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Davids-Harfe bis Decanāt (Bd. 1, Sp. 1422 bis 1428)
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Artikelverweis Die Davids-Harfe, plur. die -n, eine Art großer Harfen, deren Spitze sich unten befindet, und welche mit Darmsaiten bezogen wird. S. Adelung Harfe und Spitzharfe.
 
Artikelverweis Das
Davids-Korn, des -es, plur. car. eine Art vierzeiliger nackter Gerste, welche auch Davids-Gerste, Himmelskorn und Ägyptisches Korn genannt, und häufig in Norwegen gebauet wird.
 
Artikelverweis 
Dāvon und Davón, adv. demonstrativo-relativum, welches überhaupt den terminum a quo einer Handlung oder eines Ausspruches ausdruckt, für von diesem, von dieser, von demselben, von derselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und gern, obgleich nicht alle Mahl, zu Anfange eines Satzes stehet. Es bedeutet, 1) eine Absonderung, Befreyung von einer Sache. Davon habe ich nichts genommen. Davon ist noch nichts abgeschnitten worden. 2) Das Ziel, vom welchem eine Sache oder deren Bestimmung hergenommen wird. Davon wirst du keinen Nutzen haben. 3) Den Gegenstand einer Wirkung, oder eines Ausspruches. Davon weiß ich nichts. Davon hat man uns noch nichts gesagt. Davon erfähret man nichts. Davon schreibt man nicht gern. 4) Eine wirkende Ursache. Davon mußte er sterben. Davon ist noch niemand gesund geworden. Verzehrend Feuer ging aus seinem Munde, daß es davon blitzte, 2 Sam. 22, 9. Ps. 18, 9. Davon erschraken alle Lande so sehr Richt. 3, 8. In dieser Bedeutung ist es nur im gemeinen Leben üblich. In der anständigern Schreibart bedienet man sich in den meisten Fällen lieber der Partikeln daher, darüber, oder auch einer Umschreibung.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat. Es bedeutet gleichfalls, 1) eine Absonderung und Befreyung von einer vorher genannten Sache. Der Haufen ist noch ganz, es ist noch nichts davon genommen. Es hat noch niemand davon gegessen. Das Glas ist zu voll, trink etwas davon. Das Übel ist vorbey, die Arzeney hat mich davon befreyet. 2) Das Ziel, bey welchem sich eine Sache oder deren Bestimmung anfängt. Wir wohnen zwar nicht an dem Berge, aber wir wohnen doch nicht weit davon. Was habe ich für Nutzen davon? Der Schaden, den er davon hat, ist groß. Wenn ich es nun auch thue, was habe ich denn davon? d. i. was für Nutzen. 3) Den Gegenstand einer Wirkung oder eines Ausspruches. Was sagt man von dem Frieden? Hast du nichts davon gehöret? Ich weiß nichts davon. Ich erfahre nichts davon. Ich habe bereits Bericht davon erstattet. Er macht viel Rühmens davon. Ich

[Bd. 1, Sp. 1423]


spüre nichts davon. Vergiß nicht, uns Nachricht, davon zu geben. Rede mir nicht mehr davon. Hierher gehören auch einige biblische Arten des Gebrauches, welche aber im Hochdeutschen nicht nachzuahmen sind. Das Unglück, davon meine Freunde rathschlagen, Ps. 140, 10, für worüber. Hast du nicht gegessen von dem Baum, davon (in Ansehung dessen) ich dir geboth, du solltest nicht davon essen? 1 Mos. 3, 11. 17. Wo es zugleich bloß relative für wovon stehet. S. die Anm. 4) Eine wirkende Ursache. Das Erdreich regte sich und bebete davon (von den Blitzen), Ps. 77, 19. Das Bad ist nicht allen gleich nützlich, einige sind zwar davon gesund geworden, aber es sind auch manche davon gestorben. Auch hier ist es nur im gemeinen Leben üblich. 5) Oft ist der Gegenstand, worauf sich davon beziehet, dunkel, und alsdann hilft es mit vielen Verbis verschiedene figürliche Arten des Ausdruckes bilden, die doch zum Theil nur in der vertraulichen Sprache des Umganges üblich sind. Es bedeutet alsdann alle Mahl eine gänzliche Entfernung, weg. Die vornehmsten dieser Zeitwörter sind:
   Bringen. Nichts davon bringen, nichts mit wegbringen; ingleichen, bey einer Sache nichts erwerben. Sein Leben als eine Beute davon bringen.
   Eilen. Davon eilen, wegeilen. Unsere Jugend fliehet schnell vorüber, wie ein Pfeil eilet sie davon.
   Fahren. Wenn ein Mensch keinen Verstand hat, so fähret er davon, wie ein Vieh, Ps. 149, 21.
   Fliegen. Der Vogel flog davon. Unser Leben fähret schnell dahin, als flögen wir davon, Ps. 90, 10.
   Der Wagen fleugt
   In sanftem Sturm davon,
   Wiel. Fliehen. Die Feinde hielten nicht Stand, sie flohen plötzlich davon. S. Adelung Entfliehen.
   Führen. Es entstand ein Wind und führete alles davon.
   Gehen. Laß den Geringen nicht mit Schanden davon gehen, Ps. 74, 21. Der Schuldner ist davon gegangen, ist flüchtig geworden.
   Heben, welches aber im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nicht mehr üblich ist. Wenn aber die Sonne aufgehet, heben sie sich davon, und legen sich in ihre Löcher, Ps. 104, 22. Fliehet, hebet euch eilends davon, Jer. 49, 30.
   Helfen. 1) Jemanden davon helfen, ihm zu seiner Flucht beförderlich seyn. 2) Ist dir das viele Geld zur Last, o man wird dir schon davon helfen! man wird dich schon davon befreyen, es dir schon abnehmen.
   Jagen. Man jagte ihn davon, d. i. man jagte ihn weg, 2 Macc. 13, 21.
   Kehren, welches aber im Hochdeutschen ohne alle Beziehung nicht üblich ist. Ich will mein Antlitz davon kehren, wegkehren, Ezech. 7, 22.
   Kommen, entkommen. Er ist mit Ehren davon gekommen. Er ist mit einem blauen Auge davon gekommen, er hat weiter nichts als einen kleinen Verlust dabey erlitten. Glaubst du so davon zu kommen? Da (alsdann) würden sie mit einer leichten Strafe davon kommen, Gell. Ich merkte, ich würde hier so leichtes Kaufes nicht davon kommen, mit der zweyten Endung, ist Oberdeutsch.
   Laufen, entlaufen. Es ist mir heute ein Bedienter davon gelaufen. Die Feinde hielten nicht Stand, sondern liefen davon.
   Machen. Sich davon machen, heimlich entfliehen.
   Müssen. Daß mein Leben ein Ziel hat, und ich davon

[Bd. 1, Sp. 1424]


muß, Ps. 39, 5, daß ich sterben muß. Die Wassertrinker müssen wie wir davon.
   Reiten. Er ist mit einem Pferde davon geritten, flüchtig geworden.
   Schleichen. Sich davon schleichen, sich wegschleichen, heimlich entfernen.
   Schwimmen. Schnell sprang er in das Wasser und schwamm davon.
   Springen. Als man ihn ergreifen wollte, sprang er davon.
   Tragen. Etwas davon tragen, eigentlich, es wegtragen; figürlich, es erlangen, bekommen. Er hat den Sieg davon getragen. Ehre, Ruhm, Schande davon tragen. Er trug nichts als Schimpf und Spott davon. Nutzen, Schaden davon tragen.
   Ziehen. Er ist davon gezogen, weggezogen. Da nahmen sie alle Habe und zogen davon, 1 Mos. 14, 11.
   Anm. 1. Davon wird im gemeinen Leben zuweilen auch von Personen gebraucht, ungeachtet solches bey dieser Art Wörter nur selten erlaubt ist. Man bekam zehn Diebe, vier davon wurden gehenkt, besser von ihnen.
   Anm. 2. Davon für wovon kommt so wohl im gemeinen Leben, als in der Deutschen Bibel häufig vor. Bis du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist, 1 Mos. 3, 19. Durch die Gnade, nicht durch Speisen, davon keinen Nutzen haben, die damit umgehen, Ebr. 13, 9. Sie richteten ein Poltern an, davon er sollte aufwachen, Judith 14, 8. S. Adelung Da II.
   Anm. 3. Im Niedersächsischen lautet dieses Wort daarvan, darvan af, und daraf, im Oberdeutschen darvon und darab. Ehedem wurde es auch als ein Bindewort für daher gebraucht. Davon ewr peiten ist enwiht, daher ist euer Warten umsonst, bey dem Pez im Gloss. v. Enwicht. S. Adelung Da II. und Von.
 
Artikelverweis 
Dāvor und Davōr, adv. demonstrativo-relativum, für vor diesen, vor diese, vor dieses, vor diesem, vor dieser, vor diesem; vor denselben, vor dieselbe, vor dasselbe, vor demselben, vor derselben, vor demselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bedeutet, 1) eine Gegenwart vor einer andern Sache. Davor steckt ein Riegel. Ingleichen eine Bewegung vor eine Sache. Davor wälze den Stein. 2) Eine Bewegung vor einer andern Sache her, so wohl eigentlich als figürlich. Davor fliehe ich nicht. Davor hüthe dich. Davor nimm dich in Acht. Davor behüthe, bewahre, beschütze uns Gott. 3) Den Gegenstand einer unangenehmen Gemüthsbewegung. Davor fürchte ich mich nicht. Davor erschrickt man eben nicht. 4) Eine wirkende Ursache. Der Lärm war Schuld daran, denn davor konnte der Kranke nicht schlafen.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat. 1) Eine Gegenwart vor einer andern Sache. Die Thür gehet nicht auf, es steckt ein Riegel davor. Wie kann ich sehen? du stehest ja davor. Ingleichen eine Bewegung vor eine Sache. Hier ist ein Loch, stelle dich davor. Er wälzete einen Stein davor. Wenn ich von dem Lichte sehen will, so trittst du davor. 2) Eine Bewegung vor einer andern Sache her, so wohl eigentlich als figürlich. Hier ist eine Grube, hüthe dich davor. Er fliehet davor, wie vor dem Feuer. Ich habe dich tausend Mahl davor gewarnet. Nimm dich davor in Acht. Gott hat mich davor bewahret, behüthet, beschützet. 3) Den Gegenstand einer unangenehmen Bewegung des Gemüthes. Er schrie so laut, daß man davor erschrak. Du glaubst, ich sollte mich davor fürchten? Man hat einen

[Bd. 1, Sp. 1425]


Abscheu, einen Ekel davor. Ich scheue mich nicht davor. 4) Eine wirkende Ursache. Es war ein Lärm, daß man nicht davor schlafen konnte. Man konnte davor nicht zu sich selber kommen. Ich kann nichts davor, ich bin nicht Schuld daran.
   Anm. Die Trennung dieser Partikel, welche im Hochdeutschen nicht erlaubt ist, ist so wohl im gemeinen Leben, besonders Niedersachsens, als auch in der Deutschen Bibel sehr häufig. Da einen vor ekelt; da hüthe dich vor. Die Redensart, da sey Gott vor! ist auch im Hochdeutschen eingeführet; denn der richtigere Ausdruck, davor sey Gott, ist ungewöhnlich.
   Da sey der Himmel vor, den selber zu ermorden,
   Schleg. Die Verdoppelung des da, da kann ich nichts davor, ist eben so fehlerhaft, als der bloß relative Gebrauch für wovor, das Geschrey davor du erschrakest, die Thür davor du stehest. Im Niedersächsischen lautet diese Partikel daarvör, im Oberdeutschen darvor. Bey dem Ottfried bedeutet tharfora, vorher; thie tharfora giangun, die vorher gingen. S. Adelung Da II. und Vor.
 
Artikelverweis 
Dāwider und Dawīder, adv. demonstrativo-relativum, für wider diesen, wider denselben u. s. f. Auch dieses ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, aber nur in der figürlichen Bedeutung des Wortes wider üblich ist, einen Widerstand, Widerspruch zu bezeichnen. Dawider habe ich nichts. Dawider wird sich wohl niemand setzen. Mußt du dich auch dawider auflehnen?
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es bezeichnet, 1) eigentlich, eine Bewegung wider oder gegen eine Sache. Er kam zum Thurn und stritt dawider, Richt. 9, 52. Er fiel an die Mauer und stieß mit dem Kopfe dawider. 2) Einen Widerspruch, Widerstand, Gegenwirkung. Du kannst immer reisen, ich habe nichts dawider. Ich bin gar nicht dawider, widersetze mich dieser Sache nicht. Er sperrete sich sehr dawider. Murre nicht immer dawider. Wenn es nur wahr wäre, so wollte ich kein Wort dawider reden. Mein Herz mag dawider sagen, was es will.
   Anm. Im Oberdeutschen lautet diese Partikel darwider, bey dem Übersetzer Isidors dhar uuidbar, bey dem Tatian tho widaro, thiuuuideru, widarthiu. Die Zerreißung dieser Partikel, die Verdoppelung des da, und der bloß relative Gebrauch für wider welches, ist auch hier wider den Hochdeutschen Sprachgebrauch. S. Adelung Da II. und Wider.
 
Artikelverweis 
Dāzu und Dazū, adv. demonstrat. relat. für zu diesem, zu dieser, zu diesem, zu demselben, zu derselben, zu demselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bedeutet, 1) eine Bewegung nach oder zu einer Sache, eine Annäherung. Dazu, zu diesem Haufen, thue es. Dazu setze es. Dazu soll es nicht kommen, d. i. dieses soll nicht geschehen. Es wird dennoch dazu kommen, daß Jacob wurzeln wird, Es. 27, 6. 2) Eine Vermehrung. Dazu kommt noch dieses, daß u. s. f. Noch mehr aber, 3) den Gegenstand einer Fähigkeit, Neigung oder Handlung. Dazu habe ich keine Lust. Dazu ist er zu verdrießlich, zu ungeschickt u. s. f. Sollte ich mich nicht dazu schicken? Dazu mußt du dich ganz anders anschicken. Dazu kann ich nicht rathen. Dazu gehöret Kunst. Dazu lässet man sich nicht zwingen. 4) Eine Endursache, in welchem Falle es oft das Bindewort daß nach sich hat. Die Geschöpfe sind dazu da, daß wir sie genießen sollen. Schäme dich, daß du nicht arbeiten willst, dazu bist du ja geboren.

[Bd. 1, Sp. 1426]


Denn dazu bin ich dir erschienen, daß ich dich ordene u. s. f. Apostelg. 26, 16. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er u. s. f. 1 Joh. 3, 8. Daß ich daselbst auch predige, denn dazu bin ich kommen, Marc. 1, 38. Ich habe dir das Geld nicht dazu gegeben, daß du es verthun sollst. 5) Eine Begleitung. Dazu muß ich nur lachen. Dazu sage ich nichts.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) Eine Bewegung und Annäherung nach und zu einer Sache. Das Geld ist verschlossen, ich kann nicht dazu, ich kann nicht zu demselben kommen. Die Insel stehet im Wasser, es kann niemand dazu. Thue, setze noch etwas dazu. Er hat Lust zu verreisen, aber wir wollen es nicht dazu kommen lassen. Es soll gewiß nicht dazu kommen, es soll gewiß nicht geschehen. Dahin gehöret auch die im gemeinen Leben übliche Redensart: thue dazu, d. i. wende Fleiß an. Thue dazu, daß du bald fertig wirst.
   So habet fleys und thut darzu,
   Daß ihr Tewerdank disen Hauptmann
   Habt gefangen,
   Theuerd. Kap. 95. Ingleichen, dazu kommen, für darüber zu kommen. Sie wollten entfliehen, aber ich kam zum Glücke dazu. 2) Eine Vermehrung. Ich habe an diesem nicht genug, gib mir noch etwas dazu. Ich schenke dir den Acker und die Höhle dazu, 1 Mos. 23, 11. Der Reiche thut Unrecht, und trotzet noch dazu, Sir. 13, 4. Das ist es noch nicht alles, es kommt noch dazu, daß er auch geraubet hat. Wir wollen noch etwas dazu setzen. In dieser Bedeutung nimmt das Nebenwort im gemeinen Leben oft die Gestalt eines Bindewortes an, für über dieses. Gott machte zwey große Lichter, dazu auch Sterne, 1 Mos. 1, 16. Ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit unterthan, Matth. 8, 9. Lasterhafte Personen, welche noch dazu aus dem Staube erwachsen sind. 3) Den Gegenstand einer Neigung, Fähigkeit, oder Handlung. Hast du keine Lust dazu? Er bezeiget wenig Neigung dazu. Er schickt sich sehr schlecht dazu. Wir sind bereit, willig, fertig dazu. Er ist allzu verdrießlich dazu. Der Krieg ist noch nicht ausgebrochen, man rüstet sich nur noch erst dazu. Das träget vieles dazu bey. Es gehöret mehr dazu, als man denkt. Ich rathe nicht dazu. Gib mir Geld dazu. Ich will auch dazu helfen. Ich bin dazu gereitzet worden. Dieß gehöret auch noch dazu u. s. f. 4) Eine Begleitung. Singe ein Lied, wir wollen dazu spielen. Man ermahnete ihn, aber er lachte nur dazu. Du schweigst, sagst du denn nichts dazu? Was sagten unsere Freunde dazu? Ich habe noch nicht ja dazu gesagt. Er versicherte es, und schwor dazu.
   Er sieht die Herde grasen,
   Und spielt ein Lied dazu,
   Haged. Anm. 1. Dazu für wozu, ist auch hier wider den Hochdeutschen Sprachgebrauch; z. B. das ewige Leben, dazu du auch berufen bist, 1 Tim. 6, 12. So wie die Zerreißung dieser Partikel: Da gebe Gott Glück zu! Da ihr Lust zu habt, Es. 1, 29, und die Verdoppelung des da: Da gehöret Kunst dazu.
   Anm. 2. Diese Partikel lautet bey dem Ottfried thara zua und zi thiu. In der ersten Gestalt gebraucht er sie auch für über dieses, in welchem Verstande auch Notker dara zuo gebraucht. In den spätern Zeiten zog man sie in dazu, datze, dacz zusammen, und gebrauchte sie in dieser Gestalt auch als ein Vorwort für zu, bey und in. Datze Jerusalem, zu Jerusalem, datz Himmel, im Himmel, datze Gott, bey Gott. Darzu ist eben so Oberdeutsch wie anzu.
 
Artikelverweis *
Dāzumahl, ein nur im gemeinen Leben übliches Nebenwort der Zeit, für zu dem Mahle, damahls. Dazumahl zog Regin

[Bd. 1, Sp. 1427]


hinauf gen Jerusalem, 2 Kön. 16,5. Dazumahl redetest du im Gesicht zu deinem Heiligen, Ps. 89, 20. Wie waret ihr dazumahl so selig, Gal. 4, 15. Im Oberdeutschen lautet es auch wohl dazumahlen. Die Niedersachsen gebrauchen dieses Nebenwort auch für zumahl da, vornehmlich.
 
Artikelverweis 
Dāzwischen und Dazwíschen, adv. demonstrativo-relativum, für zwischen diesen, zwischen diese, zwischen dieses, zwischen diesem u. s. f. zwischen denselben u. s. f. zwischen demselben u. s. f. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen oder eine Bewegung zwischen dieselben bedeutet. Dazwischen sehe ich nichts. Dazwischen stelle es.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart zwischen mehrern Dingen, oder eine Bewegung zwischen dieselben. Es ist nichts dazwischen. Der Raum, so dazwischen ist, ist enge. Ich kann kaum die Hand dazwischen legen. Sie wollten sich schlagen, aber ich trat noch dazwischen. 2) Figürlich, eine Unterbrechung. Ich wollte dich heute besuchen, aber es kam etwas dazwischen. Sie wollten sich zanken, aber man legte, man schlug sich dazwischen, man hinderte es. Rede mit nicht dazwischen.
   Die Freunde klagen ihn und weinen oft dazwischen,
   Zachar. Anm. Einige Infinitive und Substantive können mit diesem Worte auch zusammen gesetzet werden. Ich bin unwillig, daß deine unzeitige Dazwischenkunft mir die gute Gelegenheit geraubt hat. Diese Partikel kann, wie aus einigen der obigen Beyspiele erhellet, sich auch auf Personen beziehen. Ehedem wurde sie auch als ein Bindewort für inzwischen, indessen, gebraucht, in welcher Gestalt sie aber im Hochdeutschen veraltet ist. In dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug lautet sie thar entzwischen, und bey dem Stryker da entwischen.
 
Artikelverweis 
De, eine Endung verschiedener Hauptwörter, welche von Zeitwörtern abgeleitet worden, das Abstractum derselben anzudeuten, und weiblichen Geschlechtes sind. Diese Wörter entstehen so, daß die Sylbe en von dem Verbo weggeworfen, und dafür de angehänget wird. Freuen, Freude; zieren, Zierde; sohnen oder sühnen, Sünde; nahen oder genahen, Gnade; heren, Herde; taufen, Täufde, welches noch in den gemeinen Mundarten einiger Gegenden üblich ist; behören, Behörde; lieben, Liebde; bähren, tragen, Bürde; begehren, Begirde. In einigen dieser Wörter scheinet auch der vorher gehende Selbstlaut einige Veränderungen erlitten zu haben; indessen stehet es noch dahin, ob das Wort nicht von einer nun veralteten Form oder Mundart des Verbi abgeleitet worden, die der heutigen Gestalt des Hauptwortes ähnlicher war. Für begehren ist in einigen Mundarten noch jetzt gieren üblich.
   Viele dieser abgeleiteten Wörter sind im Hochdeutschen veraltet, oder unter andern Gestalten vorhanden. Die Alten sagten die Erbärmde, die Begräbde, die Betrübde, die Bewegde, u. s. f. wofür wir jetzt Erbarmung, Begräbniß, Betrübniß und Bewegungen haben.
   In andern Wörtern ist dieses de wieder weggeworfen worden, unerachtet erweislich ist, daß die ältern Mundarten dasselbe gehabt haben. Für Zierde und Begierde sind auch Zier und Begier üblich. Für das Gehör und das Gesetz sagte man ehedem die Gehörde und die Gesetzde. Andere haben nur ihr e weggeworfen und das d behalten, wie Tugend von taugen, Schuld von schollen, sollen. Andere haben noch andere Veränderungen erlitten; denn so sind aus Zierde Zierath, aus Heimde Heimath,

[Bd. 1, Sp. 1428]


aus Hemde das Österreichische Hemath, aus Ärmde Armuth, und, wie Frisch glaubt, aus Heilde so gar Heiland geworden.
   Es scheinet, daß dieses de aus der gleich bedeutenden Endsylbe heir zusammen gezogen worden; wenigstens sind beyde Sylben von einerley Bedeutung und Gebrauch; S. Adelung Heit. Bey dem Ulphilas lautet diese Sylbe tha, bey den Angelsachsen te, und bey den ältern Franken und Alemannen tha.
   Übrigens ist diese Sylbe eine von denen, welche man nicht nach Belieben den Zeitwörtern anhängen darf, um Hauptwörter daraus zu bilden. Man muß es bey denjenigen bewenden lassen, die das Alterthum auf uns vererbet hat.
 
Artikelverweis 
Debel, S. Adelung Döbel.
 
Artikelverweis Das
Decanāt, des -es, plur. die -e, aus dem mittlern Latein. Decanatus, die Würde eines Decans und dessen Ehrenamt; ingleichen das ihm untergebene Gebieth, wie auch dessen Wohnung.

 

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