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Dankvergêssen bis Darbringen (Bd. 1, Sp. 1388 bis 1394)
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Artikelverweis  Dankvergêssen, adj. et adv. den Dank, den man andern schuldig ist, vergessend. Ein dankvergessener Mensch.
 
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Dann, adv. demonstrat. eine Zeit, oder Ordnung anzudeuten. 1) Eine Zeit, da es das wenn entweder ausdrücklich oder doch versteckt, entweder vor oder nach sich hat. Dann, wenn ich dich sehe, will ich es dir geben. Die Jugend ist am seltensten glücklich, selbst dann, wenn sie glaubet, sehr glücklich zu seyn, Dusch. Wenn ich zurück sehe, dann ists als hätte ich nur einen langen Frühling gelebt, Geßn.
   Ja stürb ich auch zu ihren Füßen,
   Auch dann soll noch Lucinde wissen,
   Daß sie mein zärtlich Herz verehrt,
   Gell. Hierher gehöret auch das im gemeinen Leben so übliche dann und wann, d. i. zuweilen, mit abwechselnden Zwischenzeiten; wofür Willeram etesuuanne unde etesuuanne gebraucht, im Niedersächsischen aber echt und echt, und im Dän. nu og da üblich ist. Canitz scheinet diese R. A. für bloß Märkisch gehalten zu haben, wenn er sagt:
   So lange dann und wann und Spinde Märkisch ist;
   allein sie ist wenigstens in ganz Obersachsen gänge und gebe. 2) Der Ordnung. Erst müssen wir lernen und dann reden. Anm. Dann ist freylich die Oberdeutsche Form der Partikel denn. Allein so fern sie als ein Nebenwort der Zeit und Ordnung gebraucht wird, ist sie in der höhern und edlern Schreibart der Hochdeutschen schon allgemein geworden. Nur hüthe man sich, dann für das Bindewort denn, oder für das fragende, vergleichende und ausschließende Nebenwort denn zu gebrauchen, wie im Oberdeutschen sehr gewöhnlich ist. Oft gebraucht man dafür das verlängerte alsdann oder alsdenn, S. dasselbe, ingleichen Sodann. In dem alten Vertrage der Könige Ludwig und Lothars um das Jahr 840 lautet dieses Nebenwort schon thane, bey dem Übersetzer Isidors dhanne, bey dem Ottfried thanne, bey dem Kero hingegen denne. Das Angels. thaenne, donne, das Engl. then, Holländ. don, und Latein. tunc haben gleiche Bedeutung. S. Denn.
 
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Dannen, adv. demonstrat. und damonstrat. relat. welches einen Ort bezeichnet, und besonders in der höhern Schreibart gebraucht wird, aber alle Mahl das Vorwort von vor sich hat; von dannen,

[Bd. 1, Sp. 1389]


von diesem Orte weg; daher es eigentlich nur solchen Verbis beygesellet wird, welche eine Bewegung bedeuten. Zeuch von dannen, du und das Volk, 2 Mos. 33, 1. Führe uns nicht von dannen hinauf, V. 15. So sollen die Ältesten in seine Stadt schicken, und ihn von dannen hohlen lassen, 5 Mos. 19, 12. Dennoch will ich dich von dannen hinunter stürzen, Obadj. 4. O wie hell fängt unsere Glückseligkeit an zu strahlen, wenn sie von dannen fleugt!
   Anm. 1. Nicht so richtig ist es, wenn man dieses Wort für das einfache Nebenwort des Ortes gebraucht. Es sind mir von dannen viele Nachrichten zugeschickt worden, für von da oder von diesem Orte. Noch unrichtiger aber wird dieses Wort bloß relative für wannen gebraucht. Er ist aufgefahren gen Himmel, von dannen er kommen wird, wo es heißen muß, von wannen.
   Anm. 2. Ehedem wurde danne und dannen im Oberdeutschen sehr lange auch ohne von gebraucht. Vuio er fuar thanne, Ottfried. Genelun schied traurig dannen, Stryk. Gang dannen, leuate, in einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Ital. Vocabulario. Und da gebrauchte man es auch für daher und daraus. Uz dem Leime und uz der Erde, da Adam -uz wart gebildet, dannen wart auch die Chuniginne Himmels und Erde gebildet, in einer alten Handschrift in Pezens Gloss. v. Molten. Frisch glaubt, daß diese Partikel aus da an zusammen gesetzet sey, wie hinnen, als hin und an. Dann kommt wenigstens in den mittlern Zeiten im Oberdeutschen sehr häufig für da vor. Im Angels. lautet sie thenana, im Engl. thence, im Schwed. taedan, und im Isländ. thadan.
 
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* Dannenhêr, oder dannenhêro, eine Oberdeutsche Partikel, welche mit daher einerley ist, und auch eben so gebraucht wird. Dannen ist in dieser Zusammensetzung das vorige dannen, welches für da stehet. Aichinger versichert in seiner Sprachkunst, daß dannenher im Oberdeutschen gar nicht, wohl aber dannenhero gebräuchlich sey. Beyde Wörter kommen im Hochdeutschen nur in den Kanzelleyen vor. Opitz gebraucht das erstere sehr oft; z. B. dieses rühret dannenher.
 
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Dar, eine Partikel, welche so wohl allein, als auch in Zusammensetzungen gebraucht wird. 1. Allein, ist sie so wohl im Oberdeutschen, als Niedersächsischen für das Nebenwert des Ortes da üblich. Die Hochdeutschen haben sie in diesem Falle nicht, sondern begnügen sich mit dem einfachen da. S. dieses Wort. 2. In Zusammensetzungen gesellet sie sich so wohl zu andern Partikeln, als auch zu Verbis. 1) In Ansehung anderer Partikeln, gebraucht man das dar im Hochdeutschen gemeiniglich nur, wenn die andere Partikel sich mit einem Vocale anfängt, wie daran, daraus u. s. f. Dagegen man da behält, wenn ihr erster Buchstab ein Consonant ist, dafür, damit u. s. f. Doch hiervon ist das Nöthigste schon bey Da II. angemerket worden. 2) Was aber die Verba betrifft, so bekommen sie insgesammt das dar, sie mögen sich mit einem Vocale oder mit einem Consonanten anfangen. Denn daß die Redensarten da seyn, da bleiben, da stehen u. s. f. keine eigentlichen Zusammensetzungen sind, ist schon bey da angemerket worden. Indessen lässet sich das dar nicht mit allen Verbis verbinden, sondern nur mit solchen, die eine thätige Bewegung nach einem Orte zu ausdrucken. So kann man wohl sagen darbiethen, darbringen, darlegen, darreichen, darstellen u. s. f. Aber nicht dargehen, darziehen, darlaufen u. s. f. weil diese Verba mehr eine intransitive als thätige Bewegung bezeichnen. Dessen ungeachtet finden sich von dieser letztern Art im Oberdeutschen häufige Beyspiele.
   Damit sy bed zu dem Held dar
   Gingen,
   Theuerd. Kap. 67.
   Er zog frölich an den sturm dar,
   Kap. 78.
   Da fügt er sich zum Helden dar,
   Kap. 80.
   Liefen sie zu den püchsen dar,
   Kap. 80.
   Ritten die bede Kempfer dar
   Ein yeder auf sein pferd fürwar,
   Kap. 77.
   Neydelhart randt zum Helden dar,
   Kap. 90. Warum die Hochdeutschen diesen Gebrauch veralten lassen, ist unbekannt. Denn wenn dar, wie man gemeiniglich glaubt, aus daher zusammen gezogen ist, so müßte man eben so richtig sagen können dargehen, darlaufen, darkommen u. s. f. als man sagt, daher gehen, daher laufen, daher kommen. Doch in Sprachen muß man nicht alle Mahl fragen, warum? Übrigens gehöret dar zu den trennbaren Zusätzen, welche in der Conjugation von dem Verbo abgesondert werden. Ich stelle dar, stellete dar u. s. f. Da es vermuthlich aus daher zusammen gezogen ist, so hat es auch ein langes a. S. die damit zusammen gesetzten Verba jedes an seinem Orte.
 
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Dāran und Darān, adv. demonstrat. relat. des Ortes, für an diesem, an dieses, an demselben, an dasselbe. Es ist,
   1. Ein anzeigendes Umstandswort, in welchem Falle es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und am häufigsten in dem Vordersatze stehet. Es bezeichnet alsdann, 1) den Gegenstand einer Beschäftigung, oder auch nur eines Ausspruches. Daran habe ich genug. Daran kann ich ohne Wehmuth nicht denken. Daran hast du kein Recht. Daran thun sie wohl. Daran sehe ich nun eben nichts Schönes. 2) Das Mittel, eine Handlung zu vollbringen, besonders das Mittel einer Erkenntniß. Daran sollt du erfahren, daß ich der Herr bin, siehe, ich will u. s. f. 2 Mos. 7, 17. Ich will es daran sehen, wenn u. s. f.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, da es den Ton auf der letzten Sylbe hat, und nach einem oder mehrern Wörtern gesetzet wird. Es bedeutet, 1) eine Gegenwart nahe an einem Orte, oder einer Sache, ingleichen eine Bewegung nahe an derselben. Die Stadt liegt nicht am Berge, aber das Dorf liegt daran. Sie gehen daran herum, an dem Berge. Schütte Wasser daran. Die Arbeit ist leicht, und doch gehet er sehr schwer daran. Das Thier ist mager, es ist nichts daran. Es ist eine Lüge, es ist nichts daran, es ist nichts Wahres an der Sache. 2) Den Gegenstand einer Beschäftigung oder eines Ausspruches. Du arbeitest auch sehr lange daran. Ich habe längst daran gedacht. Das Haus ist mein, du hast kein Recht daran. Ihr habt wohl daran gethan. Die Sache ist gut, ich tadele nur das daran. Trüffeln sind ungesund, es hat sich schon mancher daran krank gegessen. Man hat nur seine Lust daran. 3) Das Mittel, eine Handlung zu vollbringen, besonders das Mittel einer Erkenntniß. Er hat eine durchdringende Stimme, ich kannte ihn gleich daran. 4) Oft ist die Sache, auf welche sich das daran beziehen soll, dunkel, und alsdann bildet es mit einigen Verbis verschiedene gute figürliche Arten des Ausdruckes. Z. B.
   Mit kommen. Er wird bald daran kommen, d. i. an die Reihe. Du sollst schon auch daran kommen.
   Mit liegen. Mir liegt nichts daran, die Sache ist in Beziehung auf mich von keiner Wichtigkeit. Was liegt der Tugend daran, wie man seine Kleider trägt?
   Dem Bösen liegt daran, daß keine Gottheit wäre,
   Dusch. Mit müssen. Nun muß er daran, nehmlich an die Reihe. Er hat daran gemußt, im gemeinen Leben, er hat sterben müssen.

[Bd. 1, Sp. 1391]



   Mit setzen. Leib und Leben, Hab' und Gut daran setzen, an oder auf das Spiel setzen, es wagen. Sie will ihr ganzes Vermögen daran setzen.
   Am häufigsten mit seyn. (a) Er ist sehr eifrig daran, er arbeitet eifrig an der Sache. Wir wollen mit Ernst daran seyn, daß u. s. f. wir wollen uns mit Ernst bemühen. Ich will mit allem Fleiße daran seyn, daß ihr bezahlet werdet. (b) Er ist sehr übel daran, er befindet sich in übeln Umständen. Ich bin bey ihm sehr wohl daran, ich gelte viel bey ihm.
   O wie wohl ist doch daran,
   Sprach ich, der so leben kann!
   Opitz. Im Hochdeutschen ist das Verbum seyn in diesem Verstande nur mit den Nebenwörtern wohl, übel, gut, schlecht u. s. f. üblich; daher es nicht nachzuahmen ist, wenn es bey dem Opitz heißt:
   Dieß Volk ist so daran,
   Daß es vor allen nicht viel Noth ertragen kann. (c) Ich weiß nicht, wie ich daran bin, in was für Umständen ich mich befinde; doch nur figürlich, was ich von der Sache glauben soll. Ich sehe schon, wie ich mit ihm daran bin, was ich von ihm halten soll. Man weiß immer nicht, wie man mit ihm daran ist. Du bist sehr unrecht daran, du irrest dich, bist in der Sache sehr übel berichtet. Wenn ich anders recht daran bin, wenn ich mich anders nicht irre. (d) Es ist nichts daran, es ist nichts Wahres an der Sache; ingleichen, die Sache taugt nichts.
   Anm. 1. In vielen der obigen R. A. stehet daran für darin; S. Adelung An. Andere Arten des Ausdruckes, wo daran für darin stehet, sind im Hochdeutschen nicht nachzuahmen z. B. die Erde und was daran ist. Sprichw. 8, 26.
   Anm. 2. Daran wird im gemeinen Leben sehr oft bloß relative gebraucht. Die Sache, daran ich schon so lange gearbeitet habe. Die Wand daran ich sitze. Allein es bleibt alle Mahl ein Fehler, wenn man das demonstrativo-relativum da mit dem bloß relativen wo verwechselt. Hier sollte es heißen woran. S. dieses Wort.
   Anm. 3. So wohl im gemeinen Leben, als in der Dichtkunst wird daran oft in dran zusammen gezogen. Er will nicht dran. Ich sehe nichts Schönes dran.
   Allein acht Groschen wag' ich dran,
   Gell. Ein Fehler ist die Zertrennung dieses Wortes:
   Da denket keiner an,
   Haller, für daran denket keiner; so wie die Verdoppelung des da, da will keiner daran, S. Adelung Da II und An.
   Anm. 4. Bey dem Ottfried lautet diese Partikel dar ana, bey dem Notker dara ana, und bey den Schwäbischen Dichtern theils dar an, thheils auch schon daran.
   Unsshuldig wil ich sin daran
   Sol zwein gelieben iht geschehen,
   der Burggraf von Liunz.
 
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Dārauf und Daraūf, adv. demonstrativo-relativum, des Ortes, für auf diesem, auf dieses, auf dasselbe, auf demselben. Es ist,
   1. Ein Adverbium demonstrativum, da es den Ton auf der ersten Sylbe hat, und gern zu Anfange eines Satzes, oder doch in dem Vordersatze stehet. Es bezeichnet, 1) ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche einer Sache. Darauf setze dich. Darauf sollst du liegen. Dieß ist der rechte Weg, darauf wandele. Hier ist ein Stecken, darauf sollst du reiten. Und fand einen Altar, darauf war geschrieben u. s. f. Apostelg. 17, 27. Darauf räuchertest du. 2) Eine Bewegung nach der Oberfläche einer Sache, ingleichen, die Richtung des Gemüthes auf einen Gegenstand und nach demselben. Darauf

[Bd. 1, Sp. 1392]


siehe. Darauf mußt du hören. Darauf denke ich eben. Darauf verstehe ich mich vortrefflich. Darauf kann man sich verlassen. Darauf lasse ich mich nicht ein. Darauf darfst du eben nicht eifersüchtig seyn. Es kommt nur noch darauf an, ob er seinen Willen dazu geben wird. Darauf soll es mir nicht ankommen. 3) Den Bewegungsgrund, die Ursache einer Handlung, oder einer Bewegung des Gemüthes. Er hat ein gutes Herz, und darauf ist er stolz. Darauf darfst du dir nichts einbilden. 4) Einen Endzweck. Darauf gehet er eben aus. Darauf ist die ganze Sache angefangen. Es ist bloß darauf angefangen, mich um das Meinige zu bringen. Unrichtig ist es daher, wenn in dieser anzeigenden Bedeutung von den Dichtern die erste Sylbe dieses Wortes kurz gebraucht wird.
   Nur weich darauf zu sitzen,
   Zu sorgen nicht, zu prangen,
   Darauf ists angefangen,
   Logau, wo das zweyte darauf hierher gehöret, welches in seiner ersten Hälfte nicht hätte sollen kurz gemacht werden. 5) Eine Zeitfolge, für nach diesem, hierauf, wo es zugleich die Stelle eines Bindewortes vertritt. Darauf ging der Streit wieder an. Darauf entstand ein Lärmen. In diesem Falle kann darauf ohne Unterschied für hierauf gebraucht werden.
   2. Ein adv. demonstrativo-relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und gerne im Nachsatze, wenigstens nie zu Anfange eines Satzes stehet. Es bedeutet, 1) ein Seyn oder Handeln an und über der Oberfläche einer Sache. Die Katze sitzt nicht auf dem Baume, aber der Vogel sitzt darauf. Hier ist ein Clavier, spiele darauf. Du suchest das Pferd, und sitzest doch darauf. 2) Eine Bewegung nach der Oberfläche einer Sache, ingleichen, die Richtung des Gemüthes auf einen Gegenstand, und überhaupt den Gegenstand einer Handlung. Der Tisch ist naß, lege dich nicht darauf. Hier stehet ein Stuhl, setze dich darauf. Hast du eine Wunde, so lege ein Pflaster darauf. Gehe nur gerade darauf zu. Legen sie noch einen Gulden darauf. So auch figürlich. Ich habe ihm Geld darauf gegeben. Ich kann nicht darauf kommen, ich kann mich nicht darauf besinnen. Wie kamen sie darauf, wie fiel ihnen das ein? Er ist zornig, neidisch, eifersüchtig darauf. Denke doch darauf. Weißt du auch, daß der Galgen darauf stehet? daß dieses Verbrechen mit der Strafe des Gelgens bedrohet ist. Ich will mich mit allem Fleiße darauf legen. Ich sehe, ich höre nicht darauf. Merke doch darauf. Warte darauf. Helfen sie mir doch darauf, geben sie mir Gelegenheit, mich darauf zu besinnen. Er bestehet darauf. Er verstehet sich sehr gut darauf. Ich habe lange darauf geantwortet. Kann ich mich darauf verlassen? Hoffe nicht darauf, rechne nicht darauf. Ich wollte viel darauf wetten. Und in so vielen andern Fällen mehr. Wenn von einer heftigen Handlung die Rede ist, so werden im gemeinen Leben noch die Wörter zu, los, hinein u. s. f. hinzu gesetzet. Darauf los arbeiten, darauf zuschlagen, darauf los schlagen, darauf los borgen u. s. f. Doch drücket darauf zu auch nur eine bloße Bewegung nach einem Orte aus. Gehe gerade darauf zu. Wir fuhren gerade darauf zu. 3) Eine Gegenwart bey einer Handlung, doch nur in einigen Fällen. Ich war nicht auf der Jagd, aber mein Freund war darauf. Gestern war Ball, bist du auch darauf gewesen? S. Auf. 4) Den Bewegungsgrund, die Ursache einer Handlung. Er bildet sich viel darauf ein. Ich bin stolz darauf. 5) Einen Endzweck. Es war darauf angefangen. Er ist schon lange darauf ausgegangen. 6) Eine Zeitfolge. Wir aßen und darauf gingen wir spazieren. Man hat mich betrogen und darauf gar um das Meinige gebracht.

[Bd. 1, Sp. 1393]


Wenn die Zeit bestimmt ist, so tritt darauf hinter das Substantiv, welches alsdann in der ersten Endung stehet. Wenige Tage darauf. Sechs Monathe, vier Wochen darauf. Eine Stunde darauf. Den Tag darauf, als ich dich sahe. In einigen Fällen, besonders wenn kein Zahlwort dabey ist, hat auch die zweyte Endung Statt. Tages darauf. Des Abends, des Morgens darauf. Abends, Morgens darauf. Des Mittags darauf. Aber nicht der Stunde, oder der Woche darauf, sondern die Stunde u. s. f.
   Anm. 1. Mit einigen Verbis, wo die Beziehung dieses Wortes dunkel ist, entstehen allerley figürliche R. A. Dahin gehöret besonders das Zeitwort gehen. Aller Wein ist darauf gegangen, ist ausgetrunken worden. Er mußte darauf gehen, sterben. Er wird wohl darauf gehen, sterben. Sein Bißchen Ehre mag immer darauf gehen, Less. sie mag bey dieser Gelegenheit immer verloren gehen. Und wenn auch mein ganzes Vermögen darauf ginge, wenn mir diese Sache auch mein ganzes Vermögen kosten sollte.
   Anm. 2. Darauf lässet sich nicht in allen den Fällen gebrauchen, wo man die Redensart mit auf diesem, auf demselben auflösen kann. Man sagt ganz richtig, du warest auf dem Rathhause, aber ich war nicht auf demselben, wir wohnen nicht auf dem Lande, sondern wir bleiben nur den Sommer über auf demselben; aber nicht, du warst auf dem Rathhause, aber ich war nicht darauf, wir wohnen nicht auf dem Lande, sondern wir bleiben nur den Sommer darauf. Noch unverzeihlicher ist es, wenn man diese Partikel für auf dasjenige braucht. Darauf, was neulich berichtet ist, dienet zur Antwort. Derjenige, diejenige, dasjenige, ist eines von denen Fürwörtern, die sich durch keine dieser Partikeln ersetzen lassen; S. Adelung Da II.
   Anm. 3. Auch ist es wider die Natur aller dieser Partikeln, das bloße Relativum welcher auszudrucken; daher man niemahls darauf für worauf sagen sollte, so oft solches auch geschiehet. Der Sattel, darauf er reitet, 3 Mos. 15, 9. Alle Lager, darauf er lieget, und alles, darauf er sitzet, V. 4. Wer anrühret irgends was, darauf sie gesessen hat, V. 22. Einen Altar mache mir, darauf du dein Brandopfer opferst, 2 Mos. 20, 24. Und so in andern Stellen mehr, wo diese Partikel unrichtig für worauf stehet.
   Anm. 4. Bey allen Partikeln dieser Art ist die Verdoppelung des Vorwortes ein Fehler, wie schon bey dem Worte Da angemerket worden; z. B. auf welch Land der Herr dein Gott Acht hat, und die Augen des Herren immerdar darauf sehen, 5 Mos. 11, 12. Auf dero letzt gethane Frage, darauf dienet zur Antwort u. s. f.
   Anm. 5. Im gemeinen Leben wird diese Partikel, wenn sie zugleich relativ ist, sehr oft in drauf zusammen gezogen. Und satzte sich drauf, Matth. 28, 2. Dem der drauf saß, Offenb. 6, 4. Und legte die Decke oben drauf, 2 Mos. 40, 19. Drauf schwiegen sie und sahn einander an, Gell.
   Und bey dem heftigen Beginnen
   Geht unsre Lust am ersten drauf,
   Rost. Anm. 6. Schon Ottfried gebraucht tharuf von einem Orte, und B. 4, Kap. 7, V. 113 kommt bey ihm sogar das zusammen gezogene drof in der Bedeutung einer Zeit für ferner vor:
   Inthabe, quad er zi iru, thih,
   Drof ni ruari thu mih, enthalte dich, sprach er zu ihr; rühre mich ferner nicht an. Im Angels. lautet diese Partikel daerof. S. Adelung Da II. und Auf.
   Dāraus und Darāus, adv. demonstrativo-relativ. für aus diesem, aus demselben. Es ist, wie alle Partikeln dieser Art,

[Bd. 1, Sp. 1394]



   1. Ein Demonstrativum, da es den Ton gleichfalls auf der ersten Sylbe hat, und gerne zu Anfange eines Satzes stehet. Es bedeutet, 1) eine Bewegung nach einem Orte; doch mehr figürlich, als eigentlich. Habe Friede, daraus wird dir viel Gutes kommen, Hiob 22, 21. Du wirst sehen, was daraus kommen wird. Daraus entspringen alle Laster. Daraus kann nichts Gutes kommen. Daraus folgt, daß u. s. f. 2) Die Materie, den Stoff, aus welchem etwas geworden, oder entstanden ist, so wohl eigentlich als figürlich. Daraus kann ich nichts machen. Was sollte ich daraus machen? Und ich warfs (das Gold) in das Feuer, daraus ist das Kalb worden, 2 Mos. 32, 24. Daraus darfst du eben kein Geheimniß machen. Was soll denn daraus werden? 3) Den Grund der Erkenntniß. Das kannst du daraus abnehmen. Daraus läßt sich schließen, urtheilen u. s. f.
   2. Ein Demonstrativo-Relativum, welches den Ton auf der letzten Sylbe hat, und alle Mahl hinter einem oder mehrern Wörtern stehet. Es bedeutet auch hier, 1) eine Bewegung aus einem Orte; doch nicht so wohl eigentlich, in welcher Bedeutung heraus üblicher ist, als vielmehr figürlich. Es ist eine verwirrte Sache, es kann niemand daraus kommen, wo vielleicht auch heraus schicklicher ist. Alles dieses folget daraus. Es ist viel Unglück daraus entsprungen. 2) Die Materie, den Stoff, einer körperlichen oder unkörperlichen Sache. Du machst eine Gewohnheit daraus. Beschließet einen Rath, und werde nichts daraus, Es. 8, 10. Ich mache mir nichts daraus, ich achte es nicht. Ich weiß nicht, was ich daraus machen soll, was ich davon urtheilen soll. 3) Den Grund der Erkenntniß, eines Urtheiles. Das hättest du längst daraus schließen können. Ich sehe daraus, daß ihm nicht zu trauen ist.
   Anm. Fast alles, was bey dem vorigen Worte angemerket worden, lässet sich auch auf dieses anwenden. Der bloß relative Gebrauch, für woraus, ist auch hier nicht selten. Das Land, daraus du uns geführet hast, 5 Mos. 9, 28. Der Becher, daraus ich getrunken habe, für woraus. Sie begaben sich nach von daraus sie an ihre Zurückberufung arbeiteten, ist doppelt fehlerhaft, weil auch hier nicht einmahl woraus stehen kann; besser, und arbeiteten von hieraus an u. s. f. Im gemeinen Leben wird es häufig in draus zusammen gezogen, und alsdann wird zuweilen noch ein zweytes da fehlerhaft vorgesetzet; da draus wird nichts, für daraus. In dem Fragmente eines alten Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter lautet dieses Wort cha uz und thar uz, in dem Gedichte auf den heil. Anno diuruz, und bey den Schwäbischen Dichtern dar us. S. Adelung Da II. und Aus.
 
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Daraußen, S. Adelung Draußen.
 
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Darben, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben zu sich nimmt. 1) * Nöthig haben, brauchen, welche Bedeutung aber völlig veraltet ist, seitdem das zusammen gesetzte bedürfen üblicher geworden, S. dieses Wort. 2) * Mangel an etwas leiden, einer Sache entbehren, da es denn so wohl mit der zweyten, als mit der vierten Endung verbunden wird. Thie heimingens tharbent, die kein Vaterland haben, Ottfr. Er suliches ni tharbe, ebend.
   Si muos der miner minne ie mer darbende sin, der von Kiurenberg; sie muß da meiner Liebe immer entbehren.
   Was soll mir Gut und Geld, so ich ihr darben muß?
   Opitz.
   Er darbet nichts und sagt doch ihm gebricht,
   Opitz.
   Ein schönes Angesicht kann Schmink und Anstrich darben,
   Gryph.
   Muß ich dessen Einfluß darben,
   Günth. Im Hochdeutschen ist auch diese Bedeutung fremd; Hr. Ramler hat sie in seinen Horazischen Oden einzuführen versucht, und es wird sich zeigen, ob sie Beyfall finden wird. Im Oberdeutschen ist sie überall gänge und gebe. Im Hochdeutschen gebraucht man dieses Zeitwort, 3) nur absolute und in engerer Bedeutung, an den nothwendigsten Bedürfnissen Mangel leiden. Die Reichen müssen darben, Ps. 34, 11. Der verlorne Sohn fing an zu darben, Luc. 15, 14. Wenn ihr nun darbet, Kap. 16, 9. Auch ein König kann darben, wenn er, wie ein Apicius prasset, Dusch. Oft darbet eine edle Seele auf dem Throne, ebend. Er sahe seine Geliebte sich in Gram verzehren und darben, ebend. In den zusammen gesetzten Zeiten, ich habe gedarbt, hatte gedarbt, wird es wohl nicht leicht gefunden werden.
   Anm. Schon bey dem Ulphilas bedeutet tharban und thaurban, nöthig haben. Das Schwed. tarfwa, und Angels. thearfan, bedeuten so wohl nöthig haben, als Mangel leiden. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort darfen, bey dem Ottfried tharben, bey dem Notker aber darben. Im Arab. ist taraba arm seyn. S. Adelung Dürfen, welches genau damit verwandt ist.
 
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Darbiethen, verb. irreg. act. (S. Adelung Biethen,) zum Geben vorhalten, eine Sache, die man einem andern geben will, ihm wirklich vorhalten, da denn dieses Wort in der edlen und anständigen Schreibart für das niedrigere hinhalten, vorhalten, gebraucht wird. Und bothen lieber frey Geld dar vor ihr Leben, 3 Macc. 2, 33. So dir jemand einen Streich giebet auf deinen rechten Backen, dem biethe den andern auch dar, Matth. 5, 39. Ich wollte, daß sie das Vergnügen mit mir theilen könnten, welches mir meine Einsamkeit überall darbiethet. Seine erhabene Stirn schien sich den Schlägen des Schicksals darzubiethen, ohne demselben zu trotzen. Ich suchte die mannigfaltigen Quellen der Freude auf, die sich uns darbiethen, Dusch. Die erste Gelegenheit welche sich darbiethen wird. So auch die Darbiethung.
   Anm. Darbiethen unterscheidet sich hinlänglich von anbiethen. Dieses druckt nur eine Bereitwilligkeit etwas zu geben aus, jenes aber die wirkliche Vorhaltung der Sache, die gegeben werden soll. Darreichen hat mit darbiethen fast einerley Bedeutung, S. dieses Wort und Dar.
 
Artikelverweis 
Darbringen, verb. irreg. act. (S. Adelung Bringen,) herbringen; ein Oberdeutsches Verbum, welches nur zuweilen in der höhern Schreibart der Hochdeutschen vorkommt. Und sollt den Tisch darbringen und ihn zubereiten, 2 Mos. 40, 4. Sie sollen einen jungen Farren darbringen zum Sündopfer, 3 Mos. 4, 14. Ich wollte die Zahl meiner Gänge ansagen, und wie ein Fürst wollte ich sie darbringen, Hiob. 31, 37. So auch die Darbringung. Thara bringan kommt mehrmahls schon bey dem Ottfried vor. S. Dar.

 

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