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Charákter bis Chārwóche (Bd. 1, Sp. 1323 bis 1325)
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Artikelverweis Der Charákter, (sprich Karákter,) des -s, plur. die Charaktēre, aus dem Griech. χαρακτρ. 1. Eine Figur, welche auf Papier, Erz, Steine u. s. f. gemacht wird, von χαρασσει, eingraben. In dieser Bedeutung werden nicht nur abergläubige magische Zeichen noch Charaktere genannt, sondern diesen Nahmen führen auch die Zeichen, womit Fabrikanten, Kaufleute u. s. f. ihre Waaren zu bezeichnen pflegen. Ja in der weitesten Bedeutung werden oft alle Schriftzeichen und Buchstaben mit dieser Benennung beleget. 2. Figürlich, ein jedes Merkmahl, welches eine Sache von der andern ihrer Art unterscheidet, und der ganze Umfang dieser Merkmahle, in welchem letztern Falle es nur allein im Singular üblich ist. Ein Mahler muß eine jede Sache ihrem Charakter gemäß behandeln. Alle seine Handlungen haben einen rührenden Charakter, zeichnen sich durch etwas Rührendes von andern aus. Das ist wider den Charakter eines ehrlichen Mannes. Besonders, 1) der ganze Umfang aller derjenigen Gemüthseigenschaften, welche einen Menschen von dem andern unterscheiden; die Gemüthsart. Die Denkungsart hängt von der Verschiedenheit der Begriffe ab, der Charakter von der Verschiedenheit der Neigungen. Das ist ein Zeichen eines schlechten Charakters. Brüyere hat Charaktere geschildert. Auch dasjenige in den Handlungen und der Art derselben, was eine Person von der andern unterscheidet. Der Charakter der Hand eines Mahlers, ist das Mechanische in der Behandlung, derjenige Ton des Colorites, wodurch er sich von andern Künstlern seiner Art unterscheidet. 2) Äußerliche Würde, Ehrentitel, wodurch man von andern unterschieden wird; in welchem Verstande dieses Wort nur im gemeinen Leben üblich ist, und alsdann, nach dem Muster des Französischen Caractère, den Ton auf der letzten Sylbe hat. Einen Charaktēr bekommen, d. i. einen Titel. 3) Bey den Kupferstechern bezeichnet dieses Wort die Deutlichkeit, oder Kenntlichkeit so wohl in den Muskeln, als auch in dem Umrisse. Einer Sache einen mehrern Charakter geben.
 
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Charakterisiren, verb. reg. act. 1) Den Charakter, oder den ganzen Umfang aller Merkmahle einer Sache bestimmen. 2) Mit einem Charakter, d. i. einem Ehrentitel, begaben; in welchem Verstande aber nur das Mittelwort im gemeinen Leben üblich ist. Ein charakterisirter Mann, welcher eine ansehnliche Würde bekleidet, oder auch nur einen Ehrentitel hat.

[Bd. 1, Sp. 1324]



 
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Die Charakterístik, plur. inus. die Wissenschaft, den Charakter der Menschen und ihre Handlungen richtig zu beurtheilen.
 
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Charakterístisch, adj. et adv. genau bezeichnend, was eine Sache von allen andern unterscheidet. Ein Gemählde, ein Ausdruck, ein Bild ist nicht charakteristisch genug, wenn es die Sache, die es vorstellen oder ausdrucken soll, nicht genug von allen andern unterscheidet. Viel Charakteristisches in seinem Gesichte haben.
 
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Der Charfreytag, (sprich Karfreytag,) des -es, plur. die -e, der Freytag in der Charwoche, der Freytag vor Ostern, der Todestag Christi.
   Anm. In diesem alten Deutschen Worte ist das ch auch in den neuern Zeiten beybehalten worden, obgleich die Aussprache ein k erfordert. Man glaubt, daß die erste Hälfte dieses Wortes das alte Gara, Zubereitung, ist, und daß diese Woche nach den Gebräuchen der Juden die Zubereitungswoche, dieser Tag aber besonders der Zubereitungstag genannt worden, weil sie sich an demselben auf das Osterfest zuzubereiten pflegten; daher der Charfreytag im Griechischen auch dies parasceves genannt wird, von welchem Worte Gartag, oder Garfreytag eine bloße Übersetzung seyn würde, so wie das von Luthern mehrmahls gebrauchte Rüsttag, den Tag vor dem Sabbathe, oder den Freytag zu bezeichnen. Tatian Kap. 198. nennt den Freytag vor Ostern schon Garotag fora Ostrun, und wenn Notker sagen will, mein Herz ist bereitet, so heißt es bey ihm: karo ist min herza. S. Adelung Gar, und Gärben. Indessen hat Schilters Meinung, daß Char, Kar, hier Trauer, Klage, Leiden, bedeutet, mehr Wahrscheinlichkeit; denn daß Car ehedem auch Leiden bedeutet habe, erhellet aus einigen einer Handschrift der Predigten des heil Burchard zu Würzburg beygeschriebenen Glossen. S. Eckards Franciam orient. Th. 1, S. 846. Im Schwedischen ist diese Bedeutung noch gangbar, wo kaera wirklich klagen bedeutet, womit unser Harm und sich härmen nahe verwandt sind. Im Engl. ist Care oder Carrsunday der Palmsonntag, im Schwed. aber bedeutete Kaerusunnudag den fünften Sonntag in der Fasten, von welchem Ihre Gloss. nachgesehen werden kann. Ehedem wurde der Charfreytag auch der gute Freytag genannt, und im Dän. heißt er Langfredag.
 
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Der Chárlatan, (sprich Schárlatan,) des -s, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein Afterarzt, welcher an öffentlichen Orten auftritt und seinen Arzeneyen tausend falsche Tugenden beylegt; ein Marktschreyer. 2) Figürlich, überhaupt ein jeder, der seinen Arbeiten einen größern Werth beyleget als sie haben, oder sich größerer Verdienste rühmet als er besitzet.
   Anm. Aus dem Französ. Charlatan, welches wiederum von dem Ital. Ciarlatano abstammet, so gleichfalls einen Marktschreyer bedeutet. Da dieses Wort im Ital. auch Ceretano und Cerretano lautet, so hat man es von Ceretum, einem Orte bey Spoleto, abgeleitet, aus welchem die eigentlichen Marktschreyer und Quacksalber herstammen sollen. Allein da ciarlare im Italiänischen auch schwatzen und plaudern bedeutet, so gibt dieses für das Wort Charlatan eine sehr bequeme Abstammung an die Hand. Im mittlern Lateine bedeutet Ciarratanus einen Heuchler.
 
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Die Charlatanerīe, (sprich Scharlatanerīe, fünfsylbig,) plur. die -n, (sechssylbig,) die Kunst eines Charlatans, und eines Prahlers überhaupt, ohne Plural. Ingleichen viel versprechende Versicherungen eines Charlatans.
 
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Charlótte, (sprich Scharlótte,) ein aus dem Franz. Charlotte entlehnter Nahme des weiblichen Geschlechtes, welcher so viel als Carolina bedeutet; verkürzt Lotte, Lottchen.
 
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Das Charnīer, (sprich Scharnīer,) des -es, plur. die -e, aus dem Franz. Charniere, ein Gewinde, eine einfache oder

[Bd. 1, Sp. 1325]


doppelte Spalte an den äußersten Theilen vieler Werkzeuge, diese Theile dadurch beweglich zu machen.
 
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Charte, S. Adelung Karte.
 
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Die Chārwóche, (sprich Karwoche,) plur. die -n, die Woche vor Ostern, die stille Woche. S. Adelung Charfreytag.

 

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