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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Deuten bis Diadēm (Bd. 1, Sp. 1470 bis 1474)
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Artikelverweis  Deuten, verb. reg. welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Activum. 1. Eigentlich, zeigen, weisen. Mit den Fingern auf jemanden deuten, auf ihn zeigen. Daß man mit Fingern auf sie deut, Hans Sachs. In dieser im Hochdeutschen seltenen Bedeutung ist es noch im Oberdeutschen gang und gebe. 2. In weiterer Bedeutung, ein Zeichen geben. Mit den Augen deuten, d. i. winken. Mit der Hand zu schweigen deuten. Winket mit Augen, deutet mit Füßen, zeiget mit Fingern, Sprichw. 6, 13. Wer mit den Augen winket, denket nichts Gutes, und wer mit den Lippen deutet, vollbringet Böses, Kap. 16, 30. Auch diese Bedeutung ist nur noch im Oberdeutschen üblich. 3. Figürlich. 1) Anzeigen, zu erkennen geben. Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde, Joh. 12, 33. Damit der heilige Geist deutet, daß u. s. f. Ebr. 9, 8. Und er stand auf, und deutete durch den Geist eine große Theutung, Apostelg. 11, 28. Dieser Gebrauch gehöret im Hochdeutschen gleichfalls unter die veralteten. 2) Auslegen, erklären. Einen Traum deuten. Etwas übel, zum Besten deuten. Alles zum Ärgsten deuten. Man hat ihm das für einen Hochmuth, oder als einen Hochmuth gedeutet. Eine Sache auf etwas deuten, sie davon erklären, als eine Vorbedeutung von derselben ansehen. Der viel Sprachen deuten

[Bd. 1, Sp. 1471]


kann, Opitz. Daher die Deutung, die Auslegung, die Erklärung.
   II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben. 1. * Gerichtet seyn; im Oberdeutschen. Der Schweif des Kometen deutet gegen Osten, oder nach Osten. 2. Figürlich, ein Zeichen, ein Vorbild von einer Sache seyn; gleichfalls nur im Oberdeutschen. Im alten Testamente deutete vieles auf Christum. Was rund ist, deutet auf die Vollkommenheit, Gryph. S. Adelung Bedeuten.
   Anm. In der letzten Bedeutung kommt diudan für bedeuten schon in dem alten Gedichte auf den heil. Anno vor. Für auslegen aber gebraucht bereits Notker diuten. Weil die Oberdeutsche Bedeutung des Zeigens, Weisens, fast allen unsern und fremden Wortforschern unbekannt gewesen ist, so haben sie auch in Ableitung dieses Wortes fast insgesammt den rechten Weg verfehlet. Die Bedeutung, eines körperlichen Zeigens, dergleichen das Zeigen mit dem Finger ist, ist vermuthlich die erste und älteste Bedeutung dieses Wortes, welche auch das Ital. additare, und das veraltete Französ. addicter, haben, wenn man diese nicht lieber von digitus, ein Finger, herleiten will. Alsdann könnte man es füglich von stoßen, Nieders. stöten, herleiten, welches nicht zu allen Zeiten mit dem Zischlaute ausgesprochen werden, da doch das Zeigen mit dem Finger eine Art des Stoßes ist. Allein es ist glaublicher, daß deuten das Intensivum von einem veralteten Verbo tihen ist, von welchem unser zeihen, zeigen, zeichen abstammen, welches noch in dem Isländischen tia, bedeuten, vorhanden ist, und schon bey dem Ulphilas gateihan, in eben dieser Bedeutung lautet. S. Adelung Zeihen, Zeigen und Zeichen. Das Angels. Getheode und das Fränkische Gethiuti wurden auch von der Sprache gebraucht, weil doch diese ein Zeichen der Gedanken ist. Das Veraltete Deut, Thiot, Volk, S. Deutsch, scheinet mit diesem Worte eben so wenig Verwandtschaft zu haben, als das Nieders. düten oder tüten, auf einem Horne blasen, welches letztere eine bloße Nachahmung des Schalles ist. Übrigens gehet das Zeitwort deuten im Oberdeutschen irregulär; Imperf. ich ditte, Mittelwort geditten, für gedeutet. Im Schwed. und Isländ. bedeutet tyda und thyda so wohl bedeuten, als auslegen.
 
Artikelverweis Der
Deuter, des -s, plur. ut nom. sing. ein Ausleger, welches Wort aber, so wie das Bey- und Nebenwort deutig, nur in den Zusammensetzungen ein Traumdeuter, Zeichendeuter, Sterndeuter u. s. f. ingleichen in gleichdeutig, zweydeutig, vieldeutig u. s. f. üblich ist.
 
Artikelverweis 
Deutlich, -er, -ste, adj. et adv. leicht zu erkennen, leicht zu verstehen. Und sollt auf die Steine alle Worte dieses Gesetzes schreiben, klar und deutlich, 5 Mos. 27, 8. Eine deutliche Rede, eine deutliche Stimme, die jedermann vernehmen und verstehen kann. Ich sehe etwas in der Ferne, aber ich sehe nicht deutlich, was es ist. Er sagte mit deutlichen Worten, daß er kommen wollte. Fordern sie kein deutlicheres Geständniß von mir. Eine deutliche Vorstellung, in der Logik, wenn man das Mannigfaltige in derselben einzeln unterscheiden kann. Daher die Deutlichkeit, plur. inus. die Eigenschaft einer Sache, da sie deutlich ist. Die Deutlichkeit einer Stimme, einer Rede u. s. f. Die Deutlichkeit eines Begriffes, die Vollkommenheit desselben, vermöge welcher er von allen andern unterschieden werden kann.
   Anm. Im Schwedischen lautet dieses Wort tydelig. Am Oberrheine muß es in der ersten Hälfte des sechzehenten Jahrhunderts ein fremdes Wort gewesen seyn; wenigstens stehet es in dem 1523 zu Basel gedruckten neuen Testamente Luthers mit

[Bd. 1, Sp. 1472]


unter den unbekannten Wörtern und wird daselbst durch offentlich, merklich, erkläret.
 
Artikelverweis 
Deutsch, adj. et adv. den Deutschen eigen oder gemäß, aus dem Lande der Deutschen. 1. Eigentlich. Die Deutsche Tracht. Die Deutsche Sprache. Deutsche Weine, welche in Deutschland gezeuget werden. Der Deutsche Orden, S. Adelung Deutschmeister. Eine Deutsche Meile, nach welcher in Deutschland gemessen wird. Die Deutsche Freyheit, die Freyheit Deutschlandes, oder der Deutschen. Die Deutsche Treue, Deutsche Redlichkeit, welcher sich die Deutschen ehedem beflissen.
   Wo Deutsche Treue sich beym Deutschen Handschlag findet,
   Haged. Ein Deutscher Michel, S. Adelung Michel. 2. In engerer Bedeutung, die Deutsche Sprache und zwar, 1) die gesammte Deutsche Sprache, ohne Rücksicht auf ihre Mundarten. Die Deutsche Bibel. Deutsche Bücher. Reden sie Deutsch, ich verstehe kein Französisch. Es klingt zu albern, wenn ich ihnen auf Deutsch sagen wollte, daß ich sie liebe, Gell. Verstehen sie denn kein Deutsch? Da es denn auch als ein Hauptwort gebraucht wird. Er spricht, er schreibt ein schlechtes Deutsch. Unser Deutsch, unsere Deutsche Sprache, nicht unser Deutsches; sagt man doch nicht das Blaue, das Schwarze, das Rothe, sondern Berliner Blau, Cöllnisches Roth, das Beinschwarz, eine gewisse körperliche Art der Farbe auszudrucken. Altes Deutsch. In dieser Gestalt eines Hauptwortes ist es indeclinabel, wie andere Adverbia, wenn sie ohne Concretion als Substantive gebraucht werden. Die kernhafte Kürze unseres Deutsch, nicht unseres Deutschen. 2) In noch engerer Bedeutung, die Hochdeutsche Mundart, welche man oft allein darunter verstehet, wenn man Ausdrücke rein Deutsch, zierlich Deutsch, und Undeutsch nennet. 3. Figürlich. 1) Deutlich, im gemeinen Leben. Ich will dirs fein Deutsch sagen. Diesem schreibt man zu dunkel, jenen gar zu Teutsch, Opitz. 2) Offenherzig, eine bekannte Eigenschaft der ehemahligen Deutschen. Ich will es dir Deutsch sagen, ohne Umschweife, offenherzig. Das ist, Deutsch zu sagen, nicht an dem. Deutsch von der Leber weg sprechen. 3) Redlich, rechtschaffen, unverstellt, nach Art der alten Deutschen, in welcher Bedeutung dieses Wort noch im Oberdeutschen sehr üblich ist. Auf guten Deutschen Glauben. In redlichem Deutschen Vertrauen. Da uns viele vornehme Stände mit Deutschen Herzen und Muth beygetreten sind. Aus wahrem Deutsch-patriotischen Eifer. Ein Deutsches, aufrichtiges, gewisses, Versprechen. Eine Deutsche, aufrichtige, genaue, Einigkeit.
   Der Irrthum alter Deutscher Treu
   Ist mit der alten Zeit vorbey,
   Haged. Anm. 1. Deutsch, Oberdeutsch Teutsch, Nieders. düdesk, Holl. duitsch, Schwed. tysk, Dän. tydsk, zeiget durch sein sch am Ende schon, daß es ein Beywort ist, und so viel als Deutisch bedeutet. Das Stammwort ist also Deut. Es würde eine undankbare Arbeit seyn, alle die verschiedenen und zum Theil ungereimten Ableitungen dieses Wortes anzuführen. Die vernünftigsten Wortforscher sind auf das alte Thiod, Volk, gefallen, aber ohne den wahren Sinn dieses Wortes einzusehen. Thot, Dot, ist ein altes, noch nicht ganz veraltetes Wort, welches einen Blutsfreund bedeutet, und mit dem Hebr. 05d305e805d3, ein Freund, ein Geliebter, eine mehr als zufällige Verwandtschaft hat. Im Oberdeutschen bedeutet Gediet noch jetzt das Geschlecht, und Dot einen Pathen. Dot, Deut, scheinet also überhaupt einen nahen Verwandten bedeutet zu haben, und wurde nachmahls auch collective von einem Haufen solcher verwandten Personen, von einer

[Bd. 1, Sp. 1473]


Familie, oder einem Volke, denn die ältesten Völker waren doch eigentlich nichts als Familien, gebraucht. Die Gelegenheit, bey welcher die Deutschen diesen Nahmen bekommen, lässet sich aus der bekannten Stelle des Tacitus muthmaßen: Caeterum Germaniae vocabulum recens et nuper auditum: quoniam qui primum Rhenum transgressi Gallos expulerint, nunc Tungri, nunc Germani vocati sunt u. s. f. Aus dieser Stelle erhellet, daß dieser Nahme an dem Niederrheine entstanden ist, indem die nachmahligen Tungrer, zuerst die Deutische, d. i. die Alliirten, oder die Verbrüderten, genannt worden, weil sie sich auf das genaueste wider die Gallier vereiniget hatten. Vermuthlich bekamen sie diesen Nahmen mehr von den Galliern, als daß sie sich ihn selbst beygeleget hätten, und die Römer, denen dieser Nahme schwer auszusprechen war, übersetzten ihn, und machten Germani, d. i. Brüder, daraus. Ursprünglich führeten also nur diejenigen Völkerschaften, welche an dem Niederrheine wohneten, den Nahmen der Deutschen, und ihnen ist derselbe noch lange Zeit vorzüglich eigen geblieben, indem man noch zu Ottfrieds Zeiten unter der Deutschen Sprache vorzüglich die Niedersächsische und ihre Tochter die Fränkische verstand. Der Verfasser des alten Gedichtes von dem Kriege Carls des Großen wider die Saracenen, bey dem Schilter, unterscheidet B. 3981 die Deutschen, die er Deusen nennet, sehr genau von den Alemannen; und noch jetzt werden im Englischen unter dem Nahmen Dutch vorzüglich die Niederländer verstanden, dagegen Deutschland in eben dieser Sprache Germany heißt. Da die übrigen in Deutschland wohnenden Völker, den Nutzen solcher Verbindungen sahen, so vereinigten sie sich nach und nach gleichfalls, vornehmlich wider die Römer; und dadurch geschahe es, daß vermuthlich auch sie nachmahls Deutsche genannt wurden, bis endlich diese allgemeine Benennung, wie mehrmahls zu geschehen pflegt, von einem einzelnen Umstande zum eigenthümlichen Nahmen eines ganzen Volkes geworden. Diese Ableitung, welche von einem ungenannten Verfasser in den Hannöver. Anzeigen des Jahres 1750 vorgetragen worden, kommt so wohl mit der Sprache, als auch mit der Geschichte sehr gut überein. Wenigstens ist sie unter allen bisher versuchten die natürlichste und wahrscheinlichste. Was den Nahmen der Deuten oder Teutonen betrifft, welche anfänglich in dem heutigen Dänemark wohneten, und sich schon hundert Jahre vor Christi Geburt bekannt machten, so scheinet es, daß ihre Benennung einen ähnlichen Ursprung hat, obgleich nicht zu vermuthen ist, daß der spätere Nahme der Deutschen von ihnen entstanden sey.
   Anm. 2. Eine andere Frage ist, ob dieses Wort vorn mit einem D oder mit einem T geschrieben werden müsse. Richey, Fabricius, und Gottsched haben in den neuern Zeiten eigene Schriften darüber heraus gegeben. Richey ist der einzige, der diese Frage aus dem rechten Gesichtspuncte angesehen und beantwortet hat; allein er wurde überschrien. Die Niedersachsen, bey welchen dieser Nahme entstanden ist, schreiben und sprechen düdsch, düdesk. Die Oberdeutschen, die das d in den meisten Fällen in t verändern, haben teutsch, im Schwabenspiegel tutsch, bey dem Hornegk tewtzsch, bey den Schwäbischen Dichtern tuitsch. Die Franken, deren Mundart eine Vermischung des Niederdeutschen und Alemannischen ist, wähleten ein th, das Mittel zwischen dem d und t. Die Hochdeutschen schrieben nach dem Muster der Oberdeutschen lange ein t, bis durch Luthern und andere Niedersachsen in Obersachsen das d üblicher wurde, welches sich auch daselbst erhalten hat. Das verwandte Wort Deut, Diet, Volk, wird selbst im Oberdeutschen nicht leicht mit einem T gefunden werden. Bey dem Kero lautet es Deota, im Salischen Gesetze Theada, bey dem Übersetzer Isidors Dheod, bey dem Ulphilas Thiuda,

[Bd. 1, Sp. 1474]


im Angels. Theod, bey dem Ottfried Thiet, Thiot, bey dem Notker Diet, im Schwed. Thiod.
 
Artikelverweis Der
Deutsche, des -n, plur. die -n, Fämin. die Deutsche, der -n, plur. die -n, der, oder die aus Deutschland gebürtig ist, das vorige Beywort, als ein Hauptwort gebraucht. Er ist ein Deutscher. Sie ist eine Deutsche. Die Deutschen sind von Natur ein wenig träge. Er ist ein alter ehrlicher Deutscher, ein ehrlicher Mann, nach Art der alten Deutschen.
 
Artikelverweis Der
Deutscher, in einigen niedrigen Mundarten, besonders Niedersachsens, eine versteckte Benennung des Teufels, welche hier nur um der Abstammung willen bemerket wird, weil sie das alte nordische Thusse, Tusse, ein böser Geist, ein Dämon, im Andenken erhält.
 
Artikelverweis 
Deutschhêrrig, adj. et adv. S. Adelung Deutschmeister.
 
Artikelverweis 
Deutschland, gen. -es, oder -s, plur. car. das Land der Deutschen, ohne den bestimmten Artikel, außer wenn es ein Beywort vor sich hat. Das arme Deutschland ist sehr oft ein Opfer seiner innern Unruhen geworden. Er ist ein Mann, der Deutschland Ehre macht, nicht Deutschlande, weil das e im Dativo wegfällt so bald der bestimmte Artikel fehlet. Die ältern Schriftsteller schrieben dieses Wort getheilet: diutsche land, in dem Gedichte auf den heil. Anno; zu tewtzschen Landen, Hornegk.
 
Artikelverweis Der
Deutschmeister, des -s, plur. ut nom. sing. der Meister, oder das Haupt des Deutschen Ordens, dessen Würde nunmehr, nachdem die Hochmeister in Preußen eingegangen sind, mit dem Hochmeisterthum verbunden ist. Er wird daher der Hoch- und Deutschmeister, dessen Würde und Gebieth aber das Hoch- und Deutschmeisterthum genannt. Der Deutsche Orden wurde zu Ende des zwölften Jahrhundertes von einigen Deutschen im gelobten Lande zu Beschützung derer gestiftet, welche nach dem heiligen Graben wallfahrteten, und 1226 nach Preußen gerufen. S. Adelung Hochmeister, ingleichen Kreuzherr. Die Glieder dieses Ordens werden auch Deutsche Herren genannt, daher das im gemeinen Leben übliche Bey- und Nebenwort, Deutschherrig, oder Deutschherrisch, dem Deutschen Orden gehörig.
 
Artikelverweis Die
Deutung, S. Adelung Deuten I.
 
Artikelverweis Das
Diadēm, des -es, plur. die -e, aus dem Griech. διαδμα, eine Kopfbinde, besonders eine königliche Kopfbinde, welche vor Einführung der Kronen das Kennzeichen der königlichen Würde war. Diadem wird noch jetzt in der höhern Schreibart, so wohl von der Krone, als auch von der dadurch bezeichneten höchsten Würde gebraucht.
   Des Zepters Gold,
   Das Diadem mit Sternen übersät,
   Can.

 

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