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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Diesfalls bis 1. Die Dille (Bd. 1, Sp. 1494 bis 1496)
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Artikelverweis  Diesfalls, adv. auf diesen Fall, in diesem Falle. Sie haben von seiner Rachgier nichts zu befürchten, es sind diesfalls schon alle nöthigen Maßregeln genommen worden. Im Oberdeutschen hat man davon auch das Beywort diesfallsig.
 
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Diesjährig, adj. Die diesjährige Witterung, die Witterung, welche wir in dem gegenwärtigen Jahre haben. Der diesjährige Wein.
 
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Diesmahl, richtiger Dieß Mahl, adv. temp. für dieses Mahl, jetzt, gegenwärtig. Dieß Mahl soll es geschehen, aber gewiß nicht wieder.
   O Muse stimme noch für dießmahl meine Lieder!
   Cron. Da das Pronomen der, die, das, oft die Stelle des Fürwortes dieser vertritt, so sagt man für dießmahl auch dasmahl. Die davon gemachten Beywörter dießmahlig und dasmahlig aber sind nur im Oberdeutschen gebräuchlich. Da die erste Sylbe hier das verkürzte Neutrum dieß ist, so ist auch die Schreibart mit dem ß die richtigste.
 
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Diesseitig, adj. welches aus dem folgenden Nebenworte gebildet ist, sich auf dieser Seite befindend, im Gegensatze des jenseitig. Das diesseitige Ufer der Donau. Das diesseitige Frankreich, welches auf dieser Seite des Rheines lieget. Figürlich gebraucht man dieses Wort auch, doch größten Theils nur im Oberdeutschen, von demjenigen, was an dem Orte, wo man sich befindet, geschiehet. Die diesseitigen Anstalten zum Kriege. Die diesseitigen Bemühungen zum Frieden.
 
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Diesseits, adv. des Ortes, auf dieser Seite, im Gegensatze des jenseits. Diesseits des Flusses, des Gebirges. Im Hochdeutschen verbindet man es am liebsten mit dem Genitive. Opitz gebraucht es auch mit dem Dative, und Luther in der Deutschen Bibel nach dem Muster der Oberdeutschen mit dem Accusative.

[Bd. 1, Sp. 1495]


Figürlich bezeichnet es auch, doch nur am häufigsten im Oberdeutschen, den Ort, wo man sich befindet. Weil man sonst diesseits (d. i. von dieser, oder von unserer Seite) genöthiget seyn würde, härtere Mittel vorzukehren.
   Anm. Die letzte Hälfte ist das Hauptwort Seite, welches vermittelst des angehängten s zu einem Nebenworte gemacht worden; welches auch in abseits, anderseits, allerseits, beyderseits u. s. f. geschiehet. Man siehet hieraus zugleich, daß diesseits dem Hochdeutschen Sprachgebrauche gemäßer ist, als das Oberdeutsche diesseit, welches mehrmals in der Deutschen Bibel vorkommt. S. Jenseits. Für diesseits ist in einigen Oberdeutschen Gegenden auch herhalb und ennet, so wie für jenseits, genhalb und aftert üblich.
 
Artikelverweis Die
Diete, S. Adelung Düte.
 
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1. Dieterich, Gen. Dietrichs, ein eigenthümlicher Mannsnahme, welcher zu dem alten Worte Thiod, Deod, gehöret, welches unter andern auch Volk bedeutete, in diesem Nahmen aber eine andere Bedeutung zu haben scheinet; S. Adelung Deutsch. Frisch glaubt, daß die zwey letzten Sylben bloß die männlichen Endungen er und ich sind, welche nach und nach an das Wort Diet angehänget worden, so daß erst Dieter und hernach Dieterich daraus geworden. Allein es scheinet vielmehr dieser Zusatz das Wort Reich, ein Regierer, zu seyn denn in der alten Fränkischen Mundart bedeutet Tioderik wirklich einen Regierer des Volks. Von den alten Formen und Verkürzungen dieses Wortes hat Frisch eine große Menge gesammelt. Im Nieders. lautet dieser Nahme Dierk, und im Latein. Theodoricus.
 
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2. Der Dieterich, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Nachschlüssel, ein Werkzeug, welches einem Schlüssel gleichet, mehrere Schlösser damit zu öffnen; bey den Schlössern ein Haken.
   Anm. Im Nieders. heißt ein solcher Schlüssel Dierker, im Dän. Dirik, im Schwed. Dyrck, Dirck, im Pohln. Wytrych. Wachter glaubt, diese Benennung stamme unmittelbar von Diet, Tioth, Volk oder gemein, her, und bedeute daher einen allgemeinen Schlüssel. Ihre, der dieses Wort bey dem Wachter nicht finden können, leitet es von dem mittlern Latein. Directarius her, welches einen Dieb bedeutete, der seinen Diebstahl vermittelst heimlicher Eröffnung der Thüren verrichtete. Allein, da ein solcher Nachschlüssel auch im Nieders. Peterken heißt die gleichfalls Nieders. Benennung Dierker aber mit dem Nahmen Dierk, Dieterich einerley ist; so ist wohl glaublicher, daß dieses Werkzeug nach gewissen Personen, die dasselbe erfunden, oder zuerst zum Diebstahle gebraucht, benannt worden.
 
Artikelverweis Der
Diethaufe, des -n, plur. die -n, ein in Oberdeutschland, besonders in Nürnberg, übliches Getreidemaß, deren vier eine Metze, zwey und dreyßig aber ein Malter machen. Ein Diethaufe hält wiederum zwey Diethäuflein, oder vier Maß.
 
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Dieweil. 1) Ein Oberdeutsches Bindewort für weil, welches im Hochdeutschen größten Theils veraltet ist, und nur noch von den Kanzelleyen im Andenken erhalten wird. Dieweil du hast gehorchet der Stimme, 1 Mos. 3, 17. Dieweil er ein göttlich Leben führete, Kap. 5, 24. Ingleichen für da doch. Wie könnt ihr gutes reden, dieweil ihr böse seyd? Matth. 12, 34. Die Oberdeutschen setzen oft noch ihr verlängerndes all vor dieses Wort, alldieweil. 2) Ein Nebenwort der Zeit für so lange als. Dieweil Mose seine Hände empor hielt, 2 Mos. 17, 11. Dieweil du lebest, Sir. 33, 21. Kap. 39, 15. Ingleichen für indessen, indessen daß. Ehud war entrunnen, dieweil sie verzogen, Richt. 3, 26. Dieweil sie so redete, schaueten sie sie an, Judith. 10, 15. Was habe ich dieweil? Sir. 11, 24. Ingleichen für da, indem. Dieweil du noch bey ihm auf dem Wege bist, Matth. 5, 25. In allen diesen adverbischen Bedeutungen

[Bd. 1, Sp. 1496]


ist es im Hochdeutschen nur noch in den gemeinen Mundarten üblich.
   Anm. In dem alten Gedichte auf den h. Anno bedeutet al die wili damahls. Für so lange als, kommt die uuile auch im Schwabenspiegel vor. Nach dem Muster des Oberdeutschen alldieweil gebrauchen auch die heutigen Schweden allthenstund für weil.
 
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1. Die Dille, plur. car. eine Pflanze, welche in Portugall und Spanien wild, bey uns aber nur in den Gärten wächset; an einigen Orten das Dillkraut, Hochkraut, in Schwaben um das Jahr 1479 Anetraut, nach dem Latein. Anethum. Daher der Dillsame, das Dillöhl, das Dillwasser u. s. f.
   Anm. Der Nahme dieser Pflanze lautet in den Monseeischen Glossen Tili, Tilli, im Angels. Dile, im Engl. Dill, im Holl. und Nieders. Dille, im Dänischen Dill, Dild, im Schwed. Dill. Martinius leitet ihn von dem Griech. θαλια, umbella, her, wegen der Gestalt der Blumen, Frisch aber von der letzten Hälfte des Wortes Anthyllis, Salzkraut, welches ehedem für eine Art der Dille gehalten wurde. Da aber diese Pflanze in einigen Gegenden auch Hochkraut genannt wird, so wird mit diesem Nahmen wohl auf ihren hohen Wachsthum gesehen. Im Holländ. und Nieders. bedeutet tillen noch jetzt aufheben, und Till die Aufhebung S. auch Dolde. Der Lat. und Griech. Nahme Anethum scheinet einen ähnlichen Ursprung zu haben, von ανω, aufwärts, in die Höhe. Übrigens ist dieses Wort im Oberdeutschen auch ungewissen Geschlechtes, das Dill, dagegen es bey einigen Niedersachsen und Hochdeutschen als ein Masculinum üblich ist, der Dill.

 

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