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Cássia bis Castrāt (Bd. 1, Sp. 1313 bis 1314)
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Artikelverweis Die Cássia, oder ohne Artikel Cássien, plur. car. ein ausländischer Baum; Cassia, L. Diejenige Art, welche bey uns am bekanntesten ist, und in Ostindien und Ägypten wächset, heißt beym Linn. Cassia Fistula, im Deutschen aber auch Rohr-Cassien, wegen der röhrartigen Frucht, und Purgier-Cassien, zum Unterschiede von andern Arten. Daher die Cassien-Rinde, welche auch Mutterzimmer genannt wird; das Cassien-Röhrlein, die Frucht dieses Baumes, welche in einer langen schwarzen cylindrischen Hülfe bestehet, und auch Johannis-Brot genannt wird; das Cassien-Mark, das schwarze, süße, seifenartige Mark in derselben u. s. f.
 
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Der Cassīer, des -s, oder der Cassirer, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher die Einnahme und Ausgabe bey einer Casse unter den Händen hat; vom Ital. Cassiere.
 
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Cassíren, verb. reg. act. 1) Von dem Ital. Worte Cassa, bares Geld in die Casse schaffen, wofür aber eincassiren üblicher ist. 2) Von dem Ital. cassare, für ungültig erklären, abschaffen, aufheben, im gemeinen Leben. Eine Schuldforderung cassiren. Ein Privilegium cassiren, aufheben. Einen Bedienten, Beamten cassiren, ihn mit Unwillen abdanken.
 
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Castanie, S. Adelung Kastanie.
 
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Casteien, S. Kasteien.
 
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Das Castếll, des -es, plur. die -e, von dem Latein. Castellum. 1) Eigentlich, ein jedes kleines Schloß, eine jede kleine Festung, in welchem Verstande dieses Wort in Pohlen und Ungarn, doch mit verschiedenen Einschränkungen, üblich ist; S. Adelung Schloß. Im Deutschen gebraucht man es nur noch zuweilen von einer kleinen Festung, welche neben einer größern, oder auch nur neben einer Stadt liegt, wofür aber auch Cittadelle üblicher geworden ist. Im mittlern Lateine bedeutete Castellum oft auch eine Stadt, einen Flecken; daher gebraucht Ottfried Kastel mehrmahls für einen Flecken. 2) Auf den großen Schiffen ist Castell eine Erhöhung, welche vorn und hinten auf dem Verdecke angebracht wird; das Vorder-Castell, das Hinter-Castell.
 
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Der Castellān, des -es, plur. die -e, oft auch -ǟne, der Befehlshaber eines Castelles oder Schlosses, von welchem die Sicherheit und Vertheidigung desselben abhänget. So wurden in den mittlern Zeiten die Burggrafen und Burgmänner mit allen ihren Einschränkungen, besonders im Lateine, sehr oft Castellane genannt. Die Gouverneurs der Castelle oder Citadellen zu Mailand, Neapel und Antwerpen führen noch diesen Nahmen, und in Pohlen, welches Reich der ehemahligen Deutschen Verfassung noch sehr ähnlich ist, sind die Castellane Reichsbeamte, welche die Aufsicht über ein Castell und dessen Gebieth haben, und in Kriegeszeiten die unter ihrer Gerichtsbarkeit befindlichen Edelleute unter dem Commando des Woiwoden, als dessen Lieutenants, in das Feld führen, da sie denn mit den ehemahligen Deutschen Grafen und Burggrafen überein kommen. Im Deutschen

[Bd. 1, Sp. 1314]


nennet man in verschiedenen fürstlichen und herrschaftlichen Schlössern und Pallästen denjenigen Bedienten, welcher die Aufsicht über die Zimmer hat, einen Castellan.
 
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Die Castellanēy, plur. die -en. 1) Die Würde und das Amt eines Castellanes, ohne Plural. 2) Das zu einem Castelle gehörige und der Gerichtsbarkeit eines Castellanes unterworfene Gebieth; im mittlern Lateine Castellania, Franz. Chatellainie. In beyden Bedeutungen kommt dieses Wort mehr in den auswärtigen Ländern, als in Deutschland vor.
 
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Der Castōr, des -es, plur. die -e, ein ausländischer Nahme des Bibers; aus dem Latein. Castor. S. Adelung Biber. Daher der Castor-Hut, die Castor-Strümpfe u. s. f. ein Hut oder Strümpfe, welche aus Biberhaaren verfertiget worden.
 
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Die Castōr-Arbeit, plur. die -en. 1) Eine jede Arbeit oder verfertigtes Glück, welches aus Biberhaaren bereitet ist. 2) Figürlich eine Art der Mahlerey, da man subtil gehacktes und durchgesiebtes wollenes Garn nach gewissen Figuren mit Beobachtung des Lichtes und Schattens vermittelst eines Grundes von Öhlfarbe auf Leinwand träget; auf welche Art man ehedem Tapeten, Spanische Wände u. s. f. machte.
 
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Der Castrāt, des -en, plur. die -en, aus dem Ital. Castrato, eine verschnittene Mannsperson, dergleichen in Italien sehr gebräuchlich sind, und von daher als künstliche Sänger nach Deutschland geschickt werden. S. das folgende. Ehe man diese Benennung aus dem Italiänischen annahm, nannte man solche Halbmänner im Deutschen Ohngeile, Maden, von dem alten meiden, schneiden, (S. Mähen,) Kapaune, Logener u. s. f. In dem zu Augsburg 1483 gedruckten Buche der Natur heißt es: Ein Maden oder Kapaun, ist ein Mann der seines gezeugs nit hat.

 

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