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Capellanēy bis Capếll-Meister (Bd. 1, Sp. 1301 bis 1302)
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Artikelverweis Die Capellanēy, plur. die -en, die Wohnung eines Capellanes; zuweilen auch, besonders in der Römischen Kirche, die Pfründe und Stelle eines Capellanes; ingleichen eine Capelle unter dem Dache einer andern Kirche.
 
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1. Die Capếlle, plur. die -n, Diminutivum das Capellchen. 1) Eine kleine Kirche, eine Kirche, welche keine Pfarr- noch Kathedralkirche ist, und entweder an einer größern angebauet ist, oder auch für sich bestehet. In dergleichen Capellen werden in der Römischen Kirche nur Messen gelesen. Capelle halten, heißt bey dem Papste und den katholischen Fürsten, dem Gottesdienste an gewissen feyerlichen Tagen feyerlich beywohnen. Der Papst lieset alsdann in eigener Person Messe. Eine Schloß-Capelle, Hof-Capelle, die zum Gottesdienste eines Fürsten gewidmet ist. 2) Die zur Bedienung einer solchen Capelle bestimmten Geistlichen. In weiterer Bedeutung werden auch die zu deren Bedienung bestimmten Musikanten die Capelle genannt, und in noch weiterer Bedeutung führet die Gesellschaft geschickter Tonkünstler, die ein Fürst oder Herr zu seinem Vergnügen hält, gleichfalls den Nahmen einer Capelle. 3) In den protestantischen Kirchen ist die Capelle ein Nebenzimmer oder vermachter Stuhl in der Kirche.
   Anm. Die Geschichte der Bedeutung dieses Wortes ist sonderbar. Capa, Deutsch Kappe, war ehedem eine Art der Kleidung, welche den Kopf mit bedeckte, und Capella bedeutete als das Diminut. eine solche kleine Kappe. Die Fränkischen Könige machten aus der Kappe des heil. Martini ein besonderes Heiligthum, führeten sie überall mit sich herum, und bestelleten besondere Personen zu ihrer Aufsicht, welche zuerst Capelläne genannt wurden. Das Zimmer, in welchem diese Kappe nebst andern Heiligthümern verwahret wurde, erhielt gar bald auch den Nahmen der Capelle, und nach und nach bekam denselben auch ein jedes Bethhaus, welches keine Pfarr- oder Stiftskirche war. Ja man hat Beyspiele, daß auch Pfarrkirchen Capellen genannt worden. S. du Fresne v. Capa und Capella.
 
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2. Die Capếlle, plur. die -n, in der Chymie und Schmelzkunst, flache Tiegel von Asche und gebrannten Knochen, Silber und Gold darauf abzutreiben. Ein Metall auf die Capelle bringen, es auf der Capelle abtreiben. Eine Capelle schlagen, sie verfertigen. In den Schmelzhütten dienet der Test statt der Capelle, die nur im Kleinen gebraucht wird, obgleich jener auf eben die Art zubereitet wird.
   Anm. Dieses Wort ist aus dem Ital. Copella, oder dem mittlern Latein. Cupella, Cupellus, welche eine Art eines kleinen Trinkgeschirres war, und das Diminut. von Copa, Cupa, Deutsch Kufe, ist. Es sollte also in dieser Bedeutung billig Cupelle, und das Verbum cupelliren heißen, wie diese Wörter auch

[Bd. 1, Sp. 1302]


von einigen, obgleich nur wenigen, wirklich gesprochen und geschrieben werden.
 
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Die Capếllen-Ásche, plur. inus. Asche aus leichtem Holze und reinen Beinen oder Fischgräten, woraus die chymischen Capellen verfertiget werden.
 
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Das Capếllen-Futter, des -s, plur. ut nom. sing. die messingene Form, in welcher eine chymische Capelle geschlagen wird. Sie bestehet aus einem Stämpel, welcher der Mönch, und aus einem Ringe, welcher die Nonne genannt wird.
 
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Das Capếllen-Klar, des -en, plur. inus. ein aus Beinen gebranntes weißes Pulver, womit die chymischen Capellen bestreuet werden, damit das Silber sich nicht anhänge.
 
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Der Capếllen-Schläger, des -s, plur. ut nom. sing. in den Schmelzhütten, ein Arbeiter, welcher die Capellen schläget, oder zubereitet.
 
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Das Capếllen-Silber, des -s, plur. inus. Silber, welches auf der Capelle abgetrieben worden, oder Silber, wie es von der Capelle kommt. In den Schmelzhütten wird es Brandsilber genannt.
 
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1. Capelliren, verb. reg. act. auf der chymischen Capelle abtreiben oder reinigen. Gold, Silber capelliren. S. 2. Capelle.
 
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2. Capelliren, verb. reg. act. bey den Seidenarbeitern, die Enden der von den Seideneyern abgeweisten Sträne aufsuchen und umbinden, zu welchem Ende die Sträne auf das Capellir-Holz gespannet werden. Hier rühret das Wort aus dem Ital. Capo her, welches auch das Ende eines Fadens bedeutet.
 
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Der Capếll-Meister, des -s, plur. ut nom. sing. ein Tonkünstler, welcher die Aufsicht über die musikalische Capelle eines Fürsten hat. S. 1. Capelle 2.

 

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