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Carolīn bis Carrósse (Bd. 1, Sp. 1310 bis 1311)
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Artikelverweis Der Carolīn, des -es, plur. die -en, ein Nahme verschiedener Münzsorten, welche von Fürsten geschlagen worden, die den Nahmen Carl geführet. So ist der Carolin in der Schweiz eine Art Scheidemünze, welche sich wieder in verschiedene Unterarten theilet, davon Frisch einige anführet. Um das Jahr 1477 wurde zu Bern ein guter Carlin auf einen Fünfer gesetzet. Auch in Italien gibt es geringe Münzen dieses Nahmens, welche etwa zwey gute Groschen gelten, aber auch sehr verschieden sind. Die Deutschen Carolinen in Gold, welche im Reiche 12 Fl. gelten, haben ihren Nahmen von einem Churfürsten zu Baiern, Nahmens Carl, werden aber auch von andern Fürsten geschlagen. Auch in England hat man Goldmünzen, welche Carolinen oder Caroliner heißen, von dem Könige Carl geschlagen worden, und so viel wie ein Jacobiner, nehmlich 7 Fl. 83/4 Kr. gelten. Im gemeinen Leben lautet dieses Wort abgekürzet nur Carlin.
 
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Carosse, S. Adelung Carrosse.
 
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Die Carótte, plur. die -n. 1) Ein Nahme, welchen an einigen Orten die rothen Rüben, oder die Beete, im Oberdeutschen Mangold, führen, aus dem Ital. Carotta und Carota, welches rothe Rüben bedeutet. Andere machen noch einen Unterschied unter den rothen Rüben und Carotten, der aber wohl nur von der Verschiedenheit des Bodens herrühret. S. Adelung Beete und Mangold. 2) Wegen einiger Ähnlichkeit, eine an beyden Enden zugespitzte Stange Tobak aus gerippten Blättern; Franz. Carotte. Daher carottiren, den Tobak in dem Carotten-Zeuge zusammen pressen.
 
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Caroussell, S. Adelung Carrosell.
 
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Die Carpīe, plur. inus. bey den Wundärzten, ein Büschel Fasern, welches von der Leinwand abgeschabet, und in die Wunden gelegt wird; aus dem Franz. Charpie, und dieß von carpere.
 
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Cárreau, (sprich Cárro,) ein unabänderliches Hauptwort, welches nur in der Französischen Karte üblich ist, und die rothen Figuren andeutet, welche ein geschobenes Viereck vorstellen; im gemeinen Leben Caro. Das Carreau-As, der Carreau-König u. s. f. Aus dem Französ. Carreau, ein Quadrat.
 
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Die Carrēte, plur. die -n, eine kleine Kutsche, eine Art einer Kalesche. Jetzt ist es am häufigsten nur noch im gemeinen Leben üblich, eine schlechte elende Kutsche, oder einen jeden schlechten Wagen mit Verachtung zu benennen. Es ist aus dem Ital. Carreta, Carretta, Carretto, welches das Diminutivum von Carro ist, und eine kleine Kutsche, eine Kalesche bezeichnet. Im vorigen Jahrhunderte war in Sachsen noch der Carreten-Zins bekannt, welchen sich die Superintendenten bey den Kirchen-Visitationen von den Eingepfarrten eines Kirchspieles zur Vergütung des Fuhrlohnes geben ließen. Im mittlern Lateine ist Carreta, Carreda, ein zweyräderiger Wagen.
 
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Die Carricatūr, plur. die -en, aus dem Franz. Carricature; in den schönen Künsten, 1) die Übertreibung des Fehlerhaften oder Lächerlichen in einer Vorstellung; ohne Plural. 2) Solche übertriebene Bilder selbst. Vermuthlich stammet dieses Wort aus dem Ital. caricare, beladen, her.
 
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Die Carriōle, plur. die -n, ein kleines zweyräderiges Fuhrwerk, Personen darauf fortzubringen. Aus dem Ital. Carriola, welches gleichfalls das Diminut. von Carro ist; Franz. Cariole. Im Deutschen ist es zuweilen ungewissen Geschlechtes, das Carriol.

[Bd. 1, Sp. 1311]



 
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Das Carrosếll, oder nach dem Franz. Caroussếll, des -es, plur. die -e, ein Ritterspiel, welches aus allerley Übungen mit Wagen oder Pferden bestehet, und ein Überbleibsel der alten Thurniere ist; aus dem Ital. Carrosello, oder Franz. Caroussel, welches gleichfalls ein Diminut. von Carro ist, weil man sich dazu ehedem kleiner Wägen oder Karren bedienete.
 
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Die Carrósse, plur. die -n, eine Staatskutsche, Prachtkutsche. Auch dieses Wort ist, so wie das ganze zur Üppigkeit und zur Bequemlichkeit gehörige Fuhrwesen, eine Italiänische Erfindung. Allein das Ital. Carrozza und Carroccio, und Franz. Carosse, bedeuten eine jede Kutsche, dagegen man es im Deutschen zur Zeit nur noch von der prächtigern Art derselben braucht. Carrocium bedeutete im mittlern Lateine auch den großen Wagen, auf welchem die Haupfahne in das Feld geführet wurde, welches gleichfalls eine Italiänische Erfindung des zwölften Jahrhundertes ist. Bey einem Deutschen Dichter in Eckarts Script. S. 1557. kommt schon das Wort Karotsche vor, nach dem Ital. Caroccio.

 

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