Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Christus bis Churêrbe (Bd. 1, Sp. 1332 bis 1334)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis  Christus, S. Adelung Christ.
 
Artikelverweis 
Die Christ-Wurz, oder Christ-Wurzel, plur. inus. eine Art der Niesewurz, deren gelbe Blume auf dem Blatte sitzet, und die in Italien einheimisch ist; Helleborus hyemalis, L. Sie hat den Nahmen von ihrer frühen Blüthe, weil sie schon um die Zeit des Christfestes zu blühen pflegt. Auch die schwarze Niesewurz, Helleborus niger, wird um ihrer frühen Blüthe willen zuweilen Christwurz genannt.
 
Artikelverweis 
Die Chrōnik, (sprich Kronik,) plur. die -en, aus dem Lat. und Greich. Chronicon, ein Geschichtbuch, welches die Begebenheiten eines Landes oder eines Ortes nach der Folge der Jahre ordnet. Die Bücher der Chronik, ein Nahme zweyer biblischen Bücher des alten Testamentes.
 
Artikelverweis 
Die Chronologīe, (sprich Kronologie,) plur. die -en. 1) Die Wissenschaft die Zeit auszumessen und ihre Theile von einander zu unterscheiden; ohne Plural. In engerer Bedeutung, die Wissenschaft,

[Bd. 1, Sp. 1333]


die Begebenheiten so zu ordnen, wie sie der Zeit nach auf einander gefolget sind. 2) Ein Buch, welches diese Wissenschaft lehret, oder auch die Zeitfolge der Begebenheiten bestimmet. Zuweilen, 3) auch die Zeitfolge selbst. Das ist wider die Chronologie, das ist wider die Ordnung, in welcher die Begebenheiten auf einander gefolget sind. Daher der Chronolōge, des -n, plur. die -n, der diese Wissenschaft verstehet. Chronolōgisch, adj. et adv. der Zeitordnung gemäß und dazu gehörig Chronologische Tabellen, welche die Begebenheiten der Geschichte nach ihrer Zeitfolge darstellen.
 
Artikelverweis 
Der Chrysoberyll, des -es, plur. die -e, ein Beryll, welcher bey seiner meergrünen Farbe in das Goldgelbe spielet; aus dem Griech. χρυσος, Gold. Einige rechnen ihn zu den Chrysolithen.
 
Artikelverweis 
Der Chrysolīth, des -en, plur. die -en, ein Edelstein, welcher eine grüngelbe oder pomeranzenartige Farbe hat, die etwas in das Grüne schielet. Von dieser goldgelben Farbe hat er auch den Nahmen, von dem Griech. χρυσος, Gold, und λιθος, ein Stein, daher er im Deutschen ehedem auch Goldstein genannt wurde. Er ist der weichste unter allen Edelsteinen, der der Feile nicht widerstehen kann.
 
Artikelverweis 
Der Chrysoprās, des -es, plur. die -e, eine Abänderung der Chrysolithen, die sich bloß durch ihre gelbliche Farbe unterscheidet, welche gemeiniglich weiße, rothe oder schwarze Flecken hat, und selten recht durchsichtig ist; aus dem Griech. χρυσοπρασος. S. Adelung Praser.
 
Artikelverweis 
Chrystall, S. Adelung Krystall.
 
Artikelverweis 
Die Chur, (sprich Kur, und so auch in den Zusammensetzungen,) plur. die -en, ein in dem gemeinen Gebrauche der Hochdeutschen veraltetes Wort, welches ehedem theils die freye Wahl bedeutete, oder die Gewalt zwischen zwey oder mehrern Dingen wählen zu können, die Chur haben, die freye Wahl haben; theils die Wahl oder Erwählung selbst; theils aber auch die durch freye Wahl und Entschließung der Obrigkeit und Unterthanen bestimmten Gesetze und fest gesetzten Strafen auf die Übertretung derselben, S. Adelung Willkühr. Diese Bedeutungen hat nicht nur das Nieders. Röhre noch jetzt, sondern sie sind auch noch in verschiedenen Zusammensetzungen üblich, die an manchen Orten noch völlig gangbar sind, und wovon einige im folgenden vorkommen werden.
   Am häufigsten wird dieses Wort im Hochdeutschen noch gebraucht, von der freyen Wahl eines Hauptes des Deutschen Reiches, und da bedeutet es nicht so wohl diese Wahl selbst, als vielmehr, 1) das Recht, das Oberhaupt des Reiches wählen zu dürfen, nebst allen dazu gehörigen Vorrechten, Würden und Ländern, in welchem Falle es im Plural nicht gebräuchlich ist. Mit der Chur beliehen werden, d. i. mit der churfürstlichen Würde und Ländern. Die Chur haftet auf das Herzogthum Baiern. 2) Dasjenige Land, mit welchem Besitze dieses Recht verbunden ist, auf welches dieses Recht haftet. Mit der Chur Brandenburg beliehen werden. Noch mehr aber in den Zusammensetzungen, Chur-Brandenburg, Chur-Sachsen, Chur-Mainz, Chur-Trier u. s. f. das Churfürstenthum Brandenburg u. s. f. in welchen Zusammensetzungen das Wort Chur als ein eigenthümlicher Nahme angesehen und ohne Artikel gebraucht wird. Oft bezeichnen diese Ausdrücke auch den Fürsten, der ein solches Churland besitzet, oder dessen Gesandten. Chur-Mainz hat das Directorium auf dem Reichstage zu Regensburg, d. i. der Churfürst zu Mainz. Chur-Baiern erklärete u. s. f. das ist, der Gesandte des Churfürsten von Baiern.
   Anm. Dieses Wort stammet von dem Verbo köhren, wählen, her, welches in den ältesten Zeiten nur choren geschrieben und gesprochen wurde. S. Adelung Köhren und Kiesen. In dem

[Bd. 1, Sp. 1334]


Hauptworte hat sich das ch, Trotz aller Versuche der Sprachlehrer und Kunstrichter, beständig erhalten; vermuthlich, weil es in der Bedeutung der Deutschen Königswahl in der Alemannischen Mundart jederzeit am häufigsten gebraucht worden. In vielen Städten heißt die Rathswahl noch jetzt die Chur oder Kühr, und in manchen Obersächsischen Dörfern ist die Kühr eine kleine Geldtstrafe, die derjenige erlegen muß, der auf Erfordern des Richters bey der Zusammenkunft der Gemeine ausbleibet.
 
Artikelverweis 
Der Churbrief, des -es, plur. die -e, an einigen Orten, die Innungsbriefe der Handwerker, vermuthlich weil sie durch eine freye Chur oder Kühr, d. i. Entschließung der theilhabenden Personen, abgefasset werden.
 
Artikelverweis 
Der Churêrbe, des -n, plur. die -n. 1) Der Erbe eines Churfürstenthums, der älteste Prinz oder nächste Erbe eines Churfürsten; der Churprinz. 2) In manchen Gegenden ist der Churerbe der jüngste Erbe unter mehrern, weil er die Chur hat, d. i. das Recht, unter den Theilen der Erbschaft zu wählen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: