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Dêgenstampfe bis Deichbank (Bd. 1, Sp. 1434 bis 1436)
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Artikelverweis Die Dêgenstampfe, plur. die -n, bey den Gold- und Silberarbeitern, eine bleyerne Form, die Degengefäße von Gold oder Silberblech darin zu bilden.
 
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Dêhnbar, -er, -ste, adj. et adv. was sich dehnen lässet. Daher die Dehnbarkeit, die Eigenschaft eines Körpers, nach welcher er sich dehnen oder ausdehnen lässet.
 
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Dêhnen, verb. reg. act. die Länge und Breite eines Körpers durch Ziehen vergrößern; ausdehnen, in den niedrigen Mundarten recken. 1) Eigentlich. Das Gold lässet sich dehnen. Dehne deine Seile lang und stecke deine Nägel feste, Es. 54, 2. Einen Missethäter auf der Folterbank dehnen. 2) In engerer Bedeutung als ein Reciprocum, sich dehnen, seine Glieder ausdehnen, wie ein Fieberhafter oder Fauler; im gemeinen Leben sich recken, im Oberdeutschen sich ranzen, sich stranzen. 3) Figürlich, lange währen, von der Zeit. Die Nacht dehnt sich lang, Hiob 7, 4 nach Herrn Michaelis Übersetzung. Der Weg dehnt sich gar sehr, er will kein Ende nehmen. Ingleichen, von einem fehlerhaft langsamen Tone. Ein gedehnter schleppender Ton. Er dehnt die Wörter, daß einem angst und bange darüber wird. 4. Eine Sylbe dehnen, in der Sprachkunst, sie mit einer längern Verweilung der Stimme aussprechen, im Gegensatze des schärfen. Eine gedehnte Sylbe, im Gegensatze einer geschärften, welche von dem, was man in der Prosodie lang und kurz nennet, noch sehr verschieden sind. In Hausmann ist die erste Sylbe gedehnt, und die letzte geschärft; aber in der Prosodie sind beyde lang. So auch die Dehnung, im Gegensatze der Schärfung.
   Anm. Bey dem Kero lautet dieses Zeitwort denan, bey dem Ottfried thenan, er sina hand to thenita, da streckte er seine Hand aus, bey dem Notker dennen, bey dem Tatian thenon, im Nieders. teinen, im Angels. athenan, im Schwed. taenja, im Isländ. thenia, im Slavon. czanu, im Griech. τεινω, und τανυω, im Latein. tendere und ehedem tennere; S. Adelung Dünn und Sehne. Die Niedersachsen haben noch ein anderes genau damit verwandtes Wort, welches tanen lautet, und besonders von dem Leder gebraucht wird. Leder tanen, Leder bereiten, weil solches mit vielem Ziehen und Dehnen verbunden ist, und womit das Angels. tannan, das Engl. tan, und das Franz. tanner, alle von der Bereitung des Leders, überein kommen. So alt nun dieses Wort auch ist, so scheinet es doch nur das Intensivum von ziehen, im Nieders. tehen, zu seyn, so wie sehnen von sehen,

[Bd. 1, Sp. 1435]


lehnen von legen u. s. f. Dehnen ist doch nichts anders als ein wiederhohltes starkes Ziehen. S. Ziehen und Zähe.
   Die Deutschen Mundarten außer der Hochdeutschen haben zu diesem Activo auch ein Neutrum, welches im Oberdeutschen dohnen, im Nieders. aber dunen lautet, und ausgedehnet werden, aufschwellen, bedeutet, und wovon man ein neues Intensivum dunsen hat; S. Adelung Dunst. Von diesem Worte dunen heißen die leichten Flaumfedern der Vögel wegen ihrer großen Schnellkraft Dunen, und in dem Munde der Hochdeutschen zuweilen Daunen. S. Flaumfeder.
 
Artikelverweis Der
Deich, des -es, plur. die -e, ein nur in den Niedersächsischen Marschländern übliches Wort, einen Damm von Erde zu bezeichnen, der zur Abhaltung des zuweilen einbrechenden Fluß- oder Seewassers aufgeführet wird. Einen Deich aufführen. Einen Deich durchstechen. Den Deich einlegen, zurück legen, einziehen, oder eine Einlage machen, einen beschädigten Deich in einer kürzern Linie aufführen. Zu Deiche fahren, zur Ausbesserung eines Deiches abgehen. Von dem Deiche fahren, von der Arbeit an einem Deiche wieder nach Hause gehen. Die Deiche belaufen, besichtigen. Einen Deich schaufrey machen, ihn so ausbessern, daß die Aufseher nichts daran auszusetzen finden. Den Deich aus der Last bringen, den Durchbruch eines Deiches vorerst so ausbessern, daß die gewöhnliche Fluth davon abgehalten wird. Figürlich werden in Niedersachsen auch die Torfhaufen, wenn sie einem Damme oder Deiche gleichen, Deiche genannt. Den Torf in Deiche setzen.
   Anm. 1. Im Nieders. lautet dieses Wort Diik, im Holländ. Dyk, im Angels. Dic, Dice, im Engl. Dike, im Franz. Digue, alle in der Bedeutung eines Dammes oder Walles von Erde. Eigentlich ist dieses Wort einerley mit dem Hochdeutschen Teich, piseina, welches im Nieders. gleichfalls Diik, im Angels. Dic, im Engl. Ditch, Dich, im Schwed. Dike, im Isländ. Diki, lautet, und womit das Griech. δοχ, ein Wasserbehältniß, und das Latein. ducere fossam, überein kommt. Ohne die vielen zum Theil seltsamen Ableitungen des Nieders. Deich anzuführen, soll hier nur bemerket werden, daß Wachters Ableitung noch die vernünftigste ist, der das Angels. dican, graben, für das Stammwort hält, von welchem unser Hochdeutsches stechen nur durch den Zischlaut verschieden ist; S. dieses Wort. Deich und Teich kommen also darin überein, daß sie beyde ein Werk bedeuten, welches durch Graben hervorgebracht worden. Die Benennung zweyer einander so entgegen gesetzter Dinge, als Teich, piscina, und Deich, Damm, sind, mit einem und eben demselben Worte, kann eben so wenig befremden, als daß Damm im Niedersächsischen auch einen Fischteich, einen Graben, Graben aber im Osnabrückischen auch einen Erdwall bedeutet. Agger bedeutete im Römischen Festungsbaue so wohl einen Damm, als einen Graben, und im mittlern Lat. sind Fossa und Fovea so wohl ein Hügel und Damm, als ein Canal. Vielleicht hat das Griech. τοιχος, eine Mauer, anfänglich auch nur einen Erddamm bedeutet, und alsdann würde es gleichfalls hierher gehören.
   Anm. 2. Die Ursache aber, warum man Deich in der Bedeutung eines Erddammes hier mit einem weichen D geschrieben findet, ist nicht, um es von einem Fischteiche zu unterscheiden, sondern weil es in dieser Bedeutung ein Kunstwort der Niedersachsen ist, welches sie, auch wenn sie Hochdeutsch schreiben und sprechen, beständig mit einem D ausdrucken. Das Wort Damm ist bey den Niedersachsen von einem Erdwalle gleichfalls üblich, doch gebrauchen sie von den Dämmen wider das See- und Flußwasser am häufigsten und liebsten das Wort Deich. Da auf diesen Deichen die ganze Sicherheit der niedrigen Marschländer beruhet, so sind sie auch ein sehr wesentliches Stück der Polizey und Rechtsgelehrsamkeit

[Bd. 1, Sp. 1436]


dieser Gegenden. Man hat daher auch eine Menge dahin gehöriger Zusammensetzungen, von welchen die vornehmsten im folgenden angeführet werden sollen. Andere, die leicht zu verstehen sind, wie Deicharbeit, Deicharchiv, Deichbau, Deichbaumeister, Deichbedienter, Deich-Commissarius, Deicherde, Deichfuhre, Deich-Inspector, Deich-Interessent, Deich-Casse, Deichkosten, Deichobrigkeit, Deichrechnung, Deichregister, Deichrentmeister, Deichsache, Deichschreiber, Deich-Secretär, Deichverständig, Deichwesen u. a. m. habe ich übergehen zu können geglaubt.
 
Artikelverweis Die
Deichacht, plur. die -en, S. Adelung Acht, in den Marschländern, 1) die zur Aufsicht über einen Deich gehörigen Personen und deren Gericht. Die Deichacht zusammen fordern. 2) Deren Verordnungen. 3) Die öffentlich gemachte und bestätigte Beschreibung eines Deiches; das Deichbuch. 4) Der Antheil, welchen jemand von einem mit einem Deiche verwahrten Lande besitzet. Ein Land der Deichacht entziehen, d. i. es den öffentlichen Lasten in Ansehung der Erhaltung eines Deiches entziehen.
 
Artikelverweis Das
Deichamt, des -es, plur. die -ämter, in den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, ein Amt, welches die Aufsicht über die Deiche hat, und worin der Oberlanddrost Oberdeichamtsrichter ist.
 
Artikelverweis Der
Deichanker, des -s, plur. ut nom. sing. das feste Ufer auf welchem ein Deich liegt; der Deichfuß, die Deichstelle. S. Adelung Deichufer.
 
Artikelverweis Der
Deichannêhmer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welchem von dem Eigenthümer die Arbeit an einem Deiche verdungen wird.
 
Artikelverweis Der
Deichband, des -es, plur. die -e, ein Strich Landes, welcher von einem Deiche Schutz genießet, und daher dessen Erhaltung besorgen muß; die Deichbank, der Deichstrich.
 
Artikelverweis 
Deichbandspflichtig, adj. et adv. S. Adelung Deichpflichtig.
 
Artikelverweis Die
Deichbank, plur. die -bänke, S. Adelung Deichband.

 

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