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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Die Diele bis Dienstadel (Bd. 1, Sp. 1483 bis 1488)
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Artikelverweis  2. Die Diele, plur. die -n, ein gleichfalls nur in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, übliches Wort. 1) Der feste von Lehm geschlagene Fußboden eines Zimmers, oder einer Scheuer. Die Scheundiele, die Scheuntenne. 2) Derjenige Theil des Hauses, der gemeiniglich mit einem solchen Fußboden versehen ist, der Hausflur, das Vorhaus. 3) Der feste Erdboden unter der Dammerde, in dem Ackerbaue, in welcher Bedeutung dieses Wort in der Lausitz vorkommt. 4) Die Decke eines Zimmers, welcher Gebrauch besonders in Schwaben üblich ist.
   Anm. In diesen Bedeutungen, in welchen das Wort im Nieders. Dele, Dale lautet, scheinet es von dem Nieders. daal, niedrig, abzustammen, weil doch der Begriff des Niedrigen, des

[Bd. 1, Sp. 1484]


Fußbodens, in demselben der herrschende ist. S. Adelung Thal. Selbst die vierte Bedeutung läßt sich daraus erklären, weil auch das Wort Boden auf ähnliche Art gebraucht wird.
 
Artikelverweis 
Dielen, verb. reg. act. mit Dielen, d. i. Bretern belegen. Ein Zimmer dielen. Der in Kammern Pflaster setzt und nur die Säle dielet, Haged.
 
Artikelverweis Der
Dielenkopf, des -es, plur. die -köpfe, in der Dorischen Ordnung der Baukunst, eine Tafel unter dem Kranzleisten, welche dem Kopfe, d. i. dem hervor ragenden Stücke einer Diele gleicht, und unten mit Zapfen versehen ist; Pseudomutulus, Franz. Mutule, Ital. Modiglione.
 
Artikelverweis Die
Diene, S. Adelung Tiene.
 
Artikelverweis 
Dienen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und mit der dritten Endung des Hauptwortes verbunden wird. Es bedeutet,
   1. Eigentlich, überhaupt, jemanden unterwürfig, von ihm abhängig seyn, und diese Abhängigkeit durch die That beweisen; in welcher im Hochdeutschen veralteten Bedeutung es noch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt. Der Größere wird dem Kleinern dienen, 1 Mos. 25, 23. Daß wird hinfort der Sünde nicht dienen, Röm. 6, 6. Daß sie innen werden, was es sey, den Königreichen im Lande dienen, 2 Chron. 12, 8. Gehorchet ihnen nicht, sondern dienet dem König zu Babel, Jer. 27, 17. Erlöse die, so den Heiden dienen müssen, 2 Macc. 1, 27.
   2. In engerer Bedeutung, diese Abhängigkeit thätig erweisen; und zwar, 1) durch gottesdienstliche Verehrung, welcher gleichfalls bloß biblische Gebrauch noch in der theologischen Schreibart üblich ist. Laß die Leute ziehen, daß sie dem Herren, ihrem Gott dienen, 2 Mos. 10, 7. Dienet dem Herren mit Furcht, Ps. 2, 11. Daß sie andern Göttern dienen, 5 Mos. 7, 4. Schämen müssen sich alle, die den Bildern dienen, Ps. 97, 7. 2) Durch niedrige körperliche Arbeiten, welche, (a) aus der Leibeigenschaft herfließen; für fröhnen. Zu Hofe dienen, im gemeinen Leben. Höre auf und laß uns den Egyptern dienen, 2 Mos. 14, 12. Oder, (b) um Lohn geschehen, in welcher Bedeutung man besonders von dem Gesinde saget, daß es diene. S. Adelung Dienstbothe. Bey einem dienen, sich jemanden zu solchen Arbeiten um einen gewissen Lohn verpflichtet haben. Als ein Koch, als ein Knecht, als eine Magd dienen; im gemeinen Leben, für einen Koch u. s. f. dienen. Ich will dir sieben Jahr um Rahel, deine jüngste Tochter, dienen, 1 Mos. 29, 18. 20, 30. Aber einen Dienst dienen, V. 27 ist völlig ungebräuchlich. Zu Tische dienen, bey Tische aufwarten, im gemeinen Leben, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes S. Abdienen und Aufdienen. 3) In edlerem Verstande, eines andern Geschäfte ausrichten, eines andern Nutzen befördern, so wohl gegen eine gewisse Vergeltung, als auch aus andern Verbindlichkeiten. So dienet der Advocat seinem Clienten. Wer dienet ihnen in dieser Sache? Ich habe ihm redlich gedienet. Diene einem Narren in seiner Sache nicht, Sir. 4, 31. S. Bedienen. Besonders von Kriegesdiensten, wo dieses Verbum so wohl von gemeinen Soldaten, als auch von den Befehlshabern gebraucht wird. Zu Fuße dienen, zu Pferde dienen, ein Soldat zu Fuße oder zu Pferde seyn. Er hat lange unter mir gedienet. Von unten auf dienen. Laß dir nicht einkommen, daß du dem Staate um besonderer Vortheile willen dienen wolltest. Wie wenig Tugend muß der besitzen, der seinem Vaterlande um eben das Geld dienet, um welches er es eben so willig verrathen würde, Dusch. Ingleichen von Civil-Diensten. Wir dienen alle einem Herren. Er hat dem Könige und dem Vaterlande viele Jahre treu gedienet. Der Kirche dienen, ein kirchliches Amt verwalten.

[Bd. 1, Sp. 1485]


3. Figürlich. 1) Eines andern Vortheile, eines andern Vergnügen befördern, auch ohne Lohn, aus Höflichkeit, aus Gefälligkeit. Wer mir dient, dem diene ich wieder. Durch die Liebe diene einer dem andern, Gal. 5, 13. Womit kann ich ihnen dienen? Kann ich ihnen mit Gelde dienen? Damit ist mir nicht gedienet, das befördert meinen Nutzen, mein Vergnügen nicht.
   Mit Balgen und mit Raufen
   Wird keinem was gedient,
   Opitz, welche Wortfügung mit dem Zeitworte werden, und mit dem was aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Wozu dienet dieser Unrath? Matth. 26, 8. Das dienet, hilft oder nützet, zu nichts. 2) Das Mittel einer Wirkung, der Erreichung einer Absicht seyn, gereichen. Das sollte zu deinem Besten dienen. Das dienet zu seinem Ruhme. Der Berg dienet der Stadt zur Beschützung. Dieser Umstand dienet ihm zur Vertheidigung. Das laß dir zur Warnung dienen. Dieses Gebäude hat meinen Vorfahren zu einem Jagdhause gedienet.
   Oft dient ein wilder Muth sich selbst zum Hinderniß,
   Schleg. 3) Sich schicken, im gemeinen Leben. Das dient nicht zur Sache. Er dient nicht nach Hofe, schickt sich nicht an den Hof. Kluge und Narren dienen nicht zusammen. 4) Zur Antwort ertheilen, antworten, ingleichen belehren, erklären, welche veraltete Formel der Höflichkeit nur noch unter dem großen Haufen üblich ist. Da dieselben gefragt -so diene hierauf u. s. f. Mein Herr lasse sich dienen, d. i. belehren.
   Wenn jemand ferner sagt
   Darauf dient wiederum u. s. f.
   Opitz, nehmlich, zur Antwort. Dahin auch die Formel, ihnen zu dienen; ja, zu dienen u. s. f. gehöret, womit die Höflichkeit der niedrigsten Classe fast jede Antwort zu begleiten pflegt.
   Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Zeitwort denen, im Angels. thenian, bey dem Ulphilas tiuna, tiona, thia, bey dem Kero deonon, bey dem Isidor dheonan, bey dem Ottfried thionan, im Schwed. tjana, im Isländ. thiono, thiena, thena. Die Abstammung ist noch ungewiß. Wachter hält das Wallisische Dyn, ein Mann, für das Stammwort, welches freylich ein wenig weit hergehohlet ist. Ihre schlägt zwey andere Ableitungen vor, entweder von dem Griech. θειναι, arbeiten, wovon auch θς, ein Knecht, abstammet, oder das Isländ. thia, demüthigen, bezwingen. Der erste Vorschlag wird dadurch unterstützt, weil thena im Isländischen auch arbeiten bedeutet, und dienen in verdienen einen ähnlichen Sinn hat, nehmlich durch Arbeit erwerben. Ja auch das einfache dienen war ehedem für verdienen üblich. Wie hab ich gedienet das? Rudolph von Rotenburg. In dem alten Fragmente von Carls des Großen Feldzug wider die Saracenen kommt es in dieser Bedeutung mehrmahls vor. So wahrscheinlich diese Ableitung auch ist, so scheint doch die andere noch mehr für sich zu haben. Deo, deon bedeutete ehedem niedrig, (S. Donlege) und figürlich demüthig, daher kommt deolih und Deoheit bey dem Kero so oft für humilis und Humilitas vor, S. Demuth. Dienen bedeutete also eigentlich sich demüthigen, sich unterwerfen, welches in den letzten Zeiten der rauhen Einfalt nicht anders als durch persönliche körperliche Dienste, oder durch Frohnen geschehen konnte. Ja Kero gebraucht theonan wirklich für bezwingen, demüthigen, dienstbar machen, und das Isländische thia, von welcher Form dienen das Intensivum seyn kann, hat noch eben dieselbe Bedeutung. Merkwürdig ist auch, daß dienen im Österreichischen auch von den Vögeln gebraucht wird, und Eyer legen bedeutet; dienen kann auch hier eben so gut von don, niedrig, unten, abstammen, als legen von

[Bd. 1, Sp. 1486]


lag, leg, niedrig. S. Donlege. Wer indessen die Ableitung von θειναι, arbeiten, für glücklicher hält, der muß freylich die Bedeutungen dieses Zeitwortes anders ordnen.
 
Artikelverweis Der
Diener, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Dienerinn, plur. die -en, der oder die einem andern dienet, doch nur in einigen Bedeutungen des Verbi. 1) Ein Diener Gottes, ein Verehrer desselben. Ein Götzendiener, der Götzen verehret. Ein Baalsdiener. 2) Der einem andern zu häuslichen Diensten um Lohn verpflichtet ist. Ein Diener, wofür doch jetzt Bedienter üblicher ist. Ein Kammerdiener, Rathsdiener, Gerichtsdiener u. s. f. 3) Der von einem andern mit einem Amte bekleidet ist. Ein Diener des Staates, Diener der Gerechtigkeit, welche die Gerechtigkeit handhaben. Die Obrigkeit ist Gottes Dienerinn, Röm. 13, 4. Ein Diener des göttlichen Wortes, ein Prediger in der evangelischen Kirche. In dieser Bedeutung kommt es, den letzten Fall ausgenommen, nur noch in der höhern Schreibart vor. Im gemeinen Leben ist auch hier Bedienter üblicher. 4) Der eines andern Vortheile befördert, in welchem Sinne Diener ein Wort ist, welches man sich aus Bescheidenheit oder Demuth beyleget. Ich bin ein alter treuer Diener ihres Hauses gewesen. Oft ist es auch nur ein bloßer Ausdruck der modischen Höflichkeit, wobey man nichts denket. Ich bin ihr ergebener, gehorsamer u. s. f. Diener. Ihre unterthänige Dienerinn.
   Anm. In der ersten allgemeinsten Bedeutung des Verbi ist das Substantiv im Hochdeutschen nicht mehr üblich, ob es gleich in der Deutschen Bibel noch einige Mahl in derselben vorkommt. So heißt Christus Apostelg. 10, 45 ein Diener der Beschneidung, weil er sich derselben unterworfen hatte, und Matth. 22, 16 und an andern Orten werden die Anhänger Herodis, die Herodianer, Diener Herodis genannt.
 
Artikelverweis * Die
Dienerschaft, plur. inus. ein nur in der Oberdeutschen Mundart und dem Kanzelley-Style übliches Wort, die sämmtlichen Beamten oder zu anständigern Diensten verbundenen Personen eines Landes oder eines Herrn, als ein Ganzes betrachtet, anzudeuten. Die sämmtliche fürstliche Dienerschaft, die sämmtlichen Hof- und Civil-Beamten. Das Haus Sachsen hat eine ansehnliche Dienerschaft. Ehedem druckte man mit diesem Worte besonders die Ministeriales, oder Dienstleute höherer Art, aus.
 
Artikelverweis 
Dienlich, -er, -ste, adj. et adv. welches nur in den zwey ersten figürlichen Bedeutungen des Zeitwortes dienen gebraucht wird, eines Nutzen, eines Absichten befördernd. Ein dienliches Hülfsmittel erfinden, d. i. ein nützliches, ein bequemes. Dieses ist euch nicht dienlich, nicht heilsam, nicht gesund. Ich dächte, dieß Mittel wäre in dieser Sache das dienlichste. So auch die Dienlichkeit.
 
Artikelverweis 
Diensam, -er, -ste, adj. et adv. welches aber in der anständigen Hochdeutschen Schreibart zu veralten anfängt, wie dienlich. Das ist euch nicht diensam. Was einem diensam (heilsam, nützlich, gesund) ist, kann dem andern gefährlich seyn. Im Oberdeutschen wird dieses Beywort sehr häufig gebraucht; z. B. wir wollen unserer Seits alles diensame willig dazu beytragen; ihr wollet dessen Inhalt diensamer Orten kund machen.
 
Artikelverweis Der
Dienst, des -es, plur. die -e, das Hauptwort des Zeitwortes dienen. Es bedeutet,
   1. Einzelne Handlungen, vermittelst welcher man dienet; und zwar, 1) in der weitesten Bedeutung, einzelne Handlungen, womit man seine Abhängigkeit von jemanden beweiset; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nicht mehr üblich ist. 2) Niedrige

[Bd. 1, Sp. 1487]


körperliche Handlungen, wodurch man die Abhängigkeit entweder seiner Person oder seiner Güter von einem andern an den Tag leget, in welcher Bedeutung dieses Wort häufig für Frohndienst oder Hofdienst gebraucht wird. An den Dienst gehen. Gemessene, d. i. bestimmte, Dienste. Ungemessene, außerordentliche, unbestimmte, Dienste. Spann- oder Pferdedienste, welche mit Pferden und Wagen, Handdienste, welche mit der Hand geleistet werden. S. Adelung Frohne, Scharwerk, Robat. Und er satzte Frohnvögte über sie, die sie mit schweren Diensten drücken sollten, 2 Mos. 1, 11. In weiterer Bedeutung werden zuweilen auch alle daraus herfließende Zinsen, Abgaben u. s. f. Dienste genannt. 3) In edlerem Verstande, einzelne Handlungen, wodurch man eines andern Geschäfte ausrichtet, oder dessen Nutzen und Vergnügen befördert. Er hat mir viele Jahre treue Dienste geleistet. Einem einen wichtigen Dienst leisten. Damit hat man mir einen schlechten Dienst gethan. Ingleichen figürlich, ein guter Dienst, Nutzen, Gefallen, Vergnügen. Sie hat mir durch ihr Versehen einen Dienst, d. i. einen Gefallen, gethan. Sie meinen, sie thun Gott einen Dienst daran. Dahin gehören auch die höflichen Ausdrücke des gesellschaftlichen Umganges. Was stehet zu ihren Diensten? womit kann man ihr Vergnügen befördern, was verlangen sie? Alles was ich habe, stehet zu ihren Diensten, oder stehet ihnen zu Dienste.
   2. Der ganze Umfang aller dieser Handlungen, so wohl in Beziehung auf den, der sie leistet, als auf den, der sie empfängt; da denn dieses Wort theils im Singular allein, theils im Plural allein gebraucht wird. 1) In der weitesten Bedeutung, der ganze Umfang aller derjenigen Handlungen, womit man seine Abhängigkeit von einem andern an den Tag leget; ohne Plural. Der Dienst Gottes, die Verehrung des göttlichen Wesens; obgleich das zusammen gesetzte Gottesdienst mehr von der äußerlichen gemeinschaftlichen Verehrung gebraucht wird. Von dem unsern werden wir nehmen zum Dienst unsers Gottes, 2 Mos. 10, 26. Der Götzendienst, die Verehrung der Götzen. Der Bilderdienst, die Verehrung der Bilder. In der Deutschen Bibel wird das Wort Dienst oft absolute mit Auslassung des Genitivs für Gottesdienst gebraucht, welches aber nicht mehr üblich ist. Und wenn ihr ins Land kommt -so haltet diesen Dienst, 2 Mos. 12, 25. Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: was habt ihr da für einen Dienst? V. 26. Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Dienst, Offenb. 2, 19. 2) Der ganze Umfang aller niedrigen körperlichen Dienste, so wohl der Leibeigenen. An den Dienst gehen. Zum Dienst verbunden seyn. Als auch des Gesindes, und niedriger häuslicher Bedienten; da dieses Wort so wohl als ein Singulare, als auch als ein Plurale gebraucht wird. Sich in den Dienst, oder in einen Dienst begeben, sich als Knecht oder Magd zu dienen verpflichten. In Diensten bey einem stehen. Dienste bey jemanden nehmen. Jemanden in seinen Dienst, oder in seine Dienste nehmen. Auch an Höfen ist dieses Wort von denjenigen höhern Bedienten üblich, welche zur persönlichen Bedienung eines Fürsten bestimmt sind. Den Dienst haben, in der Reihe der zu dessen persönlichen Bedienung bestimmten Personen, wirklich aufwarten. Der Dienst habende Kammerherr. 3) Der ganze Umfang edlerer Dienste. In Dienste treten. Kriegesdienste nehmen. Der Dienst des Königes, der Dienst meines Herren erfordert es. Es hat jemand diesen Ausdruck getadelt, weil der König oder der Herr hier nicht die wirkende Ursache, sondern der Gegenstand sey. Aber wer hat denn gesagt, daß der Genitiv nur allein die erstere ausdrucken könne? Gottesdienst, Bilderdienst, die Ehre Gottes, der Nutzen des Königes und tausend ähnliche Ausdrücke beweisen das Gegentheil.

[Bd. 1, Sp. 1488]



   3. Das daraus fließende Verhältniß, die damit verbundene Würde, der Stand, das Amt eines Dienenden. 1) Eines Dienenden von der niedrigern Art. Einen Dienst suchen, d. i. als Knecht oder Magd dienen wollen. Aus dem Dienste gehen. Einem den Dienst aufsagen. 2) In edlerer Bedeutung, ein Amt, eine Bedienung, doch nur im gemeinen Leben. Ein ruhiger, ein einträglicher Dienst. Einem einen Dienst antragen, anvertrauen. Einen Dienst bekommen. Um einen Dienst anhalten, einen Dienst suchen. Außer Dienste leben. Ein Kirchendienst, ein kirchliches Amt, ein Schuldienst, ein Amt an einer Schule. In dieser Bedeutung eines Amtes ist das Wort in einigen Gegenden nicht nur ungewissen Geschlechtes, das Dienst, sondern man hat auch im gemeinen Leben das Diminutivum das Dienstchen, im Oberdeutschen Dienstlein.
   4.* Derjenige, welcher Dienste leistet; in welcher Bedeutung dieses Wort nur noch in einigen gemeinen Mundarten so wohl Ober- als Niederdeutschlandes für Dienstbothe üblich ist. Eine Stuben darin die Dienst speisen, so der Fuhr und Pferden abwarten, Bluntschli. In dieser Bedeutung kommt Deonost schon bey dem Kero für einen Diener vor. Ich was ie der dienen din, ich war jederzeit dein Diener, Reinmar der Alte.
   Anm. Dienst, Nieders. Deenst. lautet bey dem Kero Deonost, bey dem Ottfried und Tatian Thionost, im Schwed. Tjanst. Tatian gebraucht es auch für Gehorsam. Die in der niedrigen Sprechart übliche R. A. einem auf den Dienst warten oder lauern, ihm hinterlistig nachstellen, wurde ehedem in guter Bedeutung für aufwarten gebraucht.
 
Artikelverweis Der
Dienstadel, des -s, plur. car. diejenige adelige Würde, welche gewisse Bedienungen oder Stellen gewähren, dergleichen z. B. gewisse Officiers-Stellen sind; zum Unterschiede von dem Geburtsadel und Briefadel.

 

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