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Dēmuth bis Denidōr (Bd. 1, Sp. 1444 bis 1446)
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Artikelverweis Die Dēmuth, plur. car. derjenige Zustand des Gemüthes, da man aus Kenntniß seiner Unwürdigkeit in Vergleichung mit der Würdigkeit anderer, von sich geringe denket, und solches durch die That an den Tag leget. Sich der Demuth befleißigen. Etwas aus wahrer Demuth thun.

[Bd. 1, Sp. 1445]



   Anm. 1. Bey dem Notker lautet dieses Wort Diumuot, und bey dem Kero nach einer andern Form Deoheit; im Österreichischen Dienmuth, und in andern Oberdeutschen Gegenden Diemuth. Es kann seyn, daß die erste Sylbe dieses Wortes von dienen, im Fränkischen und Alemannischen ehedem deonan, ist. Aber da Kero das Zeitwort theonan, dienen, auch für demüthigen gebraucht, so kommt man in der wahren Bedeutung dieses Wortes vielleicht noch näher, wenn man es von einem veralteten die, den, don, niedrig, ableitet, S. Adelung Donlege; so daß Demuth, nach dem Muster des Latein. humilitas, eigentlich die Niedrigkeit des Gemüthes ausdrücken würde. Von einem andern ähnlichen Worte od, Angels. ead, leicht, sanft, haben die Niedersächsischen und damit verwandten Mundarten ihr oodmödig und Oodmödigkeit, welches so wohl Sanftmuth, als auch Demuth bedeutet.
   Anm. 2. Obgleich das einfache Muth männlichen Geschlechtes ist, so folget doch Demuth, nebst Anmuth, Großmuth, Sanftmuth und Wehmuth, der Regel, nach welcher die Abstracta und Tugenden weiblichen Geschlechtes sind.
 
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Dēmüthig, (nicht, wie viele sprechen, demthig,) -er, -ste, adj. et adv. Demuth besitzend, Demuth verrathend. Ein demüthiger Mensch. Eine demüthige Bitte. Demüthige Geberden. Demüthig seyn, oder werden.
   Anm. Der Comparativ ist zwar als ein Adverbium, z. B. er wird schon demüthiger, nicht aber als ein Adjectiv üblich, weil ein demüthigerer, eine demüthigere u. s. f. das Gehör beleidigen würde. Der Superlativ hingegen kann auf beyde Arten gebraucht werden. Ich bin ihr demüthigster Diener. Demüthigst bitten. Für demüthig findet man bey dem Kero so wohl diomuate, als deolich, deolihho. Bey dem Ottfried bedeutet thiohmuati, unterworfen. In Niedersachsen sagt man oodmödig, und im Österreichischen dienmüthig. Demüthiglich für demüthig ist im Hochdeutschen veraltet.
 
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Dēmüthigen, verb. reg. act. demüthig machen. 1. Eigentlich. Ich habe ihn gedehmüthiget. Er ist durch die Krankheit gar sehr gedemüthiget worden. O, wie demüthigen sie mich! Ein Lobspruch, den ich mir wegen seiner Größe nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein verdienter Verweis, Gell. 2. In weiterer und zum Theil figürlicher Bedeutung. 1) Sich demüthigen, sich demüthig bezeigen. Sich vor einem demüthigen. 2) Bezwingen, unterwerfen. Seine Feinde demüthigen. So auch die Demüthigung, welches aber auch eine demüthigende Handlung, eine Veranlassung der Demuth bedeutet, Kränkung, empfindlicher Schmerz. Dieser Vorwurf war eine große Demüthigung für ihn. Viele Demüthigungen erfahren.
   Anm. Bey dem Notker lautet dieses Zeitwort diemuoten, doumuoten, bey dem Kero nach einer andern Form theonan, bey den Übersetzer Isidors mit einem andern Anfangsworte chiodmuodan, im Nieders. oodmödigen.
 
Artikelverweis Die
Dēmüthigkeit, plur. inus. ein größten Theils veraltetes, wenigstens unnöthiges Wort, für Demuth, welches nur dann zu billigen ist, wenn man die Fertigkeit von der Gesinnung selbst zu unterscheiden hat.
   Voll von Demüthigkeit und von Gedanken groß,
   Opitz.
 
Artikelverweis 
1. Dến, die vierte Endung der einfachen Zahl des Artikels und Fürwortes der, S. Der.
 
Artikelverweis 
2. Dến, die dritte Endung der mehrern Zahl des Artikels der, w. s.
 
Artikelverweis Der
Denār, des -s, plur. die -e, von dem Lat. Denarius. 1) Eine noch jetzt in dem Preußischen Schlesien übliche Scheidemünze, welche so viel als ein Dreyer ist. 2) Eben daselbst ist

[Bd. 1, Sp. 1446]


es auch ein Gewicht, welches zwey Häller wieget. Vier Denare machen ein Quent, sechzehn Denare aber ein Loth.
 
Artikelverweis Der
Dendrīt, des -en, plur. die -en, von dem Latein. und Griech. Dendrites, Steine, auf welche anfänglich verschiedene Moosarten abgedruckt worden, deren nach ihrer Verwesung zurück gelassener leerer Raum mit zarten aufgelöseten metallischen Erden ausgefüllet worden, daher sie nunmehr verschiedene Baumgestalten u. s. f. vorstellen; Baumsteine. Daher dendrītisch, was dergleichen Figuren hat; ingleichen Dendriten-Achat, Dendriten-Krystall, Dendrtiten-Marmor, Dendriten-Onyx u. s. f.
 
Artikelverweis 
Dênen, die dritte Endung der mehrern Zahl des Fürwortes der, S. Der.
 
Artikelverweis 
Dêngeln, verb. reg. act. welches nur in der Landwirthschaft üblich ist, hämmern, doch nur von dem Schärfen der Sicheln und Sensen durch das Hämmern. Daher der Dengelhammer, ein dazu dienlicher Hammer; der Dengelstock, der dazu nöthige Amboß; das Dengelzeug, die dazu erforderlichen Werkzeuge.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort tengeln. Es kann füglich das Frequentativum von dehnen seyn, weil dieses Schärfen wirklich vermittelst der Ausdehnung des Stahles an der Schneide geschiehet. Allein da daenga im Schwedischen, und deingia im Isländischen, schlagen bedeuten, so kann man es noch besser als ein Frequentativum von diesem Worte ansehen. Die Niedersächsischen Landleute gebrauchen statt dessen das Zeitwort haaren. In einigen Gegenden ist einen Ochsen dengeln so viel als ihn schneiden, castriren.
 
Artikelverweis Das
Denidōr, oder Denydōr, des -es, plur. die -e, ein vor kurzem erfundenes musikalisches Instrument, welches zehen ganz verschiedene Instrumente in sich vereiniget, lauter eiserne Saiten und vierzehn Register hat, von welchen die meisten doppelt sind. Es fasset über 150 Arten von Stimmen oder Harmonien in sich, so daß man alle Töne aller bekannten Instrumente durch ein bloßes Clavierspielen auf demselben heraus bringen kann. Der Erfinder desselben ist Procopius Divisch, ein Römisch-katholischer Doctor der Theologie und Pfarrer zu Prednitz bey Zuaym in Mähren. Der Nahme Denidor ist das Franz. Denis d'or, Latein. Dionysius aureus: denn Divisch bedeutet im Böhmischen Dionysius.

 

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