Wörterbuchnetz
Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Charakterístik bis Chaussée (Bd. 1, Sp. 1324 bis 1325)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Die Charakterístik, plur. inus. die Wissenschaft, den Charakter der Menschen und ihre Handlungen richtig zu beurtheilen.
 
Artikelverweis 
Charakterístisch, adj. et adv. genau bezeichnend, was eine Sache von allen andern unterscheidet. Ein Gemählde, ein Ausdruck, ein Bild ist nicht charakteristisch genug, wenn es die Sache, die es vorstellen oder ausdrucken soll, nicht genug von allen andern unterscheidet. Viel Charakteristisches in seinem Gesichte haben.
 
Artikelverweis 
Der Charfreytag, (sprich Karfreytag,) des -es, plur. die -e, der Freytag in der Charwoche, der Freytag vor Ostern, der Todestag Christi.
   Anm. In diesem alten Deutschen Worte ist das ch auch in den neuern Zeiten beybehalten worden, obgleich die Aussprache ein k erfordert. Man glaubt, daß die erste Hälfte dieses Wortes das alte Gara, Zubereitung, ist, und daß diese Woche nach den Gebräuchen der Juden die Zubereitungswoche, dieser Tag aber besonders der Zubereitungstag genannt worden, weil sie sich an demselben auf das Osterfest zuzubereiten pflegten; daher der Charfreytag im Griechischen auch dies parasceves genannt wird, von welchem Worte Gartag, oder Garfreytag eine bloße Übersetzung seyn würde, so wie das von Luthern mehrmahls gebrauchte Rüsttag, den Tag vor dem Sabbathe, oder den Freytag zu bezeichnen. Tatian Kap. 198. nennt den Freytag vor Ostern schon Garotag fora Ostrun, und wenn Notker sagen will, mein Herz ist bereitet, so heißt es bey ihm: karo ist min herza. S. Adelung Gar, und Gärben. Indessen hat Schilters Meinung, daß Char, Kar, hier Trauer, Klage, Leiden, bedeutet, mehr Wahrscheinlichkeit; denn daß Car ehedem auch Leiden bedeutet habe, erhellet aus einigen einer Handschrift der Predigten des heil Burchard zu Würzburg beygeschriebenen Glossen. S. Eckards Franciam orient. Th. 1, S. 846. Im Schwedischen ist diese Bedeutung noch gangbar, wo kaera wirklich klagen bedeutet, womit unser Harm und sich härmen nahe verwandt sind. Im Engl. ist Care oder Carrsunday der Palmsonntag, im Schwed. aber bedeutete Kaerusunnudag den fünften Sonntag in der Fasten, von welchem Ihre Gloss. nachgesehen werden kann. Ehedem wurde der Charfreytag auch der gute Freytag genannt, und im Dän. heißt er Langfredag.
 
Artikelverweis 
Der Chárlatan, (sprich Schárlatan,) des -s, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein Afterarzt, welcher an öffentlichen Orten auftritt und seinen Arzeneyen tausend falsche Tugenden beylegt; ein Marktschreyer. 2) Figürlich, überhaupt ein jeder, der seinen Arbeiten einen größern Werth beyleget als sie haben, oder sich größerer Verdienste rühmet als er besitzet.
   Anm. Aus dem Französ. Charlatan, welches wiederum von dem Ital. Ciarlatano abstammet, so gleichfalls einen Marktschreyer bedeutet. Da dieses Wort im Ital. auch Ceretano und Cerretano lautet, so hat man es von Ceretum, einem Orte bey Spoleto, abgeleitet, aus welchem die eigentlichen Marktschreyer und Quacksalber herstammen sollen. Allein da ciarlare im Italiänischen auch schwatzen und plaudern bedeutet, so gibt dieses für das Wort Charlatan eine sehr bequeme Abstammung an die Hand. Im mittlern Lateine bedeutet Ciarratanus einen Heuchler.
 
Artikelverweis 
Die Charlatanerīe, (sprich Scharlatanerīe, fünfsylbig,) plur. die -n, (sechssylbig,) die Kunst eines Charlatans, und eines Prahlers überhaupt, ohne Plural. Ingleichen viel versprechende Versicherungen eines Charlatans.
 
Artikelverweis 
Charlótte, (sprich Scharlótte,) ein aus dem Franz. Charlotte entlehnter Nahme des weiblichen Geschlechtes, welcher so viel als Carolina bedeutet; verkürzt Lotte, Lottchen.
 
Artikelverweis 
Das Charnīer, (sprich Scharnīer,) des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Charniere, ein Gewinde, eine einfache oder

[Bd. 1, Sp. 1325]


doppelte Spalte an den äußersten Theilen vieler Werkzeuge, diese Theile dadurch beweglich zu machen.
 
Artikelverweis 
Charte, S. Adelung Karte.
 
Artikelverweis 
Die Chārwóche, (sprich Karwoche,) plur. die -n, die Woche vor Ostern, die stille Woche. S. Adelung Charfreytag.
 
Artikelverweis 
Die Chatulle, S. Adelung Schatulle.
 
Artikelverweis 
Die Chaussée, (sprich Schossēh, zweysylbig,) plur. die -n, (dreysylbig,) ein durch Kunst gemachter erhöheter Weg von Kieß oder zerschlagenen Steinen, wodurch sich ein solcher Weg von einem Damme unterscheidet, welcher mit Steinen gepflastert wird. Da wir diese Art der Wegebesserung aus Frankreich bekommen, so haben wir auch den Nahmen mit annehmen müssen. Einige neuere Schriftsteller haben dafür Deutsche Benennungen vorgeschlagen. Straßendamm ist unschicklich, weil es eigentlich eine gepflasterte Straße bedeutet, dergleichen doch eine Chaussee nicht ist. Kunststraße und Hochweg, letzteres nach dem Engl. Highway, erschöpfen den Begriff auch nicht, und lassen sich auf jede andere Art künstlicher Wege anwenden.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: