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Darrsucht bis Dārunter (Bd. 1, Sp. 1402 bis 1405)
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Artikelverweis Die Darrsucht, plur. car. die Auszehrung des Leibes bey zarten Kindern; die Atrophie, die Dörrsucht. Daher darrsüchtig, adj. et adv. damit behaftet.
 
Artikelverweis Die
Darrwand, plur. die -wände, S. Adelung Darrblech 2.
 
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Darsêtzen, verb. reg. act. welches nur im Oberdeutschen und der höhern Schreibart der Hochdeutschen üblich ist, hinsetzen, vorsetzen. Du sollt die Speise und den Trank selbst darsetzen, Bel zu Babel V. 10. Ingleichen figürlich. Wenn ein Greuel der Verwüstung dargesetzet wird, Dan. 12, 11. Gut und Blut für einen darsetzen, wagen. Mit Darsetzung Gutes und Blutes. S. Adelung Dar.
 
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Darstêllen, verb. reg. act. vor Augen stellen, gegenwärtig machen.
   1) Eigentlich, körperlich vor Augen stellen. Und Abraham stellete dar sieben Lämmer, 1 Mos. 21, 28. Lasset sie ihre Zeugen darstellen, Es. 43, 9. Auf daß sie ihn darstelleten dem Herrn, Luc. 2, 22. Jemanden in seiner Blöße darstellen, andern sichtbar machen. Sich einem darstellen, sich ihm vorstellen, sich ihm auf eine feyerliche Art zeigen.
   In diesem Augenblick stellt sich ein Hirt ihm dar,
   Wiel. 2) Figürlich, abbilden.
   So schön Selinde wirklich war,
   So schön und schöner noch stellt sie der Mahler dar,
   Gell. Ingleichen, dem Geiste auf eine lebhafte Art gegenwärtig machen. Der Dichter muß Handlungen und Leidenschaften darstellen.
   Die stell jetzt deinem Geiste dar,
   Gell.
   Die Liebe kennt ihr aus den Rittern,
   Die uns Cervantes dargestellt,
   Haged. So auch die Darstellung, welches auch die Art und Weise bezeichnet, wie ein Schriftsteller die vorgetragenen Sachen dem Geiste des Lesers gegenwärtig macht. Die Darstellung Christi im Tempel, zu deren Erinnerung ein besonderes Fest gefeyert wird, welches unter dem Nahmen der Reinigung Mariä am bekanntesten ist. S. Dar.
 
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Darstrêcken, verb. reg. act. welches im Oberdeutschen am üblichsten ist, aber doch auch zuweilen in der Hochdeutschen höhern Schreibart vorkommt, hinstrecken. Da sie es von ihm forderten streckte er die Hände dar, 2 Macc. 7, 10.
   Hier streckt ein Faun den vollen Becher
   Der Nymphe dar, die ihn zu küssen winkt,
   Wiel. Ingleichen figürlich, darbiethen. Der Leib und Gut für sein Volk dargestreckt, 2 Macc. 15, 30. Wie auch für darleihen. Einem Geld darstrecken, vorstrecken, leihen. So auch die Darstreckung. S. Dar.
 
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Darthun, verb. irreg. act. S. Adelung Thun. 1) * Eigentlich, darstellen, körperlich gegenwärtig machen; in welcher Bedeutung aber dieses Wort nicht üblich ist. 2) Figürlich und in engerer Bedeutung, die Wahrheit oder Falschheit einer Sache begreiflich machen. Ich kann es mit seinen eigenen Briefen darthun, daß mir Unrecht geschiehet. Etwas mit Zeugen darthun. Ingleichen, die Wahrheit oder Falschheit einer Sache durch Gründe deutlich machen, beweisen. Ich habe es ihm auf die unwidersprechlichste Art dargethan. In einer Decision des Administratoris des Erzbisthums Magdeburg von 1671 heißt es von diesem Worte: »Weil auch wegen des Wortes darthun viel Streit in denen Gerichten entstanden -so wird hiermit decidiret, daß im Fall einem per sententiam oder decretum etwas darzuthun auferlegt würde, hierdurch ein ordentlicher oder förmlicher Beweis, durch das Beybringen aber nur eine bloße Bescheinigung verstanden werde.«
 
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Darüben, S. Adelung Drüben.
 
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Dārüber und Darǖber, adv. demonstrativo-relativum, für über dieses, über dasselbe, über diesem, über demselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bedeutet alsdann, 1) eine Gegenwart über eine Sache, oder eine Bewegung über die Oberfläche derselben. Hier ist die Wunde, darüber lege ein Pflaster. Hier ist die Grenze, darüber darfst du nicht schreiten. Darüber ist er weg, figürlich, dieses rühret ihn nicht mehr. Darüber gehet nichts, es wird durch nichts übertroffen. 2) Den Gegenstand einer Handlung des Leibes oder des Gemüthes. Darüber muß ich klagen und heulen, Mich. 1, 8. Darüber hat man mir keinen Vorwurf zu machen. Darüber werde ich nicht unruhig. Darüber habe ich mich noch nicht beklaget. Er beschweret sich darüber, daß er zu viel arbeiten muß. Darüber bin ich Herr. Darüber hat niemand zu befehlen. Darüber ward er empfindlich, und sagte mir die unverschämtesten Dinge, Gell. Wobey sich, 3) zuweilen der Begriff der Zeit mit einschleicht, für während, über dieser Beschäftigung. Du brachtest deine Zeit mit Klagen zu, darüber ist nun der Frühling vergangen. Darüber vergehet die beste Zeit.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der mittelsten Sylbe hat. Es begleitet alsdann, 1) eine Gegenwart über einer Sache, und eine Bewegung über dieselbe hin. Der Fluß ist zwar breit, aber man hat eine Brücke darüber gebauet,

[Bd. 1, Sp. 1404]


daß man darüber gehen kann. Man muß es darüber schreiben, wenn man wissen soll, was es ist. Leget ein Pflaster darüber. Er stieß an einen Stein und fiel darüber. Er ist darüber weg, oder hin, das rühret ihn nicht mehr. Es gehet alles darüber und darunter, oder drüber und drunter, es gehet verwirrt durch einander. Ich will mich darüber machen, ich will diese Arbeit anfangen. Decke die Speise zu, daß die Katze nicht darüber (dazu) komme. Wenn er darüber kommt, wenn er es gewahr wird. 2) Den Gegenstand einer Veränderung des Körpers oder des Geistes, als eine Figur der vorigen Bedeutung. Er hat die Sorge darüber auf sich genommen. Die Zeiten sind gut, klage nicht darüber. Ich will mich darüber bedenken. Du hast nicht Ursache, dich darüber zu beschweren. Ich muß einen Schein darüber bekommen. Machen sie mir darüber keinen Vorwurf. Wir wollen mit einander darüber sprechen, uns darüber berathschlagen. Sie sind Herr darüber. Er hält fest darüber. Man hat ein Urtheil darüber gefället. Mache nur nicht gar zu lange darüber. 3) Eine Ursache, Veranlassung; als eine Fortsetzung der vorigen Figur. Darnach versündigten sie sich durch Baal und wurden darüber getödtet, Hos. 13, 1. Ich setzte mir vor, mich zu fleißigen des Guten, und ich ward darüber nicht zu Schanden, Sir. 51, 24. Sind denn meine Gründe so schlecht, daß ich darüber ihre Hochachtung verlieren sollte? Gell. Ist es nicht genug, daß ich sie reich machen will, soll ich auch noch darüber zum armen Manne werden? ebend. 4) Eine Zeit, auch als eine Fortsetzung der zweyten Bedeutung: darüber, über dieser Beschäftigung. Das Werk ist nicht fertig geworden, denn der Verfasser ist darüber gestorben. Das hast du von deinem Zaudern, die beste Zeit ist darüber vergangen. Wie oft habe ich dich in meinen Armen erwartet! aber der Frühling ist darüber verblühet, Dusch. Dahin auch die R. A. darüber zu kommen, während einer Handlung dazu kommen. Sie aßen, und wir kamen eben darüber zu. 5) Eine Vermehrung, ein Übermaß; als eine Figur der ersten Bedeutung, im Gegensatze des darunter. Von zwanzig Jahren und drüber, 2 Mos. 30, 14. Sechzig Jahr alt und drüber, 3 Mos. 26, 13. Was er gesündigt hat, soll er wieder geben, und das fünfte Theil darüber, Kap. 5, 16. Sechs Wochen und darüber, über sechs Wochen. Es sind schon vier Jahre und drüber. Es ist schon ein Viertel darüber. Da man es mit dem Gomer maß, fand der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, 2 Mos. 16, 18.
   Anm. 1. Die Zusammenziehung dieses Wortes in drüber ist im gemeinen Leben sehr häufig, so wie auch der bloß relative Gebrauch desselben für worüber. Ist das der Fluß, darüber ich schwimmen soll? Das Land, darüber ich habe meine Hand gehaben, 2 Mos. 6, 8. Nehem. 9, 15. Das Haderwasser darüber die Kinder Israel haderten, 5 Mos. 20, 13. Der ich dem Meere den Sand zum Ufer setzte, darüber es nicht gehen muß, Jer. 5, 22. Und so in andern Stellen mehr, wo nur worüber Statt finden kann.
   Anm. 2. Ehedem wurden darafter, darab, und darob in eben dieser Bedeutung gebraucht.
   Sie erschraken darab gar seer,
   Theuerd. Kap. 86.
   Die im Schloß sahen darab sauer,
   Theuerd. Kap. 80.
   Darob der Held thet gfallen tragen,
   Theuerd. Kap. 68. S. Adelung Da II. und Über. Drob kommt noch häufig in der Deutschen Bibel vor; S. Darob.
 
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Dārum und Darúm, particula demonstrativo-relativa, für um diesen, um diese, um dieses, um denselben u. s. f. Sie ist,
   I. Eine anzeigende Partikel, und zwar

[Bd. 1, Sp. 1405]



   1. Ein anzeigendes Umstandswort, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat. Es bedeutet alsdann, 1) um diesen Ort herum, für da herum. Darum wickele das Band. Hier ist die rechte Stelle, darum muß der Faden gewickelt werden Freylich ist diese Zusammenziehung für die edle Schreibart zu hart, daher man sie in derselben lieber vermeidet, und um diese u. s. f. dafür gebraucht. 2) Den Gegenstand einer Beschäftigung oder Wirkung des Geistes. Darum bath ich dich mit Thränen. Darum hat sich niemand zu bekümmern. Darum ist es mir eben zu thun. Es ist ihm bloß darum zu thun, daß ich zu ihm kommen soll. 3) Eine Verwechselung, eine Vertauschung, für dafür, im gemeinen Leben. Darum gebe ich keinen Häller. Darum kann ich meine Waare nicht geben, für diesen Preis. Ingleichen, den Verlust einer Sache. Ob ich das Buch noch habe? Ach, darum bin ich längst gekommen. Darum hat man mich längst gebracht. Darum bin ich schändlich betrogen worden. Der Arme hat nichts, denn ein wenig Brots, wer ihn darum bringt, der ist ein Mörder, Sir. 34, 25. 4) Eine Ursache, für um deßwillen, deßwegen. Empfinde ich darum weniger, weil ich mir vornehme, nichts zu empfinden? Dusch. Dieses habe ich darum gesagt, damit du wissen möchtest, u. s. f. Werde ich dir darum untreu, weil ich mit einer andern rede? Ich thue es darum, weil es mir so gefällt. In dieser Bedeutung ist es
   2. Als ein Bindewort am üblichsten, welches einer Ursache zur Begleitung dienet, und, wenn keine andere Partikel dazu kommt, den Nominativ hinter das Zeitwort wirft. Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen, 1 Mos. 2, 24. Die Brücke war abgerissen, darum konnten sich so wenige mit der Flucht retten. Ich wußte nicht, wo er sich aufhielt, darum konnte ich auch nicht an ihn schreiben. Nur hüthe man sich, darum nicht in dem Nachsatze zu setzen, wenn sich der Vordersatz mit weil anfängt. Weil ich nicht wußte, wo er sich aufhielt, darum konnte ich nicht u. s. f. Hier muß so stehen. Hingegen, kann darum in dem Vordersatze ohne Übelklang das weil im Nachsatze haben. Ich konnte darum nicht an ihn schreiben, weil ich nicht wußte u. s. f. Das biblische darum daß, für weil, ist im Hochdeutschen veraltet. Darum daß eine Seele gearbeitet hat, wird er u. s. f. Es. 53, 11. Ingleichen im Nachsatze: darum daß er sein Leben in den Tod gegeben hat, V. 12.
   Oft fänget darum, besonders im gemeinen Leben, die Antwort an, wenn mit warum gefraget worden. Warum hast du das gethan? Darum, weil es mir so einfiel. In der anständigern Schreibart setzet man das weil lieber allein, weil dieses den Begriff des darum schon mit einschließet.
   Und hat für ein Warum? zehn Darum bey der Hand,
   Dusch. Bloß die demonstrative Bedeutung dieser Partikel ist die Ursache, warum sie in diesem Falle den Ton auf der ersten Sylbe hat, und nicht die Gravität des Lehrenden, wie ein gewisser Schriftsteller in allem Ernste behauptet. Sie hat das mit allen ähnlichen Partikeln gemein, in welche die Gravität des Lehrenden gewiß keinen Einfluß hat.
   II. Eine Partikel, welche nebst der anzeigenden auch eine beziehende Bedeutung hat, oder ein demonstrativo-relativum, da es denn den Ton auf der letzten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) um denselben Ort herum. Und band einen rothen Faden darum, 1 Mos. 38, 28. Wenn du ein neues Haus bauest, so mache eine Lehne darum, 5 Mos. 22, 8. Der pflanzte einen Weinberg und führte einen Zaun darum, Matth. 21, 32.
   Ich will tombackne Tressen nehmen,
   Gell.
   Weil Keuschheit und Vernunft darum zu Wache stehn,
   Haller. Im Hochdeutschen ist dieser Gebrauch selten, weil man in diesem Falle die Partikel lieber auflöset, um denselben, um dasselbe, oder auch herum gebraucht. 2) Den Gegenstand einer Beschäftigung des Leibes oder Geistes. Ich gab es ihm, weil er mich darum bath. Ihr habt nicht Ursache, euch darum zu bekümmern. Ich mußte es wohl sagen, man fragte mich ja darum. Es war ihm sehr darum zu thun. Sie wußten nichts darum, sie wußten nichts davon. Er bekümmert sich wenig darum. Es bemühet sich ja niemand darum. Es soll darum geloset werden. 3) Eine Verwechselung, oder Vertauschung. Ich both ihm zehen Thaler, aber er wollte es nicht darum (dafür) geben. Tausend Thaler wollte ich darum geben, wenn es nicht geschehen wäre. Ingleichen den Gegenstand eines Verlustes. Ich habe es nicht mehr, ich bin darum gekommen; man hat mich darum gebracht, betrogen. Hier wird die erste Sylbe im gemeinen Leben oft gar verschlungen.
   Ach solltest du nur erst die Liebe besser kennen,
   Du gäbst noch etwas drum,
   Rost. Er hat mich drum gebracht. Es sey darum, es kommt mir darauf nicht an, es mag geschehen. Es mag darum seyn. 4) Eine Ursache. Wer seinen Knecht oder Magd schläget, der soll darum gestraft werden, 2 Mos. 21, 20. 21. Was zürnet ihr darum? 2 Sam. 19, 42. Du solltest es nicht haben, ich that es eben darum. Ich lobe sie darum, ich lobe sie deßwegen.
   Anm. 1. Die Zusammenziehung in drum gehöret auch in Ansehung dieser Partikel in die Sprache des täglichen Umganges, die Zerreißung aber unter die veralteten Schönheiten.
   Daß dieß unmöglich ist, da will ich um nicht streiten,
   Opitz. Eben derselbe gebraucht auch um daß für weil:
   Ich muß mit Danke Gott erheben,
   Um daß er seine Gütigkeit
   Euch mitgetheilet dieser Zeit. Eben von darum, oder von darummen, für darum, z. B. ohne daß von darummen die Wahl zu verwerfen, kommen noch in einigen Oberdeutschen Kanzelleyen vor.
   Anm. 2. Hingegen ist im Hochdeutschen auch der bloß relative Gebrauch dieser Partikel nicht selten. Die Ursache, darum ich es gethan habe. Daß du mir Weisheit verleihest, darum wir dich gebethen haben, Dan. 2, 23, für warum oder worum. S. Adelung Da II.
   Anm. 3. Bey dem Übersetzer Isidors lautet diese Partikel noch umbi dhazs, bey dem Willeram aber schon darumbe, in dem alten Gedichte auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter tha umbe, und bey den Schwäbischen Dichtern dar umbe. S. Adelung Da II. und Um.
 
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Darunten, S. Adelung Drunten.
 
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Dārunter und Darúnter, adv. demonstrativo-relativum, für unter dieses, unter diesem, unter dasselbe, unter demselben. Es ist,
   1. Ein anzeigendes Umstandswort, welches den Ton auf der ersten Sylbe hat, und bezeichnet, 1) eine Gegenwart unter einer Sache, ingleichen eine Bewegung unter dieselbe hin. Hier ist ein festes Dach, darunter ist man vor dem Regen sicher. Darunter (unter dieser Stelle) muß das Feuer gemacht werden. Darunter hat er sich verborgen. 2) Ein Mittel; als eine Figur der vorigen Bedeutung. Darunter (in oder bey dieser Sache) leidet seine Eigenliebe. Darunter (damit) sucht er nichts Gutes. 3) Eine Verminderung einer Zahl, oder eines

[Bd. 1, Sp. 1407]


Werthes; im Gegensatze des darüber. Es kostet sechs Thaler, darunter kann ich es nicht geben. 4) Eine Gegenwart oder Wirkung unter mehrern Dingen. Darunter ist dieß das beste. Darunter ist kein Unterschied. Da stehet ein Haufen Leute, aber darunter menge ich mich nicht. Darunter, unter diesen Personen, sehe ich meinen Freund nicht. Wider die Art dieser Nebenwörter kann darunter auch von Personen gebraucht werden. S. Adelung Da II.
   2. Ein mehr beziehendes Umstandswort, welches den Ton auf der zweyten Sylbe hat. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart unter einer Sache, und eine Bewegung unter dieselbe. Da stehet ein Tisch, krieche darunter. Mache ein Feuer darunter, unter den Kessel. Hier ist ein Dach, stelle dich darunter. Es gehet alles darüber und darunter, es gehet sehr verworren zu. 2) Die Beziehung auf einen Gegenstand. Seine Familie leidet darunter, leidet in, mit und bey der Sache. Was sucht er darunter, wenn er nicht mein Unglück bey ihnen sucht? Gell. Ehre und Tugend leiden allerdings darunter, wenn wir uns auf Kosten anderer ernähren wollen. 3) Eine Verminderung. Alle Kinder von zwey Jahren und darunter. Da man es mit dem Gomer maß fand der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte, 2 Mos. 16, 18. Es kostet sechs Thaler, ich kann es nicht darunter geben. 4) Eine Gegenwart oder Wirkung unter mehrern Dingen. Da stand ein Haufen Volkes, und er stand mitten darunter. Der Wein ist nicht rein, es ist Wasser darunter gemischet. Dieß ist das beste darunter. Man hat es schon mit darunter gerechnet. Es ist kein Unterschied darunter. Die Ducaten sind gut, nur einer darunter ist zu leicht. Auch hier kann es von Personen gebraucht werden.
   Anm. Alles Volk darunter du bist, 2 Mos. 34, 16. Die Decke darunter er lag, Judith 13, 19, für worunter, gehören unter die Fälle, wo die Partikel da mit der bloß relativen wo verwechselt wird. Drunter ist nur im gemeinen Leben üblich, so wie die Verdoppelung des da, da drunter sehe ich nichts Gutes. Bey dem Notker lautet dieses Nebenwort dar undere, bey dem Stryker und den Schwäbischen Dichtern darunter und drunder. S. Adelung Da II. und Unter.

 

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