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Dārauf bis Darlage (Bd. 1, Sp. 1391 bis 1398)
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Artikelverweis  Dārauf und Daraūf, adv. demonstrativo-relativum, des Ortes, für auf diesem, auf dieses, auf dasselbe, auf demselben. Es ist,
   1. Ein Adverbium demonstrativum, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und gern zu Anfange eines Satzes, oder doch in dem Vordersatze stehet. Es bezeichnet, 1) ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche einer Sache. Darauf setze dich. Darauf sollst du liegen. Dieß ist der rechte Weg, darauf wandele. Hier ist ein Stecken, darauf sollst du reiten. Und fand einen Altar, darauf war geschrieben u. s. f. Apostelg. 17, 27. Darauf räuchertest du. 2) Eine Bewegung nach der Oberfläche einer Sache, ingleichen, die Richtung des Gemüthes auf einen Gegenstand und nach demselben. Darauf

[Bd. 1, Sp. 1392]


siehe. Darauf mußt du hören. Darauf denke ich eben. Darauf verstehe ich mich vortrefflich. Darauf kann man sich verlassen. Darauf lasse ich mich nicht ein. Darauf darfst du eben nicht eifersüchtig seyn. Es kommt nur noch darauf an, ob er seinen Willen dazu geben wird. Darauf soll es mir nicht ankommen. 3) Den Bewegungsgrund, die Ursache einer Handlung, oder einer Bewegung des Gemüthes. Er hat ein gutes Herz, und darauf ist er stolz. Darauf darfst du dir nichts einbilden. 4) Einen Endzweck. Darauf gehet er eben aus. Darauf ist die ganze Sache angefangen. Es ist bloß darauf angefangen, mich um das Meinige zu bringen. Unrichtig ist es daher, wenn in dieser anzeigenden Bedeutung von den Dichtern die erste Sylbe dieses Wortes kurz gebraucht wird.
   Nur weich darauf zu sitzen,
   Zu sorgen nicht, zu prangen,
   Darauf ists angefangen,
   Logau, wo das zweyte darauf hierher gehöret, welches in seiner ersten Hälfte nicht hätte sollen kurz gemacht werden. 5) Eine Zeitfolge, für nach diesem, hierauf, wo es zugleich die Stelle eines Bindewortes vertritt. Darauf ging der Streit wieder an. Darauf entstand ein Lärmen. In diesem Falle kann darauf ohne Unterschied für hierauf gebraucht werden.
   2. Ein adv. demonstrativo-relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und gerne im Nachsatze, wenigstens nie zu Anfange eines Satzes stehet. Es bedeutet, 1) ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche einer Sache. Die Katze sitzt nicht auf dem Baume, aber der Vogel sitzt darauf. Hier ist ein Clavier, spiele darauf. Du suchest das Pferd, und sitzest doch darauf. 2) Eine Bewegung nach der Oberfläche einer Sache, ingleichen, die Richtung des Gemüthes auf einen Gegenstand, und überhaupt den Gegenstand einer Handlung. Der Tisch ist naß, lege dich nicht darauf. Hier stehet ein Stuhl, setze dich darauf. Hast du eine Wunde, so lege ein Pflaster darauf. Gehe nur gerade darauf zu. Legen sie noch einen Gulden darauf. So auch figürlich. Ich habe ihm Geld darauf gegeben. Ich kann nicht darauf kommen, ich kann mich nicht darauf besinnen. Wie kamen sie darauf, wie fiel ihnen das ein? Er ist zornig, neidisch, eifersüchtig darauf. Denke doch darauf. Weißt du auch, daß der Galgen darauf stehet? daß dieses Verbrechen mit der Strafe des Gelgens bedrohet ist. Ich will mich mit allem Fleiße darauf legen. Ich sehe, ich höre nicht darauf. Merke doch darauf. Warte darauf. Helfen sie mir doch darauf, geben sie mir Gelegenheit, mich darauf zu besinnen. Er bestehet darauf. Er verstehet sich sehr gut darauf. Ich habe lange darauf geantwortet. Kann ich mich darauf verlassen? Hoffe nicht darauf, rechne nicht darauf. Ich wollte viel darauf wetten. Und in so vielen andern Fällen mehr. Wenn von einer heftigen Handlung die Rede ist, so werden im gemeinen Leben noch die Wörter zu, los, hinein u. s. f. hinzu gesetzet. Darauf los arbeiten, darauf zuschlagen, darauf los schlagen, darauf los borgen u. s. f. Doch drücket darauf zu auch nur eine bloße Bewegung nach einem Orte aus. Gehe gerade darauf zu. Wir fuhren gerade darauf zu. 3) Eine Gegenwart bey einer Handlung, doch nur in einigen Fällen. Ich war nicht auf der Jagd, aber mein Freund war darauf. Gestern war Ball, bist du auch darauf gewesen? S. Auf. 4) Den Bewegungsgrund, die Ursache einer Handlung. Er bildet sich viel darauf ein. Ich bin stolz darauf. 5) Einen Endzweck. Es war darauf angefangen. Er ist schon lange darauf ausgegangen. 6) Eine Zeitfolge. Wir aßen und darauf gingen wir spazieren. Man hat mich betrogen und darauf gar um das Meinige gebracht.

[Bd. 1, Sp. 1393]


Wenn die Zeit bestimmt ist, so tritt darauf hinter das Substantiv, welches alsdann in der ersten Endung stehet. Wenige Tage darauf. Sechs Monathe, vier Wochen darauf. Eine Stunde darauf. Den Tag darauf, als ich dich sahe. In einigen Fällen, besonders wenn kein Zahlwort dabey ist, hat auch die zweyte Endung Statt. Tages darauf. Des Abends, des Morgens darauf. Abends, Morgens darauf. Des Mittags darauf. Aber nicht der Stunde, oder der Woche darauf, sondern die Stunde u. s. f.
   Anm. 1. Mit einigen Verbis, wo die Beziehung dieses Wortes dunkel ist, entstehen allerley figürliche R. A. Dahin gehöret besonders das Zeitwort gehen. Aller Wein ist darauf gegangen, ist ausgetrunken worden. Er mußte darauf gehen, sterben. Er wird wohl darauf gehen, sterben. Sein Bißchen Ehre mag immer darauf gehen, Less. sie mag bey dieser Gelegenheit immer verloren gehen. Und wenn auch mein ganzes Vermögen darauf ginge, wenn mir diese Sache auch mein ganzes Vermögen kosten sollte.
   Anm. 2. Darauf lässet sich nicht in allen den Fällen gebrauchen, wo man die Redensart mit auf diesem, auf demselben auflösen kann. Man sagt ganz richtig, du warest auf dem Rathhause, aber ich war nicht auf demselben, wir wohnen nicht auf dem Lande, sondern wir bleiben nur den Sommer über auf demselben; aber nicht, du warst auf dem Rathhause, aber ich war nicht darauf, wir wohnen nicht auf dem Lande, sondern wir bleiben nur den Sommer darauf. Noch unverzeihlicher ist es, wenn man diese Partikel für auf dasjenige braucht. Darauf, was neulich berichtet ist, dienet zur Antwort. Derjenige, diejenige, dasjenige, ist eines von denen Fürwörtern, die sich durch keine dieser Partikeln ersetzen lassen; S. Adelung Da II.
   Anm. 3. Auch ist es wider die Natur aller dieser Partikeln, das bloße Relativum welcher auszudrucken; daher man niemahls darauf für worauf sagen sollte, so oft solches auch geschiehet. Der Sattel, darauf er reitet, 3 Mos. 15, 9. Alle Lager, darauf er lieget, und alles, darauf er sitzet, V. 4. Wer anrühret irgends was, darauf sie gesessen hat, V. 22. Einen Altar mache mir, darauf du dein Brandopfer opferst, 2 Mos. 20, 24. Und so in andern Stellen mehr, wo diese Partikel unrichtig für worauf stehet.
   Anm. 4. Bey allen Partikeln dieser Art ist die Verdoppelung des Vorwortes ein Fehler, wie schon bey dem Worte Da angemerket worden; z. B. auf welch Land der Herr dein Gott Acht hat, und die Augen des Herren immerdar darauf sehen, 5 Mos. 11, 12. Auf dero letzt gethane Frage, darauf dienet zur Antwort u. s. f.
   Anm. 5. Im gemeinen Leben wird diese Partikel, wenn sie zugleich relativ ist, sehr oft in drauf zusammen gezogen. Und satzte sich drauf, Matth. 28, 2. Dem der drauf saß, Offenb. 6, 4. Und legte die Decke oben drauf, 2 Mos. 40, 19. Drauf schwiegen sie und sahn einander an, Gell.
   Und bey dem heftigen Beginnen
   Geht unsre Lust am ersten drauf,
   Rost. Anm. 6. Schon Ottfried gebraucht tharuf von einem Orte, und B. 4, Kap. 7, V. 113 kommt bey ihm sogar das zusammen gezogene drof in der Bedeutung einer Zeit für ferner vor:
   Inthabe, quad er zi iru, thih,
   Drof ni ruari thu mih, enthalte dich, sprach er zu ihr; rühre mich ferner nicht an. Im Angels. lautet diese Partikel daerof. S. Adelung Da II. und Auf.
   Dāraus und Darāus, adv. demonstrativo-relativ. für aus diesem, aus demselben. Es ist, wie alle Partikeln dieser Art,

[Bd. 1, Sp. 1394]



   1. Ein Demonstrativum, da es den Ton gleichfalls auf der ersten Sylbe hat, und gerne zu Anfange eines Satzes stehet. Es bedeutet, 1) eine Bewegung nach einem Orte; doch mehr figürlich, als eigentlich. Habe Friede, daraus wird dir viel Gutes kommen, Hiob 22, 21. Du wirst sehen, was daraus kommen wird. Daraus entspringen alle Laster. Daraus kann nichts Gutes kommen. Daraus folgt, daß u. s. f. 2) Die Materie, den Stoff, aus welchem etwas geworden, oder entstanden ist, so wohl eigentlich als figürlich. Daraus kann ich nichts machen. Was sollte ich daraus machen? Und ich warfs (das Gold) in das Feuer, daraus ist das Kalb worden, 2 Mos. 32, 24. Daraus darfst du eben kein Geheimniß machen. Was soll denn daraus werden? 3) Den Grund der Erkenntniß. Das kannst du daraus abnehmen. Daraus läßt sich schließen, urtheilen u. s. f.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und alle Mahl hinter einem oder mehrern Wörtern stehet. Es bedeutet auch hier, 1) eine Bewegung aus einem Orte; doch nicht so wohl eigentlich, in welcher Bedeutung heraus üblicher ist, als vielmehr figürlich. Es ist eine verwirrte Sache, es kann niemand daraus kommen, wo vielleicht auch heraus schicklicher ist. Alles dieses folget daraus. Es ist viel Unglück daraus entsprungen. 2) Die Materie, den Stoff, einer körperlichen oder unkörperlichen Sache. Du machst eine Gewohnheit daraus. Beschließet einen Rath, und werde nichts daraus, Es. 8, 10. Ich mache mir nichts daraus, ich achte es nicht. Ich weiß nicht, was ich daraus machen soll, was ich davon urtheilen soll. 3) Den Grund der Erkenntniß, eines Urtheiles. Das hättest du längst daraus schließen können. Ich sehe daraus, daß ihm nicht zu trauen ist.
   Anm. Fast alles, was bey dem vorigen Worte angemerket worden, lässet sich auch auf dieses anwenden. Der bloß relative Gebrauch, für woraus, ist auch hier nicht selten. Das Land, daraus du uns geführet hast, 5 Mos. 9, 28. Der Becher, daraus ich getrunken habe, für woraus. Sie begaben sich nach von daraus sie an ihre Zurückberufung arbeiteten, ist doppelt fehlerhaft, weil auch hier nicht einmahl woraus stehen kann; besser, und arbeiteten von hieraus an u. s. f. Im gemeinen Leben wird es häufig in draus zusammen gezogen, und alsdann wird zuweilen noch ein zweytes da fehlerhaft vorgesetzet; da draus wird nichts, für daraus. In dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter lautet dieses Wort cha uz und thar uz, in dem Gedichte auf den heil. Anno diuruz, und bey den Schwäbischen Dichtern dar us. S. Adelung Da II. und Aus.
 
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Daraußen, S. Adelung Draußen.
 
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Darben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt. 1) * Nöthig haben, brauchen, welche Bedeutung aber völlig veraltet ist, seitdem das zusammen gesetzte bedürfen üblicher geworden, S. dieses Wort. 2) * Mangel an etwas leiden, einer Sache entbehren, da es denn so wohl mit der zweyten, als mit der vierten Endung verbunden wird. Thie heimingens tharbent, die kein Vaterland haben, Ottfr. Er suliches ni tharbe, ebend.
   Si muos der miner minne ie mer darbende sin, der von Kiurenberg; sie muß da meiner Liebe immer entbehren.
   Was soll mir Gut und Geld, so ich ihr darben muß?
   Opitz.
   Er darbet nichts und sagt doch ihm gebricht,
   Opitz.
   Ein schönes Angesicht kann Schmink und Anstrich darben,
   Gryph.
   Muß ich dessen Einfluß darben,
   Günth. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung fremd; Hr. Ramler hat sie in seinen Horazischen Oden einzuführen versucht, und es wird sich zeigen, ob sie Beyfall finden wird. Im Oberdeutschen ist sie überall gänge und gebe. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Zeitwort, 3) nur absolute und in engerer Bedeutung, an den nothwendigsten Bedürfnissen Mangel leiden. Die Reichen müssen darben, Ps. 34, 11. Der verlorne Sohn fing an zu darben, Luc. 15, 14. Wenn ihr nun darbet, Kap. 16, 9. Auch ein König kann darben, wenn er, wie ein Apicius prasset, Dusch. Oft darbet eine edle Seele auf dem Throne, ebend. Er sahe seine Geliebte sich in Gram verzehren und darben, ebend. In den zusammen gesetzten Zeiten, ich habe gedarbt, hatte gedarbt, wird es wohl nicht leicht gefunden werden.
   Anm. Schon bey dem Ulphilas bedeutet tharban und thaurban, nöthig haben. Das Schwed. tarfwa, und Angels. thearfan, bedeuten so wohl nöthig haben, als Mangel leiden. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort darfen, bey dem Ottfried tharben, bey dem Notker aber darben. Im Arab. ist taraba arm seyn. S. Adelung Dürfen, welches genau damit verwandt ist.
 
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Darbiethen, verb. irreg. act. (S. Adelung Biethen,) zum Geben vorhalten, eine Sache, die man einem andern geben will, ihm wirklich vorhalten, da denn dieses Wort in der edlen und anständigen Schreibart für das niedrigere hinhalten, vorhalten, gebraucht wird. Und bothen lieber frey Geld dar vor ihr Leben, 3 Macc. 2, 33. So dir jemand einen Streich giebet auf deinen rechten Backen, dem biethe den andern auch dar, Matth. 5, 39. Ich wollte, daß sie das Vergnügen mit mir theilen könnten, welches mir meine Einsamkeit überall darbiethet. Seine erhabene Stirn schien sich den Schlägen des Schicksals darzubiethen, ohne demselben zu trotzen. Ich suchte die mannigfaltigen Quellen der Freude auf, die sich uns darbiethen, Dusch. Die erste Gelegenheit welche sich darbiethen wird. So auch die Darbiethung.
   Anm. Darbiethen unterscheidet sich hinlänglich von anbiethen. Dieses druckt nur eine Bereitwilligkeit etwas zu geben aus, jenes aber die wirkliche Vorhaltung der Sache, die gegeben werden soll. Darreichen hat mit darbiethen fast einerley Bedeutung, S. dieses Wort und Dar.
 
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Darbringen, verb. irreg. act. (S. Adelung Bringen,) herbringen; ein Oberdeutsches Verbum, welches nur zuweilen in der höhern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Und sollt den Tisch darbringen und ihn zubereiten, 2 Mos. 40, 4. Sie sollen einen jungen Farren darbringen zum Sündopfer, 3 Mos. 4, 14. Ich wollte die Zahl meiner Gänge ansagen, und wie ein Fürst wollte ich sie darbringen, Hiob. 31, 37. So auch die Darbringung. Thara bringan kommt mehrmahls schon bey dem Ottfried vor. S. Dar.
 
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Dārein und Dareīn, adv. demonstrativo-relativ.welches alsdann gebraucht wird, wenn das Vorwort in die vierte Endung zu sich nimmt, für in diesen, in diese, in dieses, in denselben, in dieselbe, in dasselbe. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und gern am Anfange eines Satzes stehet, eine Bewegung oder Richtung nach dem Innern, nach der Mitte einer Sache auszudrucken. Darein (in dieses Gefäß) darf nichts gegossen werden. Ingleichen, in verschiedenen figürlichen Arten des Ausdruckes. Darein kann ich mich nicht finden. Darein gebe ich meinen Willen nimmermehr. Noch mehr aber,
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, gleichfalls, gleichfalls eine Bewegung nach dem Innern oder der Mitte einer Sache zu bezeichnen, da es denn den Ton auf der letzten Sylbe hat. Die Lampe brennet dunkel, thue Öhl darein. Er nahm das Horn, und blies

[Bd. 1, Sp. 1396]


darein. Das Geld lieget in dem Schranke, ich habe es selbst darein geleget. Da nahm Saul das Schwert und fiel darein, 1 Sam 31, 4. Mische dich nicht darein. Ich kann mich nicht darein schicken. Man hat schon darein gewilliget. Gib dich nur geduldig darein. Die Sache kann nicht vor sich gehen, es ist etwas darein gekommen. Grittus sollte Hochzeit machen, und es kam was anders darein, Logau. Mit dem Schwerte, mit Knütteln darein (darunter) schlagen.
   Der Frühling flochte Blumen ins Haar der Erde ein,
   Aurora streute Perlen und Schmelz von Thau darein,
   Dusch.
   Und haben Schuhe von Stahl, der Mann der freundlichen Venus
   Verbarg des Blitzes Geschwindigkeit drein,
   Raml.Hierher gehören auch verschiedene figürliche R. A. welche aus der Verbindung dieses Wortes mit einigen Verbis entstehen. Etwas darein geben, zugeben. Es gehet darein, es kann als eine Zugabe angesehen werden. Sich darein legen, in einen Streit, sich in das Mittel schlagen. Hinter jemanden darein laufen, hinter ihm herlaufen. Ich fange an zu laufen, er aber lief mir immer hinten drein, Raben. Rede mir nicht darein, unterbrich mich nicht. Darein sehen, eine Sache ahnden, in verschiedenen Stellen der Deutschen Bibel.
   Anm. 1. Darein kann nur gesetzet werden, wenn das Vorwort in die vierte Endung zu sich nimmt. Erfordert es die dritte, so stehet darin. Freylich wird sehr oft dawider gefehlet. Indessen gibt es auch Fälle, wo es gleichgültig zu seyn scheinet, ob man darein oder darin gebraucht. Er machte die Stadt fest und bauete ihm ein Haus darein, 1 Macc. 13, 48 ließe sich immer noch vertheidigen.
   Anm. 2. Auch dieß Wort darf nicht bloß relative gebraucht werden. Da ist eine Stadt nahe, darein ich fliehen mag, 1 Mos. 19, 20. Das Land Canaan darein ich euch führen will, 3 Mos. 18, 3. Kap. 20, 22. Das Land, darein ihr gehet, 5 Mos. 31, 13. In diesen und andern ähnlichen Fällen sollte es worein, oder noch besser in welche, in welches heißen.
   Anm. 3. Daß das Demonstrativo-Relativum oft in drein, zusammen gezogen wird, besonders von den Dichtern um des Sylbenmaßen willen, erhellet schon aus einigen der oben angeführten Beyspiele. S. Adelung Da II. Ein, In und Darin.
 
Artikelverweis * Die
Darge, plur. die -n, ein nur in der Mark Brandenburg übliches Wort, eine messingene Angel mit einem rothen Lappen zu bezeichnen, vermittelst welcher die Hechte gefangen werden, weil sie den rothen Lappen für Rotbaugen ansehen.
   Daß er als wie ein Hecht an deine Darge biß,
   Canitz.
   Und wenn kein großer Hecht hier in die Darge beißt,
   Canitz. Vermuthlich von dem Nieders. targen, zergen, reitzen. Im Schwed. bedeutet targa, zerreißen. S. Adelung Zerren.
 
Artikelverweis 
Dargêben, verb. irreg. act. (S. Adelung Geben,) welches nur im Oberdeutschen üblich ist, für hingeben, darreichen. Und will sie (die Weisheit) öffentlich zu erkennen dargeben, Weish. 6, 24. Durch solche dargegebene und zugeschickte Wachteln, Kap. 16, 3. Welche Menschen ihre Seelen dargegeben haben, für den Nahmen unsers Herrn Jesu Christi, Apost. 15, 25. Der sich selbst für mich dargegeben, Gal. 2, 20. Gott, der uns dargibt reichlich, allerley zu genießen, 1 Tim. 6, 17.
   Der vielen anzusehn ausdrücklich dargegeben
   Sein fest gebundnes Haupt und sein erstrecktes Leben,
   Opitz, von dem Auferweckten Lazarus. S. Adelung Dar.

[Bd. 1, Sp. 1397]



 
Artikelverweis 
Darhalten, verb. irreg. act. (S. Adelung Halten,) ein gleichfalls nur im Oberdeutschen übliches Wort, für hinhalten, darreichen. Ich hielt meinen Rücken dar, denen die mich schlugen. Es. 50, 6. Und hielten es ihm dar zum Munde, Joh. 19, 29. S. Dar.
 
Artikelverweis 
Dārin und Darín, adv. demonstrat. relat. welches alsdann gebraucht wird, wenn in die dritte Endung zu sich nehmen sollte, für in diesem, in dieser, in demselben, in derselben. Es ist,
   1. Ein Demonstrativum, und bezeichnet alsdann ein Seyn oder eine Gegenwart in einem Orte und Zustande, wobey es den Ton zugleich auf der ersten Sylbe hat. Denn es war da aufgericht das Vordertheil der Hütten, darinnen war der Leuchter u. s. f. Ebr. 9, 2. Darin sehe ich nichts. Darin hast du es versehen. Du betrogest dich darin, daß du glaubtest u. s. f. Die wahre Herzhaftigkeit bestehet darin, daß man sich über alle Zufälle erhebe, Sonnenf.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und gleichfalls ein Seyn in einem Orte oder Zustande bedeutet, so wohl eigentlich als figürlich. Es ist nichts darin. Ich habe es ja darin gesehen. Er hat ein Haus, aber er wohnet nicht darin. Das Zimmer ist gut, aber es sahe sehr unordentlich darin aus. Er hat sich so darin vertieft, daß er weder siehet noch höret.
   Anm. 1. So wie aus bey diesem, durch dieses, an dieses, um dieses u. s. f. dabey, dadurch, daran, darum wird, so wird auch aus in diesem, darin. Es ist also keine begreifliche Ursache vorhanden, warum diese Partikel darinn, darinne, oder gar darinnen lauten sollte, so sehr auch diese Form nicht nur in der Deutschen Bibel, sondern auch bey den meisten neuern Schriftstellern üblich ist. Es siehet nicht gar zu ordentlich darinne aus, Gell. Es stehen solche artige Historien darinne, ebend. Hülfliche Hand darinnen zu leisten, Gottsch. Darinn ich selbst verstoßen hatte, ebend. Ich habe darinnen mein Glaubensbekenntniß abgeleget, ebend. Man kann diese Verlängerung mit nichts als mit der Oberdeutschen Weitschweifigkeit entschuldigen, die auch wohl darumme und darummen für darum zu sagen und zu schreiben pflegt. Hochdeutsche Schriftsteller sollten sich diesen Fehler niemahls zu Schulden kommen lassen. Indessen ist er schon alt; Ottfried gebraucht tharinne, der Verfasser des Siegesliedes auf den König Ludwig thorinne, der Verfasser des Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug tharinne, tha inne.
   Dar inne al min froide lit, einer der Schwäbischen Dichter. Aber eben diese Schriftsteller gebrauchen auch das einfache inna, innan für in, welches doch noch kein Hochdeutscher nachgeahmet hat; denn das Nebenwort innen gehöret zunächst nicht hierher. Hierinnen, innehaben, innehalten, mitteninne u. s. f. haben eben diese fehlerhafte Verlängerung angenommen.
   Anm. 2. Im Oberdeutschen ist es sehr gewöhnlich, diese Partikel wieder zu zerreißen.
   Da was der Tod ynne,
   Horn.
   Als sy nun kamen in die stat
   Da dieser Kempfer innen was,
   Theuerd. Kap. 77. Welches auch in der Deutschen Bibel sehr häufig vorkommt. Das Land, da du ein Fremdling innen gewesen bist, 1 Mos. 17, 8. Kap. 28, 4. Kap. 35, 27. Das Dunkele, da Gott inne war, 2 Mos. 20, 21. Ein Volk, da kein Rath innen ist, 5 Mos. 32, 28. Ein Land, da Öhl und Honig innen ist, 2 Kön. 18, 32. Cramer, ein Cöllner von Geburt, aber ein Nürnbergischer Sprachmeister, gibt dieses in seinem Deutsch-Italiän. Wörterbuche gar für eine Zierlichkeit aus. Im Oberdeutschen mag sie es seyn; im Hochdeutschen ist sie ein Fehler.

[Bd. 1, Sp. 1398]



   Anm. 3. Die jetzt aus der Deutschen Bibel angeführten Beyspiele haben über dieß noch den Fehler, daß darin in denselben bloß relative für worin gebraucht worden, welches noch in vielen andern Stellen geschehen ist. Alles Fleisch, darinnen ein lebendiger Odem ist, 1 Mos. 6, 17. Ephrons Acker, darinn die zwiefache Höhle ist, Kap. 23, 17. Und das Land, darinn sie Fremdlinge waren, Kap. 36, 7. Den Weg, darinnen sie wandeln, 2 Mos. 18, 20 und in andern Stellen mehr, wo überall worin hätte gebraucht werden sollen.
   Anm. 4. Drin, oder gar drinnen, für darin, ist nur im gemeinen Leben üblich.
 
Artikelverweis Die
Darlage, plur. die -n, eine Sache, welche dargeleget wird, besonders aber Geld zu bezeichnen, welches bezahlet wird. In den Gerichten wird die Bezahlung der aufgelaufenen Unkosten, und in dem Berg auf die Zubuße, zuweilen die Darlage genannt.

 

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