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Dammmeister bis Dämpfig (Bd. 1, Sp. 1378 bis 1383)
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Artikelverweis Der Dammmeister, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher der Arbeit an einem Damme vorgesetzet ist.
 
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Der Dammsêtzer, des -s, plur. ut nom. sing. ein Handwerker, welcher Steindämme verfertiget, d. i. die Straßen und Gassen mit Steinen pflastert; der Steinsetzer.
 
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Der Dammstock, des -es, plur. die -stöcke, in den Marschländern, ein in einen Damm geschlagener Pfahl, woran man siehet, wie weit ein jeder den Damm auf seine Kosten zu erhalten hat; der Deichstock.
 
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Der Dammtheiler, des -s, plur. ut nom. sing. eben daselbst, derjenige, der einem jeden den ihm gehörigen Theil eines Dammes anweiset oder zutheilet.
 
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Der Dampf, des -es, plur. von mehrern Arten oder Quantitäten, die Dämpfe. 1) Ein jeder dicker Rauch, Nebel oder Dunst, besonders wenn er aus schwefelartigen Theilen bestehet. Rauch und Dampf gehet vorher, wenn ein Feuer brennen will, Sir. 22, 30. Der Dampf von einer Fackel, von einem ausgelöscheten Lichte, von Kohlen, von gährendem Weine, von gelöschtem Kalke u. s. f. Es steigen schädliche Dämpfe aus der Erde auf. Er opfert dir Weihrauch, um dich im Dampfe zu ersticken. 2) Im gemeinen Leben, Engbrüstigkeit oder schweres Athemhohlen, besonders bey den Thieren; in welchem Falle dieses Wort in den gemeinen Mundarten auch der Dampfen, der Dumpfen, die Dämpfigkeit lautet. Das Pferd hat den Dampf. Bey den Pferden heißt diese Krankheit auch die Herzschlächtigkeit,

[Bd. 1, Sp. 1381]


S. dieses Wort. Die Figur würde freylich etwas hart seyn, wenn sie allein dieser Bedeutung ihr Daseyn gegeben hätte, weil die Engbrüstigkeit einige Ähnlichkeit mit der Empfindung desjenigen hat, dem von einem dicken Dampfe der Athem benommen wird. Es scheinet daher, daß Dampf in dieser zweyten Bedeutung unmittelbar von dämmen, beengen, einschränken, herkomme, zumahl da dämpfen ehedem auch für ersticken gebraucht wurde; S. dieses Wort.
   Anm. 1. Dampf, Nieders. Damp, Engl. und Holländ. Damp, Ital. Tanfo, scheinet ein Intensivum von einem Worte zu seyn, welches so wohl in den alten als neuern Mundarten und Sprachen noch häufig vorkommt. In Boxhorns Glossen bedeutet Thaum, im Slavonischen Deym, Dim, im Epirotischen Tim, einen jeden Dunst, bey den Krainerischen Wenden ist Dim Rauch, im Schwed. Dimma, Dimpa, Nebel, Dam aber Staub. In Schwaben bedeutet Teum, Deim, in Strykers alten Gedichte Toum, noch jetzt den Schweiß, und täumen schwitzen, und im Österreichischen ist damen durch Ausdünstung befeuchten. Es kann seyn, daß dieses Wort gleichfalls zu dem alten dim, dym, finster, dunkel, gehöret, S. Adelung Dämmern; es kann aber auch seyn, daß es von einem andern abstammet, welches ehedem Nässe, Feuchtigkeit, bedeutet hat.
   Anm. 2. Dampf bedeutet schon vermöge seiner Abstammung einen dicken Dunst; man gebraucht es aber gemeiniglich nur von einem trockenen aus schwefeligen Theilen bestehenden Dunste. Dadurch unterscheidet es sich von andern ähnlichen Wörtern hinlänglich. Ein solcher riechender Dunst heißet in Niedersachsen auch Swalk. Dunst im engern Verstande, Brodem, Qualm, das Nieders. Frathem, Fraam, Swaaßen, werden vornehmlich von wässerigen Ausdünstungen flüssiger erhitzter Körper gebraucht; der Duft ist ein zarter wohl riechender Dampf, oder die gelinde Ausdünstung wohl riechender Körper; Rauch bestehet aus wässerigen und harzigen Theilen, die von einem brennenden Körper aufsteigen; ein dicker Rauch von nassem Holze, das nicht recht brennet, heißet Schmauch; der Nebel ist eine Menge wässeriger Dünste, die aus dem Erdboden aufsteigen; metallische Ausdünstungen heißen im Bergbaue böse Wetter, Schwaden, Erzdämpfe u. s. f.
 
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Das Dampfbad, des -es, plur. die -bäder, in der Arzeneykunst, die Erwärmung kranker Glieder durch den Dampf oder Dunst heißer Arzeneymittel; ein Dunstbad. Ingleichen in der Chymie, der Dunst des kochenden Wassers, so fern er zur Auflösung eines Körpers gebraucht wird; Balneum vaporis.
 
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Dampfen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert. 1) Dampf von sich geben. Die Kohlen dampfen. Der Kalk dampfet, wenn er gelöschet wird.
    Es dampfte die Küche
   Hohen Geruch von Braten, Pasteten und kräftigen Brühen,
   Zachar.
   Wiehernd steigen die Pferde der Sonne mit dampfenden Nasen
   Aus den Fluthen herauf,
   Zachar. 2) In Gestalt eines Dampfes aufsteigen.
   Für seine Laster auch
   Dampft hoch empor der Rauch
   Seiner Opfer,
   Cram. 3) Dampf verursachen. So bedeutet dampfen, im Tobaksrauchen einen starken Dampf machen.
   Anm. Im Nieders. lautet dieses Zeitwort dampen, im Dän. dampe, in einem alten in Oberdeutschland 1482 gedruckten Vocabulario tympfen, im Oberdeutschen aber dämpfen.

[Bd. 1, Sp. 1382]



   Komm rühre nur der Berge Spitzen an,
   So dämpfen sie, daß niemand sehen kann,
   Opitz Ps. 144. Welche Form auch Luther beybehalten hat. Sie dämpfen, wie ein Feuer in Dornen, Ps. 118, 8. Ehedem wurde dampfen auch für dämmen oder schwelgen gebraucht, wovon Frisch einige Beyspiele anführet.
 
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1. Dämpfen, verb. reg. act. finster machen, in das Dunkele einsperren, ein nur bey den Jägern und Vogelstellern übliches Wort. Einen Vogel dämpfen, oder eindämpfen, ihn in einem finstern Behältnisse aufbewahren, bis man ihn auf dem Vogelherde gebraucht, damit er alsdann desto stärker pfeife oder locke, welches auch verhalten genannt wird. Dieses sonst ungebräuchliche Wort stammet noch unmittelbar von dem alten dam, dim, dunkel, ab; S. Adelung Dämmern.
 
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2. Dämpfen, verb. reg. act. 1. Ersticken. 1) Eigentlich, in welcher nunmehr veralteten Bedeutung temphen, bedempfen, noch bey dem Notker, furthamfen aber bey dem Tatian vorkommt. Das Engl. to damp, und das Schwed. daempa, bedeuten gleichfalls ersticken. S. Adelung Dampf 2. Der Strick, womit ein Missethäter am Galgen erwürgt wird, führet noch den Nahmen des Dämpfleinchens. 2) Figürlich. (a) Mildern, von dem Tone. Eine Trompete, eine Trommel dämpfen, ihren starken Klang schwächen. (b) Unterdrücken, den Ausbruch einer Sache hindern. Ein Feuer dämpfen. Der Aufruhr ist noch nicht gedämpft. Sein Hochmuth wird schon gedämpfet werden. Sollte es jetzt nicht Zeit seyn, diese Unruhen durch Überlegung zu dämpfen? Gell. Eben diese Stimme wird noch jetzt in dir reden, wenn du sie nicht mit Gewalt dämpfest, Dusch. Von Personen wird dieses Wort im Hochdeutschen nicht mehr gebraucht, wie wohl häufig in der Deutschen Bibel geschiehet, wo es für unterdrücken, vertilgen, vorkommt. Wolan, wir wollen sie mit Listen dämpfen, daß ihrer nicht so viel werden, 2 Mos. 1, 10. Sie denken nur, wie sie ihn dämpfen, Ps. 62, 5. Die Ungerechten sollen ihn nicht dämpfen, Ps. 89, 23. Obgleich noch Opitz singt:
   Kein Unrecht laß mich dämpfen überall,
   Ps. 119. Ingleichen an einem andern Orte:
   Je mehr es dem gebühret
   Der hoch erhaben wird, daß er sich dämpfen soll, d. i. sich mäßigen. Selbst die Redensart, eines Feinde dämpfen, kommt im Hochdeutschen nur zuweilen in der Poesie, um des Reimes willen vor. Noch ungewöhnlicher ist die R. A. er wird unsere Missethat dämpfen, Mich. 7, 19, für vertilgen, die Folgen derselben aufheben. 2. In den Küchen, in einem verschlossenen Gefäße, mit Zurückhaltung des Dampfes, langsam kochen; dünsten, im Oberdeutschen schmauchen, im Niedersächs. stoven, schmoren. Fleisch, Äpfel, Birnen dämpfen. Gedämpftes Fleisch, Dämpffleisch, gedämpftes Obst.
   Daher die Dämpfung, in der ersten Bedeutung. Die Dämpfung des Feuers, eines Aufruhres, seiner Leidenschaften u. s. f.
   Anm. In der ersten Bedeutung kommt dieses Wort zunächst wohl nicht von Dampf, sondern von dämmen her, welches im Oberdeutschen noch jetzt bändigen, unterdrücken, bedeutet, und von welchem es das Intensivum seyn kann.
 
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Der Dämpfer, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Ein Werkzeug, die Lichter damit auszulöschen; ein Löschnäpfchen, und so fern man in den Kirchen auf dem Lande dazu ein an einem Stabe befestigtes Horn gebraucht, ein Dampfhorn, Löschhorn 2) Ein Hülfsmittel, den Ton musikalischer Instrumente, z. B. Trompeten, Lauten, Violinen, zu dämpfen oder zu mildern.

[Bd. 1, Sp. 1383]



 
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Dämpfig, adj. et adv. mit dem Dampfe, d. i. der Engbrüstigkeit behaftet. Ein dämpfiges Pferd. Im Nieders. dempig, demstig, demstrig.

 

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