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Dāwider bis Dechanēy (Bd. 1, Sp. 1425 bis 1428)
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Artikelverweis  Dāwider und Dawīder, adv. demonstrativo-relativum, für wider diesen, wider denselben u. s. f. Auch dieses ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, aber nur in der figürlichen Bedeutung des Wortes wider üblich ist, einen Widerstand, Widerspruch zu bezeichnen. Dawider habe ich nichts. Dawider wird sich wohl niemand setzen. Mußt du dich auch dawider auflehnen?
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es bezeichnet, 1) eigentlich, eine Bewegung wider oder gegen eine Sache. Er kam zum Thurn und stritt dawider, Richt. 9, 52. Er fiel an die Mauer und stieß mit dem Kopfe dawider. 2) Einen Widerspruch, Widerstand, Gegenwirkung. Du kannst immer reisen, ich habe nichts dawider. Ich bin gar nicht dawider, widersetze mich dieser Sache nicht. Er sperrete sich sehr dawider. Murre nicht immer dawider. Wenn es nur wahr wäre, so wollte ich kein Wort dawider reden. Mein Herz mag dawider sagen, was es will.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet diese Partikel darwider, bey dem Übersetzer Isidors dhar uuidbar, bey dem Tatian tho widaro, thiuuuideru, widarthiu. Die Zerreißung dieser Partikel, die Verdoppelung des da, und der bloß relative Gebrauch für wider welches, ist auch hier wider den Hochdeutschen Sprachgebrauch. S. Adelung Da II. und Wider.
 
Artikelverweis 
Dāzu und Dazū, adv. demonstrat. relat. für zu diesem, zu dieser, zu diesem, zu demselben, zu derselben, zu demselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bedeutet, 1) eine Bewegung nach oder zu einer Sache, eine Annäherung. Dazu, zu diesem Haufen, thue es. Dazu setze es. Dazu soll es nicht kommen, d. i. dieses soll nicht geschehen. Es wird dennoch dazu kommen, daß Jacob wurzeln wird, Es. 27, 6. 2) Eine Vermehrung. Dazu kommt noch dieses, daß u. s. f. Noch mehr aber, 3) den Gegenstand einer Fähigkeit, Neigung oder Handlung. Dazu habe ich keine Lust. Dazu ist er zu verdrießlich, zu ungeschickt u. s. f. Sollte ich mich nicht dazu schicken? Dazu mußt du dich ganz anders anschicken. Dazu kann ich nicht rathen. Dazu gehöret Kunst. Dazu lässet man sich nicht zwingen. 4) Eine Endursache, in welchem Falle es oft das Bindewort daß nach sich hat. Die Geschöpfe sind dazu da, daß wir sie genießen sollen. Schäme dich, daß du nicht arbeiten willst, dazu bist du ja geboren.

[Bd. 1, Sp. 1426]


Denn dazu bin ich dir erschienen, daß ich dich ordene u. s. f. Apostelg. 26, 16. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er u. s. f. 1 Joh. 3, 8. Daß ich daselbst auch predige, denn dazu bin ich kommen, Marc. 1, 38. Ich habe dir das Geld nicht dazu gegeben, daß du es verthun sollst. 5) Eine Begleitung. Dazu muß ich nur lachen. Dazu sage ich nichts.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) Eine Bewegung und Annäherung nach und zu einer Sache. Das Geld ist verschlossen, ich kann nicht dazu, ich kann nicht zu demselben kommen. Die Insel stehet im Wasser, es kann niemand dazu. Thue, setze noch etwas dazu. Er hat Lust zu verreisen, aber wir wollen es nicht dazu kommen lassen. Es soll gewiß nicht dazu kommen, es soll gewiß nicht geschehen. Dahin gehöret auch die im gemeinen Leben übliche Redensart: thue dazu, d. i. wende Fleiß an. Thue dazu, daß du bald fertig wirst.
   So habet fleys und thut darzu,
   Daß ihr Tewerdank disen Hauptmann
   Habt gefangen,
   Theuerd. Kap. 95. Ingleichen, dazu kommen, für darüber zu kommen. Sie wollten entfliehen, aber ich kam zum Glücke dazu. 2) Eine Vermehrung. Ich habe an diesem nicht genug, gib mir noch etwas dazu. Ich schenke dir den Acker und die Höhle dazu, 1 Mos. 23, 11. Der Reiche thut Unrecht, und trotzet noch dazu, Sir. 13, 4. Das ist es noch nicht alles, es kommt noch dazu, daß er auch geraubet hat. Wir wollen noch etwas dazu setzen. In dieser Bedeutung nimmt das Nebenwort im gemeinen Leben oft die Gestalt eines Bindewortes an, für über dieses. Gott machte zwey große Lichter, dazu auch Sterne, 1 Mos. 1, 16. Ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, Matth. 8, 9. Lasterhafte Personen, welche noch dazu aus dem Staube erwachsen sind. 3) Den Gegenstand einer Neigung, Fähigkeit, oder Handlung. Hast du keine Lust dazu? Er bezeiget wenig Neigung dazu. Er schickt sich sehr schlecht dazu. Wir sind bereit, willig, fertig dazu. Er ist allzu verdrießlich dazu. Der Krieg ist noch nicht ausgebrochen, man rüstet sich nur noch erst dazu. Das träget vieles dazu bey. Es gehöret mehr dazu, als man denkt. Ich rathe nicht dazu. Gib mir Geld dazu. Ich will auch dazu helfen. Ich bin dazu gereitzet worden. Dieß gehöret auch noch dazu u. s. f. 4) Eine Begleitung. Singe ein Lied, wir wollen dazu spielen. Man ermahnete ihn, aber er lachte nur dazu. Du schweigst, sagst du denn nichts dazu? Was sagten unsere Freunde dazu? Ich habe noch nicht ja dazu gesagt. Er versicherte es, und schwor dazu.
   Er sieht die Herde grasen,
   Und spielt ein Lied dazu,
   Haged. Anm. 1. Dazu für wozu, ist auch hier wider den Hochdeutschen Sprachgebrauch; z. B. das ewige Leben, dazu du auch berufen bist, 1 Tim. 6, 12. So wie die Zerreißung dieser Partikel: Da gebe Gott Glück zu! Da ihr Lust zu habt, Es. 1, 29, und die Verdoppelung des da: Da gehöret Kunst dazu.
   Anm. 2. Diese Partikel lautet bey dem Ottfried thara zua und zi thiu. In der ersten Gestalt gebraucht er sie auch für über dieses, in welchem Verstande auch Notker dara zuo gebraucht. In den spätern Zeiten zog man sie in dazu, datze, dacz zusammen, und gebrauchte sie in dieser Gestalt auch als ein Vorwort für zu, bey und in. Datze Jerusalem, zu Jerusalem, datz Himmel, im Himmel, datze Gott, bey Gott. Darzu ist eben so Oberdeutsch wie anzu.
 
Artikelverweis *
Dāzumahl, ein nur im gemeinen Leben übliches Nebenwort der Zeit, für zu dem Mahle, damahls. Dazumahl zog Regin

[Bd. 1, Sp. 1427]


hinauf gen Jerusalem, 2 Kön. 16,5. Dazumahl redetest du im Gesicht zu deinem Heiligen, Ps. 89, 20. Wie waret ihr dazumahl so selig, Gal. 4, 15. Im Oberdeutschen lautet es auch wohl dazumahlen. Die Niedersachsen gebrauchen dieses Nebenwort auch für zumahl da, vornehmlich.
 
Artikelverweis 
Dāzwischen und Dazwíschen, adv. demonstrativo-relativum, für zwischen diesen, zwischen diese, zwischen dieses, zwischen diesem u. s. f. zwischen denselben u. s. f. zwischen demselben u. s. f. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen oder eine Bewegung zwischen dieselben bedeutet. Dazwischen sehe ich nichts. Dazwischen stelle es.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen, oder eine Bewegung zwischen dieselben. Es ist nichts dazwischen. Der Raum, so dazwischen ist, ist enge. Ich kann kaum die Hand dazwischen legen. Sie wollten sich schlagen, aber ich trat noch dazwischen. 2) Figürlich, eine Unterbrechung. Ich wollte dich heute besuchen, aber es kam etwas dazwischen. Sie wollten sich zanken, aber man legte, man schlug sich dazwischen, man hinderte es. Rede mit nicht dazwischen.
   Die Freunde klagen ihn und weinen oft dazwischen,
   Zachar. Anm. Einige Infinitive und Substantive können mit diesem Worte auch zusammen gesetzet werden. Ich bin unwillig, daß deine unzeitige Dazwischenkunft mir die gute Gelegenheit geraubt hat. Diese Partikel kann, wie aus einigen der obigen Beyspiele erhellet, sich auch auf Personen beziehen. Ehedem wurde sie auch als ein Bindewort für inzwischen, indessen, gebraucht, in welcher Gestalt sie aber im Hochdeutschen veraltet ist. In dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug lautet sie thar entzwischen, und bey dem Stryker da entwischen.
 
Artikelverweis 
De, eine Endung verschiedener Hauptwörter, welche von Zeitwörtern abgeleitet worden, das Abstractum derselben anzudeuten, und weiblichen Geschlechtes sind. Diese Wörter entstehen so, daß die Sylbe en von dem Verbo weggeworfen, und dafür de angehänget wird. Freuen, Freude; zieren, Zierde; sohnen oder sühnen, Sünde; nahen oder genahen, Gnade; heren, Herde; taufen, Täufde, welches noch in den gemeinen Mundarten einiger Gegenden üblich ist; behören, Behörde; lieben, Liebde; bähren, tragen, Bürde; begehren, Begirde. In einigen dieser Wörter scheinet auch der vorher gehende Selbstlaut einige Veränderungen erlitten zu haben; indessen stehet es noch dahin, ob das Wort nicht von einer nun veralteten Form oder Mundart des Verbi abgeleitet worden, die der heutigen Gestalt des Hauptwortes ähnlicher war. Für begehren ist in einigen Mundarten noch jetzt gieren üblich.
   Viele dieser abgeleiteten Wörter sind im Hochdeutschen veraltet, oder unter andern Gestalten vorhanden. Die Alten sagten die Erbärmde, die Begräbde, die Betrübde, die Bewegde, u. s. f. wofür wir jetzt Erbarmung, Begräbniß, Betrübniß und Bewegungen haben.
   In andern Wörtern ist dieses de wieder weggeworfen worden, unerachtet erweislich ist, daß die ältern Mundarten dasselbe gehabt haben. Für Zierde und Begierde sind auch Zier und Begier üblich. Für das Gehör und das Gesetz sagte man ehedem die Gehörde und die Gesetzde. Andere haben nur ihr e weggeworfen und das d behalten, wie Tugend von taugen, Schuld von schollen, sollen. Andere haben noch andere Veränderungen erlitten; denn so sind aus Zierde Zierath, aus Heimde Heimath,

[Bd. 1, Sp. 1428]


aus Hemde das Österreichische Hemath, aus Ärmde Armuth, und, wie Frisch glaubt, aus Heilde so gar Heiland geworden.
   Es scheinet, daß dieses de aus der gleich bedeutenden Endsylbe heir zusammen gezogen worden; wenigstens sind beyde Sylben von einerley Bedeutung und Gebrauch; S. Adelung Heit. Bey dem Ulphilas lautet diese Sylbe tha, bey den Angelsachsen te, und bey den ältern Franken und Alemannen tha.
   Übrigens ist diese Sylbe eine von denen, welche man nicht nach Belieben den Zeitwörtern anhängen darf, um Hauptwörter daraus zu bilden. Man muß es bey denjenigen bewenden lassen, die das Alterthum auf uns vererbet hat.
 
Artikelverweis 
Debel, S. Adelung Döbel.
 
Artikelverweis Das
Decanāt, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Latein. Decanatus, die Würde eines Decans und dessen Ehrenamt; ingleichen das ihm untergebene Gebieth, wie auch dessen Wohnung.
 
Artikelverweis Die
Decanēy, plur. die -en, aus dem mittlern Latein. Decania, ein Wort, welches in einigen Gegenden in eben den Bedeutungen üblich ist, in welchen andere Decanat gebrauchen; auch wohl die Dechaney.
 
Artikelverweis Der
Decānus, des Decani, plur. die Decani, oder der Decān, des -es, plur. die -e, aus dem Latein. Decanus, welches eigentlich einen Vorgesetzten über zehen Soldaten bedeutete, ein Vorgesetzter eines Collegii, es mag solches ein geistliches oder ein weltliches seyn, doch nur in einigen besondern Fällen. In den hohen Stiftern wird der nächste nach dem Propste in dem Kapitel der Decanus, noch öfter aber der Dechant, und in weiblichen Stiftern die Decanissinn genannt. S. dieses Wort. Auf Universitäten heißen die Vorgesetzten der Facultäten, und in einigen Gegenden auch die Aufseher über eine gewisse Anzahl Landpfarrer Decani. In der letzten Bedeutung stammet dieses Wort aus den mittlern Zeiten der Römischen Kirche der, wo nach Abschaffung der Chor- oder Landbischöfe, die Bischöfe ihren Sprengel in Decanare theileten, und jedem derselben einen Decanum vorsetzten. Bey den Handwerkern wurden ehedem auch wohl die Oberältesten und Obermeister Decani genannt. S. du Fresne Gloss. Kero übersetzet dieses Wort sehr buchstäblich durch Zehanninga.
 
Artikelverweis Der
Decêmber, des -s, plur. ut nom. sing. der zwölfte und letzte Monath im Jahre; nach dem Römischen Decembris, weil er bey ihnen der zehente war. Carl der Große gab ihm den Nahmen Heilmanoth oder Heilmonath, nachmahls ist aber die Benennung Christmonath üblicher geworden, weil das Christ- oder Weihnachtsfest in denselben fällt. Frisch führet auch den Nahmen Wolfsmonath an.
 
Artikelverweis Die
Dechanēy, plur. die -en, S. Adelung Decaney.

 

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