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Dāmit bis Dämmerungsfalter (Bd. 1, Sp. 1376 bis 1378)
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Artikelverweis  Dāmit, oder Damít, ein Bestimmungswort, welches in doppelter Gestalt gebraucht wird.
   I. Als ein Umstandswort, da es denn so wohl unter die anzeigenden, als beziehenden Umstandswörter gehöret, und für mit diesem, mit dieser, mit demselben, mit derselben stehet.

[Bd. 1, Sp. 1377]



   1. Als ein mehr anzeigendes Umstandswort, hat es den Ton, wie alle Wörter dieser Art, auf der ersten Sylbe, und bezeichnet, 1) ein Mittel oder Werkzeug. Damit hat er es zu wege gebracht. Damit hat er seine Feinde überwunden. Er hat es damit versehen, daß er so lange ausgeblieben ist. Was wollen sie damit sagen? 2) Einen Gegenstand. Damit wird es sich schon geben. Ach damit hat es nichts zu bedeuten! Damit darfst du nich so sparsam thun.
   2. Als ein mehr beziehendes Umstandswort, hat es den Ton auf der letzten Sylbe, und bezeichnet, 1) eine Begleitung oder Gesellschaft. Ich habe ihm das Seinige gegeben, und ihn damit fortgeschickt. Man gab ihm einen Verweis, und ließ ihn damit laufen. Nur heraus damit, es nur heraus gesagt, oder hergegeben. 2) Ein Mittel oder Werkzeug. Du brauchst nur Eine Hand, da kanst du alles damit verrichten. Das Geld ist allmächtig, man richtet alles damit aus. 3) Einen Gegenstand. Es ist aus damit. Wir haben diese Krankheit nicht, aber unsere Nachbarn sind damit behaftet. Er thut sehr rar damit.
   3. Als ein bloß beziehendes Umstandswort, für mit welchem, mit welcher, ist es so wohl im gemeinen Leben, als in der Deutschen Bibel freylich sehr häufig, z. B. den Stab, damit du Zeichen thun sollst, 2 Mos. 4, 17. Das Brot, damit ich euch gespeiset habe, Kap. 16, 32. Ein Netz, damit man allerley Gattung fähet, Matth. 13, 47. Der Geist Gottes, damit ihr versiegelt seyd, Ephes. 4, 30. Allein da diese Bedeutung dem womit eigenthümlich ist, so wird damit in derselben in der reinen Schreibart alle Mahl lieber vermieden.
   II. Als ein Bindewort, welches den Ton gleichfalls auf der letzten Sylbe hat, alle Mahl eine Endursache andeutet, für auf daß, und so wohl mit dem Indicative als Conjunctive verbunden wird. Der letztere stehet, wenn der Endzweck noch ungewiß ist, oder nur als möglich, als thunlich vorgestellet wird. Ich melde dir solches, damit du dich darnach zu richten wissest. Ich warnte dich, damit du dich in Acht nähmest. Laß mich selbst deine blühende Schönheit vergessen, damit sich mein Herz ganz der seligen Ruhe überlasse, die mich rufet, Dusch. Ich wollte bitten, daß sie das thäten, damit ich es nicht thun müßte, Gell.
   Wenn aber diese Endursache positiv und ohne alle Ungewißheit ausgedruckt wird, so stehet auch der Indicativ, besonders in der gegenwärtigen Zeit. Gehen sie nicht mit mir, damit sie nicht so deutlich sieht, daß ich sie liebe, Gell. Verwandeln sie sich nunmehr wieder in den Liebhaber, damit Julchen nicht zu sehr bestraft wird, ebend.
   Anm. 1. Veraltete, oder doch unangenehme Arten des Gebrauches dieses Wortes sind. 1) Für dadurch, weil. Und murren machten die ganze Gemeine, damit, daß sie dem Land ein Geschrey machten, daß es bös wäre, 4 Mos. 14, 36. Damit geschicht es, daß niemand hinfort seinen Vater ehret, Matth. 15, 16. Der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn, 1 Cor. 11, 29. 2) Für das einfache daß, besonders nach den Zeitwörtern, die ein Rathen, Bitten und Befehlen bedeuten. Ich bitte dich, damit du kommest. Man muß dahin sehen, damit alles vollzogen werde. In welchen und andern ähnlichen Fällen nur allein daß gebraucht werden kann. 3) Für hierauf, als ein fortsetzendes Bindewort. Sie schalten und damit gingen sie davon. Damit ritten sie ihr Straßen, Theuerd. Kap. 27.
   Anm. 2. Ottfried gebraucht schon tharmit für zugleich, aber bey eben demselben kommt auch noch mit thiu, für das anzeigende damit vor: uuas er mit thiu meïnti, was er damit meinte.

[Bd. 1, Sp. 1378]



 
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Der Damm, des -es, plur. die Dämme. 1. Überhaupt eine jede Erhöhung von Erde und Steinen, die eine beträchtliche Länge hat. In dieser weitesten Bedeutung pflegen die Seefahrer eine Sandbank noch einen Damm zu nennen. Das Schiff ist auf einem Damme sitzen geblieben. 2. Besonders. 1) Eine in die Länge sich erstreckende Erhöhung von Erde oder Steinen, besonders das Wasser abzuhalten. Einen Damm machen, aufwerfen; im Bergbaue, einen Damm stoßen. Dem Wasser einen Damm entgegen setzen. Etwas mit einem Damme verwahren oder umgeben. S. Adelung Deich. 2) Die Erhöhung eines Fahrweges. Ein Sanddamm, wenn selbiger bloß aus Sande bestehet. Ein Steindamm, ein Knitteldamm u. s. f. In Niedersachsen wird auch das Gassenpflaster nur schlechthin der Damm genannt. 3) Figürlich, in den Orgeln diejenigen Hölzer, worauf der Stock lieget, in welchem die Pfeifen stecken.
   Anm. Damm ist ein altes Wort, welches schon lange eine Erhöhung von Erde zur Einschränkung des Wassers bedeutet hat. Das Engl. Dam, das Franz. Dame, welches auch einen kleinen durch die Kunst gemachten Hügel bedeutet, das mittlere Lat. Damma, das heutige Schwed. und Dän. Dam, das Pohln. Tama, und andere mehr haben alle diese Bedeutung. Die erste eigentliche Bedeutung dieses Wortes ist dunkel. Die meisten Wortforscher verbinden es mit dem Zeitworte dämmen, so fern dieses auch bändigen und bezwingen bedeutet, und mit dem Latein. domare, und Griech. δαμαειν; welches dem Anscheine nach, dadurch bestätiget wird, daß ein Damm im Altschwedischen Dampu hieß, welches mit dämpfen, dem Frequentativo von dämmen, überein kommt. Da indessen Dam im Dänischen und Schwedischen nicht allein eine Erhöhung von Erde, sondern auch eine Vertiefung, einen Teich, einen See, bedeutet, welche beyde Bedeutungen auch das Wort Teich hat, (S. Adelung Deich,) so stehet es dahin, ob sich nicht einmahl noch eine bequemere Ableitung wird ausfündig machen lassen. Vielleicht stammet es von einem Worte ab, welches ursprünglich stoßen oder graben bedeutet hat. S. Daum, Dammerde, Dammholz, und Dumpfig. Wenigstens bedeutet es in den Zusammensetzungen zudämmen und verdämmen oft nur stoßen; S. diese Wörter. Stamm ist vermuthlich nur vermittelst des Zischlautes aus Damm gebildet worden, S. dieses Wort. Das Franz. Dame, bedeutet nicht nur einen Damm, den man bey Grabung eines Canales von Zeit zu Zeit stehen lässet, sondern auch die Handramme, womit die Steine bey dem Pflastern fest gestoßen werden. S. Dämmen und Deich.
 
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Der Dámmbrúch, des -es, plur. die -br che, die Einbrechung oder Durchbrechung eines Dammes, ohne Plural; ingleichen derjenige Ort, wo ein Damm von dem Wasser durchbrochen worden. Im Nieders. Deichbruch, welches S.
 
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1. Dämmen, verb. reg. act. 1. Einen Damm machen, so fern Damm das Steinpflaster bedeutet. 2. Vermittelst eines Dammes einschränken, zurück halten. 1) Eigentlich, da es von dem Wasser gebraucht wird, wofür auch stämmen üblich ist. Wenn das Eis sich stämmet, und die Wasser dadurch gedämmet werden.
   Ein brausend Wasser, das man dämmen soll,
   Schleg.
   Wie schnelle Ströme
   Den Bau durchreißen, der sie dämmen sollte,
   Schleg.
   Es wird die Ungeduld das Thränenmeer nicht dämmen,
   Günth. 2) * Figürlich, unterdrücken, bändigen, in welcher Bedeutung dieses Wort nur im Oberdeutschen gehöret wird. Das Feuer dämmen, Bluntschli.
   Der süße Schlaf, der alle Pein kann dämmen,
   Opitz. Im Hochdeutschen gebraucht man dafür in manchen Fällen das Intensivum dämpfen.
   Anm. Da diese letzte Bedeutung im Oberdeutschen und in der Schweiz am häufigsten vorkommt, so ist sie mit dem Latein. domare, und Griech. δαμαειν vermuthlich näher verwandt, als mit Damm, und da stammet dieses Wort wahrscheinlicher Weise von zahm ab, welches ehedem, so wie noch jetzt im Niedersächsischen, taam lautete. Indessen bedeuten so wohl das Schwedische daemma, als das Angels. demman, das mittlere Latein. addemnare, und das Franz. condamner, verstopfen, versperren, zudämmen. Das Nieders. tämmen heißt auch, jemanden im Laufe aufhalten.
 
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2. Dämmen, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur noch in der niedrigen Redensart schlämmen und dämmen, d. i. schwelgen, vorkommt, im Oberdeutschen aber auch außer derselben üblich ist.
   Prassen und schlemmen
   Huren, spielen, feyren und temmen,
   Hans Sachs.
   Mit Füllerey das sein verdempt,
   Hans Sachs.
   Er schlemmet temmet schon,
   Opitz. Im Churbraunschweigischen bedeutet deumen gleichfalls schwelgen. Andere Mundarten sagen für schlämmen und dämmen sausen und brausen, die Niedersachsen delgen und schwelgen, die Preußen in Quaaß und Fraß leben. Es scheinet, daß mit dem Worte dämmen zunächst auf den Dunst der Speisen gesehen werde, weil aus dem Frisch erhellet, das dampfen ehedem gleichfalls für schwelgen, und Dampf für Schwelgerey gebraucht worden.
 
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Dammen, in verdammen, S. dieses Wort.
 
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Die Dammêrde, plur. inus. 1) Die Erde, welche zur Verfertigung eines Dammes bestimmt, oder dazu bequem ist. 2) Im Bergbaue, die obere Erde, welche auf einem Steinbruche, einem Flötze u. s. f. lieget, und in weiterer Bedeutung überhaupt, die oberste fruchttragende Erde des Erdbodens, welche mit allerley Theilen aus dem Gewächs- und Thierreiche vermischt ist, und auch Bauerde, Gewächserde, im Weinbaue die Thauerde, Tageerde genannt wird; Humus. Damm hat in dieser Zusammensetzung eine sehr weite Bedeutung, die vielleicht noch die erste ist; denn Dammerde scheinet hier so viel als Graberde zu bedeuten, Erde, welche gegraben oder bearbeitet wird.
 
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Dämmerig, adj. et adv. ein wenig helle und ein wenig dunkel, dämmernd. Es wird schon dämmerig, es fängt an dunkel zu werden. Es war noch ganz dämmerig. Als ein Adjectiv kommt es seltener vor. Doch sagt man zuweilen dämmeriges Wetter, trübes, nebeliges Wetter. S. das folgende.
 
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Dämmern, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, dämmerig seyn, welches nur als ein unpersönliches Verbum üblich ist, und von dem Anfange und Ende der Finsterniß nach dem Untergange und vor dem Aufgange der Sonne gebraucht wird. Es dämmert schon, d. i. es fängt schon an dunkel zu werden, ingleichen des Morgens, es fängt schon an Tag zu werden. Es wird bald dämmern. In der höhern Schreibart wird dieses Wort zuweilen auch persönlich gebraucht. Der Abend dämmert schon am stillen Horizonte herauf. In welcher Gattung besonders das Mittelwort dämmernd üblich ist. Lange sie den Anbruch des dämmernden Tages beseufzet, Weiße. Ingleichen für dunkel. Die Kürbisse kriechen hoch empor und werden zum dämmernden Dache, Geßn.
   Nach und nach enthüllet sich nun die dämmernde Gegend,
   Zachar.
   Harmonische Lieder
   Erfüllen den dämmernden Hain,
   Klopst. Anm. Das Schwed. dimmer, und Isländ. dimmur, bedeuten dunkel, das Engl. thimster aber nebelig. Timberi ist bey dem Notker die Finsterniß, und betimbern verdunkeln, welche beyden Wörter mit dem Latein. tenebrae genau überein stimmen. Die Form dieser Wörter und des Deutschen dämmern verräth schon, daß sie Frequentativa eines Wortes sind, welches noch in dem Angelsächsischen dim, dym, finster, dem Engl. dim, trübe, dem Slavonischen und Wendischen temny und temma, finster, und Dennice, die Morgenröthe, angetroffen wird. Eben dieses Stammwort bedeutet aber auch Dunst, Nebel, und in dieser Rücksicht haben wir es noch in dem Frequentativo Dampf; S. dieses Wort. Wachter leitet es zu gezwungen von dem Griech. δυμι, untergehen, her, weil die Dämmerung durch den Untergang der Sonne verursachet wird; Ihre mit mehrerer Wahrscheinlichkeit von dem Bretagnischen dy, du, schwarz.
 
Artikelverweis Die
Dämmerung, plur. car. das Substantiv von dem vorigen, der Zustand des Lichtes, da dasselbe mit Dunkelheit vermischet ist, welcher Zustand durch die Brechung der Sonnenstrahlen in dem Dunsckreise verursachet wird. Die Morgendämmerung, die Abenddämmerung.
   Anm. Ehedem sagte man auch die Dhemar, die Demere und die Demmerniß. Im Niedersächsischen heißet die Dämmerung auch die Ucht, bey dem Notker Uohtu, der Dagering, das Schemern, die Schemerung, Zweylichten u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Dämmerungsfalter, des -s, plur. ut nom. sing. oder Dämmerungsvogel, des -s, plur. die -vögel, eine Art Nachtfalter, welche sich nur in der Dämmerung sehen lassen; Sphinx, L. Abendvogel.

 

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