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Chagrín bis Charakterisiren (Bd. 1, Sp. 1321 bis 1323)
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Artikelverweis Der Chagrín, (sprich Schagrang,) des -s, plur. inus. 1) Leder von Fischottern, Seehunden, oder auch von dem Rücken oder Kreuze eines Esels, Maulesels oder Pferdes, welches, wenn es noch weich ist, zwischen Senfkörner gepreßt wird, da es denn die

[Bd. 1, Sp. 1322]


Eindrücke von denselben annimmt, und hernach so wohl zu Bücherbänden, als auch zu Degenscheiden, Futteralen u. s. f. verarbeitet wird. 2) Auch ein leichter seidener Zeug mit erhabenen Tüpfelchen auf der rechten Seite.
   Anm. Aus dem Franz. Chagrin, welches nach einigen auch der Nahme eines Fisches seyn soll, aus dessen Haut man den ersten Chagrin verfertiget habe. Allein der Ritter Arvieux versichert, daß Sagri im Persischen nicht nur das Kreuz eines Pferdes oder Maulesels bedeute, sondern auch die mit gewissen Körnern zubereitete Haut davon, woraus die Europäer das Wort Chagrin gemacht. So viel ist wohl gewiß, daß die Sache selbst eine morgenländische Erfindung ist. In Österreich heißt der Chagrin Zapp.
 
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Die Chaise, (sprich Schäse,) plur. die -n, aus dem Franz. Chaise, eine halbe Kutsche, ein zweysitziger Wagen ohne Thüren und Vorderwände, welchen man an einigen Orten auch eine Halb-Chaise oder halbe Chaise zu nennen pflegt, obgleich Chaise wohl nicht leicht von einem ganz zugemachten Wagen üblich seyn wird.
 
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Der Chálcedon, des -s, plur. die -e, seltener der Chalcedōnier, des -s, plur. ut nom. sing. ein Halbedelstein, der halb durchsichtig ist, dessen Grundfarbe aber milchbläulich ist, wobey er in die dunkelgraue, bräunliche, orangegelbe u. s. f. zu spielen pflegt. Man rechnet ihn unter die Achatarten; allein er ist doch härter und durchsichtiger, springt auch, wenn er zerschlagen wird, nicht in Stücke, die eine halb kugelige Gestalt haben, wie der Achat, daher ihn andere unter die Krystall-Achate rechnen; Latein. Chalcedonius. Die Aussprache des ch in diesem Worte ist getheilt; die meisten sprechen es wie ein k; wenigere lassen demselben seinen eigenthümlichen Laut.
 
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Die Chalúppe, (sprich Schalúppe,) plur. die -n, ein kleines hinten und vorn spitziges Fahrzeug, welches die großen Schiffe bey sich führen, Personen und Sachen an Bort oder an Land zu führen, die Anker zu lichten u. s. f. Daher der Chaluppen-Meister, ein Schiffsbedienter, welcher die Chaluppe führet, und alles, was zu derselben gehöret, in seiner Verwahrung hat.
   Anm. Aus dem Franz. Chalouppe, von welchem Worte die Französischen Sprachforscher wunderliche Ableitungen angeben. Im Engl. heißt dieses Fahrzeug Shallop, im Holländ. Sloep, im Nieders. Sluup, Slupe. Wenn dieses nicht aus dem Französischen verderbt ist, so kann es füglich von schlupfen, Nieders. slupen, abstammen. Im Pohln. ist Chalupa ein Bauerhaus.
 
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Das Chamǟleon, des -s, plur. ut nom. sing. eine Art Eidechsen, welche sich auf den Bäumen aufhält, und eine lange Zunge hat, mit welcher sie die Insecten fänget; Chamaeleon, L. und Kl. Das merkwürdigste an diesem Thiere ist, daß es seine Farbe nach der Beschaffenheit seiner Leidenschaften und Empfindungen verändert. Wenn es schläferig und träge ist, wird es über den ganzen Leib weiß; wenn es von der Sonne beschienen wird, ist es kohlschwarz, zuweilen auch purpurroth mit weißen Flecken; reitzet man es zum Zorne, so zeiget es sich mit schwarzen Flecken auf einem weißen Grunde; zur andern Zeit ist es gelbgrünlich u. s. f. Um dieses Umstandes willen ist es schon seit langen Zeiten her das Sinnbild eines unbeständigen Menschen gewesen, der seine Gesinnungen alle Augenblicke verändert. Auch in diesem Worte wird das ch von vielen wie ein k, von andern aber mit dem ihm eigenthümlichen Laute gesprochen.
 
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Chamille, S. Adelung Kamille.
 
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Der Chamīt, des -en, plur. die -en, aus dem Latein. und Griech. Chamites, eine versteinerte zweyschalige Muschel, welche in ihrem natürlichen Zustande Gienmuschel oder Riesenmuschel genannt wird. S. diese Wörter.

[Bd. 1, Sp. 1323]



 
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Der Chámpignon, (sprich Schámpínjon,) des -s, plur. die -s, eine aus dem Französischen entlehnte Benennung eines eßbaren Schwammes mit einem Stiele und einem gewölbten, schuppigen, weißlichen Hute, dessen Blätter braunroth sind; Agaricus campestris, L. Wir könnten diesen Französischen Nahmen gar wohl entbehren, indem die einheimischen, Feldschwamm, Herrenschwamm, Drüschling, Heiderling, Brachmännlein, Ehegürtel, schon vorhanden sind. Indessen haben die Slavonischen Mundarten ihr Zampion auch daher entlehnet; vermuthlich weil die Franzosen diesen Schwamm zuerst haben essen gelehrt. Das Franz. Champignon ist von dem Latein. Champinio, und bedeutet Feldschwamm. In Österreich nennt man sie Kuckenmucken.
 
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Das Chāos, indecl. plur. car. aus dem Griech. χαος, der unförmliche Klumpen, in welchem alle Elemente, vor der Bildung der Welt, ohne Ordnung mit einander vermenget waren, nach der Schöpfungslehre der Griechischen und Römischen Dichter. Figürlich auch, ein Mischmasch, eine verworrene dunkele Sache. Seine Rede ist für mich ein undurchdringliches Chaos. Daher chaōtisch, einem Chaos ähnlich, im hohen Grade unordentlich unter einander. Raban Maurus übersetzt Chaos durch Mihilfinstar, große Finsterniß.
 
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Der Charákter, (sprich Karákter,) des -s, plur. die Charaktēre, aus dem Griech. χαρακτρ. 1. Eine Figur, welche auf Papier, Erz, Steine u. s. f. gemacht wird, von χαρασσει, eingraben. In dieser Bedeutung werden nicht nur abergläubige magische Zeichen noch Charaktere genannt, sondern diesen Nahmen führen auch die Zeichen, womit Fabrikanten, Kaufleute u. s. f. ihre Waaren zu bezeichnen pflegen. Ja in der weitesten Bedeutung werden oft alle Schriftzeichen und Buchstaben mit dieser Benennung beleget. 2. Figürlich, ein jedes Merkmahl, welches eine Sache von der andern ihrer Art unterscheidet, und der ganze Umfang dieser Merkmahle, in welchem letztern Falle es nur allein im Singular üblich ist. Ein Mahler muß eine jede Sache ihrem Charakter gemäß behandeln. Alle seine Handlungen haben einen rührenden Charakter, zeichnen sich durch etwas Rührendes von andern aus. Das ist wider den Charakter eines ehrlichen Mannes. Besonders, 1) der ganze Umfang aller derjenigen Gemüthseigenschaften, welche einen Menschen von dem andern unterscheiden; die Gemüthsart. Die Denkungsart hängt von der Verschiedenheit der Begriffe ab, der Charakter von der Verschiedenheit der Neigungen. Das ist ein Zeichen eines schlechten Charakters. Brüyere hat Charaktere geschildert. Auch dasjenige in den Handlungen und der Art derselben, was eine Person von der andern unterscheidet. Der Charakter der Hand eines Mahlers, ist das Mechanische in der Behandlung, derjenige Ton des Colorites, wodurch er sich von andern Künstlern seiner Art unterscheidet. 2) Äußerliche Würde, Ehrentitel, wodurch man von andern unterschieden wird; in welchem Verstande dieses Wort nur im gemeinen Leben üblich ist, und alsdann, nach dem Muster des Französischen Caractère, den Ton auf der letzten Sylbe hat. Einen Charaktēr bekommen, d. i. einen Titel. 3) Bey den Kupferstechern bezeichnet dieses Wort die Deutlichkeit, oder Kenntlichkeit so wohl in den Muskeln, als auch in dem Umrisse. Einer Sache einen mehrern Charakter geben.
 
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Charakterisiren, verb. reg. act. 1) Den Charakter, oder den ganzen Umfang aller Merkmahle einer Sache bestimmen. 2) Mit einem Charakter, d. i. einem Ehrentitel, begaben; in welchem Verstande aber nur das Mittelwort im gemeinen Leben üblich ist. Ein charakterisirter Mann, welcher eine ansehnliche Würde bekleidet, oder auch nur einen Ehrentitel hat.

[Bd. 1, Sp. 1324]


 

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