Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Dankfêst bis Dar (Bd. 1, Sp. 1387 bis 1389)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Das Dankfêst, des -es, plur. die -e, ein zur feyerlichen Danksagung gegen Gott verordnetes Fest. Ein Dankfest halten, feyern.
 
Artikelverweis 
Das Dankgebêth, des -es, plur. die -e, ein Gebeth, worin man Gott für empfangene Wohlthaten Dank saget.

[Bd. 1, Sp. 1388]



 
Artikelverweis 
Das Danklied, des -es, plur. die -er, ein Lied, in welchem man Gott danket.
 
Artikelverweis 
* Danknêhmig, adj. et adv. welches nur noch im Oberdeutschen üblich, im Hochdeutschen aber veraltet ist. Es bedeutet, 1) angenehm. Danknehme Dienste, angenehme Dienste, in einer Urkunde des Kaisers Rupert, bey dem Schilter. In welcher Bedeutung noch der erste und eigentliche Sinn des Wortes Dank zum Grunde lieget; S. Adelung Dank und Danken. 2) Dankbar. Ein Danknehmiges Gemüth. So auch die Danknehmigkeit. Das Schwed. tacknaemlig bedeutet gleichfalls angenehm.
 
Artikelverweis 
Das Dankopfer, des -s, plur. ut nom. sing. in dem Gottesdienste der ehemaligen Juden, ein Opfer, welches aus Dankbarkeit für die von Gott empfangenen Wohlthaten gebracht wurde. Figürlich, auch ein jedes Dankgebeth oder Danklied.
 
Artikelverweis 
Danksagen, ein unbillig aus der R. A. Dank sagen zusammen gezogenes Verbum. Du danksagest wohl sein, 1 Cor. 14, 17. Und danksaget dem Vater, Col. 1, 12, wofür in andern Stellen richtiger saget Dank gefunden wird. Richtiger ist das Substantiv die Danksagung, die Ausdrückung seiner Dankbarkeit durch Worte, weil von mehrern R. A. dergleichen zusammen gesetzte Substantiva üblich sind, z. B. die Grundlegung, u. a. m. Jemanden seine Danksagung abstatten. Eine Danksagung thun lassen, Gott in der Kirche für eine empfangene Wohlthat danken lassen.
 
Artikelverweis 
Dankvergêssen, adj. et adv. den Dank, den man andern schuldig ist, vergessend. Ein dankvergessener Mensch.
 
Artikelverweis 
Dann, adv. demonstrat. eine Zeit, oder Ordnung anzudeuten. 1) Eine Zeit, da es das wenn entweder ausdrücklich oder doch versteckt, entweder vor oder nach sich hat. Dann, wenn ich dich sehe, will ich es dir geben. Die Jugend ist am seltensten glücklich, selbst dann, wenn sie glaubet, sehr glücklich zu seyn, Dusch. Wenn ich zurück sehe, dann ists als hätte ich nur einen langen Frühling gelebt, Geßn.
   Ja stürb ich auch zu ihren Füßen,
   Auch dann soll noch Lucinde wissen,
   Daß sie mein zärtlich Herz verehrt,
   Gell. Hierher gehöret auch das im gemeinen Leben so übliche dann und wann, d. i. zuweilen, mit abwechselnden Zwischenzeiten; wofür Willeram etesuuanne unde etesuuanne gebraucht, im Niedersächsischen aber echt und echt, und im Dän. nu og da üblich ist. Canitz scheinet diese R. A. für bloß Märkisch gehalten zu haben, wenn er sagt:
   So lange dann und wann und Spinde Märkisch ist;
   allein sie ist wenigstens in ganz Obersachsen gänge und gebe. 2) Der Ordnung. Erst müssen wir lernen und dann reden. Anm. Dann ist freylich die Oberdeutsche Form der Partikel denn. Allein so fern sie als ein Nebenwort der Zeit und Ordnung gebraucht wird, ist sie in der höhern und edlern Schreibart der Hochdeutschen schon allgemein geworden. Nur hüthe man sich, dann für das Bindewort denn, oder für das fragende, vergleichende und ausschließende Nebenwort denn zu gebrauchen, wie im Oberdeutschen sehr gewöhnlich ist. Oft gebraucht man dafür das verlängerte alsdann oder alsdenn, S. dasselbe, ingleichen Sodann. In dem alten Vertrage der Könige Ludwig und Lothars um das Jahr 840 lautet dieses Nebenwort schon thane, bey dem Übersetzer Isidors dhanne, bey dem Ottfried thanne, bey dem Kero hingegen denne. Das Angels. thaenne, donne, das Engl. then, Holländ. don, und Latein. tunc haben gleiche Bedeutung. S. Denn.
 
Artikelverweis 
Dannen, adv. demonstrat. und damonstrat. relat. welches einen Ort bezeichnet, und besonders in der höhern Schreibart gebraucht wird, aber alle Mahl das Vorwort von vor sich hat; von dannen,

[Bd. 1, Sp. 1389]


von diesem Orte weg; daher es eigentlich nur solchen Verbis beygesellet wird, welche eine Bewegung bedeuten. Zeuch von dannen, du und das Volk, 2 Mos. 33, 1. Führe uns nicht von dannen hinauf, V. 15. So sollen die Ältesten in seine Stadt schicken, und ihn von dannen hohlen lassen, 5 Mos. 19, 12. Dennoch will ich dich von dannen hinunter stürzen, Obadj. 4. O wie hell fängt unsere Glückseligkeit an zu strahlen, wenn sie von dannen fleugt!
   Anm. 1. Nicht so richtig ist es, wenn man dieses Wort für das einfache Nebenwort des Ortes gebraucht. Es sind mir von dannen viele Nachrichten zugeschickt worden, für von da oder von diesem Orte. Noch unrichtiger aber wird dieses Wort bloß relative für wannen gebraucht. Er ist aufgefahren gen Himmel, von dannen er kommen wird, wo es heißen muß, von wannen.
   Anm. 2. Ehedem wurde danne und dannen im Oberdeutschen sehr lange auch ohne von gebraucht. Vuio er fuar thanne, Ottfried. Genelun schied traurig dannen, Stryk. Gang dannen, leuate, in einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Ital. Vocabulario. Und da gebrauchte man es auch für daher und daraus. Uz dem Leime und uz der Erde, da Adam -uz wart gebildet, dannen wart auch die Chuniginne Himmels und Erde gebildet, in einer alten Handschrift in Pezens Gloss. v. Molten. Frisch glaubt, daß diese Partikel aus da an zusammen gesetzet sey, wie hinnen, als hin und an. Dann kommt wenigstens in den mittlern Zeiten im Oberdeutschen sehr häufig für da vor. Im Angels. lautet sie thenana, im Engl. thence, im Schwed. taedan, und im Isländ. thadan.
 
Artikelverweis 
* Dannenhêr, oder dannenhêro, eine Oberdeutsche Partikel, welche mit daher einerley ist, und auch eben so gebraucht wird. Dannen ist in dieser Zusammensetzung das vorige dannen, welches für da stehet. Aichinger versichert in seiner Sprachkunst, daß dannenher im Oberdeutschen gar nicht, wohl aber dannenhero gebräuchlich sey. Beyde Wörter kommen im Hochdeutschen nur in den Kanzelleyen vor. Opitz gebraucht das erstere sehr oft; z. B. dieses rühret dannenher.
 
Artikelverweis 
Dar, eine Partikel, welche so wohl allein, als auch in Zusammensetzungen gebraucht wird. 1. Allein, ist sie so wohl im Oberdeutschen, als Niedersächsischen für das Nebenwert des Ortes da üblich. Die Hochdeutschen haben sie in diesem Falle nicht, sondern begnügen sich mit dem einfachen da. S. dieses Wort. 2. In Zusammensetzungen gesellet sie sich so wohl zu andern Partikeln, als auch zu Verbis. 1) In Ansehung anderer Partikeln, gebraucht man das dar im Hochdeutschen gemeiniglich nur, wenn die andere Partikel sich mit einem Vocale anfängt, wie daran, daraus u. s. f. Dagegen man da behält, wenn ihr erster Buchstab ein Consonant ist, dafür, damit u. s. f. Doch hiervon ist das Nöthigste schon bey Da II. angemerket worden. 2) Was aber die Verba betrifft, so bekommen sie insgesammt das dar, sie mögen sich mit einem Vocale oder mit einem Consonanten anfangen. Denn daß die Redensarten da seyn, da bleiben, da stehen u. s. f. keine eigentlichen Zusammensetzungen sind, ist schon bey da angemerket worden. Indessen lässet sich das dar nicht mit allen Verbis verbinden, sondern nur mit solchen, die eine thätige Bewegung nach einem Orte zu ausdrucken. So kann man wohl sagen darbiethen, darbringen, darlegen, darreichen, darstellen u. s. f. Aber nicht dargehen, darziehen, darlaufen u. s. f. weil diese Verba mehr eine intransitive als thätige Bewegung bezeichnen. Dessen ungeachtet finden sich von dieser letztern Art im Oberdeutschen häufige Beyspiele.
   Damit sy bed zu dem Held dar
   Gingen,
   Theuerd. Kap. 67.
   Er zog frölich an den sturm dar,
   Kap. 78.
   Da fügt er sich zum Helden dar,
   Kap. 80.
   Liefen sie zu den püchsen dar,
   Kap. 80.
   Ritten die bede Kempfer dar
   Ein yeder auf sein pferd fürwar,
   Kap. 77.
   Neydelhart randt zum Helden dar,
   Kap. 90. Warum die Hochdeutschen diesen Gebrauch veralten lassen, ist unbekannt. Denn wenn dar, wie man gemeiniglich glaubt, aus daher zusammen gezogen ist, so müßte man eben so richtig sagen können dargehen, darlaufen, darkommen u. s. f. als man sagt, daher gehen, daher laufen, daher kommen. Doch in Sprachen muß man nicht alle Mahl fragen, warum? Übrigens gehöret dar zu den trennbaren Zusätzen, welche in der Conjugation von dem Verbo abgesondert werden. Ich stelle dar, stellete dar u. s. f. Da es vermuthlich aus daher zusammen gezogen ist, so hat es auch ein langes a. S. die damit zusammen gesetzten Verba jedes an seinem Orte.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: