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Dieb bis Diebstahl (Bd. 1, Sp. 1481 bis 1483)
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Artikelverweis Der Dieb, des -es, plur. die -e, Fämin. die Diebinn, plur. die -en, der oder die einem das Seinige heimlich und boßhafter Weise entwendet. Sprich. Gelegenheit macht Diebe. Figürlich, ein brennender Nebendocht an einem Lichte, der auch ein Wolf, ingleichen ein Räuber, im Schwed. aber gleichfalls Tiuf genannt wird.

[Bd. 1, Sp. 1482]



   Anm. Dieb, Nieders. Deef, lautet bey dem Ottfried und Tatian Thiob, bey dem Notker Dieb, bey dem Ulphilas Thiubs, im Angels. Diof, im Engl. Thief, im Holl. Dief, im Dän. Tiuff, im Schwed. Tiuf, im Wendis. Tat. Wachter und die meisten Wortforscher behaupten, daß Dieb anfänglich einen Knecht bedeutet habe, und erst nachmahls wegen der Untreue dieser Art Leute in dem heutigen Verstande üblich geworden, welches Schicksal auch das Latein. Fur gehabt. Gewiß ist es, daß Theowe im Angels. einen Knecht, Thiuuui aber bey dem Ottfried, Notker und Tatian, eine Magd bedeuten. Eben diese Bedeutung hat auch das Schwed. Thyr, im Fämin. Thy (S. Dirn), das Böhmische Dewka, eine Magd, und das Griech.θσ, θσσα, ein Knecht, eine Magd, S. Dienen. Ihre bestreitet diese Abstammung, weil das Goth. Thiubs, ein Dieb, und Thius, ein Knecht, zu kurz sind, als daß eines von dem andern herkommen könne. Ihm zu Folge stammet Dieb, servus, von dienen, Dieb, fur, aber von einem unbekannten Verbo her, welches verbergen bedeutet hat, von welchem thiubjo bey dem Ulphilas für heimlich vorkommt; so wie das Griech. κλεπτς von κλεπτω gebildet ist. Im Pohlnischen bedeutet dybie schleichen, lauern; in eben dieser Sprache aber ist Dyba auch der Ort, wo man die Leibeigenen verkauft, ingleichen das Halseisen. In einigen Oberdeutschen Gegenden hat Dieb im Genit. des Dieben und im Plur. die Dieben. Ehedem hatte man auch das Verbum dieben, bey dem Ottfried thiuben, im Angels. deofian, im Engl. to thieve, für stehlen. Die Zusammensetzung Diebsauge, ein diebisches, betriegliches Auge, Diebsbande, Diebsfinger, eine zum Stehlen fertige Hand, Diebsgnoß, Diebsgesell, Diebsgesindel, Diebshöhle, Diebsränke, Diebswirth, der Diebe heget oder beherberget, u. s. f. sind theils niedrig, theils leicht zu verstehen.
 
Artikelverweis Der
Diebel, S. Adelung Döbel.
 
Artikelverweis Die
Dieberēy, plur. die -en, mehrmahlige Diebstähle, wiederhohlte Handlungen des Stehlens, als ein Ganzes betrachtet. Er ist der Dieberey wegen, oder Dieberey wegen in Verhaft genommen worden. Es gehen viele Diebereyen vor.
 
Artikelverweis Die
Diebinn, plur. die -en, S. Adelung Dieb.
 
Artikelverweis 
Diebisch, -er, -te, adj. et adv. 1) Nach Art der Diebe. Diebisch handeln. Er ist diebisch mit mir umgegangen. Etwas diebischer Weise entwenden.
   Er schleicht mit scheuem Blicke
   Und mehr als diebscher Furcht zurücke,
   Haged. 2) Zum Stehlen geneigt, zum Stehlen gewöhnt. Von diebischer Art seyn. Diebisches Volk.
   Wo er mit diebscher Faust das Gold von Pillen schabt,
   Can. Anm. Der Comparativ kommt als ein Adverbium zuweilen, als ein Adjectiv aber niemahls vor, so wenig als der Superlativ. Ehedem war dieblich für diebisch üblich; dagegen diebig, im Schwabenspiegel diubig, gestohlen bedeutete.
 
Artikelverweis Der
Diebsdaumen, des -s, plur. ut nom. sing. der Daumen von einem gehenkten Diebe, welcher, der Einbildung des großen Haufens zu Folge, Glück bringen soll. Er trägt einen Diebsdaumen bey sich, sagt man daher figürlich von einem Menschen, der ein ungewöhnliches Glück hat.
 
Artikelverweis Das
Diebsglück, des -es, plur. car. ein unverdientes Glück, deßgleichen oft die Diebe bey ihren lasterhaftesten Unternehmungen haben.
 
Artikelverweis Der
Dīebsgrūß, des -es, plur. die -grüße. 1) Der unter den Dieben übliche Gruß, woran sie sich erkennen. 2) In den Gerichten ehedem, die Formel, mit welcher ein Dieb vor Gerichte angeklaget werden mußte.

[Bd. 1, Sp. 1483]



 
Artikelverweis Die
Diebsrotte, plur. die -n, eine Rotte von Dieben, d. i. ein Haufen mehrerer mit einander verbundener Diebe; ingleichen, ein Haufen diebischer liederlicher Leute, in dem verächtlichsten Verstande.
 
Artikelverweis Der
Diebsschlüssel, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben, ein Nachschlüssel, dergleichen die Diebe zu führen pflegen, S. Adelung Dieterich. Im Schwabenspiegel Diubsluzzel.
 
Artikelverweis Der
Diebstahl, des -es, plur. die -stähle. 1) Die Handlung des Stehlens, oder die heimliche Entwendung des Eigenthumes eines andern; als ein Abstractum, ohne Plural. Der Diebstahl ist verbothen. 2) Im Concreto, die wirkliche heimliche Entwendung fremden Eigenthumes. Einen Diebstahl begehen. Sich eines Diebstahles schuldig machen. Er hat sich vieler Diebstähle verdächtig gemacht. Ein gewaltsamer Diebstahl, der mit Erbrechen und andern Gewaltthätigkeiten verbunden ist. Ein offenbarer Diebstahl, wo der Dieb auf frischer That ergriffen worden, im Gegensatze des heimlichen, wo solches nicht geschiehet. 3) Figürlich, gestohlenes Gut, in welcher Bedeutung dieses Wort nur zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. Findet man aber bey ihm den Diebstahl lebendig, u. s. f. 2 Mos. 22, 4.
   Anm. Dieses Wort kommt schon seit dem 13ten Jahrhunderte vor. In dem Schwabenspiegel lautet es Diubstal, und in dem alten Augsburg. Stadtbuche von 1276 gleichfalls Diupstal. Die letzte Hälfte ist unstreitig von stehlen, denn Ottfried gebraucht auch das einfache stal für einen Diebstahl. Dieb scheinet in dieser Zusammensetzung ein Bey- und Nebenwort zu seyn, und noch seine eigentliche Bedeutung des Heimlichen, des Verborgenen zu haben, weil sonst dieses Wort eine ungewöhnliche Tavtologie enthalten würde. S. Adelung Dieb. Die Alten gebrauchten für dieses Wort theils Deube, im Nieders. Duve, im Angelsächs. Theofde, im Engl. Theft, (S. Deube,) theils Diebheit, bey dem Ulphilas Thiubheit, Thiubja, im Schwabensp. Diepheit.

 

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