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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dênkschrift bis Denydor (Bd. 1, Sp. 1449 bis 1452)
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Artikelverweis Die Dênkschrift, plur. die -en. 1) Eine kurze Schrift zum Andenken einer Person oder Sache; z. B. die Schrift unter einem Bildnisse, eine Schrift, welche in den Grundstein eines Gebäudes

[Bd. 1, Sp. 1450]


gelegt wird, u. s. f. 2) Bey einigen, eine ungeschickte Übersetzung des Franz. Memoire, welches sich besser durch Nachricht geben läßt.
 
Artikelverweis Der
Dếnksprúch, des -es, plur. die -sprche, ein denkwürdiger Ausspruch, oder ein Ausspruch, der uns an eine wichtige Sache oder Wahrheit erinnern soll; eine Sentenz, Maxime. Dienet er zur herrschenden Regel des eigenen Verhaltens, so heißt er ein Wahlspruch, Symbolum.
 
Artikelverweis Die
Dếnkungsārt, plur. die -en, von dem ungewöhnlichen Verbale die Denkung, die ganze zur Fertigkeit gewordene Art und Weise eines Menschen nicht nur zu denken, sondern auch zu handeln. Er hat eine vortreffliche, eine schlechte Denkungsart. S. Adelung Denken 2. 7). Im Oberdeutschen die Gedenkensart, bey den Dichtern zuweilen die Denkart.
 
Artikelverweis 
Dênkwürdig, -er, -ste, adj. et adv. des Nachdenkens werth, Stoff zum Nachdenken enthaltend, wodurch es sich von dem bloß merkwürdigen unterscheidet. Eine denkwürdige Sache. Ein denkwürdiger Ausspruch. Er hat eine Menge denkwürdiger Thaten verrichtet. Dieser Zufall ist überaus denkwürdig.
 
Artikelverweis Die
Dênkwürdigkeit, plur. die -en. 1) Die denkwürdige Beschaffenheit einer Sache, ohne Plural. Die Denkwürdigkeit einer Begebenheit, eines Ausspruches. 2) Die denkwürdige Sache selbst, in welcher letztern Bedeutung dieses Wort im Plural von einigen Neuern anstatt des Franz. Memoires gebraucht worden, z. B. Denkwürdigkeiten der Brandenburgischen Geschichte.
 
Artikelverweis Das
Dênkzeichen, des -s, plur. ut nom. sing. ein Zeichen zum Andenken einer Sache. S. Adelung Denkmahl.
 
Artikelverweis Die
Dênkzeit, plur. die -en, ein merkwürdiger Zeitpunct, eine Epoche; ein schon von Schotteln gebrauchtes Wort, welches aber wenig mehr vorkommt.
 
Artikelverweis Der
Dênkzêttel, des -s, plur. ut nom. sing. überhaupt ein jeder Zettel, der uns an eine gewisse Sache erinnern soll. Besonders, 1) bey den ältern und neuern Juden, ein Zettel, worauf die zehen Gebothe geschrieben sind, Phylacterium; in welcher Bedeutung dieses Wort Matth. 23, 5, vorkommt. 2) In den Gerichten, an einigen Orten, ein Zettel, worauf der angesetzte Termin bekannt gemacht wird. 3) Im Scherze, eine Maulschelle, um künftig sich einer Sache besser zu erinnern. Ich will dir einen Denkzettel geben oder anhängen.
 
Artikelverweis 
Denn, eine Conjunction, welche allezeit den Indicativ zu sich nimmt, und die natürliche Wortfügung eines Satzes in den allermeisten Fällen nicht verändert. Sie bezeichnet,
   1. Die Ursache eines vorher gegangenen Ausspruches, in welcher Bedeutung sie zu Anfange eines Satzes stehet. Er ist immer vergnügt, denn er ist mit allem zufrieden. Erinnere dich deiner Geburt, denn sie legt dir Pflichten auf. Erinnere dich deiner Ahnen, denn sie sind Beyspiele für dich. Zuweilen stehet der Satz, von welchem denn die Ursache enthält, nicht deutlich da, sondern muß darunter verstanden werden; z. B. der vortreffliche Mann! Lebt er noch? denn in meiner Einsamkeit höre ich schon lange nichts mehr, kann so ergänzet werden: lebt er noch? ich muß nach ihm fragen, denn u. s. f. Zuweilen kann um des Nachdruckes willen auch die gewöhnliche Folge der Wörter verändert werden. Vermuthlich steckt etwas anders dahinter: denn wirklich sahe er sehr verwirrt aus, für denn er sahe wirklich u. s. f. Welches im gemeinen Leben auch alsdann geschiehet, wenn denn mit der Partikel wie verbunden wird.
   Von vielen nicht gekannt, und andern auch vernichtet;
   Wie denn die schnöde Welt nur nach den Augen richtet,
   Opitz. S. Adelung Wie.
   2. Einen gemeiniglich versteckten Schluß aus einem vorher gegangenen Satze. In diesem Falle wird es mit so verbunden, und stehet hinter dem Verbo finito und dem persönlichen Fürworte. So mag es denn gut seyn. So bleibt es denn dabey. So wollen wird denn aufbrechen. So kommen sie denn. Man bath mich zu singen, und weil man es durchaus haben wollte, so sang ich denn endlich.
   3. Eine Bedingung. Ich sähe denn nicht recht. Er verspreche mir denn, daß er nächstens zu mir kommen wolle. Er bezahle mir denn die alte Schuld. Es sey denn, daß er es läugne. Du sollst nicht sterben, du habest denn erst den Herren gesehen. In diesem Falle wird denn zwar mit dem Conjunctivo verbunden, es regieret ihn aber nicht, sondern die ungewisse Beschaffenheit der Sache selbst erfordert denselben. Auch hier hat es den Nominativ, das Verbum finitum, und zuweilen eine Endung des persönlichen Fürwortes vor sich.
   4. Eine Einschränkung, ein Subject genau zu bestimmen, besonders nach verneinenden Ausdrücken, für als. Wir haben uns für niemanden zu fürchten, denn für ihn. Dieß hat kein anderer gethan, denn du. Nichts denn Gold.
   5. Eine Vergleichung, doch nur nach den Comparativen, gleichfalls für als. Wer ist reicher, denn er? Ich bin eher gekommen, denn du. Ehe, denn ich sterbe.
   6. Eine Zeitfolge, in Gestalt eines Adverbii. Erst wollen wir essen, denn spazieren gehen.
   Du bist gerecht; denn auch bescheiden?
   Liebst Mäßigkeit; denn auch Geduld?
   Gell. Im Hochdeutschen ist in dieser Bedeutung dann üblicher. S. Adelung Dann.
   7. Dienet es auch zur Ausfüllung der Rede, um ihr die gehörige Vollständigkeit zu geben, wie das Latein. nam. Ich bin besorgt, was denn wegen dieser Sache beschlossen werden möchte. Wohlan, vernichte denn durch deinen Unverstand, die Sorgfalt, die ich angewandt! Gell. So wies denn kommt. Besonders nach Fragewörtern. Wo ist er denn? Ist er denn gelehrt? Hast du denn auch geschrieben? Kann denn ich was dafür? Hast du denn auch geschrieben? Kann denn ich was dafür? oder kann ich denn was dafür? Wissen sie denn, daß sie dazu verbunden sind? Hat denn ein süßer Herr Verstand? Gell. Können denn die Großen, denen diese Welt gehört, auch seufzen? Sonnenf.
   Anm. 1. Ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch dieser Partikel ist es, wenn selbige im Oberdeutschen für ferner gebraucht wird. Unsere Freunde, denn mehr andere patriotische Stände. Ingleichen für weil. Denn die Stunde gekommen war.
   Dasselb beschach
   Darumb dann zum Held der Jeger sprach,
   Theuerd. Kap. 20. Opitz gebraucht dann dann, für bald bald, ein im Hochdeutschen eben so ungewöhnlicher Fall:
   Dann mußten sie vertragen,
   Daß man sie eingesteckt, dann daß man sie geschlagen. Anm. 2. Im Oberdeutschen lautet diese Partikel durchgängig dann, im Nieders. den. In Fragen gebraucht Notker für die Enklitika denn schon tenne, Ottfried thanne, Isidors Übersetzer aber dhanne. Nach einem Comparative setzt Ottfried thanne und Kero denne; aber der letztere gebraucht dieses Bindewort auch für wenn, und danta für weil. Wanta ist noch eine andere verwandte Partikel, welche Ottfried und Willeram für denn

[Bd. 1, Sp. 1452]


gebrauchen, und die noch in dem Niedersächsischen wante vorhanden ist. Wenn denn eine Ursache bezeichnet, so hat derjenige Satz, in welchem es vorkommt, eigentlich ein Kolon oder doch ein Semikolon vor sich. Ist aber der vorher gehende Satz nur kurz, so ist er auch mit einem bloßen Komma zufrieden.
 
Artikelverweis 
Dếnnóch, eine Conjunction, welche einen Ausspruch begleitet, der dem Vordersatze zu Folge eigentlich nicht Statt finden sollte, für nichts desto weniger, gleichwohl, dessen ungeachtet. Es sind Mährchen, und dennoch willst du so seltsame Dinge vertheidigen? Wenn ich gleich nicht da bin, so kann es dennoch ausgemacht werden. Du bringest uns den süßesten Trost, und dennoch scheinest du einen tiefen Gram zu verbergen.
   Nein, spricht sie, laß mich gehn!
   Sie sprichts, und dennoch bleibt sie stehn,
   Rost. Wenn sich der vorher gehende Satz mit keiner Conjunction anfänget, so steht dennoch zu Anfange des folgenden Satzes, außer daß es das und vor sich haben kann, und dann tritt der Nominativ hinter das Verbum. Sie reden sehr hitzig; dennoch werde ich nicht aus meiner Gelassenheit kommen, Gell. Enthält aber der vorher gehende Satz eine andere Conjunction, auf welche sich dennoch beziehet, so stehet es hinter dem Verbo finito und der ersten Endung des persönlichen Fürwortes. Er zürnet zwar auf mich; aber er wird sich dennoch befriedigen lassen. Ob man ihm solches gleich verboth, so that er es dennoch. Es ist also unrichtig, wenn man sagt: ob er gleich keine Schuld hat, dennoch ist er nicht außer Verdacht, für so ist er dennoch nicht außer Verdacht.
   Unangenehm und widrig klingt es, wenn dennoch in den Vordersatz gesetzet, und der eigentliche Vordersatz eingeschoben wird. Dennoch, weil alle diese zwey Frieden auf eins hinaus laufen, haben wir u. s. f. Für: ungeachtet alle -so haben wir dennoch. Wohl aber kann durch eine Inversion der Vordersatz bis zuletzt versparet werden. Dennoch haben wir diese zwey Frieden u. s. f. ungeachtet sie auf eins hinaus laufen. Ich betrübe mich dennoch nicht, obgleich mein Zustand nicht der beste ist.
   Anm. Thannanoh kommt in der Fränkischen Mundart schon um das Jahr 800 vor; etwas später findet man auch dannoch. Es stehet für alsdann noch. Im Theuerdank findet man dafür noch dannocht.
   Wiewol derselb per vast groß was
   Noch dannocht Tewrdank nicht vergaß,
   Kap. 27.
   Doch wiewol er hat gelückes vil
   Noch dannocht ich nicht lassen wil
   Von seiner hewt in disem Jar,
   Kap. 27.
   Ingleichen das einfache noch.
   Noch ließ er mit nichte darvon,
   Kap. 63. S. Adelung Noch.
   Versetzt lautet diese Partikel nochtans, nochtan, und so kommt sie nicht nur bey dem Tatian, sondern auch noch bey den heutigen Niedersachsen vor. Dem Ottfried gilt das thoh, und einem der Schwäb. Dichter je noh so viel als dennoch.
   Geswigen sint die nahtegal
   Si hant gelan ir suesses klingen
   Vnd valwet oben der walt
   Je noh stet das herze min in ir gewalt,
   Dietmar von Ast. Im Oberdeutschen lautet diese Partikel dannoch. S. Adelung Doch und Jedennoch.
 
Artikelverweis Das
Denydor, S. Adelung Denidor.

 

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