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Copīe bis Cornūt (Bd. 1, Sp. 1350 bis 1351)
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Artikelverweis Die Copīe, (zweysylbig,) plur. die -n, (dreysylbig,) aus dem Latein. Copia, und Franz. Copie, eine jede Sache, welche nach einer andern verfertiget wird, im Gegensatze des Originals. Besonders von Schriften; eine Abschrift. Eine Copie von etwas nehmen, verfertigen. Ingleichen von Gemählden, Zeichnungen, und andern Werken der Kunst. Auch figürlich. Du willst ihm nachahmen, aber du bist nur eine schlechte Copie von ihm. Die Unordnungen unserer Zeiten sind bloße Copien der vorigen Jahrhunderte. Daher copiiren, abschreiben, und in weiterer Bedeutung, überhaupt nachahmen; der Copíst, des -en, plur. die -en, ein Abschreiber, und in weiterer Bedeutung, ein Nachahmer; die Copir-Nadel, Zeichnungen, Risse damit zu copiiren.
   Anm. Vermuthlich wurde die Abschrift einer Urkunde oder eines Buches in den mittlern Zeiten zuerst eine Copie genannt, weil dadurch die Sache vervielfältiget und gleichsam in Menge hervorgebracht wurde. Copey für Copie, und copeyen für copiiren, sind veraltete Oberdeutsche Formen.
 
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Copuliren, verb. reg. act. aus dem Latein. copulare, verbinden. Im Deutschen gebraucht man dieses Wort nur von der ehelichen Verbindung verlobter Personen durch den Priester; ehelich einsegnen, im gemeinen Leben trauen. Daher die Copulatiōn, die eheliche Einsegnung; die Trauung.
 
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Coquếtt, (sprich kokett,) -er, -este, adj. et adv. aus dem Französ. coquet, von dem andern Geschlechte, bemühet, dem männlichen Geschlechte zu gefallen, um bewundert zu werden. Daher die Coquette, welche nur aus dieser Ursache zu gefallen sucht. Das Deutsche verbuhlt, welches von einigen statt dieses Wortes gebraucht worden, druckt mehr aus, als der Franz. Ausdruck eigentlich sagt.
 
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Coralle, S. Adelung Koralle.
 
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Der Córduān, des -es, plur. inus. außer von mehrern Acten, die -e, eine Art schwarzen Leders, welches vermittelst des Sumachs oder Schmacks und der Galläpfel aus Bock- und Ziegenfellen bereitet wird, und von welchem man zweyerley Arten hat, den glatten oder Glanz-Corduan, der auf der Narbenseite zugerichtet wird, und einen schönen Glanz hat, und den rauchen oder rauchschwarzen Corduan, welcher seine Zurichtung auf der Fleischseite bekommt, und rauch ist. Daher der Corduan-Macher, eine Art Gärber, welche die Häute vermittelst des Sumachs gar machen, und dadurch Corduan hervor bringen.

[Bd. 1, Sp. 1351]



   Anm. Corduanus, Cordewan u. s. f. kommen in dem mittlern Lateine schon seit dem eilften und zwölften Jahrhunderte von solchem Leder vor. Vorher nannte man es auch Cordebisus und Cordoversus. Aus diesem Worte haben die Franzosen ihr Cordouan und die Italiäner ihr Cordouano gemacht. Weil man von den ältesten Zeiten die Schuhe aus diesem Leder verfertigte, so wurden daher die Schuster im mittlern Lateine Cordobanarii, Cordoanerii u. s. f. im Französ. Cordonniers, und im Deutschen ehedem auch Kurdeweren, Kordewaner genannt. Die gemeineste Meinung ist, daß dieses Leder von der Stadt Corduba in Spanien seinen Nahmen hat, wo es ehedem am häufigsten und besten verfertiget wurde, ob man es gleich jetzt überall nachmacht, daher die Schuhe von solchem Leder ehedem auch calcei de Corduba genannt wurden. Allein, da die ganze Gärberey, welche die übrigen Europäer aus Spanien bekommen haben, keine Spanische Erfindung ist, sondern erst durch die Mauren aus Afrika dahin gebracht, auch in dem Oriente schon von den ältesten Zeiten her zu einer weit größern Vollkommenheit gebracht worden, als in Europa, indem in der Türkey Corduane von allen Farben verfertiget werden: so stehet es noch dahin, ob der Ursprung dieses Wortes nicht in dem Arabischen zu suchen ist.
 
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Coriander, S. Adelung Koriander.
 
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Corinthen, S. Korinthen.
 
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Cornelbaum, Cornelkirsche, S. Adelung Kornelle.
 
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Der Cornếtt, des -es, plur. die -e, in dem Kriegswesen, der Fähndrich bey der Reiterey, welcher der dritte Officier bey einer Escadron ist; aus dem Franz. le Cornette, dagegen la Cornette in eben dieser Sprache die Standarte der leichten Reiterey bezeichnet.
 
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Die Cornếtte, plur. die -n, eine Art des Kopfputzes des andern Geschlechtes; gleichfalls aus dem Franz. Cornette. Dieser Kopfputz ist durch die Mode allerley Veränderungen ausgesetzet gewesen, bis er jetzt zu einem Nachtzeuge herab gesunken ist.
 
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Der Cornūt, des -en, plur. die -en, bey den Buchdruckern, ein Lehrling, der nach vollendeten Lehrjahren zwar los gesprochen worden, aber noch kein Gesell ist, als welches er erst durch das so genannte Postulat wird. Daher das Cornuten-Geld, welches ein Cornut von seinem Verdienste wöchentlich an die Gesellen abgeben muß; der Cornuten-Hut, ein mit Hörnern gezierter Hut, welcher ihm bey dem Postulate aufgesetzet und in der Deposition feyerlich abgestoßen wird u. s. f. Aus dem Latein. Cornutus, als eine Anspielung auf die schon von Alters her eingeführten Depositions-Gebräuche. Zuweilen wird ein Cornut auch ein Cornelius genannt, welcher Nahme aber wohl nichts weiter als ein geschmackloses Wortspiel ist. Das Nieders. Kornut, der Camerad eines liederlichen Menschen, ein Mensch von seinem Gelichter, hat hiermit wohl nichts gemein, sondern kommt von dem alten Köhrnote, ein Kohrgenoß, selbst erwählter Freund, her, unter welcher Benennung unter andern auch die Beysitzer des ehemaligen Fehmgerichtes vorkommen. Dahin gehöret auch das Latein. Cornutus, welches in Zankfliets Chronik, von dem Afterbischofe von Lüttich, Dieterich von Perweis, und dessen Anhängern, um das Jahr 1405 gebraucht wird, und welches du Fresne nicht verstanden hat.

 

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