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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Diener bis Dienstbeflissen (Bd. 1, Sp. 1486 bis 1489)
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Artikelverweis Der Diener, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Dienerinn, plur. die -en, der oder die einem andern dienet, doch nur in einigen Bedeutungen des Verbi. 1) Ein Diener Gottes, ein Verehrer desselben. Ein Götzendiener, der Götzen verehret. Ein Baalsdiener. 2) Der einem andern zu häuslichen Diensten um Lohn verpflichtet ist. Ein Diener, wofür doch jetzt Bedienter üblicher ist. Ein Kammerdiener, Rathsdiener, Gerichtsdiener u. s. f. 3) Der von einem andern mit einem Amte bekleidet ist. Ein Diener des Staates, Diener der Gerechtigkeit, welche die Gerechtigkeit handhaben. Die Obrigkeit ist Gottes Dienerinn, Röm. 13, 4. Ein Diener des göttlichen Wortes, ein Prediger in der evangelischen Kirche. In dieser Bedeutung kommt es, den letzten Fall ausgenommen, nur noch in der höhern Schreibart vor. Im gemeinen Leben ist auch hier Bedienter üblicher. 4) Der eines andern Vortheile befördert, in welchem Sinne Diener ein Wort ist, welches man sich aus Bescheidenheit oder Demuth beyleget. Ich bin ein alter treuer Diener ihres Hauses gewesen. Oft ist es auch nur ein bloßer Ausdruck der modischen Höflichkeit, wobey man nichts denket. Ich bin ihr ergebener, gehorsamer u. s. f. Diener. Ihre unterthänige Dienerinn.
   Anm. In der ersten allgemeinsten Bedeutung des Verbi ist das Substantiv im Hochdeutschen nicht mehr üblich, ob es gleich in der Deutschen Bibel noch einige Mahl in derselben vorkommt. So heißt Christus Apostelg. 10, 45 ein Diener der Beschneidung, weil er sich derselben unterworfen hatte, und Matth. 22, 16 und an andern Orten werden die Anhänger Herodis, die Herodianer, Diener Herodis genannt.
 
Artikelverweis * Die
Dienerschaft, plur. inus. ein nur in der Oberdeutschen Mundart und dem Kanzelley-Style übliches Wort, die sämmtlichen Beamten oder zu anständigern Diensten verbundenen Personen eines Landes oder eines Herrn, als ein Ganzes betrachtet, anzudeuten. Die sämmtliche fürstliche Dienerschaft, die sämmtlichen Hof- und Civil-Beamten. Das Haus Sachsen hat eine ansehnliche Dienerschaft. Ehedem druckte man mit diesem Worte besonders die Ministeriales, oder Dienstleute höherer Art, aus.
 
Artikelverweis 
Dienlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen des Zeitwortes dienen gebraucht wird, eines Nutzen, eines Absichten befördernd. Ein dienliches Hülfsmittel erfinden, d. i. ein nützliches, ein bequemes. Dieses ist euch nicht dienlich, nicht heilsam, nicht gesund. Ich dächte, dieß Mittel wäre in dieser Sache das dienlichste. So auch die Dienlichkeit.
 
Artikelverweis 
Diensam, -er, -ste, adj. et adv. welches aber in der anständigen Hochdeutschen Schreibart zu veralten anfängt, wie dienlich. Das ist euch nicht diensam. Was einem diensam (heilsam, nützlich, gesund) ist, kann dem andern gefährlich seyn. Im Oberdeutschen wird dieses Beywort sehr häufig gebraucht; z. B. wir wollen unserer Seits alles diensame willig dazu beytragen; ihr wollet dessen Inhalt diensamer Orten kund machen.
 
Artikelverweis Der
Dienst, des -es, plur. die -e, das Hauptwort des Zeitwortes dienen. Es bedeutet,
   1. Einzelne Handlungen, vermittelst welcher man dienet; und zwar, 1) in der weitesten Bedeutung, einzelne Handlungen, womit man seine Abhängigkeit von jemanden beweiset; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nicht mehr üblich ist. 2) Niedrige

[Bd. 1, Sp. 1487]


körperliche Handlungen, wodurch man die Abhängigkeit entweder seiner Person oder seiner Güter von einem andern an den Tag leget, in welcher Bedeutung dieses Wort häufig für Frohndienst oder Hofdienst gebraucht wird. An den Dienst gehen. Gemessene, d. i. bestimmte, Dienste. Ungemessene, außerordentliche, unbestimmte, Dienste. Spann- oder Pferdedienste, welche mit Pferden und Wagen, Handdienste, welche mit der Hand geleistet werden. S. Adelung Frohne, Scharwerk, Robat. Und er satzte Frohnvögte über sie, die sie mit schweren Diensten drücken sollten, 2 Mos. 1, 11. In weiterer Bedeutung werden zuweilen auch alle daraus herfließende Zinsen, Abgaben u. s. f. Dienste genannt. 3) In edlerem Verstande, einzelne Handlungen, wodurch man eines andern Geschäfte ausrichtet, oder dessen Nutzen und Vergnügen befördert. Er hat mir viele Jahre treue Dienste geleistet. Einem einen wichtigen Dienst leisten. Damit hat man mir einen schlechten Dienst gethan. Ingleichen figürlich, ein guter Dienst, Nutzen, Gefallen, Vergnügen. Sie hat mir durch ihr Versehen einen Dienst, d. i. einen Gefallen, gethan. Sie meinen, sie thun Gott einen Dienst daran. Dahin gehören auch die höflichen Ausdrücke des gesellschaftlichen Umganges. Was stehet zu ihren Diensten? womit kann man ihr Vergnügen befördern, was verlangen sie? Alles was ich habe, stehet zu ihren Diensten, oder stehet ihnen zu Dienste.
   2. Der ganze Umfang aller dieser Handlungen, so wohl in Beziehung auf den, der sie leistet, als auf den, der sie empfängt; da denn dieses Wort theils im Singular allein, theils im Plural allein gebraucht wird. 1) In der weitesten Bedeutung, der ganze Umfang aller derjenigen Handlungen, womit man seine Abhängigkeit von einem andern an den Tag leget; ohne Plural. Der Dienst Gottes, die Verehrung des göttlichen Wesens; obgleich das zusammen gesetzte Gottesdienst mehr von der äußerlichen gemeinschaftlichen Verehrung gebraucht wird. Von dem unsern werden wir nehmen zum Dienst unsers Gottes, 2 Mos. 10, 26. Der Götzendienst, die Verehrung der Götzen. Der Bilderdienst, die Verehrung der Bilder. In der Deutschen Bibel wird das Wort Dienst oft absolute mit Auslassung des Genitivs für Gottesdienst gebraucht, welches aber nicht mehr üblich ist. Und wenn ihr ins Land kommt -so haltet diesen Dienst, 2 Mos. 12, 25. Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: was habt ihr da für einen Dienst? V. 26. Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Dienst, Offenb. 2, 19. 2) Der ganze Umfang aller niedrigen körperlichen Dienste, so wohl der Leibeigenen. An den Dienst gehen. Zum Dienst verbunden seyn. Als auch des Gesindes, und niedriger häuslicher Bedienten; da dieses Wort so wohl als ein Singulare, als auch als ein Plurale gebraucht wird. Sich in den Dienst, oder in einen Dienst begeben, sich als Knecht oder Magd zu dienen verpflichten. In Diensten bey einem stehen. Dienste bey jemanden nehmen. Jemanden in seinen Dienst, oder in seine Dienste nehmen. Auch an Höfen ist dieses Wort von denjenigen höhern Bedienten üblich, welche zur persönlichen Bedienung eines Fürsten bestimmt sind. Den Dienst haben, in der Reihe der zu dessen persönlichen Bedienung bestimmten Personen, wirklich aufwarten. Der Dienst habende Kammerherr. 3) Der ganze Umfang edlerer Dienste. In Dienste treten. Kriegesdienste nehmen. Der Dienst des Königes, der Dienst meines Herren erfordert es. Es hat jemand diesen Ausdruck getadelt, weil der König oder der Herr hier nicht die wirkende Ursache, sondern der Gegenstand sey. Aber wer hat denn gesagt, daß der Genitiv nur allein die erstere ausdrucken könne? Gottesdienst, Bilderdienst, die Ehre Gottes, der Nutzen des Königes und tausend ähnliche Ausdrücke beweisen das Gegentheil.

[Bd. 1, Sp. 1488]



   3. Das daraus fließende Verhältniß, die damit verbundene Würde, der Stand, das Amt eines Dienenden. 1) Eines Dienenden von der niedrigern Art. Einen Dienst suchen, d. i. als Knecht oder Magd dienen wollen. Aus dem Dienste gehen. Einem den Dienst aufsagen. 2) In edlerer Bedeutung, ein Amt, eine Bedienung, doch nur im gemeinen Leben. Ein ruhiger, ein einträglicher Dienst. Einem einen Dienst antragen, anvertrauen. Einen Dienst bekommen. Um einen Dienst anhalten, einen Dienst suchen. Außer Dienste leben. Ein Kirchendienst, ein kirchliches Amt, ein Schuldienst, ein Amt an einer Schule. In dieser Bedeutung eines Amtes ist das Wort in einigen Gegenden nicht nur ungewissen Geschlechtes, das Dienst, sondern man hat auch im gemeinen Leben das Diminutivum das Dienstchen, im Oberdeutschen Dienstlein.
   4.* Derjenige, welcher Dienste leistet; in welcher Bedeutung dieses Wort nur noch in einigen gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes für Dienstbothe üblich ist. Eine Stuben darin die Dienst speisen, so der Fuhr und Pferden abwarten, Bluntschli. In dieser Bedeutung kommt Deonost schon bey dem Kero für einen Diener vor. Ich was ie der dienen din, ich war jederzeit dein Diener, Reinmar der Alte.
   Anm. Dienst, Nieders. Deenst. lautet bey dem Kero Deonost, bey dem Ottfried und Tatian Thionost, im Schwed. Tjanst. Tatian gebraucht es auch für Gehorsam. Die in der niedrigen Sprechart übliche R. A. einem auf den Dienst warten oder lauern, ihm hinterlistig nachstellen, wurde ehedem in guter Bedeutung für aufwarten gebraucht.
 
Artikelverweis Der
Dienstadel, des -s, plur. car. diejenige adelige Würde, welche gewisse Bedienungen oder Stellen gewähren, dergleichen z. B. gewisse Officiers-Stellen sind; zum Unterschiede von dem Geburtsadel und Briefadel.
 
Artikelverweis Der
Dienstag, S. Adelung Dinstag.
 
Artikelverweis * Die
Dienstarbeit, plur. die -en, ein im Hochdeutschen ungebräuchliches Wort, welches nur in der Deutschen Bibel gebraucht wird, allerley Berufsgeschäfte anzudeuten. Der erste Tag soll heilig unter euch seyn, -da sollt ihr keine Dienstarbeit thun, 3 Mos. 7, 8, 21, f.
 
Artikelverweis 
Dienstbar, -er, -ste, adj. et adv. 1) Zu dienen verbunden; vornehmlich von niedrigen körperlichen Diensten, als eine Folge der Leibeigenschaft. Dieses Haus, dieses Gut ist mir dienstbar, ist nach Meuselwitz dienstbar. Dein Same wird ein Fremdling seyn in fremden Landen, und sie werden ihn dienstbar machen, Apostelg. 7, 6. Ingleichen in den Rechten, in weiterer Bedeutung, verpflichtet etwas zu thun oder zu leiden. S. Adelung Dienstbarkeit 2. In edlerer Bedeutung werden Ebr. 1, 14, die Engel dienstbare Geister genannt. 2) Zu dienen bereit, dienstfertig; welche Bedeutung doch im Hochdeutschen ungewöhnlich ist.
 
Artikelverweis Die
Dienstbarkeit, plur. die -en. 1) Der Zustand, da man jemanden zu körperlichen Diensten verpflichtet ist, ohne Plural, die Leibeigenschaft. In Dienstbarkeit gerathen, in der Dienstbarkeit stecken. Jemanden aus der Dienstbarkeit erlösen. Außer der biblischen Schreibart wird es in diesem Verstande wenig mehr gebraucht. 2) In den Rechten ist die Dienstbarkeit, oder Servitur, nicht nur eine Verbindlichkeit etwas zu thun, sondern auch zu leiden, und alsdann werden auch diejenigen Dinge selbst, welche man zu thun oder zu leiden verbunden ist, Dienstbarkeiten genannt. Es haftet eine Dienstbarkeit auf dem Hause. Eine Dienstbarkeit ausüben, abkaufen, erwerben u. s. f. So fern die Dienstbarkeit auch im Leiden bestehet, werden die Fußsteige, Triften, Wege u. s. f. unter die Dienstbarkeiten des Feldes gerechnet.

[Bd. 1, Sp. 1489]



 
Artikelverweis 
Dienstbeflissen, -er, -ste, adj. et adv. beflissen oder bemühet, einem andern zu dienen, d. i. ihm Gefälligkeiten zu erweisen. Ein dienstbeflissener Mensch. Am häufigsten gebraucht man dieses Wort noch in den Unterschriften der Briefe, gegen geringere Personen. Ich bin ihr dienstbeflissener Diener. Im Oberdeutschen auch dienstgeflissen.

 

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