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Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dāzwischen bis Dêcher (Bd. 1, Sp. 1427 bis 1428)
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Artikelverweis  Dāzwischen und Dazwíschen, adv. demonstrativo-relativum, für zwischen diesen, zwischen diese, zwischen dieses, zwischen diesem u. s. f. zwischen denselben u. s. f. zwischen demselben u. s. f. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen oder eine Bewegung zwischen dieselben bedeutet. Dazwischen sehe ich nichts. Dazwischen stelle es.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen, oder eine Bewegung zwischen dieselben. Es ist nichts dazwischen. Der Raum, so dazwischen ist, ist enge. Ich kann kaum die Hand dazwischen legen. Sie wollten sich schlagen, aber ich trat noch dazwischen. 2) Figürlich, eine Unterbrechung. Ich wollte dich heute besuchen, aber es kam etwas dazwischen. Sie wollten sich zanken, aber man legte, man schlug sich dazwischen, man hinderte es. Rede mit nicht dazwischen.
   Die Freunde klagen ihn und weinen oft dazwischen,
   Zachar. Anm. Einige Infinitive und Substantive können mit diesem Worte auch zusammen gesetzet werden. Ich bin unwillig, daß deine unzeitige Dazwischenkunft mir die gute Gelegenheit geraubt hat. Diese Partikel kann, wie aus einigen der obigen Beyspiele erhellet, sich auch auf Personen beziehen. Ehedem wurde sie auch als ein Bindewort für inzwischen, indessen, gebraucht, in welcher Gestalt sie aber im Hochdeutschen veraltet ist. In dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug lautet sie thar entzwischen, und bey dem Stryker da entwischen.
 
Artikelverweis 
De, eine Endung verschiedener Hauptwörter, welche von Zeitwörtern abgeleitet worden, das Abstractum derselben anzudeuten, und weiblichen Geschlechtes sind. Diese Wörter entstehen so, daß die Sylbe en von dem Verbo weggeworfen, und dafür de angehänget wird. Freuen, Freude; zieren, Zierde; sohnen oder sühnen, Sünde; nahen oder genahen, Gnade; heren, Herde; taufen, Täufde, welches noch in den gemeinen Mundarten einiger Gegenden üblich ist; behören, Behörde; lieben, Liebde; bähren, tragen, Bürde; begehren, Begirde. In einigen dieser Wörter scheinet auch der vorher gehende Selbstlaut einige Veränderungen erlitten zu haben; indessen stehet es noch dahin, ob das Wort nicht von einer nun veralteten Form oder Mundart des Verbi abgeleitet worden, die der heutigen Gestalt des Hauptwortes ähnlicher war. Für begehren ist in einigen Mundarten noch jetzt gieren üblich.
   Viele dieser abgeleiteten Wörter sind im Hochdeutschen veraltet, oder unter andern Gestalten vorhanden. Die Alten sagten die Erbärmde, die Begräbde, die Betrübde, die Bewegde, u. s. f. wofür wir jetzt Erbarmung, Begräbniß, Betrübniß und Bewegungen haben.
   In andern Wörtern ist dieses de wieder weggeworfen worden, unerachtet erweislich ist, daß die ältern Mundarten dasselbe gehabt haben. Für Zierde und Begierde sind auch Zier und Begier üblich. Für das Gehör und das Gesetz sagte man ehedem die Gehörde und die Gesetzde. Andere haben nur ihr e weggeworfen und das d behalten, wie Tugend von taugen, Schuld von schollen, sollen. Andere haben noch andere Veränderungen erlitten; denn so sind aus Zierde Zierath, aus Heimde Heimath,

[Bd. 1, Sp. 1428]


aus Hemde das Österreichische Hemath, aus Ärmde Armuth, und, wie Frisch glaubt, aus Heilde so gar Heiland geworden.
   Es scheinet, daß dieses de aus der gleich bedeutenden Endsylbe heir zusammen gezogen worden; wenigstens sind beyde Sylben von einerley Bedeutung und Gebrauch; S. Adelung Heit. Bey dem Ulphilas lautet diese Sylbe tha, bey den Angelsachsen te, und bey den ältern Franken und Alemannen tha.
   Übrigens ist diese Sylbe eine von denen, welche man nicht nach Belieben den Zeitwörtern anhängen darf, um Hauptwörter daraus zu bilden. Man muß es bey denjenigen bewenden lassen, die das Alterthum auf uns vererbet hat.
 
Artikelverweis 
Debel, S. Adelung Döbel.
 
Artikelverweis Das
Decanāt, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Latein. Decanatus, die Würde eines Decans und dessen Ehrenamt; ingleichen das ihm untergebene Gebieth, wie auch dessen Wohnung.
 
Artikelverweis Die
Decanēy, plur. die -en, aus dem mittlern Latein. Decania, ein Wort, welches in einigen Gegenden in eben den Bedeutungen üblich ist, in welchen andere Decanat gebrauchen; auch wohl die Dechaney.
 
Artikelverweis Der
Decānus, des Decani, plur. die Decani, oder der Decān, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Decanus, welches eigentlich einen Vorgesetzten über zehen Soldaten bedeutete, ein Vorgesetzter eines Collegii, es mag solches ein geistliches oder ein weltliches seyn, doch nur in einigen besondern Fällen. In den hohen Stiftern wird der nächste nach dem Propste in dem Kapitel der Decanus, noch öfter aber der Dechant, und in weiblichen Stiftern die Decanissinn genannt. S. dieses Wort. Auf Universitäten heißen die Vorgesetzten der Facultäten, und in einigen Gegenden auch die Aufseher über eine gewisse Anzahl Landpfarrer Decani. In der letzten Bedeutung stammet dieses Wort aus den mittlern Zeiten der Römischen Kirche der, wo nach Abschaffung der Chor- oder Landbischöfe, die Bischöfe ihren Sprengel in Decanare theileten, und jedem derselben einen Decanum vorsetzten. Bey den Handwerkern wurden ehedem auch wohl die Oberältesten und Obermeister Decani genannt. S. du Fresne Gloss. Kero übersetzet dieses Wort sehr buchstäblich durch Zehanninga.
 
Artikelverweis Der
Decêmber, des -s, plur. ut nom. sing. der zwölfte und letzte Monath im Jahre; nach dem Römischen Decembris, weil er bey ihnen der zehente war. Carl der Große gab ihm den Nahmen Heilmanoth oder Heilmonath, nachmahls ist aber die Benennung Christmonath üblicher geworden, weil das Christ- oder Weihnachtsfest in denselben fällt. Frisch führet auch den Nahmen Wolfsmonath an.
 
Artikelverweis Die
Dechanēy, plur. die -en, S. Adelung Decaney.
 
Artikelverweis Der
Dêchant, des -es, plur. die -e, so wie Decan, aus welchem Worte es auch entstanden ist. Besonders führet der Vorgesetzte eines Collegial-Stiftes diesen Nahmen. Bey den Kathedral-Stiftern hat derselbe noch den Bischof über sich. Zum Unterschiede von andern Dechanten wird er auch Dom-Dechane genannt. In den gemeinen Mundarten der mittlern Zeiten ist dieses Wort zuweilen in Dägen und Degen verstümmelt worden; im Niedersächsischen lautet es Deken, im Französ. Doyen, im Engl. Dean.
 
Artikelverweis Das
Dêchend, des -es, plur. die -e, eine Zahl von zehen, S. das folgende.
 
Artikelverweis Der
Dêcher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Zahl von zehen. Im gemeinen Leben so wohl Ober- als Niederdeutschlandes werden verschiedene Sachen im Handel und Wandel nach Decherngezählet. Besonders pflegen die Lederarbeiter und Lederhändler

[Bd. 1, Sp. 1429]


die rohen und zubereiteten Felle decherweise zu verkaufen. Frisch behauptet, daß dieses Wort aus dem Latein. Decuria entstanden sey. Allein Kero gebraucht Dech noch für zehen, δεκα; die spätern Zeiten haben in dem Worte zehen erst den Zischlaut eingeführet. Decher kann also eben so gut von dech, zehen, gebildet seyn, als von zwey, drey, sechs, acht u. s. f. der Zweyer, Dreyer, Sechser, Achter geworden. Um deßwillen ist auch das männliche Geschlecht vorzuziehen, obgleich einige das Decher sagen. Aus diesem Deutschen haben vielmehr die mittlern Lateiner ihr Dacra gemacht. Im Nieders. lautet dieses Wort Dêker, im Dän. Deger, im Schwed. Deker. Im Oberdeutschen ist dafür auch das Dechend üblich.

 

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