Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Diesemnach bis Diethaufe (Bd. 1, Sp. 1492 bis 1495)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis * Diesemnach, ein im Hochdeutschen veraltetes Bindewort, welches aus nach diesem zusammen gesetzet ist, und einen Schluß aus einem kurz vorher gegangenen Satze begleitet. Es wird auf eben die Art gebraucht wie demnach, und ist im Oberdeutschen am üblichsten.
 
Artikelverweis 
Dieser, diese, dieses, pronom. demonstrat. welches auf folgende Art decliniret wird. Es bestimmet einen genannten Gegenstand so genau, als wenn man gleichsam mit Fingern auf ihn wiese. Dieser Mann ist es, welchen ich meine. Ich meine dieses Haus. Zuweilen wird es auch figürlich von der Zeit für gegenwärtig gebraucht. Zu dieser Zeit. In diesen Tagen, oder dieser Tage. In diesem Jahre. Allein in andern Fällen, z. B. zu Anfange dieser Regierung, ist doch gegenwärtig besser.
   Wenn dieses Pronomen sein Hauptwort bey sich hat, und noch ein Adjectiv vorhanden ist, so stehet dieses, wie bey allen Pronominibus, zwischen dem Pronomine und dem Hauptworte. Diese schöne Blume. Dieses gehet zuweilen auch mit ganzen Sätzen an, wenn sie die Stelle eines Adjectives vertreten. Ich ehre in dir diese, einer andern Belohnung würdige Tugend. Nur nicht mit dem Genitive eines andern Hauptwortes, obgleich solches im Oberdeutschen häufig geschiehet; z. B. diese der Sachen wahre Beschaffenheit.
   Zuweilen wird auch das Hauptwort verschwiegen. Dieser ist es, von welchem ich sprach. Welches besonders im gemeinen Leben mit gewissen sehr bekannten Hauptwörtern geschiehet. Den vierten dieses, d. i. dieses Monathes. Vorzeiger dieses, d. i. dieses Briefes, dieser Schrift. In andern Fällen klingt, solches sehr hart, zumahl mit dem Genitive. Dieser Thorheit ist erträglicher,

[Bd. 1, Sp. 1493]


als jener Weisheit. Dieses (nehmlich Menschen) Schwachheiten sind endlich noch zu ertragen.
   Am häufigsten hat dieser, wenn es ohne Hauptwort stehet, zugleich eine beziehende Bedeutung, indem es auf ein kurz vorher genanntes Hauptwort zurück weiset. Befleißige dich der Tugend, denn diese wird dich nie verlassen. Wenn die Pronomina dieser und jener sich auf einander beziehen, so gehet dieser auf die nähere oder zuletzt genannte, jener aber auf die entferntere oder zuerst genannte Person oder Sache. Befleißige dich der Geduld und eines guten Gewissens; denn jene lehret dich, die Widerwärtigkeiten ertragen, dieses aber ihnen Trotz biethen. Zuweilen gehet dieser auf das Gegenwärtige, jener aber auf das Vergangene oder Zukünftige. Deine Tugend wird nicht allein in diesem, sondern auch in jenem Leben vergolten werden. Daß dich dieser und jener! gehöret unter die sinnlosen Flüche des Pöbels. Auf ähnliche Art wird in der Deutschen Bibel dieß und das, für dieses und jenes gebraucht. Gott thue mir dieß und das, wo du mir etwas verschweigest, 1 Sam. 3, 17.
   Das ungewisse Geschlecht dieses Pronominis stehet, so wie das, oft absolute für alle Geschlechter und Zahlen. Dieses oder dieß ist meine Frau. Sind dieß die Männer, die uns Weisheit lehren sollen? Glaube nicht, daß dieses der erste Brief ist, den ich an dich schreibe. Zuweilen kann das Pronomen auch in dem Geschlechte stehen, welches das Hauptwort, auf welches es sich beziehet, erfordert. Glaube nicht, daß dieser der erste Brief ist, den ich an dich schreibe, Dusch. So sagte schon Pewger bey dem Pez im Gloss. v. Ee: Disiu ist diu Ee, dieses ist das Gesetz. Indessen ist doch das Neutrum für das Gehör in den meisten Fällen besser, als ein anderes Geschlecht.
   Besonders dienet das Neutrum, verschiedene adverbische R. A. zu bilden. Ohne dieß, über dieses oder über dieß, vor diesem, d. i. vor dieser Zeit, ehedem. Ich habe heute ohne dieß eine angenehme Nachricht vom Hofe erhalten, Gell.
   In den meisten dieser Fälle kann dieses Neutrum im Nominative und Accusative auch verkürzt werden, besonders wenn es ohne Hauptwort absolute stehet. Nur ist die Frage, wie es nach dieser Verkürzung geschrieben werden müsse; indem es einige dieß, andere dies, diß oder dis, geschrieben wissen wollen. Die gewöhnlichste Art der Verkürzung eines Wortes geschiehet durch Auswerfung des kurzen e, und so wird aus dieses, dieß, welche Schreibart wohl die richtigste ist. Indessen finden sich doch auch Beyspiele, wo nebst diesem e noch ein Mitlauter weggeworfen wird, und so möchte sich auch dies vertheidigen lassen. Welche diß und dis schreiben, gründen sich auf die Aussprache, welche nach dieser Verkürzung freylich ein kurzes i hören lässet, dagegen ie das Zeichen eines langen i ist. Übrigens findet diese Zusammenziehung nur in der gesellschaftlichen und vertraulichen Sprechart Statt. In den höhern Schreibarten pflegt man sie lieber zu vermeiden. Die Zusammensetzungen diesfalls, diesseitig und diesseits gehören nicht hierher; denn hier ist dies nicht das Neutrum, sondern das verkürzte Mascul. und Fämin. für dieser, diese.
   Sehr unangenehm klingt es, wenn dieses Pronomen hinter das Hauptwort in Gestalt eines Nebenwortes gesetzet wird. Die Geschichte ist diese, für dieß ist die Geschichte, oder die Geschichte lautet so. Die Sache ist diese.
   Wenn auf dieses Pronomen ein Adjectiv folget, so wird dasselbe am richtigsten so decliniret, als wenn statt des Pronominis der Artikel vorhanden wäre. Diese neuen Empfindungen. Dieser ehrliche Mann. Dieses gute Kind. Findet man gleich häufige Beyspiele von dem Gegentheile, so sind selbige doch nicht nachzuahmen; z. B. diese wenige Worte, Mosh. für wenigen;

[Bd. 1, Sp. 1494]


dieser todter Hund, 2 Sam. 16, 9. dieser böser Haman, Ezech. 7, 6. zu aller dieser mächtiger Hand, 1 Petr. 2, 13, wofür doch andere Ausgaben richtiger todte, böse, und mächtigen haben.
   Anm. Dieses Pronomen lautet im Nomin. Sing. dheser, bey dem Übersetzer Isidors, im Fämin. desiu, bey dem Keto, im Neutro thiez, thiz, bey dem Ottfried dicz, ditz, in den spätern Zeiten; im Genit. Mascul. bey dem Ottfried thesses; im Dat. Mascul. bey dem Kero desemu; im Accus. Mascul. bey dem Kero desan, im Fränkischen um das Jahr 942 tesan; im Dat. Masc. bey dem Ottfried fon thesemo, und im Fämin. bey dem Kero deseru. Im Nieders. lautet es im Mascul. und Fämin. disse oder düsse, und im Neutro dit, im Angels. dis, des, deos, thaes, im Engl. this, these, im Schwed. thenne, im Plural thesse, im Dän. denne, im Neutro dette, bey dem Ulphilas thamma. Es scheinet aus dem Neutro des bestimmten Artikels das und den persönlichen Fürwörtern er, sie, und es, im Niedersächsischen it, zusammen gesetzet zu seyn. Ehedem war für dieser, so wohl im männlichen Nomin. Singul. als auch im weiblichen Genit. und Dat. und im Genit. Plur. auch dirre, und zusammen gezogen dir, üblich. Ja schon Ottfried sagt therer, gleichsam der er, für dieser. Wol mich dirre stunde, der Schenk von Limpurg. In einigen Oberdeutschen Gegenden, z. B. der Schweiz, wird dieser nochmahls mit er, sie, es zusammen gesetzet, und da lautet es dieserer, diesere, dieseres; Genit. dieseres, dieserer, dieseres; Dat. dieserem, dieserer, dieserem; Accus. dieseren, diesere, dieseres, und auch so im Plural. Die Dießheit einiger neuern Philosophen ist eben so barbarisch als das Latein. Haecceitas, welches dadurch ausgedruckt werden soll. Das unabänderliche Beywort dieserley für von dieser Art, ist Oberdeutsch, dieserthalben, diesertwegen, dieserwegen für daher, aber ist nur in einigen gemeinen Mundarten üblich.
 
Artikelverweis 
Diesfalls, adv. auf diesen Fall, in diesem Falle. Sie haben von seiner Rachgier nichts zu befürchten, es sind diesfalls schon alle nöthigen Maßregeln genommen worden. Im Oberdeutschen hat man davon auch das Beywort diesfallsig.
 
Artikelverweis 
Diesjährig, adj. Die diesjährige Witterung, die Witterung, welche wir in dem gegenwärtigen Jahre haben. Der diesjährige Wein.
 
Artikelverweis 
Diesmahl, richtiger Dieß Mahl, adv. temp. für dieses Mahl, jetzt, gegenwärtig. Dieß Mahl soll es geschehen, aber gewiß nicht wieder.
   O Muse stimme noch für dießmahl meine Lieder!
   Cron. Da das Pronomen der, die, das, oft die Stelle des Fürwortes dieser vertritt, so sagt man für dießmahl auch dasmahl. Die davon gemachten Beywörter dießmahlig und dasmahlig aber sind nur im Oberdeutschen gebräuchlich. Da die erste Sylbe hier das verkürzte Neutrum dieß ist, so ist auch die Schreibart mit dem ß die richtigste.
 
Artikelverweis 
Diesseitig, adj. welches aus dem folgenden Nebenworte gebildet ist, sich auf dieser Seite befindend, im Gegensatze des jenseitig. Das diesseitige Ufer der Donau. Das diesseitige Frankreich, welches auf dieser Seite des Rheines lieget. Figürlich gebraucht man dieses Wort auch, doch größten Theils nur im Oberdeutschen, von demjenigen, was an dem Orte, wo man sich befindet, geschiehet. Die diesseitigen Anstalten zum Kriege. Die diesseitigen Bemühungen zum Frieden.
 
Artikelverweis 
Diesseits, adv. des Ortes, auf dieser Seite, im Gegensatze des jenseits. Diesseits des Flusses, des Gebirges. Im Hochdeutschen verbindet man es am liebsten mit dem Genitive. Opitz gebraucht es auch mit dem Dative, und Luther in der Deutschen Bibel nach dem Muster der Oberdeutschen mit dem Accusative.

[Bd. 1, Sp. 1495]


Figürlich bezeichnet es auch, doch nur am häufigsten im Oberdeutschen, den Ort, wo man sich befindet. Weil man sonst diesseits (d. i. von dieser, oder von unserer Seite) genöthiget seyn würde, härtere Mittel vorzukehren.
   Anm. Die letzte Hälfte ist das Hauptwort Seite, welches vermittelst des angehängten s zu einem Nebenworte gemacht worden; welches auch in abseits, anderseits, allerseits, beyderseits u. s. f. geschiehet. Man siehet hieraus zugleich, daß diesseits dem Hochdeutschen Sprachgebrauche gemäßer ist, als das Oberdeutsche diesseit, welches mehrmals in der Deutschen Bibel vorkommt. S. Jenseits. Für diesseits ist in einigen Oberdeutschen Gegenden auch herhalb und ennet, so wie für jenseits, genhalb und aftert üblich.
 
Artikelverweis Die
Diete, S. Adelung Düte.
 
Artikelverweis 
1. Dieterich, Gen. Dietrichs, ein eigenthümlicher Mannsnahme, welcher zu dem alten Worte Thiod, Deod, gehöret, welches unter andern auch Volk bedeutete, in diesem Nahmen aber eine andere Bedeutung zu haben scheinet; S. Adelung Deutsch. Frisch glaubt, daß die zwey letzten Sylben bloß die männlichen Endungen er und ich sind, welche nach und nach an das Wort Diet angehänget worden, so daß erst Dieter und hernach Dieterich daraus geworden. Allein es scheinet vielmehr dieser Zusatz das Wort Reich, ein Regierer, zu seyn denn in der alten Fränkischen Mundart bedeutet Tioderik wirklich einen Regierer des Volks. Von den alten Formen und Verkürzungen dieses Wortes hat Frisch eine große Menge gesammelt. Im Nieders. lautet dieser Nahme Dierk, und im Latein. Theodoricus.
 
Artikelverweis 
2. Der Dieterich, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, ein Nachschlüssel, ein Werkzeug, welches einem Schlüssel gleichet, mehrere Schlösser damit zu öffnen; bey den Schlössern ein Haken.
   Anm. Im Nieders. heißt ein solcher Schlüssel Dierker, im Dän. Dirik, im Schwed. Dyrck, Dirck, im Pohln. Wytrych. Wachter glaubt, diese Benennung stamme unmittelbar von Diet, Tioth, Volk oder gemein, her, und bedeute daher einen allgemeinen Schlüssel. Ihre, der dieses Wort bey dem Wachter nicht finden können, leitet es von dem mittlern Latein. Directarius her, welches einen Dieb bedeutete, der seinen Diebstahl vermittelst heimlicher Eröffnung der Thüren verrichtete. Allein, da ein solcher Nachschlüssel auch im Nieders. Peterken heißt die gleichfalls Nieders. Benennung Dierker aber mit dem Nahmen Dierk, Dieterich einerley ist; so ist wohl glaublicher, daß dieses Werkzeug nach gewissen Personen, die dasselbe erfunden, oder zuerst zum Diebstahle gebraucht, benannt worden.
 
Artikelverweis Der
Diethaufe, des -n, plur. die -n, ein in Oberdeutschland, besonders in Nürnberg, übliches Getreidemaß, deren vier eine Metze, zwey und dreyßig aber ein Malter machen. Ein Diethaufe hält wiederum zwey Diethäuflein, oder vier Maß.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: