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Chamǟleon bis Chárlatan (Bd. 1, Sp. 1322 bis 1324)
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Artikelverweis Das Chamǟleon, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Eidechsen, welche sich auf den Bäumen aufhält, und eine lange Zunge hat, mit welcher sie die Insecten fänget; Chamaeleon, L. und Kl. Das merkwürdigste an diesem Thiere ist, daß es seine Farbe nach der Beschaffenheit seiner Leidenschaften und Empfindungen verändert. Wenn es schläferig und träge ist, wird es über den ganzen Leib weiß; wenn es von der Sonne beschienen wird, ist es kohlschwarz, zuweilen auch purpurroth mit weißen Flecken; reitzet man es zum Zorne, so zeiget es sich mit schwarzen Flecken auf einem weißen Grunde; zur andern Zeit ist es gelbgrünlich u. s. f. Um dieses Umstandes willen ist es schon seit langen Zeiten her das Sinnbild eines unbeständigen Menschen gewesen, der seine Gesinnungen alle Augenblicke verändert. Auch in diesem Worte wird das ch von vielen wie ein k, von andern aber mit dem ihm eigenthümlichen Laute gesprochen.
 
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Chamille, S. Adelung Kamille.
 
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Der Chamīt, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. und Griech. Chamites, eine versteinerte zweyschalige Muschel, welche in ihrem natürlichen Zustande Gienmuschel oder Riesenmuschel genannt wird. S. diese Wörter.

[Bd. 1, Sp. 1323]



 
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Der Chámpignon, (sprich Schámpínjon,) des -s, plur. die -s, eine aus dem Französischen entlehnte Benennung eines eßbaren Schwammes mit einem Stiele und einem gewölbten, schuppigen, weißlichen Hute, dessen Blätter braunroth sind; Agaricus campestris, L. Wir könnten diesen Französischen Nahmen gar wohl entbehren, indem die einheimischen, Feldschwamm, Herrenschwamm, Drüschling, Heiderling, Brachmännlein, Ehegürtel, schon vorhanden sind. Indessen haben die Slavonischen Mundarten ihr Zampion auch daher entlehnet; vermuthlich weil die Franzosen diesen Schwamm zuerst haben essen gelehrt. Das Franz. Champignon ist von dem Latein. Champinio, und bedeutet Feldschwamm. In Österreich nennt man sie Kuckenmucken.
 
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Das Chāos, indecl. plur. car. aus dem Griech. χαος, der unförmliche Klumpen, in welchem alle Elemente, vor der Bildung der Welt, ohne Ordnung mit einander vermenget waren, nach der Schöpfungslehre der Griechischen und Römischen Dichter. Figürlich auch, ein Mischmasch, eine verworrene dunkele Sache. Seine Rede ist für mich ein undurchdringliches Chaos. Daher chaōtisch, einem Chaos ähnlich, im hohen Grade unordentlich unter einander. Raban Maurus übersetzt Chaos durch Mihilfinstar, große Finsterniß.
 
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Der Charákter, (sprich Karákter,) des -s, plur. die Charaktēre, aus dem Griech. χαρακτρ. 1. Eine Figur, welche auf Papier, Erz, Steine u. s. f. gemacht wird, von χαρασσει, eingraben. In dieser Bedeutung werden nicht nur abergläubige magische Zeichen noch Charaktere genannt, sondern diesen Nahmen führen auch die Zeichen, womit Fabrikanten, Kaufleute u. s. f. ihre Waaren zu bezeichnen pflegen. Ja in der weitesten Bedeutung werden oft alle Schriftzeichen und Buchstaben mit dieser Benennung beleget. 2. Figürlich, ein jedes Merkmahl, welches eine Sache von der andern ihrer Art unterscheidet, und der ganze Umfang dieser Merkmahle, in welchem letztern Falle es nur allein im Singular üblich ist. Ein Mahler muß eine jede Sache ihrem Charakter gemäß behandeln. Alle seine Handlungen haben einen rührenden Charakter, zeichnen sich durch etwas Rührendes von andern aus. Das ist wider den Charakter eines ehrlichen Mannes. Besonders, 1) der ganze Umfang aller derjenigen Gemüthseigenschaften, welche einen Menschen von dem andern unterscheiden; die Gemüthsart. Die Denkungsart hängt von der Verschiedenheit der Begriffe ab, der Charakter von der Verschiedenheit der Neigungen. Das ist ein Zeichen eines schlechten Charakters. Brüyere hat Charaktere geschildert. Auch dasjenige in den Handlungen und der Art derselben, was eine Person von der andern unterscheidet. Der Charakter der Hand eines Mahlers, ist das Mechanische in der Behandlung, derjenige Ton des Colorites, wodurch er sich von andern Künstlern seiner Art unterscheidet. 2) Äußerliche Würde, Ehrentitel, wodurch man von andern unterschieden wird; in welchem Verstande dieses Wort nur im gemeinen Leben üblich ist, und alsdann, nach dem Muster des Französischen Caractère, den Ton auf der letzten Sylbe hat. Einen Charaktēr bekommen, d. i. einen Titel. 3) Bey den Kupferstechern bezeichnet dieses Wort die Deutlichkeit, oder Kenntlichkeit so wohl in den Muskeln, als auch in dem Umrisse. Einer Sache einen mehrern Charakter geben.
 
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Charakterisiren, verb. reg. act. 1) Den Charakter, oder den ganzen Umfang aller Merkmahle einer Sache bestimmen. 2) Mit einem Charakter, d. i. einem Ehrentitel, begaben; in welchem Verstande aber nur das Mittelwort im gemeinen Leben üblich ist. Ein charakterisirter Mann, welcher eine ansehnliche Würde bekleidet, oder auch nur einen Ehrentitel hat.

[Bd. 1, Sp. 1324]



 
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Die Charakterístik, plur. inus. die Wissenschaft, den Charakter der Menschen und ihre Handlungen richtig zu beurtheilen.
 
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Charakterístisch, adj. et adv. genau bezeichnend, was eine Sache von allen andern unterscheidet. Ein Gemählde, ein Ausdruck, ein Bild ist nicht charakteristisch genug, wenn es die Sache, die es vorstellen oder ausdrucken soll, nicht genug von allen andern unterscheidet. Viel Charakteristisches in seinem Gesichte haben.
 
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Der Charfreytag, (sprich Karfreytag,) des -es, plur. die -e, der Freytag in der Charwoche, der Freytag vor Ostern, der Todestag Christi.
   Anm. In diesem alten Deutschen Worte ist das ch auch in den neuern Zeiten beybehalten worden, obgleich die Aussprache ein k erfordert. Man glaubt, daß die erste Hälfte dieses Wortes das alte Gara, Zubereitung, ist, und daß diese Woche nach den Gebräuchen der Juden die Zubereitungswoche, dieser Tag aber besonders der Zubereitungstag genannt worden, weil sie sich an demselben auf das Osterfest zuzubereiten pflegten; daher der Charfreytag im Griechischen auch dies parasceves genannt wird, von welchem Worte Gartag, oder Garfreytag eine bloße Übersetzung seyn würde, so wie das von Luthern mehrmahls gebrauchte Rüsttag, den Tag vor dem Sabbathe, oder den Freytag zu bezeichnen. Tatian Kap. 198. nennt den Freytag vor Ostern schon Garotag fora Ostrun, und wenn Notker sagen will, mein Herz ist bereitet, so heißt es bey ihm: karo ist min herza. S. Adelung Gar, und Gärben. Indessen hat Schilters Meinung, daß Char, Kar, hier Trauer, Klage, Leiden, bedeutet, mehr Wahrscheinlichkeit; denn daß Car ehedem auch Leiden bedeutet habe, erhellet aus einigen einer Handschrift der Predigten des heil Burchard zu Würzburg beygeschriebenen Glossen. S. Eckards Franciam orient. Th. 1, S. 846. Im Schwedischen ist diese Bedeutung noch gangbar, wo kaera wirklich klagen bedeutet, womit unser Harm und sich härmen nahe verwandt sind. Im Engl. ist Care oder Carrsunday der Palmsonntag, im Schwed. aber bedeutete Kaerusunnudag den fünften Sonntag in der Fasten, von welchem Ihre Gloss. nachgesehen werden kann. Ehedem wurde der Charfreytag auch der gute Freytag genannt, und im Dän. heißt er Langfredag.
 
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Der Chárlatan, (sprich Schárlatan,) des -s, plur. die -e. 1) Eigentlich, ein Afterarzt, welcher an öffentlichen Orten auftritt und seinen Arzeneyen tausend falsche Tugenden beylegt; ein Marktschreyer. 2) Figürlich, überhaupt ein jeder, der seinen Arbeiten einen größern Werth beyleget als sie haben, oder sich größerer Verdienste rühmet als er besitzet.
   Anm. Aus dem Französ. Charlatan, welches wiederum von dem Ital. Ciarlatano abstammet, so gleichfalls einen Marktschreyer bedeutet. Da dieses Wort im Ital. auch Ceretano und Cerretano lautet, so hat man es von Ceretum, einem Orte bey Spoleto, abgeleitet, aus welchem die eigentlichen Marktschreyer und Quacksalber herstammen sollen. Allein da ciarlare im Italiänischen auch schwatzen und plaudern bedeutet, so gibt dieses für das Wort Charlatan eine sehr bequeme Abstammung an die Hand. Im mittlern Lateine bedeutet Ciarratanus einen Heuchler.

 

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