Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Cherub bis Chorāl (Bd. 1, Sp. 1327 bis 1329)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Der Cherub, plur. die Cherubim, aus dem Hebr. 05db05e805d505d1, stark seyn, ein Nahme, welcher in der heil. Schrift einer der obersten Ordnung der Engel beygeleget wird. Cherubim ist der Hebr. Plural; aber gemeiniglich gebraucht man es auch im Singular, der Cherubim, welches selbst in der Deutschen Bibel geschehen ist. Einen Cherubim für den Garten lagern, 1 Mos. 3, 34, wo es billig heißen sollte, einen Cherub. Von den auf der Bundeslade befindlichen aber uns jetzt unbekannten Gestalten dieser Cherubim pflegen die Bildhauer und Baumeister eine Figur, die einen Kindeskopf mit zwey Flügeln vorstellet, einen Cherubim zu nennen.
 
Artikelverweis 
Die Chicāne, (sprich Schikāne,) plur. die -n, ein künstliches Hinderniß, unerhebliche Einwendung u. s. f. eine Handlung oder Sache zu hindern, oder wenigstens aufzuhalten. Ingleichen die Kunst, eine Sache, besonders einen Rechtshandel, durch dergleichen Mittel aufzuhalten. Die Chicane ist fast eben so furchtbar, als die Ungerechtigkeit. Daher der Chicaneur, (sprich Schikanȫr,) des -s, plur. die -s, der sich solcher Kunstgriffe bedienet, und chicaniren, solche Kunstgriffe anwenden. Es ist aus dem Franz. Chicane, welches ursprünglich ein Ballspiel zu Pferde war, welches auch die spätern Griechen unter dem Nahmen τζυκανιστριον kannten. Wir haben im Hochdeutschen keinen schicklichen Ausdruck für diesen Begriff, und müssen uns daher mit dem Französischen behelfen. Aber auf dem Hundsrücke nennt man die Chicane Micklerey, und einen Chicaneur einen Wickler; in andern Gegenden hat man die Ausdrücke Flausen und Flausenmacher u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der Chiliást, des -en, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Chiliasta, ein Verfechter des tausendjährigen Reiches Christi auf Erden vor dem Ende der Welt. Daher chiliástisch, in dieser Lehre gegründet.
 
Artikelverweis 
Die Chimēre, (sprich Schimēre,) plur. die -n, eine neue von der Einbildungskraft ohne Wahrscheinlichkeit zusammen gesetzte Idee; ein Hirngespinst. Daher chimērisch, demselben ähnlich, darin gegründet. Aus dem Franz. Chimere und chimerique, und diese aus dem Griech. und Lat. Chimaera, ein erdichtetes Ungeheuer, welches den Kopf eines Löwen, den Leib einer Ziege und den Schwanz eines Drachen hatte.
 
Artikelverweis 
China, der eigenthümliche Nahme eines großen Reiches in Südosten von Asien, welcher eigentlich Tschina oder Tsina lauten sollte, aber im Deutschen doch nur mit der bloßen Aspiration geschrieben und gesprochen wird. Daher der China-Apfel, S. Adelung Apfelsine; die China-Wurz, plur. inus. die mehlige röthliche Wurzel eines Strauches gleiches Nahmens, Smilax China, L.
 
Artikelverweis 
Die China, oder China-Chinä, plur. car. die Rinde eines Baumes, welcher auch der China-Baum genannt wird, in dem Königreiche Peru in Süd-Amerika bey Lora wächset, und durch die kräftige Wirkung seiner Rinde in dem kalten Fieber bekannt geworden ist, die daher auch Fieberrinde, und der Baum der Fieberrindenbaum genannt wird; Cinchona, L. Der Nahme China ist eine Verstümmelung des Amerikanischen Nahmens dieses Baumes.
 
Artikelverweis 
Der Chirománt, des -en, plur. die -en, derjenige, welcher die Afterkunst verstehet, aus den Linien in der Hand wahrzusagen.

[Bd. 1, Sp. 1328]



   Daher die Chiromantīe, diese Afterkunst; chiromántisch, darin gegründet. Aus dem Griech. und Lat. Chiromanta, Chiromantia.
 
Artikelverweis 
Die Chirurgie, plur. car. die Wundarzeneykunst; aus dem Griech. κειρουργια. Daher der Chirurgus, der Mundarzt, und das Bey- und Nebenwort chírurgisch, zur Chirurgie gehörig, derselben gemäß.
 
Artikelverweis 
Die Chocolāte, (sprich Schockolate,) plur. inus. ein trockener harter braunröthlicher Teig, unter dessen Bestandtheilen Cacao der vornehmste ist, und aus welchem dasjenige Getränk bereitet wird, welches gleichfalls unter dem Nahmen der Chocolate bekannt ist. Franz. Chocolat, Chocolate, Ital. Cioccolata. Der Nahme ist so wie die Sache selbst eine Mexikanische Erfindung, die erst durch die Spanier in Europa bekannt geworden. Das Wort soll in Mexikanischen so viel als Eingemachtes bedeuten. Daher der Chocoalten-Topf, worin die Chocolate gekocht und aufgesetzt wird, die Chocolaten-Tasse, woraus sie getrunken wird, u. s. f.
 
Artikelverweis 
Der oder das Chor, (sprich Kohr,) des -es, plur. die Chöre, aus dem Griech. und Latein. Chorus. 1. Überhaupt mehrere nach einer gewissen Ordnung zugleich singende Personen. Besonders die singenden Geistlichen in der Römischen Kirche. In den evangelischen Schulen, mehrere Schüler, welche einen symphonischen Gesang aufführen; in welchem Verstande das Wort, wenigstens in ganz Obersachsen, ungewissen Geschlechtes ist. Das erste Chor, das zweyte Chor u. s. f. wenn sie in mehrere Chöre getheilet sind. Daher, der Chor-Schüler, die Chor-Büchse u. s. f. Auch in andern Musiken, werden viele, welche nach einer gewissen Ordnung zugleich singen, das Chor genannt. Figürlich, das Chor der Musen, der Grazien, der Wissenschaften u. s. f. so fern sie in Verbindung mit einander vorgestellet oder gedacht werden.
   2. Ein Gesang, der von mehrern zugleich gesungen wird.
   Das himmlische Geflügel
   Stimmt an den süßen Chor,
   Opitz. 3. Der Ort in den Kirchen, wo das Chor der Geistlichen singt, in welchem Verstande das Wort am häufigsten ungewissen Geschlechtes ist; und zwar, 1) der Haupttheil einer Kirche, worin sich der Altar, oder in der Römischen Kirche der Hauptaltar befindet, und in welchem die Priester sitzen, und in der Römischen Kirche die Geistlichen singen; im Gegensatze des Schiffes. In das Chor gehen. 2) Ein erhabener Ort so wohl in den Kirchen, als auch in andern Gebäuden, von welchem gesungen oder musiciret wird. Im Oberdeutschen ist es hier männlichen Geschlechtes, welches auch Luther 1 Kön. 6, 5 gebraucht: daß er beyde um den Tempel und Chor hergieng; und V. 16. und bauete daselbst inwendig den Chor und das Allerheiligste. In dem Tempel Salomonis war es ein in dem Innern des Tempels befindlicher erhöheter Ort, wo die Chöre der Priester sangen. Die unter den Psalmen befindlichen Lieder in höhern Chor, sind solche Psalmen, die von gewissen dazu bestimmten erhabenen Orten in dem Tempel abgesungen wurden. In den Klosterkirchen sind die Chöre der eigentliche Ort, wo die Mönche und Nonnen den Gottesdienst abwarten. Daher die im gemeinen Leben übliche figürliche Redensart, jemanden zu Chore treiben, welche R. A. aus den Klöstern ihren Ursprung genommen hat. In weiterer Bedeutung wird auch eine jede Emporkirche oder Porkirche, wenn sie gleich nicht unmittelbar zur Musik bestimmt ist, ein Chor genannt.
   Anm. In dem Geschlechte dieses Wortes sind die Mundarten sehr unbeständig; doch wird es in der dritten Bedeutung, wenn

[Bd. 1, Sp. 1329]


es von dem Orte genommen wird, noch am häufigsten im ungewissen Geschlechte gebraucht. Billig wäre es freylich, daß es überall männlichen Geschlechtes wäre, wie es das Lat. und Griech. Chorus ist.
 
Artikelverweis 
Der Chorāl, (sprich Korahl,) des -es, plur. die -äle, von dem mittlern Latein. choralis, nehmlich Cantus. 1) Der Ton der Kirchenlieder, die Art und Weise, wie die Kirchenlieder von der anwesenden Menge mit einer anständigen Einfalt gesungen werden, im Gegensatze der künstlichern Gesänge. 2) Ein Kirchengesang selbst. Daher das Choral-Buch, des -es, plur. die -Bücher, ein Buch in den Kirchen, in welchem die Melodie der Kirchengesänge vorgeschrieben ist.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: