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Derohalben bis Deshalb (Bd. 1, Sp. 1466 bis 1468)
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Artikelverweis  Derohalben, S. Adelung Derhalben.
 
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Derowegen, S. Adelung Deswegen.
 
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Derselbe, dieselbe, dasselbe, pronom. demonstrativo-relat. welches auf folgende Art decliniret wird. Dieses Wort beziehet sich,
   1. Auf einen Nachsatz, welcher ein Relativum an seiner Spitze hat, und alsdann ist die demonstrative Bedeutung die herrschende. Haben sie denselben Mann nicht wieder gesehen, welchen wir gestern sahen? Aber dieser Gebrauch, da derselbe für derjenige gesetzt wird, thut im Hochdeutschen eben nicht die beste Wirkung. Richtiger gebraucht man es mit es in Verbindung mit dem Nebenworte eben. Es ist eben derselbe Mann, welchen wir gestern sahen. Er ist noch eben derselbe, der er sonst war. Oft wird auch der Nachsatz weggelassen, und alsdann dienet eben derselbe gleichfalls die Unveränderlichkeit des natürlichen Zustandes einer Sache, ingleichen ihre Identität auszudrucken. Er ist immer eben derselbe, er ist sich immer selbst gleich. Hat es vor diesem Menschen gegeben, so kann es auch wohl eben dieselben Fehler gegeben haben, nehmlich, welche jetzt unter ihnen angetroffen werden. Unartig ist es, das und zwischen eben und dem Pronomen einzuschalten, eben und dieselben Fehler; so wie es das Gehör beleidiget, wenn eben weggelassen wird. Die Tage sind verschwistert, alle gleich,
   Nicht ganz dieselben,
   Schleg. Im Oberdeutschen sind in diesem Verstande auch der gleiche, der eigene, und der nehmliche üblich. Den eigenen Tag, denselben. Wenn wir nur auch des nehmlichen versichert seyn können. Auf eine subtilere Art, die doch immer die nehmliche ist.
   Sie sieht im gleichen Augenblick
   Nach mir sich um,
   Wiel. Wenn ich beständig der gleiche bin, d. i. eben derselbe.
   2. Oder es beziehet sich auf ein vorher gegangenes Hauptwort, oder auf einen vorher gegangenen Satz, in welchem Falle es mehr relativ, als demonstrativ ist. Das ist ein schönes Haus; wer ist der Besitzer desselben, oder wer ist desselben Besitzer? in welcher letztern Wortfügung es bloß relativ ist, und für das Relativum der stehet. Das Unglück ist groß; ich würde vielleicht nicht Muth genug haben, dasselbe zu ertragen. Wer sich seinem Vaterlande widmet, muß dasselbe für unvermögend halten, ihn zu bezahlen, denn was er für dasselbe wagt, ist unschätzbar.
   Zuweilen wird dieses Pronomen auch für die Possessiva der dritten Person gebraucht, wo aber ein gutes Gehör entscheiden muß, in welchem Falle solches erlaubt ist oder nicht. Die Sprachen sind älter als die Regeln derselben, klingt unangenehmer, als die Sprachen sind älter als ihre Regeln. Im folgenden Satze hingegen stehet es ganz richtig: die Physik beschäftigt sich mit den Körpern; ihre Absicht ist, die Natur derselben, ihre Eigenschaften und Verhältnisse zu entdecken.
   Noch häufiger wird dieses Pronomen von der heutigen Höflichkeit gegen Vornehmere anstatt des persönlichen Sie gebraucht. Dieselben haben mir befohlen. Und in diesem Falle ist auch der verlängerte Dativ Denenselben eingeführet. Ich habe letzthin die Ehre gehabt, Denenselben zu berichten, daß u. s. f.

[Bd. 1, Sp. 1467]


Wie ich von Denenselben vernommen habe. Auch der Genitiv Deroselben wird nicht selten für das einfache Dero gebraucht. Deroselben Bedienter hat mir solches gesagt. Deroselben Gnade habe ich solches zu verdanken. Welcher Genitiv im Oberdeutschen wohl gar anstatt des Dativi gebraucht wird. Und Deroselben gegenwärtiges zustellen zu lassen. Wenn man mit und von sehr hohen Personen spricht, pflegt man dieses Pronomen noch mit den Wörtern Hoch, Höchst, und Allerhöchst zu erhöhen. Hochdieselben haben befohlen u. s. f. Allerhöchstdieselben geruhen u. s. f.
   Gegen niedrigere Personen, welche man gewöhnlich Er, und, wenn sie weiblichen Geschlechtes sind, im Singular Sie zu nennen pfleget, ist, wenn man ihnen etwas mehrere Ehre erweisen will, der Singular Derselbe und Dieselbe gleichfalls üblich. Derselbe hat mir gesagt u. s. f.
   Anm. Dieses Pronomen ist mit dem Demonstrativo der und selbe zusammen gesetzt; S. Adelung Selbe. Außer dem eben angezeigten Falle wird auch dieses durchgängig nach der verkürzten Declination des Pronominis der abgeändert, weil selbe hier die Stelle eines Hauptwortes vertritt. Dieses Wort ist alt. Bey dem Kero lautet es im Genit. Sing. desselbin, und deruselbun, im Nom. Plur. diuselben, und im Genit. Plur. deroselbono; bey dem Übersetzer Isidors im Nom. Sing. dherselbo und dher selbo; und bey dem Ottfried ther selbo, therselbon, thia selbun. Im Oberdeutschen lautet es auch derselbte, dieselbte, dasselbte, in welcher Gestalt es nicht nur bey dem Opitz und andern Schlesischen Dichtern vorkommt, sondern auch an einigen Hochdeutschen Höfen eingeführet ist. Selbe, selbte und selbiger kommen in eben dieser Mundart vor. Derselbige, dieselbige, dasselbige ist eine andere Oberdeutsche Form, die auch im Hochdeutschen nicht unbekannt ist, und sich bloß durch die müßige Verlängerung der neuern Alemannen von dem vorigen unterscheidet. Im Nieders. lautet dieses Fürwort de sulve, dat sulve.
 
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Derwêgen, S. Adelung Deswegen.
 
Artikelverweis *
Derweile, oder Derweilen, ein Oberdeutsches Nebenwort der Zeit, für indessen, welches aus dem Pronomine der und Weile zusammen gesetzet, und auch im Niedersächsischen üblich ist, wo es dewyle, terwile lautet. Im Hochdeutschen kommt es nur in den gemeinen Mundarten vor. Ich habe es derweile dahin gelegt, indessen. Die uuila und in thia uuila kommen in eben dieser Bedeutung schon bey dem Notker und Ottfried vor.
 
Artikelverweis 
Des, der Genit. Sing. des männlichen und ungewissen Geschlechtes so wohl des Artikels der, als auch des Fürwortes der. S. Der und Deß.
 
Artikelverweis Die
Dese, eine Art hölzernen Gefäßes. S. Adelung Döse.
 
Artikelverweis Der
Deserteur, (sprich Desertȫr,) des -s, plur. die -s, aus dem Französischen, ein Soldat, welcher seinen Stand eigenmächtig und böslich verläßt; ein Ausreißer, der, wenn er zum Feinde übergehet, ein Überläufer genannt wird. Daher desertiren, verb. reg. neutr. mit seyn, seine Fahne oder seinen Stand böslich verlassen, ausreißen; die Desertīon, das Ausreißen, die Ausreißung. Ehedem nannte man einen Ausreißer einen Heerflüchtigen, und in noch frühern Zeiten, wie z. B. im Salischen Gesetze, Austrappo, die Desertion aber Herisliz, gleichsam Heereslassung, Heeresverlassung. Im Oberdeutschen ist für Deserteur auch Durchgänger bekannt, so wie man für desertiren, auch im Hochdeutschen durchgehen gebraucht.
 
Artikelverweis 
Desfalls, richtiger Deßfalls, adv. für deßwegen, welches nur im gem. Leben üblich, und aus dem Pronomine der und dem Hauptworte Fall zusammen gesetzet ist, für wegen dieses Falles. Ich habe es deßfalls gethan, damit du dich bessern möchtest. Du darfst

[Bd. 1, Sp. 1468]


deßfalls nicht erschrecken. Deßfalls bleiben wir doch gute Freunde, d. i. dessen ungeachtet.
 
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Desgleichen, richtiger Deßgleichen, ein mit dem Genit. des Pronominis der und dem unabänderlichen Adjective gleichen zusammen gesetztes Wort. Es ist, 1) ein Adjectivum indeclinabile, für dessen gleichen. Das ist ein Mensch, deßgleichen ich noch nie gesehen habe. S. Adelung Dergleichen. 2) Eine verknüpfende Conjunction, für ingleichen, wie auch, welche besonders da gute Dienste thut, wenn mehrere Glieder einer Rede verbunden werden sollen. So wohl er, als sie, deßgleichen sein Vater, wie auch seine Schwester. Ihre Priester aber bringen das um, das ihnen gegeben wird, deßgleichen auch ihre Weiber prassen davon, Bar. 6, 27. Die verlängerte Form desselbengleichen oder desselbigen gleichen, welche in der Deutschen Bibel mehrmahls vorkommt, ist im Hochdeutschen veraltet. Desselbigen gleichen sagten sie alle, Marc. 14, 31. Desselbigen gleichen auch den Kelch, Luc. 22, 20. S. Deß.
 
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Deshalb, oder deshalben, richtiger Deßhalb und Deßhalben, eine Partikel, welche auf gedoppelte Art üblich ist. 1) Als ein beziehendes Nebenwort, für wegen dessen, deßwegen. Ich habe es deßhalb gethan, damit du nicht erschrecken möchtest. Eben deßhalb komme ich zu dir. 2) Als eine Conjunction, eine Ursache, eine Folge aus dem vorigen anzudeuten, in welchem Falle aber doch derhalben üblicher ist; S. dieses Wort, ingleichen Halbe und Deß.

 

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