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Dichtigkeit bis Dickicht (Bd. 1, Sp. 1478 bis 1481)
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Artikelverweis Die Dichtigkeit, S. Adelung Dichte.
 
Artikelverweis Die
Dichtkunst, plur. car. 1. In der weitesten Bedeutung, die Kunst zu dichten, d. i. die Kunst, die Theile eines vorher in Gedanken zergliederten Dinges willkührlich wieder zusammen zu setzen; in welchem Verstande die Dichtkunst alle schönen und bildenden Künste unter sich begreift. 2. In engerer und gewöhnlicherer Bedeutung. 1) Die Fertigkeit ein Gedicht zu verfertigen, d. i. seinen Gedanken den höchsten Grad der Lebhaftigkeit zu geben; die Poesie, in dem vorigen Jahrhunderte die Dichterey, die Poeterey, bey den Neuern auch die Dichtung. 2) Der Inbegriff aller Regeln, die dabey zu beobachten sind, und deren Vortrag; die Poetik, bey dem Opitz gleichfalls die Poeterey, die Dichterey.

[Bd. 1, Sp. 1479]



 
Artikelverweis Die
Dichtung, plur. die -en, das Hauptwort des Verbi dichten. 1. Die Fertigkeit zu dichten; ohne Plural, und zwar, 1) in der weitesten Bedeutung, wie Dichtkunst 1. Daher die Dichtungskraft, oder das Dichtungsvermögen, die Kraft, die Theile eines in Gedanken zergliederten Dinges willkührlich wieder zusammen zu setzen; oder die Kraft, Dinge in der Einbildung zusammen zu setzen, die man nicht also empfunden hat. 2) In engerer Bedeutung, die Fertigkeit, ein Gedicht zu verfertigen; ehedem die Dichterey. Der Dichtung kühner Schwung. Begeistert von der Dichtung, Dusch. 2. Eine erdichtete Vorstellung, eine Erdichtung. Verschiedene Gedanken und Tichtungen sinnreicher Geister, Opitz. Besonders, in edlerer Bedeutung, eine poetische Erdichtung. Er mag sich der Dichtungen bedienen, sein Gemählde zu erheben, Dusch.
 
Artikelverweis Das
Dichtwêrg, oder Dichtwêrk, des -es, plur. car. bey den Schiffern, das Werg von den ausgezupften alten Tauen, womit die Schiffe gedichtet, d. i. kalfatert und verstopfet werden. S. 1. Dichten.
 
Artikelverweis 
Dick, -er, -este, adj. et adv. welches eine Art der körperlichen Ausdehnung im Gegensatze der Länge und Breite ausdruckt; und zwar,
   1. Eigentlich, da dieses Wort, 1) diese Ausdehnung überhaupt andeutet, ohne Rücksicht auf ihren Umfang. Mit dem Worte dick betrachtet man alsdann die Theile, welche einen Körper ausmachen, nicht wie sie an und neben einander, sondern wie sie über einander liegen. Es ist in dieser Bedeutung nur als ein Nebenwort in Gesellschaft solcher Ausdrücke üblich, wodurch das Maß dieser Ausdehnung bestimmt wird. Der Baum ist drey Fuß dick. Eines Fingers, oder einen Finger dick. Eines Messerrückens dick. Obgleich der Genitiv, besonders im Oberdeutschen, im Sing. häufig vorkommt, so findet im Plural doch nur allein der Accusativ Statt. Die Mauer ist viele Ellen dick, nicht vieler Ellen. Er ist so dick, als er lang ist. Dieser Baum ist dicker, als jener da. Dick in dieser Bedeutung als ein Beywort zu gebrauchen, z. B. ein vier Zoll dickes Bret, für ein Bret, welches vier Zoll dick ist, klingt unangenehm. Nur der Superlativ kann füglich als ein Beywort gebraucht werden. Das dickste Bret unter allen. 2) Eine beträchtliche Dicke habend, sehr dick, wegen der Menge der über einander befindlichen Theile einen großen Raum einnehmend; als ein Bey- und Nebenwort. (a) Eigentlich. Ein dickes Brot. Ein dickes Buch. Ein dicker Bauch. Das dicke Bein, S. Adelung Dickbein. Der dicke Darm, der Dickdarm, der große Darm in den thierischen Körpern, von welchem der blinde Darm, der Grimmdarm und der Mastdarm Theile sind. (b) Figürlich, so wohl für geschwollen, im gemeinen Leben. Ein dickes Bein haben, ein geschwollenes. Einen dicken Backen haben. Als auch für unempfindlich, gleichfalls nur im gemeinen Leben. Ein dickes Fell haben, gegen die Züchtigungen abgehärtet seyn. S. Dickhäutig. Dicke Ohren haben, Es. 6, 10, gegen alle Vorstellungen unempfindlich seyn. Ja Ps. 119, 70 kommt auch ein dickes, d. i. fühlloses, Herz vor.
   2. Figürlich. 1) Aus vielen und nahe an einander befindlichen Theilen bestehend. Ein dicker Wald. Eine dicke Wolke. Eine dicke Finsterniß, 2 Mos. 10, 22. Der Lärm der Unruhe verfolgt die Freunde des Friedens durch die dicksten Schatten. Eine dicke Luft. Die Luft ist hier sehr dick. Die Bäume stehen hier sehr dick, sehr nahe an einander. Das Getreide wird dicke stehen, Ps. 72, 16. S. Adelung Dicht. Besonders, 2) wegen Menge der über einander befindlichen Theile einen größern Zusammenhang habend; vornehmlich von flüssigen Körpern, im Gegensatze des dünn oder flüssig. Dickes Blut haben. Dickes Bier. Die Tinte ist sehr dick. Der Saft wird dick. Dicke,

[Bd. 1, Sp. 1480]


d. i. geronnene, Milch; in Niedersachsen Plundermilch, Plumpermilch, in einigen Oberdeutschen Gegenden Schlocken. S. Milch und Käse. Durch dick und dünn, im gemeinen Leben, durch Sümpfe und Moräste. Besonders wird das Neutrum als ein Hauptwort oft von dem Bodensatze flüssiger Körper gebraucht. Das Dicke des Bieres, des Kaffees, der Tinte u. s. f.
   3. Oft, als ein Adverbium. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen völlig veraltet, aber nicht in den Oberdeutschen Kanzelleyen, wo dickbemeldt, dickbesagt, dickmahls u. s. f. für oft gemeldet, oft besagt, oftmahls noch häufig vorkommen. Ottfried, Willeram, Notker, und alle Oberdeutsche Schriftsteller der ältern Zeiten gebrauchen thiko, diccho, thicco, und dikke sehr häufig für oft. Das Schwed. tikla hat gleiche Bedeutung. Densius bedeutete bey den Römern in den ältern Zeiten gleichfalls oft; in den barbarischen Jahrhunderten kommt spissus in eben diesem Sinne vor, wovon auch die Italiäner ihr spesso haben.
   Anm. Dick, Nieders. dick, lautet bey den ältern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern thicco, thicko, im Angels. dicce, im Holländ. dick, im Dän. tyck, im Schwed. tjock, im Engl. thick, im Isländ. thicke, und im Bretagnischen teo, tew. Wachter hält das Gothische takeu, in den folgenden Jahrhunderten im Oberdeutschen dichten, berühren, tangere, Griech.θεγω, für das Stammwort. So wahrscheinlich diese Ableitung ist, so scheinet doch das noch im Nieders. befindliche Zeitwort dijen, aufschwellen, ausgedehnet werden, noch mehrern Anspruch auf die Verwandtschaft mit diesem Worte zu haben. S. Gedeihen, Dicht. Dick kann im gemeinen Leben mit vielen Haupt- und Beywörtern zusammen gesetzet werden, wenn ihre dicke Beschaffenheit bezeichnet werden soll. Dickfüßig, dickbäckig, dickblütig, dickköpfig, dickbeinig, dicköhrig, dickschälig, der Dickkopf, der einen dicken Kopf hat, der Dickbauch u. s. f.
 
Artikelverweis Das
Dickbein, des -es, plur. die -e, im gemeinen Leben, das dicke Bein, d. i. der obere dickere Theil des Fußes bis an das Knie, welcher auch der Schenkel, im gemeinen Leben aber auch die Lende genannt wird. Ehedem wurde dieser Theil der Diech, bey dem Raban Maurus Deoh, bey dem Isidor Dhech, bey dem Willeram Tiehe, Diehe, im Angels. Thio genannt; welches Wort noch im dem Oberdeutschen Deich oder Diech, in dem Nieders. Dee, in dem Holländ. Dige, Dije, und in dem Engl. Thigh, alle in der Bedeutung des Schenkels, übrig ist, aber im Hochdeutschen nicht mehr gehöret wird.
 
Artikelverweis Das
Dickblatt, des -es, plur. inus. bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, der Nahme einer Äthiopischen Pflanze mit fünf Staubfäden, fünf Staubwegen, und dicken Blättern; Crassula, L.
 
Artikelverweis Der
Dickdarm, des -es, plur. die -därme, S. Adelung Dick 1. 2).
 
Artikelverweis Die
Dicke, plur. car. das Hauptwort von dem Bey- und Nebenworte dick, in dessen sämmtlichen Bedeutungen. 1) Von der Ausdehnung eines Körpers, so fern sie durch neben einander liegende Theile verursacht wird. Die Dicke eines Baumes messen. Der Baum wächset in die Dicke. Die Dicke der Mauer. Das Faß hält acht Ellen in der Dicke. 2) Von der Menge und Nähe der Theile. Die Dicke des Waldes. Die Dicke der Haare. 3) Von dem dadurch verursachten Zusammenhange der Theile. Die Dicke der Säfte, des Blutes, der Milch. Da dieses Wort nicht allein die Analogie sondern auch den Gebrauch für sich hat, so kann man die von andern dafür versuchten Dickheit und Dickigkeit sehr wohl entbehren.
 
Artikelverweis 
Dickhäutig, -er, -ste, adj. et adv. 1) Eigentlich, eine dicke Haut oder eine dicke Schale habend. Dickhäutige Erbsen, Bohnen u. s. f. Wofür hoch dickschälig üblicher ist. 2) Figürlich,

[Bd. 1, Sp. 1481]


im gemeinen Leben, unempfindlich, gegen alle Züchtigungen abgehärtet. Ein dickhäutiger Mensch.
 
Artikelverweis Das
Dickicht, des -es, plur. die -e, im Jagd- und Forstwesen, eine dichte oder dicke Stelle in einem Walde, welche stark mit Unterholze bewachsen ist; die Dickung, im Oberdeutschen das Dicket. Das Wildbret hat sich in das Dickicht gezogen.
   Selber die Rudel liegen gestreckt im kühlesten Dickicht,
   Zachar. Ein Haseldickicht, Büchendickicht u. s. f. Ingleichen auch von andern dick stehenden Gewächsen; ein Rohrdickicht. Dicki bedeutet schon in den Monseeischen Glossen einen dicken Wald, das Engl. Thicket, und das spätere Latein. Densetum haben gleiche Bedeutung. Da ein solches Dickicht im mittlern Lateine auch Coopertum, und im Französischen le Couvert heißet, so scheinet es, daß man dieses Wort ehedem von Decke, decken abgeleitet habe. Von der Endsylbe S. -icht.

 

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