern Orten auch ein Bauermeister heißt.
 
Artikelverweis * Der
Dinghof, des -es, plur. die -höfe. 1) Ein Ort, wo der Gerichtsherr den Landleuten das Recht spricht, an einigen Orten; von Ding, das Gericht. Daher der Dinghofsherr, der Besitzer eines solchen Gerichtes; der Dinghofsmann, dessen Beysitzer, welche in Schleßwig Dinghörer, an andern Orten auch Dingmänner genannt werden. 2) Ein Hof, der einem Lehensmanne mit der Bedingung verliehen wird, etwas bestimmtes davon zu leisten, oder sich widrigen Falls einer gewissen Strafe zu unterwerfen; Curia dominicalis, von Ding, ein Vertrag. In der Schweiz, Elsaß und am Niederrheine sind dergleichen Höfe noch sehr häufig. Besonders führen daselbst diesen Nahmen diejenigen Höfe, auf welchen die so genannten Kutscherzinsen haften. Am Niederrheine wird oft eine jede Meierey, ein jeder leibeigener Hof, ein Dinghof genannt.
 
Artikelverweis * Der
Dinghörer, des -s, plur. ut nom. sing. S. Adelung Dinghof 1.
 
Artikelverweis * Der
Dingkauf, des -es, plur. die -käufe, an einigen Orten, ein außerordentliches Gericht, welches auf Kosten des Klägers gehalten und dadurch gleichsam gekaufet wird; S. 1 Ding.

 

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