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Dagger bis Dāmahlig (Bd. 1, Sp. 1370 bis 1374)
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Artikelverweis Das Dagger, Daggert, des -s, plur. inus. ein dickes Öhl, welches man aus der alten Birkenhaut destilliret, und zur Zubereitung des Juchtens, zur Wagenschmier u. s. f. gebraucht; Rußöhl. Das Wort ist vermuthlich Russisch, weil die Sache selbst eine Russische Erfindung ist. Die Deutsche Benennung Degenöhl, welche man demselben auch wohl gibt, ist nur daraus verderbt.
 
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Daheīm, ein im Hochdeutschen seltenes Umstandswort des Ortes, für zu Hause. Daheim seyn. Daheim bleiben. Er ist daheim erzogen. Es ist nirgends besser als daheim. An einem Orte daheim seyn daselbst zu Hause seyn.
   Hier wo der Guten Schaar zuvor daheimen war,
   Opitz.
   Daheim belehrten ihn die Schriften kluger Alten,
   Haged. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort noch sehr häufig vor. Bey dem Stryker lautet es dohaime. Da stehet hier vermuthlich für zu. S. Adelung Heim.
 
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Dāher und Dahr, adv. demonstrativo-relativum, welches so wohl als ein Umstandswort, als auch als ein Bindewort gebraucht wird.
   1. Als ein Umstandswort, und zwar des Ortes, bezeichnet es, 1) Eigentlich, eine Bewegung von einem vorher genannten Orte her. Ich komme nicht von Berlin, aber mein Bruder kömmt daher. Kommen sie aus Frankreich? wir kommen nicht daher. Wenn die Sacramente von Gott herstammen, so müssen ihre Diener ihren Ursprung auch daher haben. In dieser Bedeutung liegt der Ton auf der letzten Sylbe. In denjenigen Fällen aber, wo diese Partikel eine anzeigende Bedeutung hat, folglich zu Anfange eines Satzes stehet, z. B. dáher kann es nicht kommen, hat sie auch den Ton auf der ersten Sylbe.
   2) In weiterer Bedeutung verschwindet die Beziehung auf einen vorher bestimmten Ort, und da bedeutet dieses Umstandswort so viel als herein, einher, oder auch nur her. In diesem Falle wird es in der höhern Schreibart sehr häufig mit verschiedenen Verbis gebraucht, die eine Bewegung bedeuten.
   Mit beben. Wenn die klingende Lanze daher bebt, Klopst.
   Mit brausen. Der Rache Donner braust schon über mich daher, Weiße.

[Bd. 1, Sp. 1371]



   Mit fahren. Er fähret daher wie ein Fürst. Die Wolken donnerten und die Strahlen fuhren daher, Ps. 77, 18. Er wird kommen und wie eine Fluth daher fahren, Dan. 11, 10. Der Abend fährt daher, Zachar.
   Mit fliegen. Und er fuhr auf dem Cherub und flohe daher, 2 Sam. 22, 11. Er fleucht daher wie ein Adler, Jer. 48, 40.
   Mit fließen. Eines weisen Mannes Lehre fleußt daher wie eine Fluth, Sir. 21, 16. Denn sein Segen fleußt daher wie ein Strom, Kap. 39, 27.
   Mit gehen. Er gehet prächtig daher. Ich muß beraubt und bloß daher gehen, Mich. 1, 18. Und nicht so stolz daher gehen sollet, Kap. 2, 3.
   Mit hauen, welches aber außer der Deutschen Bibel nicht vorkommt. Ach, wie glänzet es, und hauet daher zur Schlacht, das Schwert, Ezech. 21, 15.
   Mit hüpfen. Hänschen hüpfte froh daher, Weiße.
   Mit kommen. Und sahe, daß Kamehle daher kamen, 1 Mos. 24, 63. Du wirst herauf ziehen und daher kommen mit großem Ungestüme, Ezech. 39, 9.
   Mit prangen. Sie prangete stolz daher.
   Mit rauschen. Deine Fluthen rauschen daher, Ps. 42, 8. Drohende Berge von Wellen rauschten daher und schlugen die Seiten des seufzenden Schiffes, Dusch.
   Mit schleichen. Gebeugt schleicht sie daher, Dusch.
   Mit schwanken. Ein Betrunkener, der von einem Schmause daher schwanket, Dusch.
   Mit schweben. Und ach wie schwebte das glühende Mädchen im himmlischen Tanze daher! Weiße.
   Mit segeln. Durch die Fläche daher segeln.
   Mit stürmen. Die kämpfenden Haufen stürmen im Gewitter daher, Dusch.
   Mit taumeln.
   Ein Trinker kam von ohngefähr,
   Und taumelte den Weg daher, Less.
   Mit treten. Wie stolz trat er daher? Er tritt daher wie eine Kröte im Mondscheine, mit einem lächerlichen Stolze.
   Mit wachsen, welche Figur doch ein wenig hart ist. So wächst er, der Baum, daher, als wäre er gepflanzet, Hiob 14, 9.
   Mit wallen.
   Mit pestilenzischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher, Zach.
   Mit ziehen. Da Nebucad Nezar daher zog, Egyptenland zu schlagen, Jer. 46, 13. Und werden weinend daher ziehen, und den Herren ihren Gott suchen, Kap. 50, 4.
   Und so mit andern ähnlichen Verbis mehr, wo der Ton gleichfalls auf der letzten Sylbe liegt.
   3) Figürlich, für daraus, die Beziehung auf eine Ursache, auf den Grund einer Erkenntniß u. s. f. zu bezeichnen. Dieß kommt daher, weil er so flüchtig ist. Ich vermuthe es daher, weil ich ihn so lange nicht gesehen habe. Daher läßt sich abnehmen, wie viel er muß verloren haben. Wenn die Partikel, wie in den jetzt angeführten Fällen, in dem Vordersatze oder zu Anfange des Kommas stehet, so ruhet der Ton auf da, weil sie alsdann mehr damonstrativ ist; steht sie aber im Nachsatze, nach einigen Worten, in welchem Falle sie alle Mahl mehr relativ ist, so hat ihn die letzte Sylbe. Er nahm dahér Gelegenheit von der Sache zu reden. Die Zufälle, die dahér entstehen. Opitz und andere Oberdeutsche gebrauchen dafür dannenher, dieses rühret dannenher.

[Bd. 1, Sp. 1372]



   4) Eine Zeit, doch nur in einigen gemeinen Redensarten, bis daher, bis auf diese Zeit. Der Himmel weiß, wie viele Thränen ich über die Schmerzen geweinet habe, die ich sie einige Zeit daher habe ausstehen sehen, seit einiger Zeit.
   2. Als ein Bindewort, die Beziehung einer Wirkung auf die Ursache auszudeuten, die Wirkung mit ihrer Ursache zu verbinden. Er hat seine Schuldigkeit gethan, daher kann ich mich nicht über ihn beklagen, oder, ich kann mich daher nicht über ihn beklagen, oder auch, daher ich mich nicht über ihn beklagen kann. Er war abwesend, daher entstand denn der Verdacht u. s. f. Es ist nichts an der Sache, ängstigen sie sich daher nicht.
   Dieses Bindewort hat den Ton jederzeit auf der letzten Sylbe. Opitz gebraucht dafür dannenher, dannher, die Schweizer danahen, deßnahen, Kero, Ottfried, Notker und andere ältere Schriftsteller bithiu, bidhiu, pidiu, eigentlich dabey, Willeram aber vane dannen. Dahero für daher ist eine veraltete Oberdeutsche Form.
 
Artikelverweis 
* Dahīer, ein Oberdeutsches Umstandswort des Ortes, für hier, allhier, welches im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, in der Fränkischen Mundart aber schon im neunten Jahrhunderte tho hir lautet.
 
Artikelverweis 
Dāhin und Dahín, ein Nebenwort des Ortes, welches in einer doppelten Gestalt üblich ist.
   1. Als ein anzeigendes Umstandswort, eine Bewegung an einen Ort hin zu bestimmen, den man gleichsam Fingern zeiget, da es denn im Vordersatze stehet, und den Ton alle Mahl auf der ersten Sylbe hat. Bis dahin bin ich gekommen. Tritt mir dahin. Meine Seele entsaget gern den Freuden dieses Lebens, wenn sie nur dāhin, wo sie künftig länger seyn wird, keinen Fluch mitnimmt, Dusch.
   Und steiget an der Wesen Kette
   Bis dahin, wo den höchsten Ring
   Zevs an sein Ruhebette
   Zu seinen Füßen hing,
   Raml. Ingleichen in weiterer Bedeutung, das Ziel einer Handlung, die Absicht einer Bemühung zu bezeichnen. Es ist schon dahin mit ihm gekommen, daß er alles verkaufen muß. Suchen sie doch die Sache dahin zu vergleichen, daß u. s. f. Seine Sorgen gehen ohne Aufhören alle dahin, allen alles zu rauben und sich zuzueigenen. Nur vermeide man den Oberdeutschen Gebrauch dieses Wortes, da es mit Verbis verbunden wird, die keine eigentliche Bewegung bedeuten: das Gutachten lautete dahin, daß u. s. f.
   2. Als ein beziehendes Umstandswort des Ortes, eine Bewegung nach einem vorher bestimmten Orte zu bezeichnen, da es den Ton alle Mahl auf der letzten Sylbe hat. 1) Eigentlich. Er ist noch nicht in Rom gewesen, aber er wird nächstens dahin reisen. Nimm dieses mit dir dahin. Hast du es da gefunden, so lege es wieder dahin. 2) Figürlich. (a) Eine Richtung des Gemüthes, oder andere Verbindung mit einem vorher genannten Gegenstande auszudrucken. Er spricht nur von Dingen die dahin gehören. Wenn es noch nicht geschehen ist, so laß deine Sorgen dahin gerichtet seyn. (b) Zuweilen verschwindet der Ort, auf welchen sich das da beziehet, und alsdann bedeutet dahin, so viel als hinweg oder weg, und wird in der edlern Schreibart mit verschiedenen Verbis sehr häufig gebraucht, in deren Gesellschaft es auch figürliche Bedeutungen erhält. Einige der vornehmsten dieser Zeitwörter sind:
   Fahren. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn, Ps. 90, 9. Die Zeit fähret dahin wie ein Strom. Er ist dahin gefahren, d. i. aus diesem Leben gefahren, gestorben,

[Bd. 1, Sp. 1373]


mit einer bedenklichen Besorgniß in Ansehung seines künftigen Zustandes.
   Fallen. Er fiel dahin wie ein Klotz, auf die Erde. Wir sind wie eine Blume, die dahin fällt, und nicht wieder aufblühet. Fliegen. Meine Tage sind leichter dahin geflogen, denn ein Weberspul, Hiob 7, 6.
   Fließen. Ach wie froh wird mein graues Alter in deiner Umarmung dahin fließen! Geßn.
   Wie fließet so traurig
   Euch das Leben dahin!
   Zach. Geben. Ich habe es dahin gegeben, aufgeopfert, weggegeben. Gott hat sie dahin gegeben in schändliche Lüste, Röm. 1, 26. Welcher ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, Kap. 4, 25.
   Gehen. Ich gehe dahin ohne Kinder, d. i. ich sterbe, 1 Mos. 15, 2. Die Zeit gehet dahin, wie ein Schatten, vergehet. Haben. Meine Erstgeburt hat er dahin, 1 Mos. 27, 36. Sie haben ihren Lohn dahin, Matth. 6, 2. Denn ihr habt euren Trost dahin, Luc. 6, 24.
   Laufen. Wie ein Schiff auf den Wasserwogen dahin läuft, Weish. 5, 10.
   Leben. Ihr Hütten stehet offen meinem Freunde, der sein graues Alter süß dahin leben wird! Geßn.
   Und lebet so dahin, als dorfte sie nicht sterben,
   Opitz. Müssen. Das macht dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen, Ps. 90, 7.
   Nehmen. Er nehme es auch gar dahin, 2 Sam. 19, 30. So er über seinen Sohn, der ihm allzu früh dahin genommen ward, Leid und Schmerzen trug, Weish. 14, 15. Bis die Sündfluth kam und nahm sie alle dahin, Matth. 24, 39.
   Reißen. Wo mich nicht die Verzweifelung dahin reißt. Den ein Anschein von Gründlichkeit zu glänzenden Irrthümern dahin reißt, Less.
   Schießen. Der Bach scheußt dahin von den Leuten, Hiob 28, 4.
   Seyn. Er ist dahin, er ist nicht mehr vorhanden, ist gestorben, mit besorglicher Vermuthung. Alle unsere Freuden sind dahin, sind vergangen. Ein Fieber, ein Steckfluß, so sind wir dahin. Meine hohen Absichten, meine stolzen Entwürfe waren alle dahin, Dusch.
   Min hoher muot ist ouch dahin,
   Burkh. v. Hohenfels. Sinken. Vor Schmerzen dahin sinken.
   Der Dirne sinken die Hände
   Von der Arbeit dahin,
   Zachar. Stehen, wo dahin stehen im gesellschaftlichen Leben von einer ungewissen Sache gebraucht wird. Es stehet dahin, ob es wahr ist, es ist noch ungewiß. Es stehet dahin, ob ich ihn jemahls wieder sehen werde.
   Stellen. Etwas dahin gestellet seyn lassen, über eine Sache kein Urtheil fällen wollen. Ich stelle es dahin, ob dem also ist, lasse es unentschieden.
   Sterben. Dahin sterben, ohne gehörige Vorbereitung sterben. Er starb auch so dahin, Opitz. Ingleichen auch nur wie das einfache sterben. Die Erde wird veralten, und die darauf wohnen, werden dahin sterben, Es. 51, 6. Darum ließ er sie dahin sterben, daß sie nichts erlangten, Ps. 78, 33.
   Stürmen.
   Die eilende Zeit stürmt alle unsere Freuden dahin,
   Dusch. Und so mit ähnlichen Verbis mehr.

[Bd. 1, Sp. 1374]



   Anm. Bey dem Notker lautet dieses Wort dar hina, bey den Schwäbischen Dichtern aber schon dahin. Zuweilen werden noch andere Vor- und Nebenwörter im gemeinen Leben an dieses angehänget, die denn zu dessen Bedeutung noch die ihrige mitbringen, z. B. dahinab, dahinan, dahinauf, dahinaus u. s. f. welche aber doch richtiger da hinab, da hinan, da hinauf, da hinaus geschrieben werden.
 
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Dahingêgen, S. Adelung Dagegen.
 
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Dahínten, ein Nebenwort des Ortes, für zurück, welches im Hochdeutschen zuweilen noch in der höhern Schreibart gebraucht wird. Dahinten bleiben, zurück bleiben, 2 Mos. 10, 26. Vergessen was dahinten ist, Phil. 3, 13. Wir müssen alles dahinten lassen.
   O laß mich nicht von dir getrennt dahinten! Schleg.
 
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Dahínter, adv. demonstrativo-relativum, hinter dieses, hinter diesem, hinter dasselbe, hinter demselben. Wir standen in der Thür, er aber stand dahinter, hinter derselben. Man sucht niemanden hinter der Thür, wenn man nicht selbst dahinter gewesen ist. Der Gang, der dahinter weg gehet. Ingleichen figürlich. Es steckt ein Betrug dahinter, es ist ein Betrug darunter verborgen. Ich möchte wohl wissen, was dahinter steckt. Er wollte es mir verbergen, allein ich kam dahinter, ich entdeckte es. Ich will schon dahinter her seyn, daß er nichts fortbringen soll, ich will genau Acht geben. Er hat eben nicht nöthig, so sehr dahinter her zu seyn, die Sache so eifrig zu suchen.
 
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Das Dāhlbōrt, des -es, plur. die -e, in dem Schiffbaue, die Lehne an der Gallerie, ingleichen das Äußerste an der Schiffsverkleidung,
   die oberste Einfassung des Schiffes, welche das Verdeck umgiebet, das Plattbort; aus dem Nieders. und Holländ. daal, niedrig, unten.
 
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Dahlen, verb. reg. neutr. welches das Hülfswort haben erfordert, aber nur in der vertraulichen Sprechart der Obersachsen üblich ist, tändeln, kindische Dinge vornehmen, sich albern bezeigen. Pfui, das heißt gedahlt, Weiße.
   Küßt man mich, so heißt es thalen,
   Günth. Anm. Im Schwed. bedeutet tule einen lustigen, närrischen Menschen. Bey dem Ottfried ist duualen, duellen, zaudern; das Angels. dwelian, dwolian, bedeutet irren, albern seyn. Das Nieders. tellen, das Isländ. thylia und thaular, und das Oberd. talken, bedeuten ungereimtes Zeug reden. Die letztern stammen unstreitig von dem alten, noch im Nieders. üblichen Taal, die Sprache, und tellen, reden, ab; S. Adelung Zahl, und Erzählen. In einigen Mundarten lautet dieses Wort tallen und thalen. In einigen Gegenden hat man davon auch das Adv. und Adj. dahlig, dahlend.
 
Artikelverweis 
Dāmahlig, adj. welches von damahls gebildet worden, und sich auf eine vergangene Zeit beziehet. Die damahlige Witterung war nicht die beste, die Witterung, die damahls war. Der damahlige Fürst, der damahls regierende. Man hat dieses Beywort getadelt, weil es neuern Ursprunges ist. Allein es ist doch regelmäßig gebildet, und befördert die Kürze, weil man sonst den damit verknüpften Begriff durch mehrere Worte ausdrucken müßte.

 

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