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Dêcher bis Dêckelhaube (Bd. 1, Sp. 1428 bis 1430)
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Artikelverweis Der Dêcher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Zahl von zehen. Im gemeinen Leben so wohl Ober- als Niederdeutschlandes werden verschiedene Sachen im Handel und Wandel nach Decherngezählet. Besonders pflegen die Lederarbeiter und Lederhändler

[Bd. 1, Sp. 1429]


die rohen und zubereiteten Felle decherweise zu verkaufen. Frisch behauptet, daß dieses Wort aus dem Latein. Decuria entstanden sey. Allein Kero gebraucht Dech noch für zehen, δεκα; die spätern Zeiten haben in dem Worte zehen erst den Zischlaut eingeführet. Decher kann also eben so gut von dech, zehen, gebildet seyn, als von zwey, drey, sechs, acht u. s. f. der Zweyer, Dreyer, Sechser, Achter geworden. Um deßwillen ist auch das männliche Geschlecht vorzuziehen, obgleich einige das Decher sagen. Aus diesem Deutschen haben vielmehr die mittlern Lateiner ihr Dacra gemacht. Im Nieders. lautet dieses Wort Dêker, im Dän. Deger, im Schwed. Deker. Im Oberdeutschen ist dafür auch das Dechend üblich.
 
Artikelverweis 
Dêchsel, S. Adelung Deichsel.
 
Artikelverweis 
Decimāl, ein Beywort aus dem Latein. decimalis, welches nur in einigen Zusammensetzungen in der Rechenkunst und Geometrie gebraucht wird. Der Decimal-Bruch, oder eine Decimal-Zahl, ein Bruch, dessen Nenner aus 10, 100, 1. 000 u. s. f. bestehet; die Decimal-Rechnung, die Rechnung mit solchen Brüchen oder Zahlen; der Decimal-Fuß, oder Decimal-Schuh, der in zehen Zolle getheilet wird, und der zehente Theil einer Ruthe ist, die daher auch die Decimal-Ruthe genannt wird; der Decimal-Zoll, der aus zehen Linien bestehet, u. s. f.
 
Artikelverweis Das
Dêck, S. Adelung Verdeck.
 
Artikelverweis Das
Dêckbêtt, des -es, plur. die -en, ein Federbett, womit man sich zudecket; im Österreichischen die Tuchet, welches vermuthlich so viel als Decke bedeutet.
 
Artikelverweis Die
Dêcke, plur. die -n, von dem Verbo decken, alles dasjenige, was eine Sache decket, oder bedecket. Da diese Decken in den meisten Fällen besondere Benennungen erhalten haben, so gebraucht man diesen allgemeinen Ausdruck nur noch, 1) von gewissen biegsamen Bedeckungen anderer Körper. Dahin gehören die Tischdecken, Satteldecken, Pferdedecken, Bettdecken u. s. f. Dasjenige, womit der Band eines Buches überzogen wird, und die Art und Weise denselben zu zieren, wird bey den Buchbindern die Decke genannt, und bey den Jägern führen diesen Nahmen die Häute der Wölfe, Bären, Dachse und des Rehwildbretes. In der biblischen und höhern Schreibart wird dieses Wort zuweilen von den Kleidern gebraucht. Den Armen ohne Decke gehen lassen, Hiob 31, 19. Bey den Perruckenmachern ist die Decke dasjenige Stück der Perrucke, welches den Scheitel bedecket. Man muß sich nach der Decke strecken, man muß sich nach dem Verhältnisse seiner Umstände einschränken, wo die Figur von der Bettdecke hergenommen ist. Mit jemanden unter Einer Decke liegen oder stecken, eine ähnliche Figur, an einer bösen Sache mit Theil haben, mit darum wissen. Sie steckt gewiß auch mit unter dieser Decke, sie weiß mit darum. Auch dasjenige, was die Gewächse vor der Gewalt der Kälte bedecket, führet den Nahmen einer Decke. So dienet der Schnee dem Getreide im Winter zur Decke. Den Weinstöcken, den Gewächsen eine Decke geben, sie mit Erde, Mist, Stroh u. s. f. bedecken. 2) Was die Höhlung eines Zimmers von oben schließet. Die Decke eines Zimmers, eines Saales. Eine breterne, gewölbte, gemahlte Decke, Gypsdecke u. s. f. 3) Figürlich, alles was uns die Kenntniß einer Sache verhindert. Eine undurchdringliche Nacht ziehet ihre schwarze Decke vor das Zukünftige. Ingleichen im nachtheiligen Verstande, für das niedrigere Deckmantel. Seine schüchternen Reden ließen mich so viel errathen, daß man mich unter der Decke der Freundschaft hintergehen wollte.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort Decki, Daken, Taken, welches besonders eine Decke von Bast bezeichnet; bey

[Bd. 1, Sp. 1430]


dem Notker Decchi und Tecchi, im Nieders. gleichfalls Decke, im Schwed. Täckja, im Dän. Däkke, im Böhm. Deka, im Latein. Teges. S. Adelung Decken.
 
Artikelverweis Der
Dêckel, des -s, plur. ut nom. sing. Diminut. Deckelchen, dasjenige, womit die Öffnung eines Gefäßes oder was einem Gefäße ähnlich ist, zugedecket wird. Der Deckel eines Glases, eines Topfes, eines Fasses, eines Brunnens, einer Schachtel, einer Pastete, eines Feuergewehres u. s. f. In der Baukunst wird der obere Theil des Säulenstuhles, womit der Würfel bedecket ist, gleichfalls der Deckel genannt; im Latein. heißt er Cornix, und im Franz. Corniche de Piedestal. Wenn die Buchbinder die Pappe auch Pappendeckel nennen, so hat Deckel hier noch seine erste eigentliche Bedeutung, in welcher es eine jede Decke bezeichnet. Auch das auf der Lünse oder dem Achsnagel befindliche breite Blech, welches vor das Rad gestecket wird, dasselbe vor dem Kothe zu bedecken, heißt in Obersachsen der Deckel, an andern, besonders Oberdeutschen Orten aber die Decklehne, Decklöhne, Decklünse.
   Anm. Es ist vermittelst der Ableitungssylbe -el von decken gebildet, und bedeutet ein Werkzeug zum Decken, wie Hebel von heben, Schlägel von schlagen u. s. f. wodurch es sich zugleich von dem eigentlich abstrakten Decke unterscheidet. Ein Deckel, welcher vermittelst eines Gewindes an einem Gefäße befestiget ist, heißt im Nieders. ein Lid, S. Adelung Glied; ein erhabener hohler Deckel aber Stulpe, im Hoch- und Oberdeutschen eine Stürze. Im Dänischen heißt ein Deckel, im Nieders. Dekkel.
 
Artikelverweis Das
Dêckeleisen, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Büchsenmachern, ein eiserner Arm, den Pfannendeckel, wenn er abgefeilet werden soll, daran zu befestigen.
 
Artikelverweis Die
Dêckelfêder, plur. die -n, an den Schlössern der Schießgewehre, eine Feder, welche den Deckel, wenn er auf der Pfanne ruhet, fest an dieselbe andrücket.
 
Artikelverweis Das
Dêckelglas, des -es, plur. die -gläser, ein großes Trinkglas mit einem Deckel.
   Ihr lacht und spitzt den Mund auf Küsse,
   Ihr lacht und füllt das Deckelglas,
   Haged.
 
Artikelverweis Die
Dêckelhaube, plur. die -n, eine veraltete Art Hauben des männlichen Geschlechtes, welche besonders im 15ten und 16ten Jahrhunderte von solchen getragen wurden, welche ihr Haar verloren hatten, und woraus nachmahls die Perrucken entstanden sind.

 

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