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Civīl bis Clavier (Bd. 1, Sp. 1337 bis 1339)
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Artikelverweis  Civīl, adj. et adv. welches nur in verschiedenen Zusammensetzungen üblich ist, und alsdann so viel als bürgerlich bedeutet. Die Civil-Obrigkeit, die bürgerliche Obrigkeit, im Gegensatze der Militär-Obrigkeit; der Civil-Bediente, eine obrigkeitliche Person in Civil-Sachen, im Gegensatze der Militär-Bedienten u. s. f.
 
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Civilisiren, verb. reg. act. aus dem Franz. civiliser, gesittet machen Civilisirte Völker, gesittete.
 
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Ck, ein doppelter Buchstab, welcher die Stelle des kk vertritt, und daher auch nur alsdann gesetzt wird, wenn die Aussprache das k wirklich doppelt hören lässet. Dieses geschiehet aber alle Mahl nach einem geschärften Vocal, wenn vor dem k kein anderer Mitlauter vorher gehet. Decke, Backe, drücken, lecken, strecken, hacken, Sack, Schluck, Speck, erfordern so wohl in der Aussprache als Schreibart ein doppeltes k, folglich ein ck. Dagegen nach einem gedehnten Vocal, oder wenn ein Mitlauter vor dem k hergehet, dieses auch nur einfach gesprochen und geschrieben wird, wie in Haken, Laken, Zank, zanken, Volk, trinken u. s. f.
   Es fragt sich nur, wie diejenigen Sylben getheilet werden müssen, in welchen ein ck vorkommt. Da dieses ein wirklicher doppelter Buchstab ist, so müßte so wohl der grammatischen Regel, als auch der Aussprache zu Folge, die eine Hälfte zur vorher gebenden, die andere aber zur folgenden Sylbe gezogen werden.

[Bd. 1, Sp. 1338]


Man müßte also theilen Dec-ke, lec-ken. Allein, da das c am Ende einer Sylbe im Deutschen ungewöhnlich ist, so behält man es am liebsten ungetheilt zur ersten Sylbe; Deck-e. S. die Orthographie, wo auch die Ursache angegeben ist, warum alle bisherige Versuche, statt des ck ein kk einzuführen, keinen Beyfall gefunden haben.
 
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Der Clarếtt, des -es, plur. inus. 1) Ein noch am häufigsten in Niedersachsen übliches Wort, einen gemachten oder gewürzten Wein anzudeuten, dergleichen Kirschwein, Schleenwein u. s. f. ist; in welcher Bedeutung Claratum und Claretum schon in dem Lateine der mittlern Zeiten vorkommt. S. Hippokras. 2) Ein blaßrother, besonders Französischer Wein; aus dem Franz. Clairet, ein Bleicher.
 
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Die Classe, plur. die -n, aus dem Latein. Classis, die Ordnung, nach welcher die Dinge, in Ansehung gewisser gemeinschaftlicher Eigenschaften eingetheilet werden, und diese Dinge einer Art selbst. So theilen die neuern Schriftsteller des Pflanzenreiches die Pflanzen in Classen, die Classen in Ordnungen, und diese in Geschlechter. Ein Ungeheuer ist er, würdig zu der niedrigsten Classe der Bösewichter verstoßen zu werden. Besonders ist dieses Wort in den Schulen gebräuchlich, die Ordnung der Schüler nach ihren Fähigkeiten zu benennen, da denn auch wohl das Zimmer, in welchem sich jede Ordnung versammelt, eine Classe genannt wird. Die erste, die zweyte Classe u. s. f.
 
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Classisch, adj. et adv. 1) In seiner Art vortrefflich, so daß es andern zum Muster und zur Richtschnur dienen kann; am häufigsten von den Producten des Geistes. Ein classischer Schriftsteller der in seiner Wissenschaft der vornehmste ist, darin andern zur Richtschnur dienet. 2) In engerer Bedeutung sind classische Schriftsteller, welche die Regeln des Schönen, so wohl in Rücksicht auf die Gedanken, als auf den Ausdruck auf das genaueste befolgen, und in so fern andern zum Muster dienen, dergleichen Schriftsteller man auch wohl Classiker zu nennen pflegt. Ein classischer Geschmack, der den möglichsten Grad der Richtigkeit und Feinheit hat.
   Anm. Aus dem Lat. classicus, nicht so fern als dergleichen Schriftsteller in den Schul-Classen gelesen werden, sondern weil in dem alten Rom die obern Classen der Einwohner vorzugsweise classici hießen, zum Unterschiede von den proletariis, oder den Gliedern des gemeinen Volkes.
 
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Claus Clause, S. Klaus, Klause.
 
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Die Claūsel, plur. die -n, aus dem Lat. clausula, ein kurzer Satz, wodurch etwas erkläret, erweitert, und besonders eingeschränket wird. Daher clausuliren, mit solchen Einschränkungen versehen.
 
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Die Clausūr, plur. die -en, aus dem mittlern Latein. Clausura von claudere. 1) In der Römischen Kirche bey einigen Mönchsorden, die Verbindlichkeit, in ihrem Kloster und Zellen eingeschlossen zu bleiben und alle menschliche Gesellschaft zu fliehen. Die Clausur beobachten, halten, dergleichen die Carthäuser und noch einige andere strenge Orden thun müssen. 2) Das Gesperre oder das Beschläge an den Büchern. Daher der Clausūr-Mácher, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Gürtler, die die Clausuren zu den Büchern verfertigen. 3) Ein Ohr in einem Buche; welches im verächtlichen Verstande ein Eselsohr genannt wird.
 
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Das Clavicýmbel, des -s, plur. ut nom. sing. ein musikalisches Saiten-Instrument, eine Art des Claviers, wo die Saiten von Nabenkielen berühret werden; Ital. Clavicembaio, Franz. Clavecin.

[Bd. 1, Sp. 1339]



 
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Das Clavier, des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Clavier, und dieß von dem Latein. clavus, ein Nagel. 1) Bey den Tuchmachern und Tuchscherern, die eisernen Häkchen an den Tuchrahmen, woran die Tücher eingehenket werden, um sie zu einer gleichen Breite zu ziehen. 2) Ein musikalisches Saiten-Instrument, welches durch Claves, worin sich eiserne oder messingene Stifte befinden, geschlagen wird. Der ähnliche Theil an den Orgeln, vermittelst dessen die Orgel gespielet wird, führet gleichfalls den Nahmen eines Clavieres, und in dieser Bedeutung kommt das Latein. Clavile bey dem Carpentier schon im funfzehenten Jahrhunderte vor.

 

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