Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dêckel bis Dêckenstück (Bd. 1, Sp. 1430 bis 1431)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Dêckel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. Deckelchen, dasjenige, womit die Öffnung eines Gefäßes oder was einem Gefäße ähnlich ist, zugedecket wird. Der Deckel eines Glases, eines Topfes, eines Fasses, eines Brunnens, einer Schachtel, einer Pastete, eines Feuergewehres u. s. f. In der Baukunst wird der obere Theil des Säulenstuhles, womit der Würfel bedecket ist, gleichfalls der Deckel genannt; im Latein. heißt er Cornix, und im Franz. Corniche de Piedestal. Wenn die Buchbinder die Pappe auch Pappendeckel nennen, so hat Deckel hier noch seine erste eigentliche Bedeutung, in welcher es eine jede Decke bezeichnet. Auch das auf der Lünse oder dem Achsnagel befindliche breite Blech, welches vor das Rad gestecket wird, dasselbe vor dem Kothe zu bedecken, heißt in Obersachsen der Deckel, an andern, besonders Oberdeutschen Orten aber die Decklehne, Decklöhne, Decklünse.
   Anm. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -el von decken gebildet, und bedeutet ein Werkzeug zum Decken, wie Hebel von heben, Schlägel von schlagen u. s. f. wodurch es sich zugleich von dem eigentlich abstrakten Decke unterscheidet. Ein Deckel, welcher vermittelst eines Gewindes an einem Gefäße befestiget ist, heißt im Nieders. ein Lid, S. Adelung Glied; ein erhabener hohler Deckel aber Stulpe, im Hoch- und Oberdeutschen eine Stürze. Im Dänischen heißt ein Deckel, im Nieders. Dekkel.
 
Artikelverweis Das
Dêckeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Büchsenmachern, ein eiserner Arm, den Pfannendeckel, wenn er abgefeilet werden soll, daran zu befestigen.
 
Artikelverweis Die
Dêckelfêder, plur. die -n, an den Schlössern der Schießgewehre, eine Feder, welche den Deckel, wenn er auf der Pfanne ruhet, fest an dieselbe andrücket.
 
Artikelverweis Das
Dêckelglas, des -es, plur. die -gläser, ein großes Trinkglas mit einem Deckel.
   Ihr lacht und spitzt den Mund auf Küsse,
   Ihr lacht und füllt das Deckelglas,
   Haged.
 
Artikelverweis Die
Dêckelhaube, plur. die -n, eine veraltete Art Hauben des männlichen Geschlechtes, welche besonders im 15ten und 16ten Jahrhunderte von solchen getragen wurden, welche ihr Haar verloren hatten, und woraus nachmahls die Perrucken entstanden sind.
 
Artikelverweis Die
Dêckelkanne, plur. die -n, im gemeinen Leben, eine hölzerne Kanne mit einem Deckel; Nieders. Klippkanne, Klipp.
 
Artikelverweis Das
Dêckelsieb, des -es, plur. die -e, ein Sieb mit einem doppelten Boden, deren unterster von Leder ist.
 
Artikelverweis 
Dêcken, verb. reg. act. einen Körper auf den andern ausbreiten; ingleichen mit einer Decke versehen. Das Tischtuch auf den Tisch decken, ingleichen den Tisch decken, das Tischtuch über denselben ausbreiten, um zu speisen. Es ist gedeckt, es ist für, oder auf sechs Personen gedeckt. In engerer und theils figürlicher Bedeutung gebraucht man dieses Wort zuweilen für bedecken, d. i. gänzlich decken. So sagt man in der Mathematik, daß zwey Figuren einander decken, wenn sie von Einer Größe sind, so daß sie einander bedecken können. Das Dach decken, das Gerüst des Daches mit der gehörigen Decke versehen. Ein Haus, einen Thurm, einen Stall decken. Den Wein decken, ihn mit Erde bedecken, damit er nicht erfriere. Ingleichen für zudecken. Gedeckte, oder nach der alten Mundart, gedackte Pfeifen, in den Orgeln, Pfeifen, die mit einem Deckel verschlossen sind, S. Gedackt. Wie auch figürlich, für beschützen, bedecken. Eine Stadt, einen Transport Lebensmittel decken. Ich kann dabey nichts verlieren, ich bin hinlänglich gedeckt, d. i. ich habe hinlängliche

[Bd. 1, Sp. 1431]


Sicherheit. Ingleichen, den Augen anderer entziehen. Der Berg deckt den Wald, bedeckt oder verdeckt ihn.
   In den meisten Fällen, in welchen dieses einfache Verbum ehedem üblich war, wird jetzt das zusammen gesetzte bedecken gebraucht. Er deckte sich mit einem Mantel, 1 Mos. 38, 14. Und die Herrlichkeit des Herren wohnete auf dem Berge Sinai und deckte ihn mit den Wolken, 2 Mos. 24, 16. Mit zween (Flügeln) deckten sie ihr Antlitz, Es. 6, 2. S. Adelung Bedecken. Daher das Hauptwort die Deckung, welches doch wenig gebraucht wird, zuweilen aber auch von der Decke vorkommt.
   Anm. Decken, bey dem Ottfried theken, bey dem Übersetzer Isidors dhecchan, Nieders. dekken, Dänisch däkke, Schwed. täcka, Angels. theccan, thaccian, Isländ. thaecka, Sppan. techar, kommt mit dem Latein. tegere und dem Griech. σεγειν, welches nur vermittelst des Zischlautes davon unterschieden ist, genau überein. Es scheinet zunächst der Niederdeutschen Mundart anzugehören; denn in der obern Mundart lautete es dachen, dagen, tagen, bey dem Kero dahhan, bey dem Tatian tahan, bey dem Ottfried thagan, bey dem Stryker dagen; von welcher Form nicht nur Dach, sondern auch noch das Participium gedackt für gedeckt, bey den Orgeln, herstammet.
 
Artikelverweis Der
Dêckenflêchter, oder Dêckenmacher, des -s, plur. ut nom. sing. ein unzünftiger Handwerksmann, welcher allerley Decken aus Stroh, Bast, Binsen, Wolle u. s. f. verfertiget.
 
Artikelverweis Der
Dêckenríß, des -sses, plur. die -sse, in der Baukunst, ein Riß, oder eine Zeichnung der Decken in den Zimmern eines Gebäudes, wie sie sich von unten darstellen.
 
Artikelverweis Das
Dêckenstück, des -es, plur. die -e, ein Gemählde an der Decke eines Zimmers; ein Deckengemählde, Franz. Platfond.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: