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Dattelschnêcke bis 1. Dauern (Bd. 1, Sp. 1416 bis 1419)
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Artikelverweis Die Dattelschnêcke, plur. die -n, eine Art Landschnecken, welche sich in die härtesten Steine einfressen, und einer Dattel nicht unähnlich sehen; Dactylus.
 
Artikelverweis Das
Datum, subst. indecl. im gemeinen Leben, der Tag und das Jahr der Ausfertigung einer Urkunde oder der Unterschrift eines Briefes. Der Brief ist, nach dem Datum zu urtheilen, schon alt. Das Datum darunter setzen. Die figürliche Redensart, sein ganzes Datum auf etwas setzen, oder stellen, seine Hoffnung, gehöret in die niedrigsten Sprecharten.
   Darein er gar sein Datum setzt,
   Hans Sachs. Anm. Dieses Wort ist das Latein. Datum, welches Wort man in den mittlern Zeiten der Meldung des Ortes und der Zeit der Ausfertigung einer Urkunde oder eines Briefes vorzusetzen pflegte. Im Oberdeutschen nennet man das Datum eines Briefes oder einer Schrift, die Gabe derselben. Im gemeinen Leben gebraucht man auch die dritte Endung dieses Wortes für jetzt. Ich habe es bis dato noch nicht erfahren können, bis jetzt. Auch das Verbum datiren, das Jahr und den Monathstag einer Schrift beyfügen, im mittlern Lateine datare, ist im gemeinen Leben sehr üblich. Der Wechsel ist falsch datirt.
 
Artikelverweis Die
Daube, plur. die -n, die Seitenbreter eines runden hölzernen Gefäßes. Ein Faß in Dauben schlagen, es zerschlagen.
   Anm. In Niedersachsen lautet dieses Wort Deve, im Franz. Douve, in welcher Sprache auch addouber so wie im Italiän. addobare, aufputzen bedeutet. Bey dem Pictorius heißt eine Daube Dauge, bey dem Dasypodius Duge, womit auch das Holl. Duyge und mittlere Latein. Doga überein kommt. Da die Dauben im Niedersächs. auch Stäbe, im Engl. Staves, im Schwed. und Isländ. Staf heißen, so scheinet es, daß beyde Wörter bloß durch den Zischlaut von einander unterschieden sind. S. Adelung Stab, Stuppe und Zuber.
 
Artikelverweis 
Däuchten, verb. reg. imperf. welches zuweilen mit der dritten, am häufigsten aber mit der vierten Endung der Person verbunden wird, ein Urtheil auf Veranlassung der Sinnen fällen. 1) Eigentlich. Doch geh, mich däucht sie kömmt, Gell. mir scheint. Mich däucht die Farbe sey schön. Das Haus däuchtete ihn nicht groß genug. Es däuchtete mich, ich sähe eine Stadt. Mich däuchte, wir bünden Garben auf dem Felde, 1Mos. 37. Mir hat geträumet, mich däuchte, ein geröstet Gersten-Brot wälzte sich u. s. f. Richt. 7, 12.
   Die Kutte, wie mich deucht, steht beyden übel an,
   Hofmannsw.
   Mich deucht, ein Blick von mir der steckte Dörfer an,
   Hofmannsw.
   Was den Sinnen
   Hier im Finstern schöne däucht,
   Can. 2) Figürlich, aus wahrscheinlichen Gründen schließen, muthmaßlich urtheilen. Was däucht dich dazu? Was hältst du davon? was glaubest, urtheilest du davon? Er hat, wie mich däucht, recht gethan. Ein jeglicher that, was ihm recht dauchte, Richt. 17, 6, was ihm recht zu seyn schien. Und das hat dich noch zu wenig gedaucht, Gott, sondern hast u. s. f. 1 Chron. 18, 17.

[Bd. 1, Sp. 1417]


Ich habe auch diese Weisheit gesehen, unter der Sonnen, die mich groß dauchte, Pred. 9, 13. Und es dauchten sie ihre Worte eben als wärens Mährlein, Luc. 24, 11. Und es dauchte gut die Apostel und Ältesten u. s. f. Apostelg. 15, 22.
   So seh ich bald bey dir, was den Silenus däucht,
   Logau. Anm. 1. Eigentlich sollte dieses Verbum so conjugiret werden: es däuchtet, es däuchtete, gedäuchtet. Allein man ziehet es gemeiniglich zusammen, es däucht, im Oberdeutschen es daucht; es däuchte, im Oberdeutschen es dauchte; gedäucht, im Oberdeutschen gedaucht.
   Anm. 2. Wenn die Sache vermittelst eines Infinitivs ausgedruckt wird, so bekommt derselbe gemeiniglich das Wörtchen zu. Das däucht mich gut zu seyn. Im Oberdeutschen läßt man dieses Wörtchen weg und setzt den Infinitiv allein. Da die Sonne aufging dauchte die Moabiter das Gewässer gegen ihnen roth seyn, wie Blut, 2 Kön. 3, 22. Und es dauchte gut die Apostel aus ihnen Männer erwählen und senden gen Antiochiam, Apostelg. 15, 22. Hat es uns gedaucht Männer erwählen und zu euch senden, V. 25. Den Eilften deucht Susanna nicht keuscher seyn, als sie, Scult. Und so auch bey dem Opitz. Indessen ist diese ganze Wortfügung mit dem Infinitiv im Hochdeutschen, wenigstens in der edlern Schreibart, veraltet.
   Anm. 3. Ehedem wurde dieses Zeitwort, so wie scheinen, auch persönlich gebraucht. Thiu nan thuhtan, die ihm schienen, Ottfried.
   Mich gruoste ir minneklicher munt
   Der duhte mich in solher roete
   Sam ein fuirig flamme entzunt,
   Markgraf Otto von Brandenburg.
   Si duhte mih an allen strit
   Diu beste und dabi wol getan,
   Heinr. von Sax. Also diente Jacob um Rahel sieben Jahr, und dauchten ihm, als wärens einzele Tage, 1 Mos. 29, 20. Im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch noch nicht ganz veraltet; aber er ist doch mehr in der gemeinen als edlern Sprechart üblich. Sich groß däuchten, sich viel däuchten. Er däuchtet sich was Rechtes, d. i. er bildet sich nichts Geringes ein.
   Ja man gebrauchte dieses Wort ehedem auch für glauben, dafür halten.
   Do du mich erst sehe,
   Do duhte ich dich ze ware
   So rehte minneklich getan
   Des man ich dich lieber man,
   Ditmar von Ast.
   Ob ich si duhte hulden wert,
   Heinr. von Morunge.
   Das ich si lones duhte wert,
   Reinmar der Alte. Anm. 4. Ich habe von diesem Verbo mit Fleiß viele Beyspiele angeführet, damit man zugleich in den Stand gesetzt werde, Gottscheds Regel zu beurtheilen, nach welcher däuchten nur allein von dem Urtheile der äußern Sinne, und nur allein mit der dritten Endung der Person, dünken aber von der innern Meinung, und mit der vierten Endung der Person gebraucht werden soll. So lange der willkührliche Machtspruch eines einzigen Mannes kein Gesetz abgeben kann, so lange ist auch diese Regel völlig ungegründet, man mag sie ansehen, von welcher Seite man will. Aus den obigen Beyspielen erhellet schon, daß man däuchten eher zehen Mahl mit der vierten Endung, als Ein Mahl mit der dritten finden wird. Hier sind noch einige Beyspiele. Ni thuhta mih, Ottfr. B. 2, Kap. 9, V. 53. Thaz Petrum thuhta herti, B. 3, Kap. 13, V. 38. Ez duhte die leute, Schwabensp.
   Das duhte mich ein michel heil,
   Reinm. der Alte. Daz dewcht sew so gut, Hornegk. Nu dawcht in, ebenders. Daucht mich zu Nacht, Hans Sachs.
   Darnach als den knecht daucht sein füg,
   Theuerd. K. 26. Freylich findet man einige Beyspiele, wo es mit der dritten Endung gebraucht wird; allein alsdann kann man sicher behaupten, daß der Verfasser durch das Latein. videtur mihi verleitet worden, welches besonders von dem Kero gilt, der keduht zwey Mahl mit dem Dative gebraucht, aber auch seine Muttersprache beständig nach dem Lateinischen Texte formet, wie aus tausend Beyspielen erweislich ist.
   Anm. 5. Über dieß ist es seltsam, einen eigenmächtigen Unterschied unter zwey Wörtern festsetzen zu wollen, die eigentlich nur zwey verschiedene Mundarten eines und eben desselben Wortes sind; gerade so seltsam, als wenn man unter dem Hochdeutschen glauben und Nieders. löven einen Unterschied in der Bedeutung und Wortfügung einführen wollte. Daß däuchten und dünken einerley Wort sind, ist leicht zu erweisen; S. Adelung Denken und Dünken. Indessen scheinet däuchten die älteste Form zu seyn, weil sie nicht nur mit dem Griech. δοκειν, scheinen, sondern auch mit dem Latein. ducere, so fern es dafür halten bedeutet, überein kommt. Dünken ist bloß durch eine nieselnde Aussprache, die den Hauchlautern so gern ein n zugesellet, daraus entstanden. In dem Goth. thugkjan findet man schon unser dünken, wenn man es nach Art der Griechen durch die Nase ausspricht. Däuchten lautet im Nieders. duchten, dugten, und im Schwed. tycka.
 
Artikelverweis 
1. Dauen, verb. reg. act. die Speisen in Nahrungssaft auflösen, S. Adelung Verdauen, welches statt dessen üblicher geworden, indem dauen, mit allen seinen Ableitungen und Zusammensetzungen, Dauung, Dauungskraft, Dauungssaft u. s. f. im Hochdeutschen veraltet ist.
 
Artikelverweis 
2. Dauen, verb. reg. neutr. welches mit dem vorigen verwandt ist, aufgelöset werden, von dem Eise und gefrornen Körpern, S. Adelung Thauen.
 
Artikelverweis 
3. Dauen, verb. reg. act. welches nur bey einigen Arten von Gärbern üblich ist, besonders bey solchen, welche Corduan bereiten, da denn unter diesem Worte die ganze Zubereitung der gefärbten Leder verstanden wird. Aus Mangel an Kenntniß derjenigen Verrichtung, welche eigentlich mit diesem Worte beleget wird, lässet sich jetzt auch nicht bestimmen, zu welchem der beyden ersten Wörter es in dieser Bedeutung gehöret. Vermuthlich hat es hier noch seine erste eigentliche Bedeutung, welche noch in dem Griech. δευειν, benetzen, färben, aufbehalten wird.
 
Artikelverweis Die
Dauer, plur. car. 1) Das Vermögen zu dauern, oder lange zu währen, die Dauerhaftigkeit. Der Zeug hat eine gute Dauer, ist derb, fest. Es ist eine vortreffliche Dauer in diesem Zeuge. Etwas auf die Dauer machen im gemeinen Leben, es so machen, daß es lange dauern kann. 2) Das Fortdauern, die Währung selbst. Unser Leben ist von kurzer Dauer, währet nicht lange. Die Welt hat keine ewige Dauer. In engerer Bedeutung, eine lange Dauer, welcher Gebrauch aber gewiß nicht der beste ist, außer wenn zugleich die innere Festigkeit damit ausgedruckt wird, welches aber in den folgenden Beyspielen nicht Statt findet.
   Dem, der mir Nestors Dauer preist,
   Haged. für langes Leben.
   Was gibt dem, was er schreibt, der Dauer Sicherheit?
   Haged. S. 1. Dauern.
 
Artikelverweis 
Dauerhaft, -er, -este, adj. et adv. das Vermögen habend, lange zu dauern. Eigentlich von Körpern, vermöge der Festigkeit ihres innern Baues. Ein dauerhaftes Tuch, ein dauerhafter Zeug. Eichenholz ist sehr dauerhaft. Das Haus ist

[Bd. 1, Sp. 1419]


sehr dauerhaft gebauet. Wer sagt dir, daß deine Reitzungen groß und dauerhaft genug sind, einen Liebling getreu und beständig zu machen? Dusch. Figürlich auch von unkörperlichen Dingen. Ein dauerhafter Friede, der lange dauern kann. Wenn die Liebe dauerhaft seyn soll, Dusch. Wenn dieses Wort zuweilen von der langen Dauer selbst, ohne Rücksicht auf das innere Vermögen dazu, gebraucht wird, so scheinet es nicht an seinem rechten Orte zu stehen. So plötzlich sind die dauerhaftesten Freuden dahin, Dusch.
   Wer glücklich lieben will, liebt dauerhaft und bald,
   Gell. für beständig, standhaft.
 
Artikelverweis 
Dauerhaftig, -er, -ste, adj. et adv. welches das vorige mit der müßigen Alemannischen Verlängerung ist, und daher im Hochdeutschen gar wohl entbehret werden kann. Daher das Substantiv die Dauerhaftigkeit, das Vermögen lange zu dauern, die Dauer; welches üblicher ist, als dauerhaftig.
 
Artikelverweis 
1. Dauern, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Ausstehen, ertragen; in welcher Bedeutung es nur im gemeinen Leben üblich ist, und in einigen Fällen auch als ein Activum angesehen werden kann, weil es mit der vierten Endung der Sache verbunden wird. Er hat es nur zwölf Stunden gedauert, d. i. ausgehalten. Ich kann nicht lange ohne Essen dauern. 2) An einem Orte verharren, verbleiben; gleichfalls nur im gemeinen Leben. Er kann nicht lange an Einem Orte dauern. Ich kann in dem Hause unmöglich dauern. Er kann vor Kälte nicht dauern. In welcher Bedeutung es gemeiniglich nur mit der Verneinung gebraucht wird. Nieders. gedüren, in einigen Oberdeutschen Gegenden gleichfalls gedauern. 3) Unversehrt, unverletzt fortfahren zu seyn. Eisen und Marmor dauern lange. Dieser Zeug dauert lange. Die Ochsen dauern länger als die Pferde, sind unbeschadet ihrer Kräfte länger zur Arbeit zu gebrauchen. Ingleichen, unversehrt lange dauern. Diese Art Äpfel dauert nicht, bleibt nicht lange unversehrt. Taurt dieser Anker nur, Gryph. 4) In der weitesten Bedeutung, fortfahren zu seyn. Ein heftiger Schmerz dauert nicht lange. Die Freude dauerte eine kurze Zeit. Die Schlacht, die Predigt, die Komödie hat lange gedauert.
   Zion wird beständig tauren,
   Gryph. Ingleichen zuweilen, obgleich eben nicht nach der besten Figur, lange dauern.
   Doch dauern auch der Menschen Freuden?
   Haged. Es dauerte nicht lange, so sahe ich ihn kommen, d. i. es verstrich nicht viel Zeit; wofür doch richtiger Währen gebraucht wird, S. dieses Wort.
   Anm. Dauern, Nieders. düren, Oberd. tauren, Lat. durare, Franz. durer, Ital. durar, Engl. to dure, stammet sehr wahrscheinlich von einem veralteten Worte dur, Lat. durus, Slavon. twrde, hart, her, welches auch dadurch bestätiget wird, weil mit dauer, dauerhaft, dauern zunächst auf die innere Festigkeit der Sache gesehen wird; S. Adelung Harren und Verharren, welches vermuthlich auf ähnliche Art aus hart gebildet ist. Im Schwed. bedeutet dura verbleiben, wie dauern 2. und im Griech. δρον lange. Indessen ist doch auch merkwürdig, daß schon das Hebr. 05d305d505e8 wohnen, und hernach währen, dauern, bedeutet. Diejenigen Mundarten, welche in der ersten Sylbe keinen Doppellaut haben, wie das Nieders. düren, Schwed. dura, Latein. durare, Franz. durer u. s. f. gebrauchen kein e vor dem r. Die härtere Oberdeutsche Mundart glaubt es auch nicht nöthig zu haben, und spricht daher tauren, dauren. Allein die gelindere Hochdeutsche Mundart, die nicht gerne unmittelbar vor dem r einen Doppellaut hören lässet, schiebet ein e dazwischen, und spricht Dauer, so wie

[Bd. 1, Sp. 1420]


sie aus Murus, Nieders. Mur, und aus πυρ, Nieders. Für, Mauer und Feuer bildet. Das Verbum sollte also daueren heißen; allein das letzte e wird, wie in andern ähnlichen Verbis, verbissen, und so wird dauern daraus. Fürdauern und andauern für dauern sind müßige Oberdeutsche Verlängerungen. Es scheinet, daß dieses Verbum ehedem auch eine thätige Bedeutung gehabt habe, für stärken, dauerhaft machen.
   Du hast getiuret mir den muot, singt wenigstens Dietmar von Ast.

 

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