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Castriren bis Cavallīer (Bd. 1, Sp. 1314 bis 1315)
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Artikelverweis  Castriren, verb. reg. act. 1) Überhaupt verschneiden, eines oder mehrerer seiner Theile durch den Schnitt berauben; in welcher allgemeinen Bedeutung dieses Wort nur noch zuweilen figürlich gebraucht wird. Ein Buch castriren, es verstümmeln, Theile und Stellen aus demselben weglassen. 2) Besonders, einen Menschen oder ein Thier seiner Zeugungstheile, besonders seiner männlichen Zeugungstheile berauben; aus dem Latein. und Ital. castrare, verschneiden, entmannen. Im gemeinen Leben und in den Provinzen hat man mehrere Wörter, diese Verrichtung auszudrucken, dahin die Ausdrücke geilen, entgeilen, heilen, verheilen, münchen, das veraltete meiden, (S. Adelung Mähen,) und das Nieders. lubben gehören, welches letztere mit dem Engl. libb, und dem Griech. λωβαν, überein kommt. Bey den Pferden nennet man es auch reißen, wallachen, legen, und im Nieders. runen, runken, Holländ. ruynen; bey den Ochsen, leichten, reißen; bey den Schweinen, gölzen, rein machen, reinigen, die Brunst benehmen; bey dem Schafviehe hammeln, leichten; bey dem Hühnerviehe kapaunen u. s. f. So fern Verschneiden bey einigen größern Thieren durch Zerklopfen der Testikeln geschiehet, heißt es auch klopfen und dengeln.
 
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Castrol, S. Adelung Casserolle.
 
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Der Casuār, des -s, plur. die -e, oder des -en, plur. die -en, ein Vogel, welcher in Ostindien und den Molucken angetroffen wird, und nach dem Strauße der größte Vogel ist. Er hat drey Zehen und auf dem Kopfe einen harten Höcker. Das Rauche an seinen Federn ist haaricht. Er hat keinen Schwanz, kurze Flügel, und schlägt mit den Füßen hinten aus; Struthio Casuarius, L. Cascarius, Kl. Engl. Cassawary, Cassawar Cock.
 
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Der Casuíst, des -en, plur. die -en, ein Gottesgelehrter, der sich besonders auf die Entscheidung zweifelhafter Gewissensfälle legt, dergleichen in der Römischen Kirche vor andern häufig sind,

[Bd. 1, Sp. 1315]


deren Wissenschaft aber oft in nichts andern bestehet, als in der Kunst, Gott zu chicaniren. Das Urtheil eines guten Gewissens ist sicherer als alle Entscheidungen der Casuisten. Daher die Casuístik, diese Kunst, und casuístisch, in derselben gegründet.
 
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Die Cäsūr, plur. die -en, aus dem Latein. Caesura, ein Abschnitt, kurzer Ruhepunct in der Dichtkunst und Musik. In der ersten ist es eine kleine Pause nach der vierten Sylbe in zehnsylbigen, und nach der sechsten in zwölfsylbigen Versen.
 
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Der Catālogus, des -gi, plur. die -gi, ein Verzeichniß einzelner Dinge, besonders ein Bücherverzeichniß; aus dem Griech. und Latein. Bey vielen auch, obgleich nicht nach der besten Analogie, der Catalōg, nach dem Franz. Catalogue.
 
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Catechet, Catechisiren, Catechismus, Catharr, Catheder, Cathedral, Catholik, Catholisch, S. in K.
 
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Catties, Cattum, S. gleichfalls in K.
 
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Die Cavallerīe, plur. inus. aus dem Französ. Cavallerie, und Ital. Cavalleria, ein Collectivum, reitende Soldaten auszudrucken; die Reiterey. Die leichte Cavallerie, wozu die Dragoner und Husaren gerechnet werden. Die schwere Cavallerie, welche die Kürassier und Carabiniers unter sich begreift. Im Tarock-Spiele werden die vier natürlichen Bilder in Einer Farbe eine Cavallerie genannt, wo auch der Plural üblich ist.
 
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Der Cavalleríst, des -en, plur. die -en, ein reitender Soldat, ein Soldat zu Pferde; gemeiniglich nur, so fern er zu der schweren Cavallerie gehört.
 
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Der Cavallīer, des -s, plur. die -e, aus dem Franz. Cavallier, eigentlich ein Ritter, im Deutschen aber in weiterer Bedeutung ein jeder Edelmann. Das Cavallier-Papier, die kleineste Art des Papieres, welche von seinem Zeuge verfertiget wird, sehr weiß, und zu Handbriefen bequem ist; Damen-Papier. In Frankreich hat man gleichfalls eine Art Papier, welche Cavallier genannt wird, und nach der königlichen Verordnung 19 Zoll 6 Linien breit und 16 Zoll 2 Linien hoch seyn muß. Das Rieß davon muß wenigstens 15 Pfund wiegen. Die Cavallier-Perspective, eine Art Zeichnungen, wo körperliche Sachen nicht völlig so, wie sie sich dem Auge darstellen, gezeichnet werden, indem sie die Grundlinien parallel laufen lässet; im Gegensatze der Mahler-Perspective. Im Festungsbaue ist Cavallier eine Erhöhung von Erde, welche eine Gegend um sich herum bestreichet; vielleicht als eine Figur von der eigentlichen Bedeutung dieses Wortes, indem das Franz. Cavallier so wohl, als das Ital. Cavalliero, und das Span. Cavallero, eigentlich einen jeden Reiter bedeuten, von dem Latein. Caballus, ein Pferd.

 

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