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Diebsglück bis Dienen (Bd. 1, Sp. 1482 bis 1484)
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Artikelverweis Das Diebsglück, des -es, plur. car. ein unverdientes Glück, deßgleichen oft die Diebe bey ihren lasterhaftesten Unternehmungen haben.
 
Artikelverweis Der
Dīebsgrūß, des -es, plur. die -grüße. 1) Der unter den Dieben übliche Gruß, woran sie sich erkennen. 2) In den Gerichten ehedem, die Formel, mit welcher ein Dieb vor Gerichte angeklaget werden mußte.

[Bd. 1, Sp. 1483]



 
Artikelverweis Die
Diebsrotte, plur. die -n, eine Rotte von Dieben, d. i. ein Haufen mehrerer mit einander verbundener Diebe; ingleichen, ein Haufen diebischer liederlicher Leute, in dem verächtlichsten Verstande.
 
Artikelverweis Der
Diebsschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Nachschlüssel, dergleichen die Diebe zu führen pflegen, S. Adelung Dieterich. Im Schwabenspiegel Diubsluzzel.
 
Artikelverweis Der
Diebstahl, des -es, plur. die -stähle. 1) Die Handlung des Stehlens, oder die heimliche Entwendung des Eigenthumes eines andern; als ein Abstractum, ohne Plural. Der Diebstahl ist verbothen. 2) Im Concreto, die wirkliche heimliche Entwendung fremden Eigenthumes. Einen Diebstahl begehen. Sich eines Diebstahles schuldig machen. Er hat sich vieler Diebstähle verdächtig gemacht. Ein gewaltsamer Diebstahl, der mit Erbrechen und andern Gewaltthätigkeiten verbunden ist. Ein offenbarer Diebstahl, wo der Dieb auf frischer That ergriffen worden, im Gegensatze des heimlichen, wo solches nicht geschiehet. 3) Figürlich, gestohlenes Gut, in welcher Bedeutung dieses Wort nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. Findet man aber bey ihm den Diebstahl lebendig, u. s. f. 2 Mos. 22, 4.
   Anm. Dieses Wort kommt schon seit dem 13ten Jahrhunderte vor. In dem Schwabenspiegel lautet es Diubstal, und in dem alten Augsburg. Stadtbuche von 1276 gleichfalls Diupstal. Die letzte Hälfte ist unstreitig von stehlen, denn Ottfried gebraucht auch das einfache stal für einen Diebstahl. Dieb scheinet in dieser Zusammensetzung ein Bey- und Nebenwort zu seyn, und noch seine eigentliche Bedeutung des Heimlichen, des Verborgenen zu haben, weil sonst dieses Wort eine ungewöhnliche Tavtologie enthalten würde. S. Adelung Dieb. Die Alten gebrauchten für dieses Wort theils Deube, im Nieders. Duve, im Angelsächs. Theofde, im Engl. Theft, (S. Deube,) theils Diebheit, bey dem Ulphilas Thiubheit, Thiubja, im Schwabensp. Diepheit.
 
Artikelverweis 
1. Die Diele, plur. die -n, ein nur in den gemeinen Mundarten in Oberdeutschland und Niedersachsen übliches Wort, ein aus einem Baume geschnittenes Bret in gewöhnlicher Länge auszudrucken, wofür im Hochdeutschen Bret bekannter ist. Daher, der Dielenhandel, der Brethandel, der Dielenhändler, der Brethändler, der Dielensäger, der Bretschneider, das Dielenwerk, eine Arbeit, ein Gerüst aus Bretern oder Dielen u. s. f.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Wort Dele, im Holländ. Deyle und Deele, im Angels. Dael, Dille, im Engl. Deal, im Schwed. Tilja; alle von theilen, Niedersächs. delen, Schwed. taelja, Franz. tailler, Ital. tagliare, schneiden, zerschneiden. Im Böhmischen bedeutet Dil gleichfalls einen Theil. S. Adelung Theil. Das Griech. ταυλ, eine Tafel, das Lat. Talea, ein Bret, und taleare, zerschneiden, das Franz. Tillac, das Verdeck, scheinen mit diesem Worte genau verwandt zu seyn. In dem Schwabenspiegel Tit. 124 bedeutet Getülle die Pallisaden oder Planken um eine Stadt. Das ie, welches das Zeichen eines gedehnten i ist, macht das h in diesem Worte völlig unnöthig.
 
Artikelverweis 
2. Die Diele, plur. die -n, ein gleichfalls nur in den gemeinen Mundarten, besonders Niedersachsens, übliches Wort. 1) Der feste von Lehm geschlagene Fußboden eines Zimmers, oder einer Scheuer. Die Scheundiele, die Scheuntenne. 2) Derjenige Theil des Hauses, der gemeiniglich mit einem solchen Fußboden versehen ist, der Hausflur, das Vorhaus. 3) Der feste Erdboden unter der Dammerde, in dem Ackerbaue, in welcher Bedeutung dieses Wort in der Lausitz vorkommt. 4) Die Decke eines Zimmers, welcher Gebrauch besonders in Schwaben üblich ist.
   Anm. In diesen Bedeutungen, in welchen das Wort im Nieders. Dele, Dale lautet, scheinet es von dem Nieders. daal, niedrig, abzustammen, weil doch der Begriff des Niedrigen, des

[Bd. 1, Sp. 1484]


Fußbodens, in demselben der herrschende ist. S. Adelung Thal. Selbst die vierte Bedeutung läßt sich daraus erklären, weil auch das Wort Boden auf ähnliche Art gebraucht wird.
 
Artikelverweis 
Dielen, verb. reg. act. mit Dielen, d. i. Bretern belegen. Ein Zimmer dielen. Der in Kammern Pflaster setzt und nur die Säle dielet, Haged.
 
Artikelverweis Der
Dielenkopf, des -es, plur. die -köpfe, in der Dorischen Ordnung der Baukunst, eine Tafel unter dem Kranzleisten, welche dem Kopfe, d. i. dem hervor ragenden Stücke einer Diele gleicht, und unten mit Zapfen versehen ist; Pseudomutulus, Franz. Mutule, Ital. Modiglione.
 
Artikelverweis Die
Diene, S. Adelung Tiene.
 
Artikelverweis 
Dienen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, und mit der dritten Endung des Hauptwortes verbunden wird. Es bedeutet,
   1. Eigentlich, überhaupt, jemanden unterwürfig, von ihm abhängig seyn, und diese Abhängigkeit durch die That beweisen; in welcher im Hochdeutschen veralteten Bedeutung es noch häufig in der Deutschen Bibel vorkommt. Der Größere wird dem Kleinern dienen, 1 Mos. 25, 23. Daß wird hinfort der Sünde nicht dienen, Röm. 6, 6. Daß sie innen werden, was es sey, den Königreichen im Lande dienen, 2 Chron. 12, 8. Gehorchet ihnen nicht, sondern dienet dem König zu Babel, Jer. 27, 17. Erlöse die, so den Heiden dienen müssen, 2 Macc. 1, 27.
   2. In engerer Bedeutung, diese Abhängigkeit thätig erweisen; und zwar, 1) durch gottesdienstliche Verehrung, welcher gleichfalls bloß biblische Gebrauch noch in der theologischen Schreibart üblich ist. Laß die Leute ziehen, daß sie dem Herren, ihrem Gott dienen, 2 Mos. 10, 7. Dienet dem Herren mit Furcht, Ps. 2, 11. Daß sie andern Göttern dienen, 5 Mos. 7, 4. Schämen müssen sich alle, die den Bildern dienen, Ps. 97, 7. 2) Durch niedrige körperliche Arbeiten, welche, (a) aus der Leibeigenschaft herfließen; für fröhnen. Zu Hofe dienen, im gemeinen Leben. Höre auf und laß uns den Egyptern dienen, 2 Mos. 14, 12. Oder, (b) um Lohn geschehen, in welcher Bedeutung man besonders von dem Gesinde saget, daß es diene. S. Adelung Dienstbothe. Bey einem dienen, sich jemanden zu solchen Arbeiten um einen gewissen Lohn verpflichtet haben. Als ein Koch, als ein Knecht, als eine Magd dienen; im gemeinen Leben, für einen Koch u. s. f. dienen. Ich will dir sieben Jahr um Rahel, deine jüngste Tochter, dienen, 1 Mos. 29, 18. 20, 30. Aber einen Dienst dienen, V. 27 ist völlig ungebräuchlich. Zu Tische dienen, bey Tische aufwarten, im gemeinen Leben, so wohl Ober- als Niederdeutschlandes S. Abdienen und Aufdienen. 3) In edlerem Verstande, eines andern Geschäfte ausrichten, eines andern Nutzen befördern, so wohl gegen eine gewisse Vergeltung, als auch aus andern Verbindlichkeiten. So dienet der Advocat seinem Clienten. Wer dienet ihnen in dieser Sache? Ich habe ihm redlich gedienet. Diene einem Narren in seiner Sache nicht, Sir. 4, 31. S. Bedienen. Besonders von Kriegesdiensten, wo dieses Verbum so wohl von gemeinen Soldaten, als auch von den Befehlshabern gebraucht wird. Zu Fuße dienen, zu Pferde dienen, ein Soldat zu Fuße oder zu Pferde seyn. Er hat lange unter mir gedienet. Von unten auf dienen. Laß dir nicht einkommen, daß du dem Staate um besonderer Vortheile willen dienen wolltest. Wie wenig Tugend muß der besitzen, der seinem Vaterlande um eben das Geld dienet, um welches er es eben so willig verrathen würde, Dusch. Ingleichen von Civil-Diensten. Wir dienen alle einem Herren. Er hat dem Könige und dem Vaterlande viele Jahre treu gedienet. Der Kirche dienen, ein kirchliches Amt verwalten.

[Bd. 1, Sp. 1485]


3. Figürlich. 1) Eines andern Vortheile, eines andern Vergnügen befördern, auch ohne Lohn, aus Höflichkeit, aus Gefälligkeit. Wer mir dient, dem diene ich wieder. Durch die Liebe diene einer dem andern, Gal. 5, 13. Womit kann ich ihnen dienen? Kann ich ihnen mit Gelde dienen? Damit ist mir nicht gedienet, das befördert meinen Nutzen, mein Vergnügen nicht.
   Mit Balgen und mit Raufen
   Wird keinem was gedient,
   Opitz, welche Wortfügung mit dem Zeitworte werden, und mit dem was aber im Hochdeutschen ungewöhnlich ist. Wozu dienet dieser Unrath? Matth. 26, 8. Das dienet, hilft oder nützet, zu nichts. 2) Das Mittel einer Wirkung, der Erreichung einer Absicht seyn, gereichen. Das sollte zu deinem Besten dienen. Das dienet zu seinem Ruhme. Der Berg dienet der Stadt zur Beschützung. Dieser Umstand dienet ihm zur Vertheidigung. Das laß dir zur Warnung dienen. Dieses Gebäude hat meinen Vorfahren zu einem Jagdhause gedienet.
   Oft dient ein wilder Muth sich selbst zum Hinderniß,
   Schleg. 3) Sich schicken, im gemeinen Leben. Das dient nicht zur Sache. Er dient nicht nach Hofe, schickt sich nicht an den Hof. Kluge und Narren dienen nicht zusammen. 4) Zur Antwort ertheilen, antworten, ingleichen belehren, erklären, welche veraltete Formel der Höflichkeit nur noch unter dem großen Haufen üblich ist. Da dieselben gefragt -so diene hierauf u. s. f. Mein Herr lasse sich dienen, d. i. belehren.
   Wenn jemand ferner sagt
   Darauf dient wiederum u. s. f.
   Opitz, nehmlich, zur Antwort. Dahin auch die Formel, ihnen zu dienen; ja, zu dienen u. s. f. gehöret, womit die Höflichkeit der niedrigsten Classe fast jede Antwort zu begleiten pflegt.
   Anm. Im Niedersächsischen lautet dieses Zeitwort denen, im Angels. thenian, bey dem Ulphilas tiuna, tiona, thia, bey dem Kero deonon, bey dem Isidor dheonan, bey dem Ottfried thionan, im Schwed. tjana, im Isländ. thiono, thiena, thena. Die Abstammung ist noch ungewiß. Wachter hält das Wallisische Dyn, ein Mann, für das Stammwort, welches freylich ein wenig weit hergehohlet ist. Ihre schlägt zwey andere Ableitungen vor, entweder von dem Griech. θειναι, arbeiten, wovon auch θς, ein Knecht, abstammet, oder das Isländ. thia, demüthigen, bezwingen. Der erste Vorschlag wird dadurch unterstützt, weil thena im Isländischen auch arbeiten bedeutet, und dienen in verdienen einen ähnlichen Sinn hat, nehmlich durch Arbeit erwerben. Ja auch das einfache dienen war ehedem für verdienen üblich. Wie hab ich gedienet das? Rudolph von Rotenburg. In dem alten Fragmente von Carls des Großen Feldzug wider die Saracenen kommt es in dieser Bedeutung mehrmahls vor. So wahrscheinlich diese Ableitung auch ist, so scheint doch die andere noch mehr für sich zu haben. Deo, deon bedeutete ehedem niedrig, (S. Donlege) und figürlich demüthig, daher kommt deolih und Deoheit bey dem Kero so oft für humilis und Humilitas vor, S. Demuth. Dienen bedeutete also eigentlich sich demüthigen, sich unterwerfen, welches in den letzten Zeiten der rauhen Einfalt nicht anders als durch persönliche körperliche Dienste, oder durch Frohnen geschehen konnte. Ja Kero gebraucht theonan wirklich für bezwingen, demüthigen, dienstbar machen, und das Isländische thia, von welcher Form dienen das Intensivum seyn kann, hat noch eben dieselbe Bedeutung. Merkwürdig ist auch, daß dienen im Österreichischen auch von den Vögeln gebraucht wird, und Eyer legen bedeutet; dienen kann auch hier eben so gut von don, niedrig, unten, abstammen, als legen von

[Bd. 1, Sp. 1486]


lag, leg, niedrig. S. Donlege. Wer indessen die Ableitung von θειναι, arbeiten, für glücklicher hält, der muß freylich die Bedeutungen dieses Zeitwortes anders ordnen.

 

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