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Dienstmann bis Dienstzaum (Bd. 1, Sp. 1490 bis 1492)
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Artikelverweis Der Dienstmann, des -es, plur. die Dienstleute. 1. In der weitesten Bedeutung, ein jeder, der einem andern zu gewissen Diensten verpflichtet ist. Diese Benennung war in den mittlern Zeiten sehr üblich, da diese Dienstleute, oder in dem mittlern Lateine Ministeriales, von sehr verschiedener Art waren, und alles unter sich begriffen, was man jetzt Lehensleute, Vasallen,

[Bd. 1, Sp. 1491]


Erbbeamte, Zinsleute, Fröhner, Leibeigene u. s. f. nennet. 2. In engerer Bedeutung, wurden ehedem, 1) diejenigen Dienstmänner, oder noch mehr Dienstleute, und im Latein. Ministeriales, genannt, welche Hoflehen besaßen, sich dafür zu gewissen Hofdiensten gewidmet hatten, und deren Streitigkeiten daher auch nach dem Hofrechte entschieden wurden; im Gegensatze der eigentlichen Vasallen, welche sich zu Kriegesdiensten verpflichtet hatten, und deren Streitigkeiten nach dem Lehenrechte ausgemacht werden mußten. Diese Dienstleute wurden ehedem auch Hausleute und Hausgenossen genannt, und gehöreten größten Theils zu dem niedern Adel, ob sich gleich auch häufige Beyspiele finden, daß sich Personen höhern Adels zu solchen Diensten gewidmet haben. An den Höfen werden diejenigen Verrichtungen, selbst der höhern Bedienten, z. B. der Kammerherren, welche zu der persönlichen Bedienung eines Fürsten gehören, noch jetzt der Dienst genannt. 2) Aber auch diejenigen führten den Nahmen der Dienstleute oder Ministerialen, welche von geringer knechtischer Herkunft waren, und größten Theils als Leibeigene angesehen werden mußten. In diesem Verstande werden in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, die Unterthanen der Gutsbesitzer, die einem andern zu gewissen Frohndiensten, oder statt deren zu einem gewissen Zinse verpflichtet sind, die Meier, Zinsleute u. s. f. noch jetzt Dienstleute genannt. An andern Orten heißen sie auch Dienster, besonders in den Zusammensetzungen Spanndienster und Handdienster, so fern sie zu Spann- oder zu Handdiensten verpflichtet sind.
   Anm. Dieses Wort ist alt. Deonostman bedeutet schon bey dem Kero, und Thionostman bey dem Ottfried, einen Diener.
   Diu suesse minne suessen solt
   Ir dienest manne git
   Ir lon ist besser danne golt,
   Hr. Wernher v. Tuifen.
 
Artikelverweis Der
Dienstpfênnig, des -es plur. die -e, an einigen Orten, so viel als das Miethgeld, Miethpfennig.
 
Artikelverweis Das
Diēnstpfrd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, so fern es zum Dienste anderer gebraucht wird. So werden die Pferde, womit die Dienstleute fröhnen müssen, ingleichen die Pferde der Reiterey, mehrmahls Dienstpferde genannt.
 
Artikelverweis Die
Dienstpflicht, plur. inus. 1) Die Verbindlichkeit zu gewissen Diensten aller Art, in welcher Bedeutung aber dieses Wort wenig vorkommt. 2) Die Verbindlichkeit zu Hofdiensten, im Gegensatze der Lehnspflicht, welche eigentlich nur auf Kriegesdienste gerichtet war. 3) An einigen Orten, derjenige Eid, welchen ein Bedienter seinem Herren, und der Unterthan seiner Grundherrschaft ablegen muß, und worin er sich besonders zur treuen Leistung der schuldigen Dienste verpflichtet.
 
Artikelverweis 
Dienstpflichtig, adj. et adv. zu gewissen Diensten verpflichtet, besonders zu Frohndiensten verpflichtet. Ein dienstpflichtiges Gut, ein dienstpflichtiger Bauer. So auch die Dienstpflichtigkeit, plur. car.
 
Artikelverweis Das
Dienstrêcht, des -es, plur. inus. das Recht, von einem andern gewisse Dienste zu fordern. Besonders in Niedersachsen, das Recht, gewisse Zwang- oder Frohndienste von den Leibeigenen zu fordern; die Dienstgerechtigkeit. S. Adelung Dienstzwang.
 
Artikelverweis 
Dienstschuldig, adj. et adv. welches mit dienstpflichtig einerley Bedeutung hat, aber nur noch zuweilen in den Unterschriften der Briefe zwischen Personen gleichen Ranges gebraucht wird. Ich bin ihr dienstschuldiger, oder im Superlativ, dienstschuldigster Diener.
 
Artikelverweis Der
Diensttag, S. Adelung Dinstag.
 
Artikelverweis 
Dienstverwandt, adj. et adv. im gemeinen Leben, zu gewissen Diensten verwandt, d. i. verbunden. Ein Dienstverwandter, ein Leibeigener, ein Dienstmann, Fröhner.

[Bd. 1, Sp. 1492]



 
Artikelverweis 
Dienstwillig, -er, -ste, adj. et adv. willig, die Dienste, zu welchen man verbunden ist, zu leisten. Ingleichen, willig, einem andern allerley Dienste der Höflichkeit zu leisten, dienstfertig; in welcher Bedeutung dieses Wort noch am häufigsten in den Unterschriften der Briefe von Vornehmern an Geringere gebraucht wird. Ich bin ihr dienstwilliger, oder im Superlativo dienstwilligster Diener. Das zusammen gesetzte Unterdienstwilligster, welches Opitz in der Zuschrift von Grotii Buch von der Wahrheit der christlichen Religion an den Hauptmann und die Rathmänner der Stadt Breslau gebraucht, ist im Hochdeutschen veraltet. S. Adelung Unter. Daher die Dienstwilligkeit.
 
Artikelverweis * Der
Dienstzaum, ein ungewöhnliches Wort, welches nur 2 Sam. 8, 1, vorkommt, wo die Stadt Gath diesen Nahmen führet, weil sie an der Grenze der benachbarten Länder lag, welche dadurch im Zaume gehalten, und zum Dienste gezwungen werden konnten.

 

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