Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
2. Der Dank bis Dankfêst (Bd. 1, Sp. 1384 bis 1387)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  2. Der Dank, des -es, plur. inus. das Hauptwort von dem Verbo danken. Die Stufen, durch welche dieses Wort zu seiner heutigen Bedeutung gelanget ist, sind merkwürdig, und verdienen angeführet zu werden. Es bedeutete,
   1. Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher man sie gerne annimmt, Annehmlichkeit, Schönheit. Diese Bedeutung lässet sich nur muthmaßen; indessen kommen doch noch verschiedene Spuren derselben vor. S. die Anm. ingleichen Danknehmig.
   2. Der Zustand des Gemüthes, mit welchem man eine Sache gern annimmt, Wohlgefallen. Diese Bedeutung kommt in den mittlern Zeiten im Deutschen und in den heutigen verwandten Sprachen sehr oft vor. Gehorchet Hiskia nicht Thut mir zu Dank, und gehet zu mir heraus, Es. 56, 16. thut mir den Gefallen. Noch jetzt sagt man im gemeinen Leben: etwas zu Danke annehmen, d. i. mit Wohlgefallen. Man kann ihm nichts zu Danke machen, nichts so, daß es ihm gefiele. Es ist mir zu Danke bezahlet worden, so, daß ich damit zufrieden bin. Der Held dasselb zu Dannck nam an, Theuerd. Kap. 86.
   3. Willen, Einwilligung überhaupt.
   Sit ich si ane ir danc in minem herzen trage,
   Reinmar der Alte, d. i. wider ihren Willen.
   Tristan mueste sunder sinen dank
   Stere sin der kuniginne,
   Heinrich von Veldig. Sines thankes, freywillig, mit seinem Willen, und unthankes, wider seinen Willen, kommen bey dem Ottfried mehrmahls vor. Wenn aber bey ihm mines thankes und bey dem Notker Ps. 113. einen dank, umsonst bedeuten, so scheinen diese Redensarten bloß buchstäbliche Übersetzungen des Latein. gratis zu seyn. Im Deutschen ist die Bedeutung des Willens, der Einwilligung, gleichfalls noch nicht ganz veraltet, denn im gemeinen Leben hört man noch oft, etwas wider eines Dank thun, wider des Henkers Dank. Sie behauptete wider des Henkers Dank, daß das Angebinde von ihnen käme, Weiße. Er hat es im brande anen sinen dank verloren, in den Goslarischen Statuten B. 1. Tit. 1. Dodet en den anderen ane sinen dank, ebend. Act. 83.
   4. Die thätige Erweisung des Wohlgefallens über eine gute Handlung, die Belohnung. Thes er nu ane uuanc habet

[Bd. 1, Sp. 1385]


fora gote thanc, dafür er nun ohne Zweifel seinen Lohn vor Gott hat, Ottfr. Ist das der Dank für meine Treue? d. i. der Lohn, die Belohnung. Gibst du mir solchen Dank? Und wenn ihr euren Wohlthätern wohl thut, was Danks habt ihr davon? Luc. 6, 33, f. d. i. was für Belohnung von Gott.
   Da Freund, das ist der Dank, den man am Hofe gibt,
   Weiße. Besonders bedeutete dieses Wort ehedem bey den Thurnieren die Belohnung, die der Überwinder bekam, den Preis; in welchem Falle auch der Plural die Dänke nicht selten war.
   Ihr wisset, daß zwar ihrer viel
   In Schranken laufen an das Ziel,
   Doch einem der zuerste kömmt
   Ist einig nur der Dank bestimmt,
   Opitz. 5. Die Vergeltung einer empfangenen Wohlthat durch Worte, die Bezeigung der Erkenntlichkeit durch Worte, in welcher Bedeutung es gegenwärtig am üblichsten ist. Einem Dank sagen, für etwas Dank sagen. Dank für etwas abstatten. Ich statte ihnen tausendfachen Dank ab, daß sie mir so freundschaftlich geholfen haben. Einem Dank für etwas wissen, oder im gemeinen Leben, einem etwas Dank wissen, ihm Dank dafür sagen; wissen ist hier so viel als weisen, erweisen, S. Adelung Weisen und Wette. Vuizun thank, Ottfr. Des sol mir diu guote danc uuissen, Heinrich von Veldig. Ich weiß es dir schlechten Dank, daß du dieses gethan hast. Ich weiß allen Freunden, die mir zu dieser Heirath gerathen haben, schlechten Dank, Weiße. Wo doch das es beynahe nothwendig geworden ist. Die Wortfügung mit der zweyten Endung, ich weiß dir dessen schlechten Dank, ist Oberdeutsch. Dank mit etwas verdienen. Dank sey es seinem guten Naturelle, daß u. s. f. in welchem Falle Dank für das Mittelwort gedankt stehet. Gott sey Dank! eine im gemeinen Leben übliche Formel, wo Gott der Dativus ist. Dem Himmel sey Dank, ich denke ihr nunmehr den Verdacht benommen zu haben, Weiße. Bey ihm ist schlechter Dank zu hohlen, im gemeinen Leben. Dank mit etwas bey einem einlegen, ist eine widersinnige Art des Ausdruckes, die vermuthlich nach der R. A. Ehre mit etwas einlegen, gebildet worden. Dank anheben zum Gebeth, Neh. 11, 17. Dank opfern, Schmähworte für Dank geben, auf daß viel Danks geschehe u. s. f. sind biblische Arten des Ausdruckes, die im Hochdeutschen ungewöhnlich sind. Einem Dank haben. Anstatt mir Dank zu haben, Opitz, ist im Hochdeutschen gleichfalls veraltet.
   6. Lob, Ruhm, welche Bedeutung eine Fortsetzung der vorigen ist, weil sie empfangene Wohlthaten voraus setzet, aber außer der biblischen Schreibart wenig mehr vorkommt. Dir gebühret die Majestät Sieg und Dank, denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein, 1 Cor 30, 11. Und da die Thiere gaben Preis, und Ehre, und Dank, dem u. s. f. Offenb. 4, 9. Ich will den Nahmen Gottes loben mit einem Lied, und will ihn hoch ehren mit Dank, Ps. 69, 31.
   Anm. Dank lautet bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen Thanc, bey den Schwäbischen Dichtern aber schon Dank, im Angels. Thanc, und Engl. Thanks. Das n vor dem k ist kein Stammbuchstab, sondern der gewöhnliche Begleiter der Hauchlauter in den nieselnden Aussprachen. Daher fehlet es auch in andern Mundarten, welche die Hauchbuchstaben weniger durch die Nase aussprechen, wie in dem Schwed. Tack, welches so wohl Wohlgefallen, guten Willen, als auch Dank bedeutet, in dem Isländ. thaegr, angenehm schön, dem Griech. δεκτος, angenehm, und dem Böhmischen Diky, Dank. S. Adelung Danken. Die Zusammensetzungen

[Bd. 1, Sp. 1386]


Dankverbindung, Dankverpflichtung u. a. m. gehören in die Beredsamkeit der Kanzelleyen.
 
Artikelverweis 
Der Dánkaltār, des -es, plur. die -täre, ein zum Dankopfer bestimmter Altar.
   Und auf den Dankaltar geweihte Myrthen streun,
   Günth.
 
Artikelverweis 
Das Dankamt, des -es, plur. die -ämter, ein Wort, welches nur in der Deutschen Bibel vorkommt, wo es Nehem. 12, 8. das Amt derjenigen Leviten bezeichnet, welche zur Absingung der Danklieder bestimmt waren.
 
Artikelverweis 
Dankbar, -er, -ste, adj. et adv. Dank bringend. Besonders, 1) eigentlich, Dank sagend. Er war sehr dankbar für das Geschenk, welches man ihm machte; in welcher Bedeutung es nur noch zuweilen im gemeinen Leben vorkommt. 2) In weiterer und figürlicher Bedeutung, geneigt, empfangene Wohlthaten durch gegenseitige Dienste zu vergelten, und diese Neigung thätig erweisend; S. Adelung Dank. Er hat ein sehr dankbares Gemüth. Ein dankbarer Mensch. Sich dankbar gegen jemanden bezeigen, oder erweisen; im gemeinen Leben, sich dankbar finden lassen.
   Anm. Dhancbare findet sich schon in Boxhorns Glossen. Die Schweden gebrauchen dafür tacksam. Dankbarlich ist eine unnütze Allemannische Verlängerung.
 
Artikelverweis 
Die Dankbarkeit, plur. car. der Zustand des Gemüthes, da man dankbar ist. 1) In der ersten Bedeutung dieses Beywortes, zuweilen im gemeinen Leben. Er nahm es mit vieler Dankbarkeit an, mit vielen Danksagungen. Noch mehr aber, 2) in der zweyten, die Neigung empfangene Wohlthaten durch Gegenliebe zu vergelten, und deren thätige Erweisung, welche die Erkenntlichkeit voraus setzet; S. Adelung Dank 4.
 
Artikelverweis 
Dankbeflissen, -er, -ste, adj. et adv. beflissen oder bemühet, empfangene Wohlthaten durch Gegenliebe zu vergelten. Daher die Dankbeflissenheit.
 
Artikelverweis 
Die Dankbegierde, plur. car. die Begierde sich dankbar zu erweisen.
 
Artikelverweis 
Dankbegierig, -er, -ste, adj. et adv. Dankbegierde habend. Ein dankbegieriges Gemüth.
 
Artikelverweis 
Der Dankchor, des -es, plur. die -chöre, in dem zweyten Tempel der Juden, ein Chor derjenigen Priester und Leviten, welche zur Absingung der Danklieder bestimmt waren; Nehem. 12, 31. 38. 40. S. Adelung Chor.
 
Artikelverweis 
Danken, verb. reg. welches, wenn man die veralteten Bedeutungen mit in Rechnung bringt, in einer doppelten Gattung vorkommt.
   I. * Als ein Neutrum, in welcher Gattung es ehedem gefallen bedeutete. Nistes uuight in thanke, ihm gefällt nichts, sagt noch Ottfried. Aus diesser längst veralteten Bedeutung erhellet, daß dieses Verbum zunächst von dem alten nordischen taeck, teg. thaegr, angenehm, schön, abstammet, welches noch im Schwedischen,
   Wallisischen und Isländischen üblich ist. S. Adelung Dank, Anm. Das Nieders. tanger, munter, frisch, lebhaft, gehöret vermuthlich auch hierher.
   II. Als ein Activum, in welcher Gestalt es nur noch allein üblich ist, bedeutet es:
   1. * Sein Gefallen über etwas an den Tag legen, loben, rühmen. Githanktu ermo harto theroselbon uuorto, er lobte ihn sehr wegen dieser Worte, Ottfr. Thaz thu unsih muazis thankon, daß du uns müssest loben, ebend. In der Deutschen Bibel bedeutet Gott danken oft nur ihn preisen, seinen Ruhm verkündigen; außer dem aber ist es in dieser Bedeutung veraltet.

[Bd. 1, Sp. 1387]



   2. * Sein Gefallen über eine gute Handlung thätig erweisen, belohnen, vergelten. Thaz thir es Gott githanko, Ottfr. daß Gott es dir vergelte. In der Sprache des niedrigen Umganges höret man noch jetzt zuweilen, dank dirs Gott, für, Gott vergelte es dir.
   3. Wohlgefallen über und Gegenliebe für eine empfangene Wohlthat an den Tag legen. 1) Eigentlich, durch Worte, Dank sagen; mit dem Dative der Person. Einem danken. Einem für etwas danken. Gott sey gedankt! im gemeinen Leben. Er dankte mir mit der rührendsten Empfindung. Ich weiß nicht Worte zu finden, ihnen dafür gehörig zu danken. 2) Einem etwas zu danken haben, ihm dafür Dank schuldig seyn, und in weiterer Bedeutung, es von ihm empfangen haben, ihn als den Urheber davon erkennen. Dieses habe ich dir allein zu danken. Er hat es sich selbst zu danken, daß er unglücklich ist, er ist selbst Schuld daran. Die Liebe war mir sonst angenehm, weil ich sie ihrem Werthe zu danken hatte, Gell. Wofür man zuweilen mit Auslassung des haben, auch nur saget, einem etwas danken. Ich danke es dem Herren Richard und seiner Arzeney, daß ich wieder gesund bin, Gell.
   Sie weiß, was sie dir dankt, was ich dir schuldig bin,
   Weiße, was sie dir zu danken hat.
   Wem dank ich dieß Leben,
   Dieß bessere Leben?
   Wem dank ich den Sohn?
   Raml. 3) Für einen Gruß danken, wieder grüßen, da es denn auch von dem bloßen Danken durch Geberden gebraucht wird. Ich grüßte ihn, aber er dankte mir nicht. 4) Im täglichen Umgange wird dieses Wort auch zuweilen gebraucht, wenn man etwas auf eine höfliche oder auch auf eine spöttliche Art abschlagen will. Ich danke dafür, d. i. nehme es nicht an. Man trug ihm das Amt auf, allein er dankte dafür. Ich danke für deine Geschenke. 5) Absolute gebraucht man es im Kirchenstyle von der Danksagung auf der Kanzel. Der Geistliche dankt für eine Wöchnerinn, wenn er ihre glückliche Entbindung zur Danksagung gegen Gott meldet.
   Anm. Danken, bey dem Ottfried thankan, bey dem Willeram dankan, Angels. thencian, Engl. to thank, lautet im Schwed. tacka. S. Adelung Dank. Gemeiniglich leitet man es von denken her. Es kann seyn, daß beyde Wörter nur Ein gemeinschaftliches Stammwort haben; allein danken scheinet nicht zunächst von denken herzukommen, vielmehr ist der Begriff des Angenehmen, des Wohlgefallens, allem Ansehen nach, der erste und herrschende in demselben, und da ist es mit dem Schwed. tigga, dem Engl. to take, dem Griech. δεκομαι, nehmen, genau verwandt. S. Danknehmig; denn daß das n hier nicht mit in Rechnung kommen könne, ist schon bey dem Worte Dank angemerket worden. Die Wortfügung mit der zweyten Endung, ich danke dir deß, ist Oberdeutsch, und im Hochdeutschen veraltet. Obgleich dieses Wort in seiner heutigen Bedeutung ein wirkliches Activum ist, so ist es doch im Passivo nicht gebräuchlich, außer etwa impersonaliter, mir wurde gedankt, es wurde auf der Kanzel für eine Wöchnerinn gedankt; in welchem Falle aber auch die meisten Neutra unpersönlich gebraucht werden können.
 
Artikelverweis 
Das Dankfêst, des -es, plur. die -e, ein zur feyerlichen Danksagung gegen Gott verordnetes Fest. Ein Dankfest halten, feyern.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: