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Chirurgie bis Chor-Gêld (Bd. 1, Sp. 1328 bis 1329)
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Artikelverweis Die Chirurgie, plur. car. die Wundarzeneykunst; aus dem Griech. κειρουργια. Daher der Chirurgus, der Mundarzt, und das Bey- und Nebenwort chírurgisch, zur Chirurgie gehörig, derselben gemäß.
 
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Die Chocolāte, (sprich Schockolate,) plur. inus. ein trockener harter braunröthlicher Teig, unter dessen Bestandtheilen Cacao der vornehmste ist, und aus welchem dasjenige Getränk bereitet wird, welches gleichfalls unter dem Nahmen der Chocolate bekannt ist. Franz. Chocolat, Chocolate, Ital. Cioccolata. Der Nahme ist so wie die Sache selbst eine Mexikanische Erfindung, die erst durch die Spanier in Europa bekannt geworden. Das Wort soll in Mexikanischen so viel als Eingemachtes bedeuten. Daher der Chocoalten-Topf, worin die Chocolate gekocht und aufgesetzt wird, die Chocolaten-Tasse, woraus sie getrunken wird, u. s. f.
 
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Der oder das Chor, (sprich Kohr,) des -es, plur. die Chöre, aus dem Griech. und Latein. Chorus. 1. Überhaupt mehrere nach einer gewissen Ordnung zugleich singende Personen. Besonders die singenden Geistlichen in der Römischen Kirche. In den evangelischen Schulen, mehrere Schüler, welche einen symphonischen Gesang aufführen; in welchem Verstande das Wort, wenigstens in ganz Obersachsen, ungewissen Geschlechtes ist. Das erste Chor, das zweyte Chor u. s. f. wenn sie in mehrere Chöre getheilet sind. Daher, der Chor-Schüler, die Chor-Büchse u. s. f. Auch in andern Musiken, werden viele, welche nach einer gewissen Ordnung zugleich singen, das Chor genannt. Figürlich, das Chor der Musen, der Grazien, der Wissenschaften u. s. f. so fern sie in Verbindung mit einander vorgestellet oder gedacht werden.
   2. Ein Gesang, der von mehrern zugleich gesungen wird.
   Das himmlische Geflügel
   Stimmt an den süßen Chor,
   Opitz. 3. Der Ort in den Kirchen, wo das Chor der Geistlichen singt, in welchem Verstande das Wort am häufigsten ungewissen Geschlechtes ist; und zwar, 1) der Haupttheil einer Kirche, worin sich der Altar, oder in der Römischen Kirche der Hauptaltar befindet, und in welchem die Priester sitzen, und in der Römischen Kirche die Geistlichen singen; im Gegensatze des Schiffes. In das Chor gehen. 2) Ein erhabener Ort so wohl in den Kirchen, als auch in andern Gebäuden, von welchem gesungen oder musiciret wird. Im Oberdeutschen ist es hier männlichen Geschlechtes, welches auch Luther 1 Kön. 6, 5 gebraucht: daß er beyde um den Tempel und Chor hergieng; und V. 16. und bauete daselbst inwendig den Chor und das Allerheiligste. In dem Tempel Salomonis war es ein in dem Innern des Tempels befindlicher erhöheter Ort, wo die Chöre der Priester sangen. Die unter den Psalmen befindlichen Lieder in höhern Chor, sind solche Psalmen, die von gewissen dazu bestimmten erhabenen Orten in dem Tempel abgesungen wurden. In den Klosterkirchen sind die Chöre der eigentliche Ort, wo die Mönche und Nonnen den Gottesdienst abwarten. Daher die im gemeinen Leben übliche figürliche Redensart, jemanden zu Chore treiben, welche R. A. aus den Klöstern ihren Ursprung genommen hat. In weiterer Bedeutung wird auch eine jede Emporkirche oder Porkirche, wenn sie gleich nicht unmittelbar zur Musik bestimmt ist, ein Chor genannt.
   Anm. In dem Geschlechte dieses Wortes sind die Mundarten sehr unbeständig; doch wird es in der dritten Bedeutung, wenn

[Bd. 1, Sp. 1329]


es von dem Orte genommen wird, noch am häufigsten im ungewissen Geschlechte gebraucht. Billig wäre es freylich, daß es überall männlichen Geschlechtes wäre, wie es das Lat. und Griech. Chorus ist.
 
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Der Chorāl, (sprich Korahl,) des -es, plur. die -äle, von dem mittlern Latein. choralis, nehmlich Cantus. 1) Der Ton der Kirchenlieder, die Art und Weise, wie die Kirchenlieder von der anwesenden Menge mit einer anständigen Einfalt gesungen werden, im Gegensatze der künstlichern Gesänge. 2) Ein Kirchengesang selbst. Daher das Choral-Buch, des -es, plur. die -Bücher, ein Buch in den Kirchen, in welchem die Melodie der Kirchengesänge vorgeschrieben ist.
 
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Der Choralíst, (sprich Koralíst,) des -en, plur. die -en, der den Choral in den Kirchen zu besorgen hat, und denselben verstehet.
 
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Der Chōr-Altār, des -es, plur. die -Altäre, in den Römischen Kirchen, derjenige Altar, welcher in dem Chore einer Kirche stehet; der Haupt-Altar, im Gegensatze der Neben-Altäre.
 
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Das Chor-Amt, des -es, plur. inus. bey den Kathedral- und Stiftskirchen, das Amt, d. i. der Gottesdienst, welcher von den Chorherren in dem Chore der Kirche verrichtet wird; die Horae canonicae.
 
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Der Chōr-Bíschof, des -es, plur. die -Bischöfe, in der Römischen Kirche, ein Bischof, welcher ein Vicarius eines andern Bischofes ist, und dessen Amt auf dem Lande und in dem Chore seiner Stiftskirche zu vertreten hat, der Weihbischof; nach dem Lat. Chorepiscopus. Oder vielmehr ein Bischof welcher eines andern Bischofes Amt auf dem Lande versiehet, vonχωρα, regio, Episcopus regionarius, ein Landbischof.
 
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Das Chōr-Būch, des -es, plur. die -Bǖcher, ein Buch, in welches die Einkünfte eines symphonischen Chores in den Schulen verzeichnet werden.
 
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Die Chor-Frau, plur. die -en, eine Augustiner-Nonne vornehmen Standes. In den adeligen weiblichen Augustiner-Klöstern werden die Nonnen Chorfrauen, in bürgerlichen aber nur Chorjungfern genannt, so wie man in den männlichen Augustiner-Klöstern die Mönche aus Achtung auch wohl Chorherren zu nennen pflegt. In weiterm Verstande werden oft alle eigentliche Nonnen Chorjungfern genannt, weil sie im Chore dienen.
 
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Das Chor-Gêld, des -es, plur. inus. 1) Dasjenige Geld, welches ein symphonisches Chor in den Schulen durch Singen erwirbt. 2) Bey einigen Stiftskirchen, dasjenige Geld, welches die Chorherren jährlich zu den Seelmessen geben.

 

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