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Dienstleute bis Dienstrêcht (Bd. 1, Sp. 1490 bis 1491)
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Artikelverweis Die Dienstleute, singul. inus. S. Adelung Dienstmann.
 
Artikelverweis *
Dienstlich, -er, -ste, adj. et adv. 1) Heilsam, nützlich, tauglich, welche Bedeutung doch nur noch im Oberdeutschen üblich ist, indem die Hochdeutsche Mundart dafür dienlich gebraucht. Dieß Wasser ist den Augen nicht allermaßen dienstlich, Opitz. Die zum Kriege und Frieden dienstliche Handwerke, ebend.
   Durch Wärme dienstlich seyn, und durch beeisten Frost,
   Opitz, 2) Dienstbeflissen, eifrig; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung.
   Derselben Leib, die mich so dienstlich ehren,
   Opitz. Man muß förderlich und dienstlich seyn, d. i. dienstfertig. Im Hochdeutschen ist dieses Wort nur noch als ein höflicher Ausdruck unter dem großen Haufen üblich, wenn derselbe dienstlich grüßen lässet, oder seinen dienstlichen Gruß vermeldet. Das freunddienstlich, unterdienstlich und andere ähnliche Zusammensetzungen gehören theils in eben diese Classe, theils in die veralternde Beredsamkeit der Kanzelleyen.
 
Artikelverweis Der
Dienstlohn, des -es, plur. car. der Lohn des Gesindes; der Gesindelohn, in Obersachsen auch der oder das Liedlohn, S. Adelung Lohn.
 
Artikelverweis 
Dienstlos, adj. et adv. außer Diensten, keinen Dienst habend. Ein dienstloser Knecht, eine dienstlose Magd. Ingleichen in edlerer Bedeutung, ohne Bedienung. Dienstlos seyn, kein Amt bekleiden.
 
Artikelverweis Die
Dienstmagd, plur. die -mägde, eine Magd, welche sich zu niedrigen Hausdiensten verbunden hat, im Gegensatze des Wortes Magd, so fern es ehedem eine jede junge unverheirathete Person des andern Geschlechtes bedeutete.
 
Artikelverweis Der
Dienstmann, des -es, plur. die Dienstleute. 1. In der weitesten Bedeutung, ein jeder, der einem andern zu gewissen Diensten verpflichtet ist. Diese Benennung war in den mittlern Zeiten sehr üblich, da diese Dienstleute, oder in dem mittlern Lateine Ministeriales, von sehr verschiedener Art waren, und alles unter sich begriffen, was man jetzt Lehensleute, Vasallen,

[Bd. 1, Sp. 1491]


Erbbeamte, Zinsleute, Fröhner, Leibeigene u. s. f. nennet. 2. In engerer Bedeutung, wurden ehedem, 1) diejenigen Dienstmänner, oder noch mehr Dienstleute, und im Latein. Ministeriales, genannt, welche Hoflehen besaßen, sich dafür zu gewissen Hofdiensten gewidmet hatten, und deren Streitigkeiten daher auch nach dem Hofrechte entschieden wurden; im Gegensatze der eigentlichen Vasallen, welche sich zu Kriegesdiensten verpflichtet hatten, und deren Streitigkeiten nach dem Lehenrechte ausgemacht werden mußten. Diese Dienstleute wurden ehedem auch Hausleute und Hausgenossen genannt, und gehöreten größten Theils zu dem niedern Adel, ob sich gleich auch häufige Beyspiele finden, daß sich Personen höhern Adels zu solchen Diensten gewidmet haben. An den Höfen werden diejenigen Verrichtungen, selbst der höhern Bedienten, z. B. der Kammerherren, welche zu der persönlichen Bedienung eines Fürsten gehören, noch jetzt der Dienst genannt. 2) Aber auch diejenigen führten den Nahmen der Dienstleute oder Ministerialen, welche von geringer knechtischer Herkunft waren, und größten Theils als Leibeigene angesehen werden mußten. In diesem Verstande werden in einigen Gegenden, besonders Niedersachsens, die Unterthanen der Gutsbesitzer, die einem andern zu gewissen Frohndiensten, oder statt deren zu einem gewissen Zinse verpflichtet sind, die Meier, Zinsleute u. s. f. noch jetzt Dienstleute genannt. An andern Orten heißen sie auch Dienster, besonders in den Zusammensetzungen Spanndienster und Handdienster, so fern sie zu Spann- oder zu Handdiensten verpflichtet sind.
   Anm. Dieses Wort ist alt. Deonostman bedeutet schon bey dem Kero, und Thionostman bey dem Ottfried, einen Diener.
   Diu suesse minne suessen solt
   Ir dienest manne git
   Ir lon ist besser danne golt,
   Hr. Wernher v. Tuifen.
 
Artikelverweis Der
Dienstpfênnig, des -es plur. die -e, an einigen Orten, so viel als das Miethgeld, Miethpfennig.
 
Artikelverweis Das
Diēnstpfrd, des -es, plur. die -e, ein Pferd, so fern es zum Dienste anderer gebraucht wird. So werden die Pferde, womit die Dienstleute fröhnen müssen, ingleichen die Pferde der Reiterey, mehrmahls Dienstpferde genannt.
 
Artikelverweis Die
Dienstpflicht, plur. inus. 1) Die Verbindlichkeit zu gewissen Diensten aller Art, in welcher Bedeutung aber dieses Wort wenig vorkommt. 2) Die Verbindlichkeit zu Hofdiensten, im Gegensatze der Lehnspflicht, welche eigentlich nur auf Kriegesdienste gerichtet war. 3) An einigen Orten, derjenige Eid, welchen ein Bedienter seinem Herren, und der Unterthan seiner Grundherrschaft ablegen muß, und worin er sich besonders zur treuen Leistung der schuldigen Dienste verpflichtet.
 
Artikelverweis 
Dienstpflichtig, adj. et adv. zu gewissen Diensten verpflichtet, besonders zu Frohndiensten verpflichtet. Ein dienstpflichtiges Gut, ein dienstpflichtiger Bauer. So auch die Dienstpflichtigkeit, plur. car.
 
Artikelverweis Das
Dienstrêcht, des -es, plur. inus. das Recht, von einem andern gewisse Dienste zu fordern. Besonders in Niedersachsen, das Recht, gewisse Zwang- oder Frohndienste von den Leibeigenen zu fordern; die Dienstgerechtigkeit. S. Adelung Dienstzwang.

 

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