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Dādurch bis Dahínten (Bd. 1, Sp. 1368 bis 1374)
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Artikelverweis  Dādurch und Dadúrch, adv. demonstrativo relativum, für durch diesen, durch diese, durch dieses, durch denselben etc. Es ist
   1. Ein anzeigendes Umstandswort des Ortes, da es denn den Ton alle Mahl auf der ersten Sylbe hat. 1) Eigentlich. Gehe mir nicht hierdurch, sondern dadurch. Sie ritten dadurch, d. i. an diesem Orte ritten sie durch. Vielleicht wird es in dieser Bedeutung besser getheilt geschrieben, da durch. Wenigstens lässet es sich hier füglich theilen: da ritten sie durch, gehe mir da nicht durch; welches sonst bey andern Partikeln dieser Art ein Fehler seyn würde. 2) Figürlich, ein Mittel oder Werkzeug zu bezeichnen. Dadurch wirst du nichts erlangen. Lassen sie sich dadurch nicht irre machen. Dadurch habe ich es endlich dahin gebracht, daß u. s. f.
   2. Ein beziehendes Umstandswort des Ortes, da es denn den Ton auf der letzten Sylbe hat. 1) Eigentlich. Ehedem war es gefährlich, durch diesen Wald zu reisen; aber jetzt reiset man sicher dadurch. Das Wasser ist nicht tief, ein Pferd kann dadurch gehen. 2) Figürlich, ein Mittel, oder ein Werkzeug auszudrucken. Die Sache hat nicht viel gekostet, indessen hat er sich doch dadurch zu Grunde gerichtet. Alles Bitten war umsonst, es war nichts dadurch zu erhalten.
   Anm. Ottfried gebraucht statt dieses Wortes noch thuruh thaz, Notker aber schon dar dure. Nieders. daar dör. S. Adelung Da II. und Durch.
 
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Dāfern, und Dafếrn, conjunct. condit. für wenn, für das bessere wofern. Ich will es dir geben, dafern du zu mir kommen wirst, oder, dafern du zu mir kommen wirst, will ich es dir geben.

[Bd. 1, Sp. 1369]



   Laßt euch (dafern ihr jemahls hört
   Wie sehr ich unsre Zeit verehrt,)
   Dieß eurer Väter Lob gefallen,
   Haged. S. Adelung Da II. und Fern.
 
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Dāfür, und Dafǖr, adv. demonstrativo-relativum, anstatt für diesen, für diese, für dieses, für denselben u. s. f. Es beziehet sich, 1) auf ein Übel, und bezeichnet alsdann ein Gegenmittel. Sie haben das Fieber? O, meine Arzeney ist gut dafür. Er hat den Stein, und kein Mittel will dafür helfen. 2) Auf einen Gegenstand der Bemühung. Ich lasse einen andern dafür sorgen, oder dafür lasse ich einen andern sorgen. Ich kann nichts dafür, ich bin nicht Ursache, daß dieses geschehen ist. Wer kann was dafür, daß die Leute so thöricht sind? 3) Auf einen Gegenstand der Versicherung, der Meinung. Er ist ein Arzt, wenigstens gibt er sich dafür aus. Du bist ein Betrieger, jedermann hält dich dafür. Dafür halten, für glauben, meinen, einer ungewissen Sache Beyfall geben, ich halte dafür, daß er kommen wird, oder er wird kommen, wie ich dafür halte, fängt an in der anständigen Schreibart selten zu werden, obgleich der Infinitiv in den Oberdeutschen Kanzelleyen auch als ein Hauptwort gebraucht wird: meines Dafürhaltens. Ich hielt mich nicht dafür, daß ich etwas wüßte, wie es in der Deutschen Bibel heißt, ist in dieser Wortfügung im Hochdeutschen ganz ungewöhnlich. Übrigens kann dafür in dieser Bedeutung auch auf Personen gehen, welches sonst den wenigsten dieser Wörter erlaubt ist. 4) Auf einen Gegenstand des Werthes, der Wiedererstattung, Ersetzung u. s. f. Ich bin dir gut dafür. Mancher sollte arbeiten, aber er spielet dafür. Was wird mir dafür? Wer steht mir dafür? Er hat mir dafür gearbeitet. Du mußt mir Rechenschaft dafür geben. Ist das mein Dank dafür? Ich will es dafür behalten, für diesen Preis. Ich gebe nicht mehr als zehen Thaler dafür. Wer hält es für eine Verläugnung, Geld hinzugeben, wenn er Thränen dafür ersparen kann? Dusch.
   Anm. Am häufigsten hat dieses Wort den Ton auf der letzten Sylbe. Wenn es aber zu Anfange eines Satzes oder Kommas stehet, in welchem Falle es alle Mahl eine anzeigende Partikel ist, so tritt, wie bey andern Wörtern dieser Art, der Ton zurück auf die erste Sylbe. Dáfür wirst du schon büßen müssen. Dáfür werden dich alle Heiligen bitten. Dáfür halte uns jedermann. Es geschiehet dieses auch wohl in der Mitte der Rede um eines besondern Nachdruckes willen. Opitz gebraucht sein darfür für davor, und dieß für zuvor, oben:
   Denn was gesagt darfür
   Von dieser ganzen Lehr, erkieckt uns auch allhier. Im Nieders. lautet diese Partikel daar vör. S. Adelung Da II. Für, und Davor.
 
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Daggen, und Dāgegen, particula demonstrativo-relativa, für gegen diesen, gegen diese, gegen dieses, gegen denselben u. s. f. Es ist
   1. Ein Umstandswort, und bezeichnet, 1) eine Richtung, Bewegung, oder Neigung gegen und wider eine Sache; dawider. Er fiel an die Mauer und stieß mit dem Kopfe dagegen. Ingleichen figürlich, eine Bemühung des Geistes gegen etwas, Widerstand. Sie haben meine Meinung gehöret, und nun wünschte ich, daß sie Einwürfe dagegen machten. Ich sagte ihm meine Gründe; allein er wandte dagegen ein u. s. f. Meine Ermahnungen sind umsonst, er ist taub dagegen. Ich habe nichts dagegen. S. Adelung Dawider. 2) Eine Vergleichung. Sein Verdienst ist groß, das deinige ist nichts dagegen, in Vergleichung mit dem seinigen. Dieses Buch ist nicht größer als jenes, halte es nur dagegen. Eine Stelle im Zuchthause muß

[Bd. 1, Sp. 1370]


eine rechte Glückseligkeit dagegen seyn, Gell. 3) Eine Vertauschung, Verwechselung. Ich setze dir ein Schaf, was gibst du mir dagegen? Du gibst mir Geld, ich gebe dir Waare dagegen.
   2. Ein Bindewort, einen Ersatz, oder Vergütung mit dem Vorigen zu verbinden. Er ist dein Feind, dagegen bin ich dein Freund. Sehr häufig gebraucht man es auch zur Verbindung eines Gegentheiles, für im Gegentheile. Er verlässet sich auf die Soldaten, dagegen trauet er den Bürgern nicht. Ich habe niemanden beleidiget, dagegen vielen geholfen. Allein wenn es alsdann nicht zugleich eine Compensation des Vordersatzes ist, wie in dem ersten der beyden letzten Beyspiele, so verursachet es einen merklichen Übelklang. In beyden Fällen stehet dagegen nur zu Anfange eines Satzes oder Kommas; hingegen und hergegen aber können auch nach einem oder mehrern Worten stehen.
   Anm. Notker gebraucht dafür dara gagene. Wenn das Umstandswort zu Anfange eines Satzes stehet, folglich mehr demonstrativ ist, hat es den Ton auf der ersten Sylbe: dágegen ist nicht einzuwenden. Dahingegen für das Bindewort dagegen, ist eine unnütze Oberdeutsche Verlängerung. S. Adelung Da II. und Gegen.
 
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Das Dagger, Daggert, des -s, plur. inus. ein dickes Öhl, welches man aus der alten Birkenhaut destilliret, und zur Zubereitung des Juchtens, zur Wagenschmier u. s. f. gebraucht; Rußöhl. Das Wort ist vermuthlich Russisch, weil die Sache selbst eine Russische Erfindung ist. Die Deutsche Benennung Degenöhl, welche man demselben auch wohl gibt, ist nur daraus verderbt.
 
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Daheīm, ein im Hochdeutschen seltenes Umstandswort des Ortes, für zu Hause. Daheim seyn. Daheim bleiben. Er ist daheim erzogen. Es ist nirgends besser als daheim. An einem Orte daheim seyn daselbst zu Hause seyn.
   Hier wo der Guten Schaar zuvor daheimen war,
   Opitz.
   Daheim belehrten ihn die Schriften kluger Alten,
   Haged. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort noch sehr häufig vor. Bey dem Stryker lautet es dohaime. Da stehet hier vermuthlich für zu. S. Adelung Heim.
 
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Dāher und Dahr, adv. demonstrativo-relativum, welches so wohl als ein Umstandswort, als auch als ein Bindewort gebraucht wird.
   1. Als ein Umstandswort, und zwar des Ortes, bezeichnet es, 1) Eigentlich, eine Bewegung von einem vorher genannten Orte her. Ich komme nicht von Berlin, aber mein Bruder kömmt daher. Kommen sie aus Frankreich? wir kommen nicht daher. Wenn die Sacramente von Gott herstammen, so müssen ihre Diener ihren Ursprung auch daher haben. In dieser Bedeutung liegt der Ton auf der letzten Sylbe. In denjenigen Fällen aber, wo diese Partikel eine anzeigende Bedeutung hat, folglich zu Anfange eines Satzes stehet, z. B. dáher kann es nicht kommen, hat sie auch den Ton auf der ersten Sylbe.
   2) In weiterer Bedeutung verschwindet die Beziehung auf einen vorher bestimmten Ort, und da bedeutet dieses Umstandswort so viel als herein, einher, oder auch nur her. In diesem Falle wird es in der höhern Schreibart sehr häufig mit verschiedenen Verbis gebraucht, die eine Bewegung bedeuten.
   Mit beben. Wenn die klingende Lanze daher bebt, Klopst.
   Mit brausen. Der Rache Donner braust schon über mich daher, Weiße.

[Bd. 1, Sp. 1371]



   Mit fahren. Er fähret daher wie ein Fürst. Die Wolken donnerten und die Strahlen fuhren daher, Ps. 77, 18. Er wird kommen und wie eine Fluth daher fahren, Dan. 11, 10. Der Abend fährt daher, Zachar.
   Mit fliegen. Und er fuhr auf dem Cherub und flohe daher, 2 Sam. 22, 11. Er fleucht daher wie ein Adler, Jer. 48, 40.
   Mit fließen. Eines weisen Mannes Lehre fleußt daher wie eine Fluth, Sir. 21, 16. Denn sein Segen fleußt daher wie ein Strom, Kap. 39, 27.
   Mit gehen. Er gehet prächtig daher. Ich muß beraubt und bloß daher gehen, Mich. 1, 18. Und nicht so stolz daher gehen sollet, Kap. 2, 3.
   Mit hauen, welches aber außer der Deutschen Bibel nicht vorkommt. Ach, wie glänzet es, und hauet daher zur Schlacht, das Schwert, Ezech. 21, 15.
   Mit hüpfen. Hänschen hüpfte froh daher, Weiße.
   Mit kommen. Und sahe, daß Kamehle daher kamen, 1 Mos. 24, 63. Du wirst herauf ziehen und daher kommen mit großem Ungestüme, Ezech. 39, 9.
   Mit prangen. Sie prangete stolz daher.
   Mit rauschen. Deine Fluthen rauschen daher, Ps. 42, 8. Drohende Berge von Wellen rauschten daher und schlugen die Seiten des seufzenden Schiffes, Dusch.
   Mit schleichen. Gebeugt schleicht sie daher, Dusch.
   Mit schwanken. Ein Betrunkener, der von einem Schmause daher schwanket, Dusch.
   Mit schweben. Und ach wie schwebte das glühende Mädchen im himmlischen Tanze daher! Weiße.
   Mit segeln. Durch die Fläche daher segeln.
   Mit stürmen. Die kämpfenden Haufen stürmen im Gewitter daher, Dusch.
   Mit taumeln.
   Ein Trinker kam von ohngefähr,
   Und taumelte den Weg daher, Less.
   Mit treten. Wie stolz trat er daher? Er tritt daher wie eine Kröte im Mondscheine, mit einem lächerlichen Stolze.
   Mit wachsen, welche Figur doch ein wenig hart ist. So wächst er, der Baum, daher, als wäre er gepflanzet, Hiob 14, 9.
   Mit wallen.
   Mit pestilenzischem Fittig
   Wallet auf Nebeln die Seuche daher, Zach.
   Mit ziehen. Da Nebucad Nezar daher zog, Egyptenland zu schlagen, Jer. 46, 13. Und werden weinend daher ziehen, und den Herren ihren Gott suchen, Kap. 50, 4.
   Und so mit andern ähnlichen Verbis mehr, wo der Ton gleichfalls auf der letzten Sylbe liegt.
   3) Figürlich, für daraus, die Beziehung auf eine Ursache, auf den Grund einer Erkenntniß u. s. f. zu bezeichnen. Dieß kommt daher, weil er so flüchtig ist. Ich vermuthe es daher, weil ich ihn so lange nicht gesehen habe. Daher läßt sich abnehmen, wie viel er muß verloren haben. Wenn die Partikel, wie in den jetzt angeführten Fällen, in dem Vordersatze oder zu Anfange des Kommas stehet, so ruhet der Ton auf da, weil sie alsdann mehr damonstrativ ist; steht sie aber im Nachsatze, nach einigen Worten, in welchem Falle sie alle Mahl mehr relativ ist, so hat ihn die letzte Sylbe. Er nahm dahér Gelegenheit von der Sache zu reden. Die Zufälle, die dahér entstehen. Opitz und andere Oberdeutsche gebrauchen dafür dannenher, dieses rühret dannenher.

[Bd. 1, Sp. 1372]



   4) Eine Zeit, doch nur in einigen gemeinen Redensarten, bis daher, bis auf diese Zeit. Der Himmel weiß, wie viele Thränen ich über die Schmerzen geweinet habe, die ich sie einige Zeit daher habe ausstehen sehen, seit einiger Zeit.
   2. Als ein Bindewort, die Beziehung einer Wirkung auf die Ursache auszudeuten, die Wirkung mit ihrer Ursache zu verbinden. Er hat seine Schuldigkeit gethan, daher kann ich mich nicht über ihn beklagen, oder, ich kann mich daher nicht über ihn beklagen, oder auch, daher ich mich nicht über ihn beklagen kann. Er war abwesend, daher entstand denn der Verdacht u. s. f. Es ist nichts an der Sache, ängstigen sie sich daher nicht.
   Dieses Bindewort hat den Ton jederzeit auf der letzten Sylbe. Opitz gebraucht dafür dannenher, dannher, die Schweizer danahen, deßnahen, Kero, Ottfried, Notker und andere ältere Schriftsteller bithiu, bidhiu, pidiu, eigentlich dabey, Willeram aber vane dannen. Dahero für daher ist eine veraltete Oberdeutsche Form.
 
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* Dahīer, ein Oberdeutsches Umstandswort des Ortes, für hier, allhier, welches im Hochdeutschen ungewöhnlich ist, in der Fränkischen Mundart aber schon im neunten Jahrhunderte tho hir lautet.
 
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Dāhin und Dahín, ein Nebenwort des Ortes, welches in einer doppelten Gestalt üblich ist.
   1. Als ein anzeigendes Umstandswort, eine Bewegung an einen Ort hin zu bestimmen, den man gleichsam Fingern zeiget, da es denn im Vordersatze stehet, und den Ton alle Mahl auf der ersten Sylbe hat. Bis dahin bin ich gekommen. Tritt mir dahin. Meine Seele entsaget gern den Freuden dieses Lebens, wenn sie nur dāhin, wo sie künftig länger seyn wird, keinen Fluch mitnimmt, Dusch.
   Und steiget an der Wesen Kette
   Bis dahin, wo den höchsten Ring
   Zevs an sein Ruhebette
   Zu seinen Füßen hing,
   Raml. Ingleichen in weiterer Bedeutung, das Ziel einer Handlung, die Absicht einer Bemühung zu bezeichnen. Es ist schon dahin mit ihm gekommen, daß er alles verkaufen muß. Suchen sie doch die Sache dahin zu vergleichen, daß u. s. f. Seine Sorgen gehen ohne Aufhören alle dahin, allen alles zu rauben und sich zuzueigenen. Nur vermeide man den Oberdeutschen Gebrauch dieses Wortes, da es mit Verbis verbunden wird, die keine eigentliche Bewegung bedeuten: das Gutachten lautete dahin, daß u. s. f.
   2. Als ein beziehendes Umstandswort des Ortes, eine Bewegung nach einem vorher bestimmten Orte zu bezeichnen, da es den Ton alle Mahl auf der letzten Sylbe hat. 1) Eigentlich. Er ist noch nicht in Rom gewesen, aber er wird nächstens dahin reisen. Nimm dieses mit dir dahin. Hast du es da gefunden, so lege es wieder dahin. 2) Figürlich. (a) Eine Richtung des Gemüthes, oder andere Verbindung mit einem vorher genannten Gegenstande auszudrucken. Er spricht nur von Dingen die dahin gehören. Wenn es noch nicht geschehen ist, so laß deine Sorgen dahin gerichtet seyn. (b) Zuweilen verschwindet der Ort, auf welchen sich das da beziehet, und alsdann bedeutet dahin, so viel als hinweg oder weg, und wird in der edlern Schreibart mit verschiedenen Verbis sehr häufig gebraucht, in deren Gesellschaft es auch figürliche Bedeutungen erhält. Einige der vornehmsten dieser Zeitwörter sind:
   Fahren. Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn, Ps. 90, 9. Die Zeit fähret dahin wie ein Strom. Er ist dahin gefahren, d. i. aus diesem Leben gefahren, gestorben,

[Bd. 1, Sp. 1373]


mit einer bedenklichen Besorgniß in Ansehung seines künftigen Zustandes.
   Fallen. Er fiel dahin wie ein Klotz, auf die Erde. Wir sind wie eine Blume, die dahin fällt, und nicht wieder aufblühet. Fliegen. Meine Tage sind leichter dahin geflogen, denn ein Weberspul, Hiob 7, 6.
   Fließen. Ach wie froh wird mein graues Alter in deiner Umarmung dahin fließen! Geßn.
   Wie fließet so traurig
   Euch das Leben dahin!
   Zach. Geben. Ich habe es dahin gegeben, aufgeopfert, weggegeben. Gott hat sie dahin gegeben in schändliche Lüste, Röm. 1, 26. Welcher ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, Kap. 4, 25.
   Gehen. Ich gehe dahin ohne Kinder, d. i. ich sterbe, 1 Mos. 15, 2. Die Zeit gehet dahin, wie ein Schatten, vergehet. Haben. Meine Erstgeburt hat er dahin, 1 Mos. 27, 36. Sie haben ihren Lohn dahin, Matth. 6, 2. Denn ihr habt euren Trost dahin, Luc. 6, 24.
   Laufen. Wie ein Schiff auf den Wasserwogen dahin läuft, Weish. 5, 10.
   Leben. Ihr Hütten stehet offen meinem Freunde, der sein graues Alter süß dahin leben wird! Geßn.
   Und lebet so dahin, als dorfte sie nicht sterben,
   Opitz. Müssen. Das macht dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen, Ps. 90, 7.
   Nehmen. Er nehme es auch gar dahin, 2 Sam. 19, 30. So er über seinen Sohn, der ihm allzu früh dahin genommen ward, Leid und Schmerzen trug, Weish. 14, 15. Bis die Sündfluth kam und nahm sie alle dahin, Matth. 24, 39.
   Reißen. Wo mich nicht die Verzweifelung dahin reißt. Den ein Anschein von Gründlichkeit zu glänzenden Irrthümern dahin reißt, Less.
   Schießen. Der Bach scheußt dahin von den Leuten, Hiob 28, 4.
   Seyn. Er ist dahin, er ist nicht mehr vorhanden, ist gestorben, mit besorglicher Vermuthung. Alle unsere Freuden sind dahin, sind vergangen. Ein Fieber, ein Steckfluß, so sind wir dahin. Meine hohen Absichten, meine stolzen Entwürfe waren alle dahin, Dusch.
   Min hoher muot ist ouch dahin,
   Burkh. v. Hohenfels. Sinken. Vor Schmerzen dahin sinken.
   Der Dirne sinken die Hände
   Von der Arbeit dahin,
   Zachar. Stehen, wo dahin stehen im gesellschaftlichen Leben von einer ungewissen Sache gebraucht wird. Es stehet dahin, ob es wahr ist, es ist noch ungewiß. Es stehet dahin, ob ich ihn jemahls wieder sehen werde.
   Stellen. Etwas dahin gestellet seyn lassen, über eine Sache kein Urtheil fällen wollen. Ich stelle es dahin, ob dem also ist, lasse es unentschieden.
   Sterben. Dahin sterben, ohne gehörige Vorbereitung sterben. Er starb auch so dahin, Opitz. Ingleichen auch nur wie das einfache sterben. Die Erde wird veralten, und die darauf wohnen, werden dahin sterben, Es. 51, 6. Darum ließ er sie dahin sterben, daß sie nichts erlangten, Ps. 78, 33.
   Stürmen.
   Die eilende Zeit stürmt alle unsere Freuden dahin,
   Dusch. Und so mit ähnlichen Verbis mehr.

[Bd. 1, Sp. 1374]



   Anm. Bey dem Notker lautet dieses Wort dar hina, bey den Schwäbischen Dichtern aber schon dahin. Zuweilen werden noch andere Vor- und Nebenwörter im gemeinen Leben an dieses angehänget, die denn zu dessen Bedeutung noch die ihrige mitbringen, z. B. dahinab, dahinan, dahinauf, dahinaus u. s. f. welche aber doch richtiger da hinab, da hinan, da hinauf, da hinaus geschrieben werden.
 
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Dahingêgen, S. Adelung Dagegen.
 
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Dahínten, ein Nebenwort des Ortes, für zurück, welches im Hochdeutschen zuweilen noch in der höhern Schreibart gebraucht wird. Dahinten bleiben, zurück bleiben, 2 Mos. 10, 26. Vergessen was dahinten ist, Phil. 3, 13. Wir müssen alles dahinten lassen.
   O laß mich nicht von dir getrennt dahinten! Schleg.

 

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