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Capiskraut bis Capīteln (Bd. 1, Sp. 1302 bis 1305)
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Artikelverweis  Capiskraut, S. Adelung Kopfkohl.
 
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Capitāl, adj. et adv. aus dem Latein. Capitalis, welches nur in gewissen Zusammensetzungen üblich ist. 1) Was zu Anfange einer Sache befindlich ist; S. Adelung Capital-Buchstab. 2) Figürlich, im gemeinen Leben, das vorzüglichste in seiner Art. Der Capital-Hirsch, ein Hirsch von acht und mehr Jahren, von besonderm Ansehen und Stärke; ein Haupthirsch. Ein Capital-Schwein, ein Hauptschwein, das wenigstens fünf Jahr alt ist, im Gegensatze der angehenden Schweine. Ein Capital-Verbrechen, ein Hauptverbrechen, welches das Leben verwirket. Ein

[Bd. 1, Sp. 1303]


Capital-Stück, ein vortreffliches Stück; und so im gemeinen Leben in andern Zusammensetzungen mehr.
 
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Das Capitāl, des -es, plur. die -e, Diminut. das Capitǟlchen, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem Capitale des mittlern Lateines. 1) Der oberste Theil einer Sache. So wird in der Baukunst, der oberste Theil einer Säule das Capital oder auch wohl das Capitäl genannt; Latein. Capitulum, Capitella, Ital. Capitello. Bey den Buchdruckern sind die Capitale diejenigen Stege, welche bey Zurichtung einer Form oben, und an den Tiegel geleget werden. Bey den Buchbindern ist das Capital oder Capitälchen, der Streif Pergament, oder das Band oben und unten an dem Rücken eines Buches, welches mit Seide oder Zwirn bestochen wird. 2) Eine Summe Geldes, so fern sie dazu bestimmt ist, Gewinn zu bringen, im Gegensatze dieses Gewinnes oder der Interessen; der Hauptstamm, das Hauptgeld, die Hauptsumme, das Hauptgut, der Hauptstuhl, welche Benennungen ehedem üblich waren, und es zum Theil noch sind. Daher heißt eine jede Summe Geldes, welche man auf Zinsen ausleihet, ein Capital. Ich will ihnen ein Capital aussetzen, wovon sie mit Ehren leben können. In dieser Bedeutung lautet der Plural gemeiniglich Capitalien. Viele Capitalien haben, d. i. viel bares Geld ausstehen haben, und in weiterer Bedeutung, viel bares Geld besitzen. Ein todtes Capital, Geld das keinen Gewinn bringt. Auch das Geld, welches in einer Handlung, einer Fabrik, oder einem andern Gewerbe steckt, wird ein Capital genannt; alles in Rücksicht auf den Gewinn, den es bringen soll. In dieser Bedeutung ist das Latein. Capitale schon lange üblich gewesen.
 
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Der Capitāl-Būchstab, des -ens, plur. die -en, eine Art großer Buchstaben, welche zu Anfange der Capitel oder der Abschnitte eines Buches gebraucht werden; Litterae unciales.
 
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Capitālen, verb. reg. act. mit einem Capitale versehen. Ein Buch capitalen, dessen Rücken oben und unten mit einem Streifen Pergamente oder einem Bande beleimen.
 
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Der Capitalíst, des -en, plur. die -en, ein Mann, der viele Capitalien, d. i. viel bares Geld besitzet.
 
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Die Capitāl-Līnie, plur. die -n, im Festungsbaue, die gerade Linie, welche von der Kehle oder dem Polygon Winkel, bis an die Bollwerksspitze gezogen wird; die Hauptlinie, Französ. la Capitale.
 
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Der Capitǟn, des -es, plur. die -e, oder -s. 1) * Ein jeder vornehmer Befehlshaber im Kriege, in welcher Bedeutung noch das Franz. Capitain üblich ist. Im Deutschen hatte es diesen Sinn ehedem auch, denn Opitz gebraucht dieses Wort noch sehr oft von Gott und Christo:
   Der du bist unser Hort du starker Capitein. Und an einem andern Orte:
   Des Davids, deines Knechts, Herr, Meister, Capitein. Doch in dieser Bedeutung ist es im Deutschen veraltet, wo man es 2) nur noch von dem Haupte oder Anführer einer Compagnie Fußvolk oder Dragoner gebraucht, ein Hauptmann; dagegen er bey der Reiterey Rittmeister genannt wird. 3) Ein vornehmer Befehlshaber auf einem Kriegsschiffe. In Frankreich sind auf einem Kriegsschiffe, welches von einem Admirale und Vice-Admirale geführet wird zwey Capitäns. Auf kleinern Kriegesfahrzeugen ist der Capitän der oberste Befehlshaber derselben. Im gemeinen Leben nennt man den Befehlshaber oder Herren eines jeden Kauffahrdeyschiffes gleichfalls einen Capitän oder Schiffs-Capitän.
   Anm. Wir haben dieses Wort aus dem Franz. Capitain, Ital. Capitano, oder mittlern Latein. Capitaneus, welches ehedem den Statthalter einer Provinz andeutete, aber hernach oft

[Bd. 1, Sp. 1304]


von einem jeden Aufseher oder Vorgesetzten, besonders bey den Soldaten und der Miliz, gebraucht wurde.
 
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Das Capītel, des -s, plur. ut nom. sing. aus dem mittlern Latein. Capitulum, welches das Diminut. von Caput ist. 1. Ein Theil eines Buches oder einer Schrift. 1) Eigentlich. Ein Buch in sechs, zehn u. s. f. Capitel eintheilen. Einen Gegenstand in vier Capiteln abhandeln. Wenn von den Capiteln eines biblischen Buches die Rede ist, so vertritt nach alter Art das Vorwort an mehrentheils die Stelle des Vorwortes in. Matthäi am letzten Capitel. Da das Wort in dieser Bedeutung im Deutschen sehr gebräuchlich ist, und bereits das völlige Bürgerrecht erhalten hat, so könnte man es füglich mit einem K schreiben. Allein hier durfte ich es von den folgenden Bedeutungen und Zusammensetzungen nicht trennen, welche theils noch mit einem C am üblichsten sind, theils auch noch ein mehr ausländisches Ansehen behalten haben. 2) Figürlich. (a) Die Materie, der Gegenstand eines Gespräches, oder einer Schrift. Das schöne Geschlecht kann in dem Capitel von der Schönheit keine Nebenbuhlerinnen leiden. Sie helfen mir auf das rechte Capitel, Gell. (b) Ein Verweis. Jemanden ein Capitel lesen, ihm einen derben Verweis geben; welche R. A. aus der klösterlichen Zucht hergenommen ist, wo straffälligen Mönchen das übertretene Capitel aus den Ordensregeln vor dem Verweise vorgelesen wird. 2. Eine in Capitel getheilte Schrift. In diesem Verstande werden in den mittlern Zeiten die Wörter Capitula und Capitularia so wohl von den Gesetzen der Könige, als auch von den Sammlungen der Kirchengesetze, ingleichen den Regeln einzelner Orden, Gemeinheiten und Stiftungen häufig gebraucht. Das Wort Capitel ist zwar in derselben im Deutschen nicht üblich; allein um der folgenden Bedeutungen willen mußte solche hier angeführet werden. 3. Die Versammlung gewisser zu einer Gemeinheit oder Gesellschaft gehöriger Personen, in welcher ihre Capitel, d. i. ihre Statuten und Regeln, verlesen werden. In diesem Verstande werden in weiterer Bedeutung die Zusammenkünfte aller geistlichen und weltlichen Orden, worin sie sich über Angelegenheiten ihrer Gesellschaft berathschlagen, ein Capitel genannt weil dabey gemeiniglich mit Verlesung der Statuten der Anfang gemacht wird. Auch die Versammlung der Canonicorum einer Kathedral- oder Collegiat-Kirche führet diesen Nahmen. Capitel halten, das Capitel versammeln, die dazu gehörigen Glieder zusammen berufen. Eine Stimme in dem Capitel haben. Der König hat Capitel gehalten, wenn er eine Versammlung der Glieder eines Ritterordens gehalten hat. Das General-Capitel, welches aus der Versammlung der Abgeordneten aus allen Provinzen eines Ordens bestehet. Ja es hat sich diese Benennung auch bis auf einige Handwerker ausgebreitet, indem die gewöhnlichen Zusammenkünfte Tuchscherer und Schleifer, unter welchen beyden Zünften eine besondere Gemeinschaft Statt findet. Capitel genannt werden, welche bey andern Innungen Quartale heißen. Eben diese Zünfte haben auch ein General-Capitel, welches zu Wien, Breßlau und Posen gehalten wird, dagegen ihre Zunftversammlungen zu Leipzig, Wittenberg, Leißnig u. s. f. nur gemeine Capitel, zuweilen aber auch nur Quartale genannt werden. 4. Der Ort, wo sich das Capitel eines solchen Ordens, oder einer solchen Gesellschaft versammelt. In das Capitel gehen. S. auch Capitelstube. In dem Salzwerke zu Halle wird sogar die Stube bey jedem Borne, in welcher die Bornknechte ausruhen, und worin auch das Gebeth verlesen wird, das Capitel genannt. 5. Die Glieder einer solchen Gesellschaft selbst, als ein Ganzes betrachtet. In diesem Verstande werden besonders die Geistlichen, welche zur Bedienung einer Kathedral- oder Collegiat-Kirche bestimmt

[Bd. 1, Sp. 1305]


sind, oder die Canonici, und ihre ganze Stiftung, ein Capitel genannt. Daher das Dom-Capitel, die sämmtlichen Domherren an einer Stiftskirche.
   S. des du Fresne Glossar. wo noch mehrere Bedeutungen dieses Wortes angeführet werden, die aber im Deutschen nicht gangbar sind.
 
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Capītel-fêst, adj. et adv. Fertigkeit besitzend, die Stellen der biblischen Bücher nach den Capiteln anzuführen.
 
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Capīteln, verb. reg. act. Jemanden capiteln, ihm einen derben Verweis geben. S. Adelung Capitel. 1. Im mittlern Lateine war capitulare in eben der Bedeutung üblich.

 

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