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Caninchen bis Canoníssinn (Bd. 1, Sp. 1298 bis 1300)
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Artikelverweis  Caninchen, S. Kaninchen.
 
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Der Cánnevaß, des -sses, plur. doch nur von mehrern Arten, die -sse. 1) Eine Art roher ungebleichter flächsener Leinwand, deren man sich zum Unterlegen und Staffiren bey den Kleidern bedienet. Noch mehr aber, 2) ein baumwollenes Gewebe mit erhabenen Streifen, dessen man sich zu verschiedenen Kleidungen bedienet. Daher der Cannevaß-Weber, der diesen Cannevaß verfertiget. In beyden Bedeutungen ist das Wort aus dem Franz. Canevas, woher auch das Engl. Canvass entlehnet ist. Im Ital. heißt dieser Zeug Cannevaccio, Cannevazzo. Schon in den mittlern Zeiten kommen die Nahmen Canabacium, Canevasium u. s. f. vor, eine Art häufenen Zeuges zu bezeichnen, von Cannabis, in dem mittlern Lateine Canaba, Canava, Canapa, Hanf.
 
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Der Cánnibāl, des -en, plur. die -en, ein Einwohner der Karibischen Inseln, welche ihre Feinde zu essen pflegen. Figürlich, ein wilder, grausamer Mensch. Daher Cannibalisch, im höchsten Grade grausam. Cannibalische Wuth.
 
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Der Cānon, oder Kanon, des -s, plur. die -s, oder Cānones, ein aus dem Griech. κανων und Latein. Canon entlehntes Wort, welches überhaupt eine Regel oder Vorschrift bedeutete. Im Deutschen gebraucht man es nur in verschiedenen einzelnen Fällen. So wird das in dem christlichen Alterthume verfertigte Verzeichniß der biblischen Bücher, und diese Sammlung biblischer Bücher selbst, ein Canon genannt. S. Canonisch. In der Römischen Kirche ist der Canon oder der Meß-Canon, die

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sacramentlichen Gebethe und Worte der Messe, und das Buch, worin sie enthalten sind. Eben daselbst werden auch das Verzeichniß der in der Kirche aufgenommenen Heiligen, die Regel der Mönchsorden, kirchliche Decrete und Satzungen, besonders die Schlüsse der Concilien, Canons oder Canones genannt. Im mittlern Lateine bedeutet Canon auch oft das Verzeichniß der obrigkeitlichen Einnahmen und deren Vertheilung unter die Unterthanen; daher wird Canon noch jetzt zuweilen für den einem jeden bestimmten Theil der Abgabe oder eines Geldbeytrages gebraucht. In den Buchdruckereyen ist Canon der Nahme der dicksten Deutschen Schrift, die man hat; vermuthlich weil der Meß-Canon ehedem mit derselben gedruckt wurde. Aber alsdann ist es gemeiniglich weiblichen Geschlechtes, die Canon, weil das Wort Schrift darunter verstanden wird.
   Anm. Da dieß Wort aus dem Griech. herstammet, so sollte es billig mit einem K geschrieben werden. Allein um der folgenden Ableitungen willen, die noch niemand mit einem K geschrieben hat, habe ich es hier mit einem C geschrieben, weil ich es von diesen nicht gerne trennen wollte. Es gehet dieses desto füglicher an, weil wir dieses Wort nun doch einmahl von den Lateinern erhalten haben.
 
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Canone, S. Adelung Kanone.
 
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Das Canonicāt, des -es, plur. die -e, die Stelle und Präbende eines Canonici. Ein Canonicat bekommen. Aus dem mittlern Latein. Canonicatus, Franz. Canonicat, Chanoinie.
 
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Der Canōnicus, des -ci, plur. die -ci, ein Weltgeistlicher, welcher eine Präbende an einer Stiftskirche besitzet, und zur Verrichtung des Gottesdienstes in derselben bestimmt ist; ein Chorherr, Capitelsherr, Stiftsherr. Bey den evangelischen Stiftern sind es völlig weltliche Personen, welche nur die Präbenden genießen. Bey einigen vornehmen Stiftern sind die Domherren von den Canonicis unterschieden, indem die letztern alsdann nur die Vicarii der erstern sind. Oft aber werden beyde Benennungen auch als gleichbedeutend gebraucht. S. Adelung Domherr. Ehedem wurden alle Geistliche Canonici, und zuweilen auch Canon Ecclesiae genannt. Die Ursache ist ungewiß; vermuthlich führeten sie diesen Nahmen, entweder weil sie einen gewissen Canon, d. i. ein gewisses Jahrgeld, bekamen, oder auch, wie einige Concilien sich ausdrucken, weil sie sub canone ecclesiastico constituti erant. Die heutigen Canonici und Domherren waren vor Carls des Großen Zeiten weiter nichts als Priester, welche den Gottesdienst an den Domkirchen besorgten. Man hat in der Römischen Kirche auch einen Mönchsorden, welche Canonici regulares heißen, der Regel des heil. Augustin folgen, und gewisser Maßen zu den Weltgeistlichen gehören, ob sie gleich gewisse Regeln beobachten und gemeinschaftlich leben. S. Chorherr.
 
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Die Canonīe, plur. die -n, (viersylbig,) aus dem mittlern Latein. Canonia; die Stelle oder Pfründe eines Canonici, das Canonicat. Zuweilen auch das ganze Corpus der Canonicorum, das Zimmer, im welchem sie sich versammeln, und das Gebäude in welchem sie wohnen. S. Adelung Canonissinn.
 
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Canōnisch, adj. et adv. dem Canon gemäß, in der weitesten Bedeutung dieses Wortes. Die canonischen Bücher der heil. Schrift, welche, als unmittelbar von Gott eingegeben, von dem christlichen Alterthume in das Verzeichniß dieser Bücher getragen worden, im Gegensatze der apokryphischen. Ingleichen, den Regeln und Gesetzen der Kirche gemäß. Das canonische Recht, die Sammlung der von den Päpsten und Concilien gemachten Gesetze. Ein canonisches Leben, welches den Kirchengesetzen gemäß ist. Canonische Strafen, welche die Kirche auflegen kann. Eine canonische Wahl, die den Kirchengesetzen

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gemäß ist. Die canonische Schreibart, in der Musik, die gebundene.
 
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Canonisiren, verb. reg. act. in der Römischen Kirche, zum Heiligen erklären. Daher die Canonisirung, noch häufiger aber die Canonisatiōn, die feyerliche Handlung, in welcher solches geschiehet, die Canonisations-Bulle u. s. f. Von Canon, so fern dieses Wort auch das Verzeichniß der Heiligen bedeutet, eigentlich, in dieses Verzeichniß eintragen.
 
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Die Canoníssinn, plur. die -en, eine Person weiblichen Geschlechtes, welche eine Präbende besitzet. Man hat so wohl in der Römischen als evangelischen Kirche verschiedene weibliche Stifter, deren Mitglieder diesen Titel führen; z. B. das Stift zu Gandersheim. Dergleichen Stifter werden zuweilen auch Canonīen genannt.

 

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