Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Darunten bis Dásmahl (Bd. 1, Sp. 1405 bis 1409)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Darunten, S. Adelung Drunten.
 
Artikelverweis 
Dārunter und Darúnter, adv. demonstrativo-relativum, für unter dieses, unter diesem, unter dasselbe, unter demselben. Es ist,
   1. Ein anzeigendes Umstandswort, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bezeichnet, 1) eine Gegenwart unter einer Sache, ingleichen eine Bewegung unter dieselbe hin. Hier ist ein festes Dach, darunter ist man vor dem Regen sicher. Darunter (unter dieser Stelle) muß das Feuer gemacht werden. Darunter hat er sich verborgen. 2) Ein Mittel; als eine Figur der vorigen Bedeutung. Darunter (in oder bey dieser Sache) leidet seine Eigenliebe. Darunter (damit) sucht er nichts Gutes. 3) Eine Verminderung einer Zahl, oder eines

[Bd. 1, Sp. 1407]


Werthes; im Gegensatze des darüber. Es kostet sechs Thaler, darunter kann ich es nicht geben. 4) Eine Gegenwart oder Wirkung unter mehrern Dingen. Darunter ist dieß das beste. Darunter ist kein Unterschied. Da stehet ein Haufen Leute, aber darunter menge ich mich nicht. Darunter, unter diesen Personen, sehe ich meinen Freund nicht. Wider die Art dieser Nebenwörter kann darunter auch von Personen gebraucht werden. S. Adelung Da II.
   2. Ein mehr beziehendes Umstandswort, welches den Ton auf der zweyten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart unter einer Sache, und eine Bewegung unter dieselbe. Da stehet ein Tisch, krieche darunter. Mache ein Feuer darunter, unter den Kessel. Hier ist ein Dach, stelle dich darunter. Es gehet alles darüber und darunter, es gehet sehr verworren zu. 2) Die Beziehung auf einen Gegenstand. Seine Familie leidet darunter, leidet in, mit und bey der Sache. Was sucht er darunter, wenn er nicht mein Unglück bey ihnen sucht? Gell. Ehre und Tugend leiden allerdings darunter, wenn wir uns auf Kosten anderer ernähren wollen. 3) Eine Verminderung. Alle Kinder von zwey Jahren und darunter. Da man es mit dem Gomer maß fand der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte, 2 Mos. 16, 18. Es kostet sechs Thaler, ich kann es nicht darunter geben. 4) Eine Gegenwart oder Wirkung unter mehrern Dingen. Da stand ein Haufen Volkes, und er stand mitten darunter. Der Wein ist nicht rein, es ist Wasser darunter gemischet. Dieß ist das beste darunter. Man hat es schon mit darunter gerechnet. Es ist kein Unterschied darunter. Die Ducaten sind gut, nur einer darunter ist zu leicht. Auch hier kann es von Personen gebraucht werden.
   Anm. Alles Volk darunter du bist, 2 Mos. 34, 16. Die Decke darunter er lag, Judith 13, 19, für worunter, gehören unter die Fälle, wo die Partikel da mit der bloß relativen wo verwechselt wird. Drunter ist nur im gemeinen Leben üblich, so wie die Verdoppelung des da, da drunter sehe ich nichts Gutes. Bey dem Notker lautet dieses Nebenwort dar undere, bey dem Stryker und den Schwäbischen Dichtern darunter und drunder. S. Adelung Da II. und Unter.
 
Artikelverweis 
Darwägen, verb. irreg. act. (S. Adelung Wägen,) welches aus der Oberdeutschen Mundart entlehnet ist, aber auch in der höhern Schreibart der Hochdeutschen gebraucht wird, hinwägen, aufwägen, vorwägen, dem Gewichte nach zustellen. Abraham gehorchte Ephron und wug (wog) ihm das Geld dar, 1 Mos. 23, 16. So soll er Geld darwägen, 2 Mos. 22, 17. Oder sollt einen Centner Silbers darwägen, 1 Kön. 20, 39. Und wug ihnen dar unter ihrer Hand sechshundert und funfzig Centner Silbers, Esr. 8, 26. Und wug das Geld dar auf einer Wage, Jer. 32, 10. S. Dar.
 
Artikelverweis 
Darzählen, verb. reg. act. mit welchem es eben die Beschaffenheit hat, wie mit dem vorigen, hinzählen, aufzählen, der Zahl nach zustellen. Warum zählet ihr Geld dar, da kein Brot ist? Es. 55, 2. Und zählete sie (die Gefäße) dar Sesbazar, dem Fürsten Juda, Esra 1, 8.
   Zählt ihm das Geld mit Freuden dar,
   Gell. S. Adelung Dar.
 
Artikelverweis 
Das, das ungewisse Geschlecht so wohl des bestimmten Artikels der, als auch der Präposition der; S. diese Wörter.
 
Artikelverweis Die
Dase, plur. die -n, eine besonders in Niedersachsen übliche Benennung der Stechfliegen oder Brämsen, welche sie vermuthlich wegen ihres Summens erhalten haben, so wie der Nahme Brämse auch von brummen entstanden seyn kann. Dos bedeutete in

[Bd. 1, Sp. 1408]


den alten Ober- und Niederdeutschen Mundarten ein Getöse, und dosen tönen, ein Getöse verursachen; S. Adelung Getöse.
 
Artikelverweis 
Dāselbst und Dasếlbst, adv. demonstrativo-relativum, für da, allda, an diesem Orte, in demselben Orte. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat. Daselbst sollst du wohnen, an diesem Orte. Daselbst sahe ich ihn. Tritt unter diesen Baum, daselbst will ich dich sehen und sprechen.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf die letzte Sylbe wirft. Er ist nicht mehr zu Berlin, aber vor vier Wochen war er noch daselbst. Ich habe euern Freund daselbst nicht gesehen. Ich war in der Kirche, waren sie auch daselbst?
   Anm. 1. Dieses Umstandswort wird im Hochdeutschen nur alsdann gebraucht, wenn in oder an ein Daseyn in einem Orte bedeuten, folglich wenn sie die dritte Endung zu sich nehmen. Es bleiben also alle die Fälle ausgeschlossen, welche eine Bewegung in einem Orte oder nach einem Orte einschließen; obgleich in der Deutschen Bibel häufige Beyspiele von diesem Gebrauche vorkommen. Und du sollt durch die Wand brechen und daselbst durch ausziehen, Ezech. 12, 5, für dadurch oder durch dieselbe. Kamen sie zu ihm hinab, daselbst hin, 1 Sam. 22, 1, für dahin. Sie werden forschen nach den Weg gen Zion, daselbst hin zu kehren, Jer. 50, 5, für dahin. Und führete mich daselbst hin, Jer. 40, 1. Und liefen daselbst hin zu Fuß, Marc. 6, 33. Er kommt vom stolzen Jordan her, denn ich will ihn daselbst her laufen lassen, Jer. 49, 19, für von demselben her.
   Anm. 2. Daselbst lautet bey dem Ottfried io tha, und in den spätern Zeiten da selbs. Das davon gebildete Oberdeutsche Adjectiv daselbstig, ist im Hochdeutschen nicht aufgenommen, mein daselbstiger Freund, die daselbstigen Kaufleute; obgleich dasig in eben dieser Bedeutung ihnen nicht so unbekannt ist; S. dieses Wort. Beyde zu vermeiden, setzet man daselbst im Hochdeutschen zuweilen hinter das Substantiv, dem es zum Adjective dienen soll. Er kam nach Sachsen und besahe seine Güter daselbst, für, die er daselbst hat, oder seine dasigen Güter. Allein diese Ellipsis ist für ein feines Gehör viel zu hart, als daß sie dessen Beyfall gewinnen könnte.
 
Artikelverweis Das
Daseyn, des -s, plur. car. ein Substantiv, welches eigentlich der Infinitiv des Verbi seyn, mit dem Wörtchen da ist, und aus der Redensart da seyn zusammen gezogen worden. 1) Die Gegenwart an einem Orte. Er that es in meinem Daseyn, indem ich da war, in meiner Gegenwart. Ich befand mich vor einigen Monathen in Paris; allein die ganze Zeit meines Daseyns ging nichts merkwürdiges vor. 2) Die Existenz, ein Begriff, der so wenig einer Definition fähig ist, als die Wörter Seyn, Ding, Wesen und andere. Du bist da, du mußt also den Zweck deines Daseyns erfüllen. Das Daseyn eines Unschuldigen ist ein nagendes Gewissen für seine Verfolger. Unser Daseyn ist keinem Geschöpfe unterworfen, wir stehen unmittelbar unter dem Schöpfer, Kästn.
   Der echten Freude Werth zu kennen,
   Ist gleichfalls unsers Daseyns Pflicht,
   Dusch. In dieser zweyten Bedeutung ist das Wort von den neuern Weltweisen eingeführet worden. Der Verfasser des alten Lobgedichtes auf den König Ludwig, bey dem Schilter, braucht V. 73 Hierwist, Hierseyn, in eben derselben Bedeutung, von wesen, seyn, welches in einem alten Vocabulario vor dem Ende des 15ten Jahrhunderts gleichfalls für existere gebraucht wird. S. Adelung Da II.
 
Artikelverweis 
Dasjenige, das ungewisse Geschlecht des Fürwortes derjenige, welches siehe.

[Bd. 1, Sp. 1409]



 
Artikelverweis 
Dasig, adj. welches von dem Umstandsworte da gebildet worden. Die Gegend um den Rhein ist fruchtbar, und der dasige Wein ist vortrefflich, der daselbst wächset. Ich bin in Wien gewesen und habe alle dasigen Freunde gesprochen, die daselbst befindlich sind. Dieses Adjectiv ist aus dem Oberdeutschen entlehnet, wo man dafür auch daselbstig und alldasig gebraucht. Im Hochdeutschen ist es nur in den gemeinen Sprecharten und in dem täglichen Umgange üblich. Das s in der Mitte ist vermuthlich nur um des Wohlklanges willen eingeschoben, für daig.
 
Artikelverweis 
Dásmahl, adv. demonstrat. für dieses Mahl, welches nur im gemeinen Leben und der Sprache der Vertraulichkeit üblich ist. Ach Himmel, hilf mir doch dasmahl! Gell. Nein, nein, dasmahl möchte es ein mehreres seyn, Less. Dasmahl auf verbothenen Wegen und nimmermehr wieder! Weiße. S. Adelung Mahl.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: