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Darbiethen bis Darlehnen (Bd. 1, Sp. 1394 bis 1398)
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Artikelverweis  Darbiethen, verb. irreg. act. (S. Adelung Biethen,) zum Geben vorhalten, eine Sache, die man einem andern geben will, ihm wirklich vorhalten, da denn dieses Wort in der edlen und anständigen Schreibart für das niedrigere hinhalten, vorhalten, gebraucht wird. Und bothen lieber frey Geld dar vor ihr Leben, 3 Macc. 2, 33. So dir jemand einen Streich giebet auf deinen rechten Backen, dem biethe den andern auch dar, Matth. 5, 39. Ich wollte, daß sie das Vergnügen mit mir theilen könnten, welches mir meine Einsamkeit überall darbiethet. Seine erhabene Stirn schien sich den Schlägen des Schicksals darzubiethen, ohne demselben zu trotzen. Ich suchte die mannigfaltigen Quellen der Freude auf, die sich uns darbiethen, Dusch. Die erste Gelegenheit welche sich darbiethen wird. So auch die Darbiethung.
   Anm. Darbiethen unterscheidet sich hinlänglich von anbiethen. Dieses druckt nur eine Bereitwilligkeit etwas zu geben aus, jenes aber die wirkliche Vorhaltung der Sache, die gegeben werden soll. Darreichen hat mit darbiethen fast einerley Bedeutung, S. dieses Wort und Dar.
 
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Darbringen, verb. irreg. act. (S. Adelung Bringen,) herbringen; ein Oberdeutsches Verbum, welches nur zuweilen in der höhern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Und sollt den Tisch darbringen und ihn zubereiten, 2 Mos. 40, 4. Sie sollen einen jungen Farren darbringen zum Sündopfer, 3 Mos. 4, 14. Ich wollte die Zahl meiner Gänge ansagen, und wie ein Fürst wollte ich sie darbringen, Hiob. 31, 37. So auch die Darbringung. Thara bringan kommt mehrmahls schon bey dem Ottfried vor. S. Dar.
 
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Dārein und Dareīn, adv. demonstrativo-relativ.welches alsdann gebraucht wird, wenn das Vorwort in die vierte Endung zu sich nimmt, für in diesen, in diese, in dieses, in denselben, in dieselbe, in dasselbe. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und gern am Anfange eines Satzes stehet, eine Bewegung oder Richtung nach dem Innern, nach der Mitte einer Sache auszudrucken. Darein (in dieses Gefäß) darf nichts gegossen werden. Ingleichen, in verschiedenen figürlichen Arten des Ausdruckes. Darein kann ich mich nicht finden. Darein gebe ich meinen Willen nimmermehr. Noch mehr aber,
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, gleichfalls, gleichfalls eine Bewegung nach dem Innern oder der Mitte einer Sache zu bezeichnen, da es denn den Ton auf der letzten Sylbe hat. Die Lampe brennet dunkel, thue Öhl darein. Er nahm das Horn, und blies

[Bd. 1, Sp. 1396]


darein. Das Geld lieget in dem Schranke, ich habe es selbst darein geleget. Da nahm Saul das Schwert und fiel darein, 1 Sam 31, 4. Mische dich nicht darein. Ich kann mich nicht darein schicken. Man hat schon darein gewilliget. Gib dich nur geduldig darein. Die Sache kann nicht vor sich gehen, es ist etwas darein gekommen. Grittus sollte Hochzeit machen, und es kam was anders darein, Logau. Mit dem Schwerte, mit Knütteln darein (darunter) schlagen.
   Der Frühling flochte Blumen ins Haar der Erde ein,
   Aurora streute Perlen und Schmelz von Thau darein,
   Dusch.
   Und haben Schuhe von Stahl, der Mann der freundlichen Venus
   Verbarg des Blitzes Geschwindigkeit drein,
   Raml.Hierher gehören auch verschiedene figürliche R. A. welche aus der Verbindung dieses Wortes mit einigen Verbis entstehen. Etwas darein geben, zugeben. Es gehet darein, es kann als eine Zugabe angesehen werden. Sich darein legen, in einen Streit, sich in das Mittel schlagen. Hinter jemanden darein laufen, hinter ihm herlaufen. Ich fange an zu laufen, er aber lief mir immer hinten drein, Raben. Rede mir nicht darein, unterbrich mich nicht. Darein sehen, eine Sache ahnden, in verschiedenen Stellen der Deutschen Bibel.
   Anm. 1. Darein kann nur gesetzet werden, wenn das Vorwort in die vierte Endung zu sich nimmt. Erfordert es die dritte, so stehet darin. Freylich wird sehr oft dawider gefehlet. Indessen gibt es auch Fälle, wo es gleichgültig zu seyn scheinet, ob man darein oder darin gebraucht. Er machte die Stadt fest und bauete ihm ein Haus darein, 1 Macc. 13, 48 ließe sich immer noch vertheidigen.
   Anm. 2. Auch dieß Wort darf nicht bloß relative gebraucht werden. Da ist eine Stadt nahe, darein ich fliehen mag, 1 Mos. 19, 20. Das Land Canaan darein ich euch führen will, 3 Mos. 18, 3. Kap. 20, 22. Das Land, darein ihr gehet, 5 Mos. 31, 13. In diesen und andern ähnlichen Fällen sollte es worein, oder noch besser in welche, in welches heißen.
   Anm. 3. Daß das Demonstrativo-Relativum oft in drein, zusammen gezogen wird, besonders von den Dichtern um des Sylbenmaßen willen, erhellet schon aus einigen der oben angeführten Beyspiele. S. Adelung Da II. Ein, In und Darin.
 
Artikelverweis * Die
Darge, plur. die -n, ein nur in der Mark Brandenburg übliches Wort, eine messingene Angel mit einem rothen Lappen zu bezeichnen, vermittelst welcher die Hechte gefangen werden, weil sie den rothen Lappen für Rotbaugen ansehen.
   Daß er als wie ein Hecht an deine Darge biß,
   Canitz.
   Und wenn kein großer Hecht hier in die Darge beißt,
   Canitz. Vermuthlich von dem Nieders. targen, zergen, reitzen. Im Schwed. bedeutet targa, zerreißen. S. Adelung Zerren.
 
Artikelverweis 
Dargêben, verb. irreg. act. (S. Adelung Geben,) welches nur im Oberdeutschen üblich ist, für hingeben, darreichen. Und will sie (die Weisheit) öffentlich zu erkennen dargeben, Weish. 6, 24. Durch solche dargegebene und zugeschickte Wachteln, Kap. 16, 3. Welche Menschen ihre Seelen dargegeben haben, für den Nahmen unsers Herrn Jesu Christi, Apost. 15, 25. Der sich selbst für mich dargegeben, Gal. 2, 20. Gott, der uns dargibt reichlich, allerley zu genießen, 1 Tim. 6, 17.
   Der vielen anzusehn ausdrücklich dargegeben
   Sein fest gebundnes Haupt und sein erstrecktes Leben,
   Opitz, von dem Auferweckten Lazarus. S. Adelung Dar.

[Bd. 1, Sp. 1397]



 
Artikelverweis 
Darhalten, verb. irreg. act. (S. Adelung Halten,) ein gleichfalls nur im Oberdeutschen übliches Wort, für hinhalten, darreichen. Ich hielt meinen Rücken dar, denen die mich schlugen. Es. 50, 6. Und hielten es ihm dar zum Munde, Joh. 19, 29. S. Dar.
 
Artikelverweis 
Dārin und Darín, adv. demonstrat. relat. welches alsdann gebraucht wird, wenn in die dritte Endung zu sich nehmen sollte, für in diesem, in dieser, in demselben, in derselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, und bezeichnet alsdann ein Seyn oder eine Gegenwart in einem Orte und Zustande, wobey es den Ton zugleich auf der ersten Sylbe hat. Denn es war da aufgericht das Vordertheil der Hütten, darinnen war der Leuchter u. s. f. Ebr. 9, 2. Darin sehe ich nichts. Darin hast du es versehen. Du betrogest dich darin, daß du glaubtest u. s. f. Die wahre Herzhaftigkeit bestehet darin, daß man sich über alle Zufälle erhebe, Sonnenf.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und gleichfalls ein Seyn in einem Orte oder Zustande bedeutet, so wohl eigentlich als figürlich. Es ist nichts darin. Ich habe es ja darin gesehen. Er hat ein Haus, aber er wohnet nicht darin. Das Zimmer ist gut, aber es sahe sehr unordentlich darin aus. Er hat sich so darin vertieft, daß er weder siehet noch höret.
   Anm. 1. So wie aus bey diesem, durch dieses, an dieses, um dieses u. s. f. dabey, dadurch, daran, darum wird, so wird auch aus in diesem, darin. Es ist also keine begreifliche Ursache vorhanden, warum diese Partikel darinn, darinne, oder gar darinnen lauten sollte, so sehr auch diese Form nicht nur in der Deutschen Bibel, sondern auch bey den meisten neuern Schriftstellern üblich ist. Es siehet nicht gar zu ordentlich darinne aus, Gell. Es stehen solche artige Historien darinne, ebend. Hülfliche Hand darinnen zu leisten, Gottsch. Darinn ich selbst verstoßen hatte, ebend. Ich habe darinnen mein Glaubensbekenntniß abgeleget, ebend. Man kann diese Verlängerung mit nichts als mit der Oberdeutschen Weitschweifigkeit entschuldigen, die auch wohl darumme und darummen für darum zu sagen und zu schreiben pflegt. Hochdeutsche Schriftsteller sollten sich diesen Fehler niemahls zu Schulden kommen lassen. Indessen ist er schon alt; Ottfried gebraucht tharinne, der Verfasser des Siegesliedes auf den König Ludwig thorinne, der Verfasser des Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug tharinne, tha inne.
   Dar inne al min froide lit, einer der Schwäbischen Dichter. Aber eben diese Schriftsteller gebrauchen auch das einfache inna, innan für in, welches doch noch kein Hochdeutscher nachgeahmet hat; denn das Nebenwort innen gehöret zunächst nicht hierher. Hierinnen, innehaben, innehalten, mitteninne u. s. f. haben eben diese fehlerhafte Verlängerung angenommen.
   Anm. 2. Im Oberdeutschen ist es sehr gewöhnlich, diese Partikel wieder zu zerreißen.
   Da was der Tod ynne,
   Horn.
   Als sy nun kamen in die stat
   Da dieser Kempfer innen was,
   Theuerd. Kap. 77. Welches auch in der Deutschen Bibel sehr häufig vorkommt. Das Land, da du ein Fremdling innen gewesen bist, 1 Mos. 17, 8. Kap. 28, 4. Kap. 35, 27. Das Dunkele, da Gott inne war, 2 Mos. 20, 21. Ein Volk, da kein Rath innen ist, 5 Mos. 32, 28. Ein Land, da Öhl und Honig innen ist, 2 Kön. 18, 32. Cramer, ein Cöllner von Geburt, aber ein Nürnbergischer Sprachmeister, gibt dieses in seinem Deutsch-Italiän. Wörterbuche gar für eine Zierlichkeit aus. Im Oberdeutschen mag sie es seyn; im Hochdeutschen ist sie ein Fehler.

[Bd. 1, Sp. 1398]



   Anm. 3. Die jetzt aus der Deutschen Bibel angeführten Beyspiele haben über dieß noch den Fehler, daß darin in denselben bloß relative für worin gebraucht worden, welches noch in vielen andern Stellen geschehen ist. Alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, 1 Mos. 6, 17. Ephrons Acker, darinn die zwiefache Höhle ist, Kap. 23, 17. Und das Land, darinn sie Fremdlinge waren, Kap. 36, 7. Den Weg, darinnen sie wandeln, 2 Mos. 18, 20 und in andern Stellen mehr, wo überall worin hätte gebraucht werden sollen.
   Anm. 4. Drin, oder gar drinnen, für darin, ist nur im gemeinen Leben üblich.
 
Artikelverweis Die
Darlage, plur. die -n, eine Sache, welche dargeleget wird, besonders aber Geld zu bezeichnen, welches bezahlet wird. In den Gerichten wird die Bezahlung der aufgelaufenen Unkosten, und in dem Berg auf die Zubuße, zuweilen die Darlage genannt.
 
Artikelverweis 
Darlêgen, verb. reg. act. welches im Hochdeutschen nur zuweilen in der höhern Schreibart vorkommt, vorlegen, hinlegen. Lege das dar, vor meinen und deinen Brüdern, daß sie zwischen uns beyden richten, 1 Mos. 31, 37. In dem weiten und fetten Land, das du ihnen dargeleget hast, Nehem. 9, 35. Und legt dar alles Gut in seinem Haus, Sprichw. 6, 31. Ich aber will fast gerne darlegen und dargeleget werden für eure Seelen, 2 Cor. 12, 15. Mit Gründen darlegen, beweisen, darthun. So auch die Darlegung.
 
Artikelverweis Das
Darlehen, des -s, plur. ut nom. sing. im Oberdeutschen die Darleihe, plur. die -n, dasjenige, was man einem andern lehnet oder leihet, besonders Geld. Einem ein Darlehen geben. Jemanden um ein Darlehen ersuchen. Ein Darlehen, oder eine Darleihe auf Pfänder. S. das folgende. In Baiern ist für Darlehen auch Darschuß üblich.
 
Artikelverweis 
Darlehnen, verb. reg. act. im Oberdeutschen darleihen, verb. irreg. act. (S. Adelung Leihen,) lehnen oder leihen, besonders Geld leihen. Einem eine Summe Geldes darleihen, oder darlehnen. S. Lehnen und Leihen. Daher die Darleihung oder Darlehnung, ingleichen der Darleiher, der einem andern etwas leihet.

 

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