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Commōde bis Complimếnt (Bd. 1, Sp. 1343 bis 1345)
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Artikelverweis Die Commōde, plur. die -n, ein Hausrath, welcher zugleich die Stelle eines Tisches und eines Schrankes mit Schubladen vertritt; aus dem Franz. Commode, wegen der Bequemlichkeit dieser Französischen Erfindung.
 
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Der Communicánt, des -en, plur. die -en, Fämin. die Communicantinn, eine Person, welche das Abendmahl empfängt. S. das folgende.
 
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Communiciren, verb. reg. aus dem mittlern Latein. communicare. 1) Ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, das Abendmahl empfangen. 2) Ein Activum, das Abendmahl reichen. Jemanden communiciren. S. des du Fresne Glossar.
 
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Die Communiōn, plur. inus. aus dem mittlern Lateine Communio. 1) Die Gemeinschaft, gemeinschaftlicher Besitz, im gemeinen Leben. 2) Das Abendmahl und dessen Austheilung. Communion halten, dasselbe austheilen. Zur Communion gehen, dasselbe zu empfangen.
 
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Comödiant, Comödie, S. in K.
 
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Die Compagnīe, (sprich Companīe, dreysylbig,) plur. die -n, (viersylbig,) aus dem Franz. Compagnie. 1) Die Zusammenkunft zweyer oder meherer, sich zu unterhalten, und zu belustigen, und dergleichen Personen selbst; in beyden Fällen nur im gemeinen Leben. In Compagnie gehen. Eine lustige Compagnie, Gesellschaft. 2) Die Gemeinschaft der Absichten, Handlungen, Güter, und die daraus entstehende Verbindung; ohne Plural, und auch nur im gemeinen Leben. Mit jemanden Compagnie machen, einerley Verrichtung mit ihm unternehmen, einerley Weg mit ihm antreten, mit ihm zu einer gewissen Absicht in Verbindung treten. Ich will ihnen Compagnie leisten, sagt man, wenn man einerley Weg mit dem andern zurück zu legen hat. Ingleichen diejenigen Personen, welche sich zu einerley

[Bd. 1, Sp. 1344]


Absicht verbinden, besonders in Handlungssachen. Eine Handlungs-Compagnie. Die Ostindische Compagnie u. s. f. 3) Im Kriegswesen, eine gewisse Anzahl Fußvolk welcher ein Capitän vergesetzet ist. Bey der Reiterey heißt im Deutschen eine Compagnie gemeiniglich eine Escadron oder Schwaoron. Daher die Compagnie-Gasse, in einem Lager, die Gasse zwischen zwey Reihen Zelter der Gemeinen; der Compagnie-Zimmermann, Compagnie-Feldscherer u. s. f. die bey einer Compagnie Soldaten Dienste leisten. Compagnia und Κ##μπανια, kommen schon in dem mittlern Lat. und Griech. von einem kleinen Haufen Soldaten von hundert Mann vor. S. des du Fresne Glossar. In dem Galischen Gesetze bedeutet Companium so viel als Contubernium. Anm. Dieses Wort hat einerley Schicksal mit so vielen andern gehabt, welche die Franzosen von uns bekommen, und sie uns nachmahls, auf ihre Art zugestutzt, wieder zurück gegeben haben. Kompan, Kumpan, ist ein altes Deutsches Wort, welches einen Gefährten, eines Amts- oder Arbeitsgenossen, einen Gesellschafter andeutet, und noch nicht ganz veraltet ist. Die Raths-Kumpane, oder Mitglieder des Rathes, kommen in den mittlern Zeiten häufig vor. Bey einigen Handwerkern heißt ein Innungsglied, oder zünftiger Meister noch jetzt ein Kompe oder Kumpe. Im Nieders. bedeutet Kumpaan, Kump, im Engl. Chum, im Schwed. und Isländ. Kompan, einen jeden Camerad, Collegen, und Kumpanschaft consortium. In den Bergwerken, besonders auf dem Harze ist Kombe oder Kompe ein Bergknappe, der mit einem andern zugleich auf einer Grube arbeitet, und in Thüringen nennet eine Magd ihre Mitmagd ihre Kumpersche, dagegen im Schwed. Komperska ein Schimpfwort auf ein zänkisches Weibesbild ist. Da nun wohl nicht glaublich ist, daß unsere gemeinen Mundarten dieses Wort aus dem Franz. Compagnon, oder wie es ehedem lautete, Compain, entlehnet haben sollten: so ist auch leicht zu sehen, was von den Ableitungen dieses Wortes zu halten ist, die dabey keine andere als fremde Sprachen zu Hülfe nehmen. Henricus Stephanus leitete es von Benna, einer Art Gallischer Wagen, her, S. Adelung Benne, und erklärete es durch Reisegefährten; Nicot und Menage von Panis, Franz. Pain, die einerley Brot essen; Lipsius von combinare; Acarisius von Compages; du Fresne von pagus, Leute, die aus einerley pago sind, Compagani, welches Wort in einer alten Aufschrift bey dem Gruter vorkommt; anderer zu geschweigen. Mehrern Beyfall verdienet Frisch, der das veraltete Kume, Hülfe, Beystand, für das Stammwort hält.
 
Artikelverweis Der
Compáß, des -sses, plur. die -sse, eine Magnetnadel mit ihrer Einfassung. Aus dem Ital. Compasso. Ein See-Compaß, wie er auf den Schiffen gebraucht wird. Frisch leitet dieses Wort von dem Lat. Compassus her, weil der Compaß zuerst die sichere Fahrt zur See gelehret habe. Aus dem Carpentier erhellet, daß Compasso im Ital. ehedem auch von einer Seekarte gebraucht worden. Wenn im mittlern Lateine Compassus, im Franz. Compas, im Span. Compas, im Engl. Compass, und im Ital. Compasso, einen Zirkel bedeuten, so wird mit dieser Benennung wohl zunächst auf die Gleichheit der Füße gesehen.
 
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Das Compáß-Häuschen, des -s, plur. ut nom. sing. auf den Schiffen, der kleine Schrank vor der Kajüte, gegen den Besausmast, in welchem sich der Compaß befindet.
 
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Die Compáß-Rose, plur. die -n, eine runde Zeichnung, auf welcher die 32 Compaß oder Windstriche vorgestellet sind, welche aus einem gemeinschaftlichen Puncte heraus gehen, wodurch sie denn einige Ähnlichkeit mit einer Rose verursachen; die Windrose.

[Bd. 1, Sp. 1345]



 
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Der Compáß-Strích, des -es, plur. die -e, einer von den 32 Windstrichen, die auf dem Compasse bemerket sind. Jeder Hauptstrich hält vier Compaßstriche, ein Halbstrich zwey, und ein Viertelstrich einen. S. Adelung Strich.
 
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Das Complimếnt, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Compliment, eigentlich eine Verbeugung aus Ehrfurcht oder Hochachtung. Ein Compliment machen. In weiterer Bedeutung, ein Gruß mit einer Verbeugung. Ich habe ihnen noch nicht mein Compliment gemacht. In noch weiterem Sinne, ein jeder Gruß. Mein Bruder läßt ihnen sein Compliment machen. Ferner, eine kurze Anrede bey feyerlichen Gelegenheiten, zur Bezeigung seines Antheiles. Einem Feldherren wegen einer gewonnenen Schlacht ein Compliment machen. Ein Compliment-Brief, ein Glückwünschungs-Compliment u. s. f. In noch weiterer Bedeutung werden alle äußerliche Bezeigungen der Hochachtung und Höflichkeit im gesellschaftlichen Leben Complimente genannt; da denn das Wort zuweilen auch in einem nachtheiligen Verstande von dem Überflusse solcher Bezeigungen gebraucht wird. Alle Complimente bey Seite setzen. Ohne Complimente. Ja oft ein Gegensatz der thätigen Erweisung seiner Achtung. Es war nur ein Compliment.
   Anm. Es ist bekennt, daß dieses Wort erst mit den Französischen Sitten in unsere Sprache gekommen ist, welche bey der einfältigen Redlichkeit und Aufrichtigkeit unserer Vorfahren nicht einmahl ein gleich bedeutendes Wort aufzuweisen hat. Kaisersberg nennet die Complimente Hofworte. Daß der Französische Ausdruck schon vor der Mitte des vorigen Jahrhundertes im Deutschen müsse eingeführet gewesen seyn, erhellet aus dem 1643 gedruckten unartigen Sprachverderber.

 

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